Sonntag, 8. Mai 2016

3 Songs Bonn were present at Folk Club Bonn Nr 69

https://3songsbonn.com/2016/05/07/the-last-folk-club/

A wonderful report of a wonderful May evening with plants and animals galore and more than a brace of tubas to celebrate International Tuba Day. There were two very different but both immensely talented English singer/songwriters as featured artists. There was also a splendid wedding to celebrate and towards the end of an action filled evening, what somehow felt rather like a funeral wake for Jock Stewart.

 Nice one John Hurd and superb photos to match, (click on MORE PHOTOS HERE at the bottom of the 3SongsBonn report).

FolkClubMay2016-41

Mittwoch, 4. Mai 2016

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 68 am 1. April 2016


Folk Club am 1. April 2016 – ... der macht, was er will

Alle Jahre wieder im April ist das Thema des Abends eigentlich klar. Jedoch waren die Beiträge mit Veräppelungscharakter nicht so zahlreich, wie vielleicht zu erwarten – Lieder mit einem irgendwie gearteten Bezug zum April gab es aber in Fülle.
Den Anfang machte John Harrison mit seinem unverwüstlichen Lied – oder ist es doch eher eine Geschichte – über Albert McTavishs Kühlschrank. Die witzige Geschichte – wer den Inhalt wissen will, recherchiere in früheren Folk Club-Berichten – wird erst erzählt (jedes Mal ein wenig anders – Ich habe noch nicht zwei gleiche Versionen gehört) und dann folgt sie musikalisch, aber nur als Instrumental. Zusammen mit Paolo Pacifico gab es dann das etwas traurige Lied „Beeswing“ (Bienenflügel) über das Mädchen, das seine Unabhängigkeit ganz oben an stellt und dafür den eigenen Untergang in Kauf nimmt. Natürlich gab es zum Frühlingsbeginn von John auch ein frühlingshaftes Gedicht über die Magnolien, die die meiste Zeit des Jahres unscheinbar sind und unbeachtet bleiben und sich dann im frühen Frühjahr mit einem Mal zu ungeheurer Pracht entfalten. Das Ganze in deutscher Sprache – bravo John. Das nächste Gedicht widmet sich eher dem Vergehen als dem Werden und hätte somit besser in den Herbst gepasst. Aber eindrucksvoll von John vorgetragen gestatten wir es auch für den April: „Do Not Go Gentle Into That Good Night“ lautet der Titel des Gedichtes von Dylan Thomas, dem ebenso begabten wie versoffenen walisischen Dichter aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Thomas, der nur 39 Jahre alt wurde, schrieb das Werk am Totenbett seines Vaters. Das Können des Mannes beeindruckte einen anderen Herrn namens Robert Allen Zimmerman so sehr, dass er sich fortan Bob Dylan nannte. An den geheimnisvollen Texten seines Namenspatrons nahm er sich ein gekonntes Beispiel, mit der Liebe zum Alkohol hielt er sich offenbar etwas zurück. Immerhin ist der spätere Dylan inzwischen fast 75 Jahre alt (beim Juni-Folk Club könnt Ihr ihm ein Ständchen bringen, der Geburtstag ist am 24. Mai) und noch immer aktiv. Ein Lied, das eine gewisse Beziehung zu Bob Dylan hat, ist „Isn’t it Grand, Boys“. Johns Aussagen zufolge wurde es u.a. von Joan Baez gesungen, die eine Liebschaft mit Bob Dylan hatte. Das Lied handelt aber, anders als der Titel vermuten lässt, nicht vom Leben und der Liebe sondern vom Sterben. Das Sterben wird aber herrlich auf die Schippe genommen. Der Text („And always remember: The longer you live, the sooner you’ll bloody