Dienstag, 8. Oktober 2019

FOLK CLUB BONN #106 WITH SERENA FINATTI AND ANDREA VARNIER FROM ITALY.

What a wonderful evening October's FCB # 106 turned out to be.

There wasn't even one violin to be seen or heard this time, after five violins being present in September, but the hall at Dotty's Sports Bar in the BTHV (Bonn's Tennis and Hockey sports club) was certainly awash with colour. "Colour" was the theme of the evening, and as usual, the many performers all did their best to fit their songs in with the evening's theme. This is, of course, not an obligation, but nearly everyone joins in, even if some of the associations with the monthly theme are very fine examples of the vivid and surreal and fertile imaginations of our performers, rather than strict adherence to the theme.



Serena & Andrea capturing the fact that music is jolly good fun!

If you were not there, you were very unfortunate and missed another wonderful musical evening.

Fortunately, for those of you who weren't there, John Hurd of 3SongsBonn WAS there and his report and photos easily provide the very next best thing to not having been there personally yourself.

For those fortunate few who actually WERE there, here is a most wonderful memento of the evening with John Hurd's inimitable style of good prose and cracking photos.

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3songsbonn

There are also some additional photos here:

More photos here.

Enjoy!

Thanks again, John Hurd!


Donnerstag, 3. Oktober 2019

Detlefs Bericht zum Folk Club im September


Folk Club Nr. 105 am 6. September – Stürmisches Wetter

Stürmisch waren einige Lieder, aber das Wetter meinte es durchaus gut an diesem Folkclub-Freitag.

John Harrison und Eva Henneken eröffneten den Abend gemeinsam mit Liedern zum Thema. Bei „Stormy Weather“ und „Stormy Monday“ nahmen sie es ganz wörtlich. Den Titel „The World Turned Upside Down“ muss man entsprechend interpretieren, und dann passt es wunderbar. John interpretierte das Lied als kleine Warnung um auf Boris Johnsons Attacke auf die Rechte des britischen Parlaments. „Boris pass auf, Jakob der Erste wurde für den Anschlag aufs Parlament geköpft“, war Johns Kommentar. Eva und John zeigten sich beide spielfreudig wie immer. Eva glänzte mit wunderbaren Soli – die Geige bewies durchaus auch Qualitäten für den Blues, und Johns Gesangsinterpretationen sind einfach umwerfend – großer Applaus für die beiden.

Timmy, Evas kleiner Sohn, durfte danach zeigen, dass er auch schon etwas auf der Geige kann (klar, bei der Mama) – „Hejo, spann den Wagen an“ konnte das Publikum, begleitet von Timmy und der Mama im Kanon singen, und das sogar dreistimmig.

Gert Müller, unser Mann für alle Gedichte, kann nicht nur Bonner Platt. Gert glänzte diesmal – begleitet von Steve Perry auf der Gitarre – mit einer kleinen Kostprobe aus der Bühnenshow „Rock ‘n Rollator Show“: Der „Altersheim Rap“ (Take a Walk On the Wild Side) ist ein wunderbarer Spaß und eine fantastische Werbung für die Rollator Show.

ElPi alias Lothar Prünte ist gleichfalls ein Mann für alle Gelegenheiten, zumindest für die musikalischen. Sein Repertoire scheint unerschöpflich. „Ride like the Wind“ von Christopher Cross passte perfekt zum Thema und was viel wichtiger ist, das nicht ganz einfache Lied wurde von Lothar mit einer Leichtigkeit gesungen und gespielt, das es eine Freude war. Das Gleiche galt auch für „Take the Weather With You“ von Christopher Cross. Lothars Beiträge sind immer ein Genuss.