well die“) erinnert ein wenig an den Filmtitel „Wer früher stirbt, ist länger tot“. Das witzige Lied stammt im übrigen nicht von Ihrer Hoheit Joan Baez, sondern ist ein Traditional. Eine deftige Interpretation bietet die irischen Gruppe „The Clancy Brothers and Tommy Makem“ aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. John und Paolo ergänzten sich beim Singen in unnachahmlicher Weise – fröhlicher Applaus. Ein richtiger Blues darf aber bei John und Paolo nicht fehlen: „Black Bottom“ erzählt die Geschichte der armen (schwarzen) Leute, die am Fluss leben müssen, weil dort im Überflutungsgebiet (Black Bottom), die Grundstücke billiger sind. Toll gesungen und gespielt mit klasse Mundharmonikariffs von Paolo.
Mit Gedichten ging es weiter mit unserem Rezitationskünstler Dieter Faring. Sein selbst geschriebenes Gedicht über die beiden Kater, die sich in einer Aprilnacht an eine weiße Katze ranmachen, ist immer wieder ein Knaller. Das Gedicht über die Fliegen und die Mücken widmete er speziell Steve, der, so Dieter, eigentlich keiner Fliege etwas zuleide tun könne. Der Zoologieprofessor, dem die Mücke ziemlich zugesetzt hatte, behilft sich dann tatsächlich doch damit, die Mücke durchs offene Fenster zu verjagen. Dass dies aber ausgerechnet im April stattgefunden haben soll, ist vermutlich unserem heutigen Thema geschuldet. Die Mücken lassen sich mit ihrem Unwesen normalerweise etwas Zeit und plagen uns erst in späteren Monaten.
Eine kleine Gedächtnisstunde für den kurz zuvor verstorbenen Keith Emerson, dem Kopf der legendären Band Emerson, Lake and Palmer, präsentierte John Hurd flankiert von Paolo Pacifico und John Harrison. „Lucky Man“ heißt das allseits bekannte Lied.
Bob Marabito wurde bei seinem Lied tatkräftig von Steve Perry unterstützt, denn Regine Mertens, Uta Schäfer und Karin Schüler sind der Meinung „Hit the Road, Jack“ – ein munterer musikalischer Spaß.
Als Quartett fanden sich danach Mario Dompke, Paolo Pacifico, John Harrison und Jörg Bohnsack zusammen. „Angel from Montgomery“ von John Prine war ihr Lied, dass herrlich melodisch und melancholisch daherkommt.
Mal etwas Deutsches boten Anke und Jörg Bohnsack, die immer wieder schöne plattdeutsche Lieder aus ihrer norddeutschen Heimat zum Besten geben. „Lütt Matten, de Has“ erzählt die Geschichte vom leichtsinnigen Hasen, der tanzen will und am Ende vom Fuchs gefressen wird. Das Leben ist grausam. „An de Eck steit’n Jung mit’n Tüdelband“ ist ein Hamburger Gassenhauer, der einen lustigen Text und eine fröhliche Melodie hat, aber mit einer bewegten und durchaus traurigen Geschichte verknüpft ist. Der jüdische Textdichter Ludwig Wolf überlebte die nationalsozialistische Zeit nur mit knapper Not. „You’ve Got to Hide Your Love Away“ ist eines der weniger häufig gespielten aber umso schöneren Lieder der Fabulous Four – wunderbar gesungen und gespielt von den beiden – Applaus!

Als Floor Spot mit einem einzelnen und dazu noch selbstverfassten Lied spielten sich Marie und ihre Begleiterin in die Herzen des Publikums. „You Are Like April“ lautete der Titel des Liedes – Der Bezug zum Thema des Abends wurde zu 100 % erfüllt!

Jutta Mensing ist immer für ein a capella gesungenes Lied gut. Zum Frühlingsbeginn spornte sie das Publikum zum Kanon „Es tönen die Lieder“ an, und das Publikum machte begeistert mit. 

Steve Perry hat ebenfalls immer eine Überraschung auf Lager. Nachträglich zum Namenstag des Heiligen David, des Schutzheiligen der Waliser am 1. März, hatte er seine bunte Gruppe aus Hausmitbewohnern und Freunden zusammengetrommelt (Bandname „One Night Stand“), um die Walisische Nationalhymne zu singen – toll mit vielen Stimmen und begleitet mit einer Harfe. Wer es genau wissen will: Der Titel der Hymne lautet: „Hen Wlad fy Nhadau“

Bernd Wallau leitete danach die Truppe beim Madrigal von Thomas Morley „April is in My Mistress’ Face“. Das ist ein kunstvoll kompliziertes und verwickeltes Lied, wie es die Madrigale nun mal so an sich haben. „One Night Stand“ machte seine Sache supertoll und erntete einen besonderen Applaus. Nochmal einen Bezug zum April bot das Lied „Little April Shower“, aus dem Disney-Film „Bambi“. Herrlich dabei die Trennung von Männer- und Frauenstimmen.

Ins Deutschland des 19. Jahrhunderts mit literarisch verpackter ironischer Kritik an verschrobenen und eingebildeten Intellektuellen entführte uns Bernd danach. August von Kotzebue, der umstrittene Vielschreiber verfasste einst den Text des Liedes „Gern lachen die Heiden“, und Friedrich Kuhlau lieferte dazu die Melodie. Das Stück stammt aus der weitgehend vergessenen Oper „Die Brillen-Insel“ (ist das nicht ein wahnsinniger Titel für eine Oper?). Aber Bernd Wallau ist ein Meister des Lieder-Ausgrabens, und seine Chöre haben dann ihren Spaß an den ungewöhnlichen Stücken. Erneut großer Applaus an Bernd Wallau und „One Night Stand“.

Karin Schüler und Gerald Löhrer ließen es danach besinnlich angehen. Bei „M’envoyer des fleurs“ (von Sandrine Kiberlaine) konnte Karin ihre herrliche Stimme und Gerald sein gekonntes Gitarrenspiel zur Geltung bringen. Cindy Laupers unsterbliches Lied „Time After Time“ scheint beiden ebenfalls wie auf den Leib geschrieben. Gerald steuert wunderbar sparsame und doch einfühlsame Gitarrenakkorde bei und begleitet Karin gesanglich bei den zweistimmigen Passagen – wunderschön anzuhören. Zum  Thema des Abends steuerten beide das Lied „Girl With April in Her Eyes“ von Chris de Burgh bei. Für meinen Geschmack war dies das schönste der drei Lieder mit wunderbaren zweistimmigen Passagen und kunstvollen Gitarrenriffs – die Rufe aus dem Publikum nach einer Zugabe blieben leider unerhört.

Zum Abschluss des Abends durfte Paolo Pacifico einmal seine Qualitäten als Sänger unter Beweis stellen, am Klavier begleitet von Robert Hrubes aus San Francisco. Von Van Morrison stammten „And it Stoned Me“, „Bring it on Home to Me“ und das geniale „Moondance“. Allseits bekannt waren die Lieder „Don’t Let Me Be Misunderstood“ und „House of the Rising Sun“ von den Animals. Robert sorgte für den perfekten Groove und Paolo erwies sich als ein richtiger Jazzsänger – bitte demnächst mehr davon. 

Auch ein noch so schöner Abend geht einmal zuende, nicht aber ohne ihn mit dem Rausschmeißer „Jock Stewart“ zu verabschieden. Alle Musiker und das Publikum fanden sich wie immer am Schluss der Folk Club-Abende in diesem Lied zusammen. 

Auf Wiedersehen am 6. Mai mit den Featured Artists Tom Copson und Richard de Bastion.

Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 68 am 1. April 2016

John Harrison

Zusammen mit Polo Pacifico


Gedichteliebhaber Dieter Faring


Paolo Pacifico, John Harrison und John Hurd


Bob Marabito, Regine Mertens, Uta Schäfer und Karin Schüler

Steven Perry mit walisischer Flagge


Mario Dompke

Jörg Bohnsack, Paolo Pacifico, Mario Dompke und John Harrison


Anke und

Jörg Bohnsack


Marie und ihre Begleiterin

One Night Stand




Gerald Löhrer

Karin Schüler

Robert Hrubes

Paolo Pacifico


Jock Stewart zum Abschied


Samstag, 23. April 2016

Folk Club Bonn Nr. 69 at 19:00 hrs on Friday 06.05.16

Dear Folkies,

"Man, all music is folk music. You ain't never heard no horse sing a song, have you?"
Big Bill Broonzy

Big Bill Broonzy's poignant observation is as valid today as when he first uttered it in the first half of the last century and we've certainly got some goodies lined up for you on the 6th of May. The evening's theme is Plants and Animals and with spring cascading upon us and enveloping us in all its resplendent glory it will doubtless be a splendid evening as, although they are not duty bound to, most of our singers go to great lengths to at least "tip a hat" to the evening's theme and we may hear of Dan D Lions, of mating mallard ducks, and even a couple of poems from Rainer Maria Rilke recited by Dieter Faring.

We have not one, but two Featured Artists lined up for you on this evening, both born in England, one in Cambridge and one like the famous bard, William Schecksperre, from Stratford-on-Avon.

Posters aka Tom Copson is a very promising young up and coming singer/songwriter enjoying tumultuous reviews, who can be researched on http://www.postersmusic.info/about

and here are a couple of sound bites on YouTube displaying some of this young talented singer/songwriter's voice range: https://www.youtube.com/watch?v=Vvb7QWiu35E
and https://www.youtube.com/watch?v=zuFXAR7mjfk

Our other featured artist is also a singer/songwriter who is as comfortable on keybopards (which old rockers may remember from the days of the Edgar Broughton Band) as he is on the guitar, which I'm pleased to say is a Guild, even if he does play it the "wrong" way round.

Richard de Bastion has played at Folk Club Bonn before, in October 2013 where he demonstrated his skills as a singer/songwriter's singer/songwriter, so well does this craftsman hone his own songs. With his song "Bully The Kid" he even invented a whole new artistic genre writing a song about America's greatest twentieth century stand up comic/philosopher Bill Hick's sketch based on an old US western where a bullying gunslinger chastises a poor peasant into "picking up his gun" in order that he can be murdered in self defence.
The anology to the USA's foreign policy over the last decades is as spine chilling as it is accurate:
https://www.youtube.com/watch?v=eVxQ344JLB4

Here is Richard's webpage if you wish to check himout in advance:
https://richarddebastion.wordpress.com/

In addition Steve Perry will be serenading through a pool of confetti. I don't think we have a cello for you, but if the cello is the queen of instruments the tuba must certainly be the king of instruments and GeWe Spiller has taken it upon himself to thankfully remind us that May 6th is in fact international tuba day, and he'll be playing some notes way down sweet and low on his tuba. In the classic movie Peter O'Toole played "Laurence of Arabia" but we have for you Laurence O'Toole, an Englishman of Irish origin singing a swan song for you and also Lothar Prünte aka ELPI with a voice like Tina Turner's coming down from Cologne riding a white swan. It promises to be a veritable musical wonderland.

So kick off and the "Ladies and Gentleman" battle cry will be shortly after seven o'clock but I recommend you coming earlier if you wish to have a good seat, and the earlier you come, the better chance you have of eating before, rather than during the performance. So looking forward to seeing you on Friday May 6th for what looks like being a cracking evening and who knows? perhaps even the swifts will have made it back from southern Africa to be with us again by then.

John Harrison

Mittwoch, 30. März 2016

Marios Bericht von FCB Meet Nr. 67 März 2016

Achterbahn der Emotionen?