Neu im Folk Club waren Isabell und Carolin, beide mit Gitarre ausgestattet. Isabell steuerte die Gesangsstimme bei. Mit „Til It Shines“ von Bob Seger starteten sie ihr Set. Auch das muss man einmal lobend hervorheben: Isabell stellte die Stücke mit klarer und deutlicher Stimme vor, so dass jeder verstehen konnte, was als nächstes zu hören war. Ziemlich häufig gibt es leider bei dieser Gelegenheit nur verhuschtes Gemurmel. So klar und deutlich wie die Vorstellung der Stücke war auch Isabells Gesang und zudem ausdrucksstark und intonationssicher. Zusammen mit den beiden gekonnt gespielten Gitarren boten Isabell und Carolin eine super Vorstellung für das Publikum. Das alte irische Lied „The Star of the County Down“ ist ein Klassiker, den man immer wieder gern hört. Meiner Erinnerung zufolge gab es das Lied „Lonely People“ von America aber bislang im Folk Club noch nicht zu hören. Wenn diese Erinnerung getrogen hat, dann dürft ihr im Blog gern einen Kommentar hinterlassen. Ihr dürft aber ohnehin gern einen Kommentar abgeben, wenn es nicht gerade Schmähkritik ist. Applaus für die Beiden verbunden mit dem Wunsch nach einem weiteren Auftritt.

Die Geige hatte heute einen besonderen Tag, als ob sich die Musiker abgesprochen hätten: Johannes Epremian, der ansonsten mit der Gruppe „Le Clou“ auftritt, stellte als Solokünstler Cajun-Stücke vor. Cajun ist oder war die Musik der französischsprachigen Bewohner von Louisiana im äußersten Süden der USA. „Les Barbes de La Prison“ heißt der Walzer (der aber kein Walzer ist). Johannes spielt Geige (und wie!) und singt dazu, eine ungewöhnliche Kombination. Besonders ungewöhnlich aber ist Johannes‘ Stimme: Wie ein Vulkan kommt sie daher und ist dabei doch einfühlsam, wunderbar tragend mit leichtem Vibrato und zudem prägnant in der Artikulation – grandios. Für Leute wie ihn ist eine Bühne ohne elektrische Verstärkung wie geschaffen. Nur instrumental ist ein Stück, dessen Ursprung nicht ganz klar ist. Es heißt „Michael Turner’s Waltz“. Diesmal ist es tatsächlich ein Walzer, also ein Stück im Dreiertakt. Der Komponist, der schottische Arzt Michael Turner, hat die Melodie vermutlich bei Mozart geklaut.

Eine witzige Geschichte steht hinter dem Lied „Blues de Soulard“ (Saufkoppblues), das über ein Paar berichtet, die 77 Jahre lang verheiratet waren. Gefragt nach dem Geheimnis ihres langen Lebens und ihrer langen Ehe hätten sie unisono geantwortet: „Wir beide haben dasselbe Hobby, wir saufen beide gerne!“ Tja, das sollten wir mal den Moralaposteln unter die Nase reiben. Ein bemerkenswerter Beitrag von Johannes, der frenetischen Applaus erntete.

Die Featured Artists des Abends haben sich den witzigen Namen AGA+ gegeben. AGA+ steht für Astrid Kröger-Schönbach (Akkordeon und Gesang), Gabriella Acsai, (Flöte und Gesang), Anja Städtler (Violine und Gesang) sowie Frederic Schönbach als das Plus am Kontrabass. Die drei Frauen und ihr männlicher Kollege widmen sich der Kombination Klezmer-Tango-Jazz-Folk mit wahrer Leidenschaft. „Mit‘n Fidele“ ist ein schwungvolles Klezmer-Instrumentalstück.