Völlig untypisch für mich, habe ich mir sehr viel Zeit gelassen, um diesen Bericht anzugehen. Warum? Ehrlich gesagt – darüber bin ich mir immer noch nicht ganz im Klaren. Ich habe ein zwiespältiges Gefühl, was meine eigene Reaktion auf die emotionale Unterschiedlichkeit der Künstler des vergangenen Folkclubs angeht. Aber dazu im Bericht gleich mehr.

Laaadies and gentlemen...... - das Karussel begann, und wie immer begann es mit dem Zeremonienmeister himself John Harrison. Wie häufig lebte er den Blues nicht nur in der musikalischen Darbietung, sondern auch in der Gesellschaftsform – drücke aus, was du fühlst und teile dies mit Gleichgesinnten. Und so kam der wohlbekannte Kämpe Paolo Pacifico mit auf die Bühne – natürlich in Begleitung seiner vielfältigen Mundharmoniken, die er nicht nur von Stück zu Stück wechselt – nein, auch während eines Stückes greift Paolo ganz lässig in seine Tasche, zieht eine Mundharmonika in einer anderen Stimmung heraus und spielt weiter – eben genau die Töne, die in der Ursprungsstimmung nicht ins Publikum geschmettert hätten werden können. Ein wenig erinnert mich Paolo dann immer an Bruce Willis (ich hoffe er nimmt mir diesen Vergleich nicht übel), der in ausweglosen Situationen dann doch noch ein As (oder eine Waffe, oder eine Auto oder eine Flugzeug) aus dem Ärmel zieht :-). Nun ja, auf alle Fälle wurde so der Blues von John emotional angereichert. „From Four Until Late“ handelt zwar von der immer wiederkehrenden Geschichte zwischen Mann und Frau (oder eher zwischen Männern und Frauen) – das Thema des Abends lässt sich aber auf vielfältige Weise herauslesen. Zwischen 4 und spät in der Nacht scheinen Sterne, die angehimmelte Frau ist ein aufgehender Stern (insbesondere, wenn, wie im Lied beschrieben, ein Mann durch ihre Unterwäsche kriecht und so weiter und so weiter. Das zweite Lied drehte diese flüchtigen Sterne in einen langanhaltenden strahlenden Stern: „I Wasn't Expecting That“ erzählt von einer gedachten kurzen Affäre, die dann doch in einer lang anhaltenden Ehe endet – mit Kindern, Haus und allem drum herum, aber es wäre kein Blues, wenn nicht doch noch alles schrecklich endete – Blues ist halt das wahre Leben und so erlischt auch in diesem Lied ein Stern. Das Thema des Abends direkt ansprechend rezitierte John dann Shakespeare mit dem Sonnet XIV und erzählte im folgenden Lied sowohl von den Sternen, wie auch von seiner Beschäftigung in Bonn als englischsprachiger Nachtwächter-Stadtführer (Night Watchman Blues). Mit dem „St. James Infirmary Blues“ beendete John gemeinsam mit Paolo die Einleitung.

John als Moderator sollten wir noch häufiger am Abend zu Gesicht bekommen – Paolo indessen blieb auch als Musiker gleich auf der Bühne. Mit einem neuen Folkclub Rekord konnte er aufwarten. Noch nie zuvor (im Folkclub) hat ein Musiker spontan oder vorbereitet in so vielen unterschiedlichen Formationen gespielt. Auch das Emotion pur (da ist das Thema wieder). Gemeinsam mit Nick Nutall, John Hay und Christian Schuster verbreitete er Emotionen pur. Einfach in der Darbietung, schafften sie es, das Publikum mit bekannten Bob Dylan, Donovan und Gordon Lightfoot Songs zum mitsingen zu animieren. Einfach schrieb ich, aber nicht einfallslos, denn was zwischen den Mitsingteilen an kleinen Gitarrensoli von Christian oder Harpeinlagen von Paolo geboten wurde war wirkliche Klasse. Dann die Stimme und Stimmführung von Nick und die unaufdringliche Zweistimmigkeit der Gruppe – hier zeigte sich, dass Einfachheit wesentlich mehr sein kann als Lagerfeuerromantik. Und das Thema des Abends wurde auch getroffen In „Baby, Stop crying“ ist einmal von der Sonne dir Rede, „Knocking on Heaven's door“ spricht von einem Himmelskörper direkt (oder war die Himmelstür doch etwas anderes?); „Catch The Wind“ ist ja ein Spiel, welches sich zwischen den Himmelskörpern abspielt und „The Circle Is Small“ - nun wahrscheinlich sind die besungenen Augen wie Sterne.

Die Heimat des Folkclubs Bonn ist nicht umsonst das Haus Müllestumpe – gibt es auch immer mal wieder unterschiedliche Auffassungen in Details der Zusammenarbeit, so ist doch eines klar – das gemeinsame Ziel, eine Welt des Zusammenhaltes ohne Vorurteile gegen einzelne Gruppen und die Gestaltung des Weges zum Ziel mit viel Kreativität wird in beiden Formen der Arbeit zum Ausdruck gebracht. Nachdem im letzten Folkclub Christian Storm, der Geschäftsführer für den Bereich „Betreutes Wohnen“ über die Arbeit des Hauses berichtete, ergriff diesmal Peter Kurenbach vom Vorstand die Gelegenheit, um die kreative Seite darzustellen. Welche Aktivitäten in wie vielen kleinen und größeren Werkstätten im hinteren Teil des Hauses stattfinden, sieht der „normale“ Besucher des Restaurants gar nicht. Malen, Töpfern, Holzschnitzen oder auch noch nicht ausgediente, aber nicht mehr funktionierende Geräte im Repair Cafe wieder in Schuss bringen – die Angebote sind vielfältig, werden aber alle von den Teilnehmenden mitgestaltet. Auch die Geschichte, wie aus einem dem Abriss preisgegebenen Haus eine Heimstatt für soziales Engagement wurde, sollte jeder Besucher einmal betrachten – Hut ab und auch weiterhin viel Mut und Glück beim Beschreiten unkonventioneller Wege.

Nach dieser froh- und nachdenklich stimmenden Erläuterung betrat die „Featured Artist“ die Bühne. Lauren Napier. Extrem vielfältig - als Model (Punk Rock Doll), als Konzertmanagerin, Journalistin, Kurzgeschichtenschreiberin und Cellistin - präsentierte sie sich im Folkclub natürlich als Songschreiberin und -sängerin. Lauren lebt zurzeit in Berlin und von dort war sie direkt angereist – mit Verspätung, dem Fernbusbetrieb sei es gedankt. Entsprechend noch leicht angespannt, betrat sie die Bühne und erzählte ein wenig über sich – unter anderem, dass sie Cellistin ist und die Gitarrenbegleitungen zu ihren Lieder sehr einfach ausfallen würden. Dann begann sie zu singen – eine wahnsinnig ausdrucksstarke Stimme, die das einfach Gitarrenspiel in den Hintergrund drückte. Die sanft mit den Fingerkuppen gestrichenen Akkorde dienten lediglich zur Untermalung der Stimmführung. Soweit toll – aber, und das schreibe ich hier nicht als Negativum, sondern einfach als Ausdruck meiner Verwirrung, wo war die Emotion des Auftritts? Das ist der Grund, weshalb ich erst heute den Bericht schreibe - ich wollte Abstand von meinem Gefühl gewinnen. Ich war regelrecht traurig, weil ich dachte, wie können so schöne Lieder, ausdrucksstark vorgetragen mit einer so schönen Stimme bei mir den Eindruck hinterlassen, dass es sich um eine Aneinanderreihung von Liedern handelt, ohne das eine Beziehung zum Publikum aufgebaut wird. Habe ich zu Beginn noch gedacht, es läge an dem Stress der verspäteten Ankunft, so wiederholte sich mein Gefühl (wenn auch abgeschwächt) in der zweiten Hälfte des Folkclubs. Ich gebe zu, ich muss wohl noch länger darüber nachdenken und wahrscheinlich auch Lauren häufiger live erleben – vielleicht werde ich dann das Besondere gerade an dieser Vortragsform entdecken, vielleicht den Zusammenhang mit einer distanzierten Professionalität als Model – vielleicht werde ich dann ein glühender Fan eben dieser Art des Vortrages. Im Moment konzentriere ich mich noch lieber auf die Lieder als auf den Vortrag, denn diese sind einfach toll. Tiefe Lyric, ausdrucksvolle Metaphern und das Aufgreifen von Themen – alles was ein gutes Liedermacher/ Singer-songwriter Lied braucht. Mit ihren Songs „Windowsill Of Romantic Ponderings, Caught In Between, Worthwhile, Echoes of Regret, Freundian Slip und Suitor In A Black Cape“ hat Lauren nur einen kleinen Ausschnitt ihres Schaffen gezeigt, aufgeschrieben in einem kleinen Notizbuch, welches den Eindruck erweckte immer dabei zu sein, um jeder Idee sofort einzufangen.