Miteinander kombiniert sind die Lieder „Ne aludj el“, ein Liebeslied aus Gabriellas ungarischer Heimat und das serbische „Ajde Jano“, ein altes Volkslied, das gern bei Partys gesungen und gespielt wird. Das Lied im für den Balkan typischen 7/8 Takt ist mitreißend, dabei muss man einfach tanzen! Wunderbar die Stimmen der drei Frauen.
Ebenfalls eine Kombination verschiedener Stücke nennt sich „Stolen Moments“ und besteht aus den Tänzen Hora (langsam im ¾ Takt), Freilach (etwas schneller im 4/4 Takt) und Bulgar (wild).
Land


„Land of Choice“, ebenfalls ein instrumentales Mischstück, besteht aus Melodien der Stile Gipsy, Klezmer und Czardas. Umgearbeitet zu einen Klezmerstück haben die Vier das Lied von Jason Derulo „Talk Dirty“ – beachtlich. Als offizielle Hymne der Zigeuner gilt das Lied „Djelem Djelem“, das Gabrielle in ihrer ungarischen Muttersprache singt – bezaubernd sowohl Gabrielles Solopart mit ihrer wunderbaren Stimme als auch der vierstimmige Refrain.

Zum Schluss, na ja noch nicht ganz, gab es noch ein Instrumentalstück kombiniert aus den Tänzen Freilach und Kolomeike. Nun, wie schon angekündigt, war das natürlich nicht ganz der Schluss. Als Zugabe durfte das Publikum sich über das bekannte Lied „Bei mir bist du schön“ freuen und auch ein wenig mitsingen.

Mit begeisterndem Applaus wurden die Vier entlassen.
Nun, wir haben die Reihenfolge nicht eingehalten und die Sets von AGA+ vor der Pause und am Ende des Abends zusammengefasst. Es gab noch mehr zu hören an diesem vielseitigen Abend:

Steve Perry eröffnete den zweiten Teil mit einem Lied mit tiefschwarzem Humor von Sheldon Harnick (Wikipedia, das alles weiß, sagt, dass das Stück entgegen weitverbreiteter Auffassung nicht von Tom Lehrer stamme): „The Merry Minuet“ wurde bekannt in der Interpretation des Kingston Trios. „They‘re rioting in Africa, they’re starving in Spain“ startet der Text zu einer lustigen Melodie im Dreivierteltakt. Zur Lösung der Widrigkeiten des Weltgeschehens haben die Menschen auch schon das richtige Mittel entwickelt: Ein kleiner Druck auf den roten Knopf, und alles ist erledigt. Bei dem Lied weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Schahan aus Persien stellte uns danach ein Lied in seiner Muttersprache vor. Leider gab es dazu keine vertieften Informationen, aber ich kann versichern, dass es sehr schön gesungen wurde zu einer fein gezupften Gitarrenbegleitung mit einer eher spanisch anmutenden Melodie. Dass er sich der spanischen Musik verbunden fühlt, bewies Schahan auch mit seinem zweiten Lied, das er auf Spanisch sang. So etwas erfreut das Publikum, und entsprechend großzügig fiel der Applaus aus.

Mario Dompke und Sonja wollten eigentlich schon im vorigen Folk Club mit einer weiteren Dame als Trio antreten, aber damals musste Mario wegen der erkrankten Kolleginnen als „Bube ohne Damen“ spielen. Diesmal waren sie zumindest zu zweit. Statt des geplanten Namens „Damen mit Bube“ musste nun ein anderer Name für die Gruppierung her: Die Wahl fiel auf „Fomianderl“, eine Abkürzung für „Folk, Mittelalter-Musik und andere schöne Lieder“ – die Abkürzung ist, wie man sieht, selbsterklärend. Das präsentierte Lied passte so ungefähr zum Thema. Es stammt von Joan Baez und behandelt die Stürme in ihrem Herzen nach der Trennung von einem gewissen Robert Zimmerman alias Bob Dylan. „Diamonds And Rust“ lautet der Titel des emotionalen Liedes, das Sonja mit ihrer feinen Stimme vortrug. Bravo Sonja und Mario.

Etwas verlegen aber dann doch überzeugend stellten sich dann die beiden Freundinnen Ulrike und Anouk mit jeweils einem Lied vor.

Ulrike präsentierte ihre adaptierte Version des Liedes der Arctic Monkeys „Do I Wanna Know“. Schön gesungen und gespielt, aber die Artikulation des Textes ist noch etwas verbesserungsbedürftig. Euer Chronist, der alles andere als sattelfest bei den aktuellen Popsongs ist, und die Hilfe des Internets beim Herausfinden der Titel benötigt, hatte ganz schön Mühe, aus den wenigen verständlichen Textfragmenten das Lied zu identifizieren. Aber ich habe es geschafft.

Bei Anouks Lied – „Que Vendra“ von ZAZ – gab es weniger Identifizierungsaufwand. Anouk stellte das Lied schlicht und einfach am Anfang vor. Zu dem lyrischen Lied mit einem Text halb auf Französisch, halb auf Spanisch passte Anouks klare Stimme und das differenzierte Gitarren-Fingerpicking wunderbar. Großer Applaus für Beide.

Fritz Kasper aus Köln, der bereits im Folk Club im vorigen aufgetreten war kam diesmal mit zwei weiteren jungen Herren (Peter Parnow, Bass, Gitarre und Gesang; Chris Frank, Schlagzeug) als Gruppe „The Shift“. Die drei legten sofort mit ihrem eigenen Lied „The Fear“ los und präsentierten Musik mit einem tollen Sound und ausgereiftem Arrangement – alle Achtung! “Stormy Weather“, ganz passend zum Thema, ist eine Coverversion eines Liedes der britischen Band The Kooks. Mir gefällt die Version der drei Kölner Jungs viel besser als das Original. Es ist vielleicht meinem Alter geschuldet, aber die delikatere und stärker auf die Singstimme und weniger auf dröhnende Bässe und Heavy-Metal-Gitarren fokussierte Präsentation spricht mich einfach mehr an. Das Lied hat zwar den gleichen Titel wie das erste Lied des Abends, das John und Eva vortrugen. Deren Lied "Stormy Weather" ist aber ein Klassiker von Harald Arlen und Ted Hoehler und aus dem Jahr 1933. „Just a Song“ war dann wieder eine feine Eigenproduktion. Großer Applaus für die Drei, von denen wir sicherlich noch viel hören werden.

Schon fast Stammgäste im Folk Club sind Volker Lindner und Jan Hoffmann alias „Die Folkscheuchen“ aus Roisdorf, die uns immer wieder mit ihren originellen Liedern überraschen und erfreuen. Volker ordnet ihre Musik in die Kategorie „Akustikmetal“ ein. Die Texte der Lieder – erfreulicherweise in deutscher Sprache – sind teils schräg und teils nachdenklich und meist beides, auf jeden Fall unterhaltsam. „Die Geschichte des Gehenkten“ ist ein gutes Beispiel dafür: Die Schlinge zieht sich nicht zu, und der Delinquent überlebt – puhh, das ging gerade noch einmal gut. Wer von uns hat – nicht ganz so dramatisch aber im übertragenen Sinne – solch eine Situation nicht schon einmal erlebt?! Beim „Bildersturm“, der durch ein wildes Geigensolo von Volker unterstrichen wird, geht es um einen Spaziergang im Winter. Der Sturm der Bilder findet in diesem Lied eher in den Köpfen der Menschen statt. Beim „Aufbruch“ geht es um den rastlosen Weg des Menschen, der unaufhaltsam dem Ende zustrebt. Auch hier geht es oft stürmisch zu – leider wahr, aber auch erschreckend. Dies war nicht das Endes des Abends, denn der zweite Teil von AGA+ kam ja noch hinterher (siehe weiter vorn in diesem Text), aber hiermit endet unser Bericht über den wieder unterhaltsamen, vielseitigen und mit hervorragenden Auftritten gespickten Abend.

Aber halt, der Rausschmeißer „Jock Stewart“, quasi das traditionelle Schlussgebet, mit dem die Gemeinde die Messe beendet, darf nicht unerwähnt bleiben.