Dann Frischluft – notwendig, weil der Folkclub immer so gut gefüllt ist, dass eine Pause angeraten ist. Doch nach einigen Atemzügen (für die Raucher mit Qualm :-) ) erklang bereits wieder Klaviermusik aus dem Haus. Barry Roshto schaffte es in seiner kaum nachahmbaren Art durch einfaches, langsam anschwellendes und Schritt für Schritt aus einem improvisierenden Klimpern auf konkrete Musikstücke hinsteuernden Klavierspiels das Publikum nicht nur zurückzuholen, sondern auch in eine Konzentration für die nachfolgenden Vorträge zu bringen. Mit dem Stück „If I Said You Had A Beautiful Body Would You Hold It Against Me” vollbrachte er nicht nur dieses Kunststück, sondern gab auch noch eine Lehrstunde in Hamronielehre (VI-II-V-I ist eine typische Akkrodreihenfolge für Jazzharmonik: „Blue Moon" & "Stars Fell on Alabama") - und Himmelskörper waren auch enthalten: Engel, Körper, Sonne, Mond und Sterne........

Steve Perry unterstützte das Thema „Himmelskörper“ mit „All Through The Night“ in Walisischer Sprache, (Ar Hyd Y Nos), wobei es sich um die Sterne als Himmelspforte und als Trost für alte Menschen handelt. Schade, dass niemand das Walisische verstehen konnte. Wieder voll konzentriert durfte das Publikum nun Sebastian Landwehr lauschen – der Musiker, der nach dem Studium wieder zurück nach Bonn kam, um seine treue Gefolgschaft dem Folkclub zu erweisen (hatte sicherlich auch andere Gründe:-) ). Mit den Liedern „Sag mir alter Mann“ (Noch immer wird viel Hoffnung auf Antworten aus der Lebenserfahrung von Menschen gelegt), „Muss jetzt geh'n“ (hier wird beschrieben, wie die Rückkehr von Sebastian nach Bonn begann) und Hey Freunde“ (Halt ein Lied über Zusammenhalt und Freunde) zeigte er ein umfangreiches Spektrum seines Könnens und bewies, dass Lieder aus jedem Gefühl etwas machen können. Wenn ich sprachlos bin, dann singe ich und wenn es das Lied, welches passt nicht gibt, dann schreibe ich es. Das ist Liedermachertradition, in der auch das Werken von Sebastian beheimatet ist.