Auf Wiedersehen beim Folk Club Nr. 106 am 4. Oktober. Wir dürfen uns auf Serena Finatti (die kleine Frau mit der großen Stimme) und ihren Begleiter Andrea Varnier (kunstvolle Gitarrenunterstützung) aus Italien freuen.

Sabines Bilder vom Folk Club Nr. 105 am 6. September 2019

John Harrison

Eva Henneken


Steve Perry, Eva und Timmy



Steve Perry und Gert Müller beim Altersheim Rap


Lothar Prünte alias ElPi


Isabell und Carolin



Johannes Epremian


AGA+
Astrid Kröger-Schönbach
Gabriella Acsai
Anja Städtler

Frederic Schönbach



Schahan


Mario Dompke und Sonja

Ulrike

Anouk

The Shift

Fritz Kasper

Peter Parnow

Chris Frank

Die Folkscheuchen

Volker Lindner

Jan Hoffmann

Jock Stewart

Dienstag, 1. Oktober 2019

FOLK CLUB BONN #105 WITH AGA+ AND JOHANNES (HANNES) EPREMIAN

What a wonderful and unusual FCB # 105 we had at the last FCB Friday evening.

We had a shed full of "stormy weather", which was the evening's theme, and yet there were no umbrellas in sight.

There were however not one but five violins played during the evening, the youngest fiddler was a brave seven years old! We could have easily have named the theme "fiddles with attitude":


and probably no one would have noticed.

Additionally, we were pleased to see several other young people playing their musical debuts.

If you were not there, you were very unfortunate and missed a wonderful musical evening.

Fortunately, for those of you who weren't there, John Hurd of 3SongsBonn WAS there and his report and photos easily provide the very next best thing to not having been there personally yourself.

For those fortunate few who actually WERE there, here is a most wonderful memento.

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photos

Enjoy!

Thanks, John Hurd!

Montag, 26. August 2019

Marios Bericht vom Folk Club Nr. 104 am 5. Juli 2019



Folk Club Nr. 104 –   A Cappella

Gesang ohne Instrumente und Sprachlosigkeit beim Publikum
So in etwa kann der Juli Folkclub in aller Kürze zusammengefasst werden. Es war ein a cappella-Abend – also ein Abend an dem „im Stile der Kapelle“, allerdings ohne Instrumente musiziert wird; sprich Gesang und Begleitung werden alle durch die menschliche Fähigkeit Töne und Sprache zu produzieren ersetzt. Nun ist der Folkclub nicht päpstlicher als der Papst und so kamen natürlich auch Interpretationen zu Gehör, die nicht im Stile der Kapelle, sondern einfach als Einzelgesang oder sogar mal mit einer instrumentellen Begleitung daherkamen. Aber nun im Einzelnen.
Eröffnet wurde der Reigen wie immer vom Zeremonienmeister John Harrison, der nach dem Begrüßungs- und Ordnungsruf „Laaddiees and Gentlemen....“ und einer Einführung in die Bedeutung des a cappella-Gesangs das Lied „A Begging I Will Go“ zum Besten gab – hier passt die a cappella-Darstellung auch sehr gut, denn ein Bettler benötigt das erbettelte Geld für Nahrung und nicht für Instrumente. Weiter ging es mit dem „King Of Rome“, der nicht etwa ein Herrscher der italienischen Hauptstadt ist, sondern eine Taube, die bei einem Wettflug als einzige das Ziel erreichte. Mit „The Badger“ ein Gedicht von John Clare und „The Berry Fields o' Blair“ ein Lied von Belle Stewart rundete John seinen Beitrag ab und leitete gekonnt zu einer besonderen Darbietung über (die erste dieses Abends – es sollten noch weitere folgen).
Nahid Ensafpour eine iranische Dichterin, die seit 30 Jahren in Deutschland lebt, las einen Auszug aus ihren Werken vor und brachte diese Gedichte dann noch einmal in typischer iranischer Vertonung und in persischer und deutscher Sprache zu Gehör – das ist Freundschaft der Kulturen, nicht nur ein Hochgenuss an klanglichem, für unsere Ohren fremdartigem Erlebnis, sondern auch die Verknüpfung deutsch gedichteter Werke mit orientalischen Klängen. Zuerst kam das Gedicht „Kerze und Schmetterling“ zum Vortrag, welches nicht etwa den Verbrennungstod des Schmetterlings beschreibt, sondern die Frage der Schönheit an die Vergänglichkeit behandelt. Der kurze Satz „ich beleuchte den Weg, in dem ich vergehe“ drückt so viel von sozialer Verantwortung aus, dass sich ein jeder eine Kerze zum Vorbild nehmen darf. Dann das nie endende Thema Liebe in dem gleichnamigen Vortrag „Liebe“. Eine Bitte an die Liebe verschiedene Glückszustände herzustellen. Auch dieses Gedicht wurde mit einer typischen persischen Melodie versehen, allerdings blieb der Text diesmal auf Deutsch. Abgerundet wurde der Vortrag durch ein „persisches Liebesgedicht“ (nicht aus der Feder von Nahid Ensafpour), welches auch über die Liebe handelt und direkt mit einer Melodie vorgetragen wurde.
War die Bühne mit zwei Einzelkünstlern bisher mit viel Platz versehen, wurde es nun eng. Etwa zwanzig geschulte Westerwälder Stimmen drängten sich dicht an dicht auf die Bühne. „ChoriAnders“ begannen Ihren Chorgesang mit dem Lied „The Sound of Silence“ - sicher in sich fast ein Wiederspruch mit 20 Stimmen das Geräusch der Stille nachzustellen, aber wie ja auch der Liedtext aussagt, Stille ist nicht still, sondern voll der unterschiedlichsten Geräusche. Bei Chorianders waren dies verschiedene Stimmfarben, Stimmlagen, ineinander verwobenen Melodieführungen und einem Klavier :-) . Mit „Evening Rise“ ging es dann weiter (diesmal ganz a cappella) – die Stimmen wurden sicherer und sowohl aus Stimmen, Bewegungen und Gesichtsausdrücken der KünsterInnen konnte der Spaß an der Sache abgelesen werden. Die Abendstimmung wurde perfekt beschrieben. Als (vorläufigen) Abschluss holte ein Chormitglied seine Gitarre heraus und der Chor besang mit viel Enthusiasmus seine Heimat „Wir leben im Westerwlad“ drückt so viel Spaß und Heimatstolz aus, dass die Authentizität durch eine vom Publikum vehement geforderte Zusage belohnt wurde. Und die war dann eine logische Folge des Programmablaufes – beschrieben ChoriAnders eben noch, dass sie im Westerwald leben, sagten sie nun schlicht und einfach aus: Wir sind „ChoriAnders“ und sangen ihre eigene Hymne.
A cappella (und eigentlich jede Art von Musik – außer vielleicht die von Jimi Hendrix) wird Note für Note dargebracht, und so kam die im Folkclub bereits bestens bekannte Damenformation note-4-note auf die Bühne. Mit „Java Jive“, „Birth Of The Blues“ und „Lazy Night“ legten sie ein Feuerwerk an Musikalität und Emotionen an den Tag, welches bei vielen im Publikum nur noch Staunen mit offenem Mund hervorrief. Ich gehe nicht auf die einzelnen Lieder ein, denn nicht das Lied selbst, sondern die Art wie es dargeboten wurde, wie es in eine Geschichte, die bei note-4-note sowohl aus Erzählung wie auch aus schauspielerischer und körperlicher Darstellung besteht, eingebettet wird, war es, was das Publikum begeisterte. Klare Stimmführung, exakte Einsätze Melodielianen, die sich um Bass und Grundmelodie schlingen – all das macht den Vortrag von note-4-note aus. Und, um direkt auf den zweiten Teil ihres Auftritts zu springen – auch die Art, wie sie zum Publikum kommen, note-4-note gingen nicht auf die Bühne und begannen, sondern sie kamen beginnend auf die Bühne – macht einen großen Teil ihres hervorragenden Programms aus. So wurde das Publikum dann auch noch mit „Back In Business“, „Knock On My Door“, „Love Letters“, „Sing, Sing, Sing“ und der Zugabe “Come Fly With Me“ beglückt und für den frenetischen Applaus belohnt.