In zwei aufeinandert folgenden Folkclubs auftreten – nein, das geht natürlich nicht, dazu ist der Andrang von Künstlern zu groß – aber wenn ein Künstler Musiker bei verschiedenen Formationen ist, dann kann es schon vorkommen, dass einzelne Gesichter auch zweimal hintereinander auftauchen. Diese Regel beherzigend hat Dennis Ledermann sich kurzerhand seinen Bruder gespannt und erklomm mit ihm die „Bühne“. War es schon großes Kino ihn solo zu hören, so hat das Duo der Ledermann Bros dies noch übertroffen. Mit einem Dennis Song „Circles“ begann der Reigen. Natürlich durfte dann ein Marvin Ledermann Stück (Nightwatch) nicht fehlen – und hier waren dann auch die Himmelskörper beheimatet. Aber auch das Kunststück aus Coversongs etwas eigenes zu machen beherrschten die Zwei. Den „Lieblingsmenschen“ von Namika brachten sie bravourös, so dass das Stück zwar erkannt wurde, aber zu einem Ledermann wurde. Eine Zugabe wurde nach dem brausenden Applaus Pflicht, die mit dem Song „I See Fire“ auch gegeben wurde. Mal schauen, welche Familienmitglieder zum nächsten Folkclub gefunden werden :-).

Gedichtzeit ist seit einigen Folkclubs eine gute Tradition, um das gesamte Spektrum des Liedermachens aufzuzeigen. Ich habe (in früheren Jahren) lange gebraucht, um meine Enttäuschung, bei dem Liederbuch „Des Knaben Wunderhorn“ zu verwinden, dass ich nicht eine einzige Melodie gefunden habe. Aber wer sich mit der Materie beschäftigt weiß schon lange, Lieder sind eine Ausdrucksform Texte/ Inhalte in gesungener Form dem Zuhörer nahe zu bringen – das dies mit eigenen Melodien zu geschehen hat, ist erst eine Erfindung der Neuzeit. In diesem Sinne rezitierte Christoph Thiebes ein Gedicht von Ringelnatz und zeigte dem erstaunten Publikum wieder einmal, dass die Form der Mitteilung über Gedichte, die wir in der Schule fast alle mehr oder weniger gehasst haben, sehr viele Möglichkeiten zeigt, Emotionen zu schildern, aber auch versteckte Botschaften zu transportieren.

Mit einem Kuss als Starthilfe ermuntert (zwar nicht von Maria, sondern von Regine) brachte Bob Marabito die West Side Story in den Folkclub. Bob, der immer gut für Überraschungen und vor allen Dingen nicht auf bestimmte Bereiche festgelegt ist, besang mit „Maria“ einen klingenden Himmelskörper („All the beautiful sounds of the world (also auch der von Himmelskörpern) in a single word“. Warten wir auf die nächste Überraschung von Bob.

Den zweiten Teil des Featured Artist Auftritts von Lauren Napier habe ich bereits oben mit beschrieben. Bliebe zu sagen, dass die kurze Erholung im Folkclub nach der Busfahrt sich schon in einer besseren Entspanntheit von Lauren äußerte.

Finale durfte auch diesmal nicht fehlen. Der Gutsherr Jock Stewart besungen von allen – ohne Ausnahme – beendete nicht nur das Programm, sondern lud auch gleich wieder für den 1. April ein, wenn es um Aprilscherze geht („Joke“ Stewart?)

Sonntag, 6. März 2016

Detlefs Bilder vom Folk club Nr. 67 am 4. März 2016

Die Gitarren warten
John Harrison
 

Paolo Pacifico


Paolo Pacifico, Nick Nuttall, John Hay, Christian Schuster - Quartett (noch) Ohne Namen


 

Lauren Napier





Barry Roshto


Steve Perry

Mario Dompke und Jutta Mensing


Sebastian Landwehr singt eigene Lieder


Die Brüder Dennis und Marvin Ledermann




Christoph Thiebes trägt ein Gedicht von Ringelnatz vor

Bob Marabito sngt "Maria" aus der Westside Story


Peter Kurenbach vom Vorstand des Vereins Haus Müllestumpe

Jock Stewart - der Rausschmeißer