Gibt es eine Steigerungsform eines Superlativs – ja, sowohl in der Sprache aber noch viel mehr in der Realität. Perfekt ist perfekt und trotzdem wird über perfekter und am perfektesten gesprochen (rein philosophisch könnte jetzt gesagt werden, dass am perfektesten eigentlich schon wieder eine Minderung von perfekt ist, da nun eine Vergleichsbasis herangezogen werden muss und somit am perfektesten nichts mit perfekt zu tun haben muss – aber lassen wir das, denn es geht um Musik und nicht um Philosophie). Trotzdem – für mich kam das „Quartett“ noch ein Stück spritziger, neuer, ideenreicher und überraschender rüber. Nein ich sage bewusst nicht besser, sondern ganz subjektiv „mir besser gefallend“ – ach, ist Lob schwierig! Quartett, das Team um David Roshto (der nur als Sohn vom FCB Organisator Barry Roshto der bekannteste Name ist, sich selbst aber nicht als Bandleader oder etwas Ähnliches sieht) bot uns Jazzgesang in Perfektion – auch hier will ich nicht auf die Lieder eingehen, sondern auf die Darbietung. Ob „Moonlight“, „Oh Waly Waly“, Almost Like Being In Love“, „Bad Leroy Brown“, „Tea For Two“, „Shiny Stockings“ oder die zwei Zugaben „I'll Be Seeing You“ und „When I Fall In Love“, alles wurde in perfekter Einheit dargeboten. Zumindest für die Zuhörerschaft gab es keine Brüche (die Künstler selbst sind da oft kritischer), die Stimmen passten zusammen, ergänzten sich, trieben in hohe Höhen oder stellten den Bass in den Vordergrund. Das gegenseitige Umwerben der Stimmen, um Kontrapunkte herauszuarbeiten oder die gemeinsame Stimmführung, um Zusammenhalt zu demonstrieren – ein Gänsehautgefühl ohne Ende. Ich höre hier lieber mit dem Bericht über Quartett auf, denn es waren ja auch noch andere Künstler zugegen, denen eine Erwähnung gebührt.

So z. B. der schon namentlich erwähnte Barry Roshto, der es wieder einmal glänzend verstand, nach der Pause die Aufmerksamkeit des Publikums zu bündeln und neue Konzentration herzustellen. Mit „Down In The River To Pray“ versammelte er alle wieder, um dann, unterstützt vom Quartett das „Shortnin‘ Bread“ zu singen. Hier wurde bereits das Publikum einbezogen, sozusagen als Übung, um bei „The Cat Came Back“ richtig mitzumachen. Barry hat wieder einmal gezeigt, dass er nicht nur musikalisch gut drauf, sondern auch ein großer Musikpädagoge ist.

Weiter ging es mit den Announcments zu anstehenden Veranstaltungen, die Steve Perry gekonnt mit dem a cappella gesungenen Lied „If I Had To Go“ von Tom Waits abschloss – dies, um beim gemeinsamen Schlusslied Jock Stewart mit auf der Bühne stehen zu dürfen :-).

Als spontaner Special Guest aus Kanada kam nun Don Bartlett an die Reihe. Eigentlich ein Bruch im Motto des Abends, er ist Instrumentalist auf der Gitarre, würdigte er den Abend dennoch, in dem er als erstes Stück ein Barbershop Lehrstück, einen sogenannten Tag gemeinsam mit uns allen einstudierte. Ein Tag, ist nicht das Gegenstück zur Nacht, sondern bezeichnet, englisch ausgesprochen, in der Welt des Barbershops kleine vierstimmige Gesangsstücke, die aus wenigen Takten bestehen und mit denen man mit der typischen Barbershop-Harmonik herrliche Gänsehauteffekte erzeugen kann. „When It's Sleepy Time Down South“ wurde in allen beteiligten Stimmlagen (Lead, Tenor, Baritone, Bass) vorgesungen, eingeübt und dann als gemeinsames Lied zusammen dargebracht.
Mit den anschließenden a guitarra Stücken „Spiritual Groove“, „Make me Cry“ und „Right Hand Man“ zeigte Don sein Können in feinstem Fingerpicking, gespickt mit strumming-Einlagen, die gemeinsam zu einer eingängigen und wohlgefälligen Melodieführung wurden – auch wenn nicht mit der Stimme dargebracht, es passte bestens in den Charakter des Abends.

ELPI, auch als Lothar Prünte bekannt, zeigte sein stimmliches Können (trotz einer am Abend festgestellten gewissen, witterungsbedingten Heiserkeit) mit dem Phil Collins-Lied „In The Air Tonight“. Natürlich legte er dann mit einem fast schon volksliedcharakteristischem a cappella-Stück nach. Bei „Mercedes Benz“ wurde er von Wolfgang Schriefer und John Harrison unterstützt – Wolfgang legte noch eine Schüppe mit einer kölschen Strophe drauf: „Und jetzt stelle mir uns allens vöör, de Janis Joplin wäär ins Vengst Veedel opjewachsen“ - aus Mercedes Benz („Mörcidies“) wurde das Original Mercedes Benz. (Das Original heißt auch Mercedes Benz, auch wenn du einen VieDabbelju hast).
EmDo – wie war das noch? Ein Akronym aus den Namen oder e-Moll am Donnerstag? Ich weiß nicht mehr wie der Name entstanden ist, aber die Musik ist toll. Ebenfalls im Barbershop-Stil wurden dem Publikum „Barbara Ann“ (kennt wohl jeder), „Epo E Tai Tai“ (ein neuseeländisches Lied über das Glücklichsein) und „Do Lord, Remember Me“ (ein einmal als Kinderlied, mal als Gospel eingestuftes Lied) dargebracht.

Bliebe nur noch zu erwähnen, dass unser bekanntes und liebes Gesicht aus Köln – Fliege – in altbekannter und spontaner Straßenmusikermanier ein a cappella-Potpourri darbrachte, mit dem er das Publikum an verschiedenen Stellen zum Mitsingen animierte.
Und natürlich das gemeinsame Jock Stewart bei dem es nicht nur durch ChoriAnders auf der Bühne eng wurde (es waren wirklich viele Künstler an dem Abend anwesend), sondern auch Steve – das sei besonders zu erwähnen – aufgrund seiner Liedeinlage während des Programms eine Bühnenpräsenz hatte.

Also, lasst die Gänsehaut noch ein wenig wirken und denkt daran: Nach dem Folkclub ist Vor dem Folkclub – out of the bedroom, kommt am 6. September zu Dotty's.


Mario

Sonntag, 18. August 2019

Sabines Bilder vom Folk Club Nr. 104 am 5. Juli 2019

John Harrison - letzte Vorbereitungen


Nahid Ensafpour


ChoriAnders



note-4-note




Davids Quartett


Barry and Folks alias Barry Roshto und Ruth mit Davids Quartett






John Harrison und Steve Perry


Don Bartlett



Lothar Prünte alias ElPi


Lothar, John und Wolfgang Schriefer

EMDO


Hermann-Josef Wolf alias Fliege


Jock Stewart