Sonntag, 3. November 2019

Sabines Bilder vom Folk Club Nr. 106 am 4. Oktober 2019

John Harrison


John Harrison und Daniel Bongart



ELPI alias Lothar Prünte


Jörg, Uta, Anke, Steve und Günter


Gerd Schinkel

Doc Wolfman



Shayan


Serena Finatti und Andrea Varnier







Steve Perry und John Harrison mit Ankündigungen

Shawn Spicer


Gregor Salz

Squint Side


Rabbits on Trees alias Lukas Mattke


John Hurd, der rasende Reporter von 3SongsBonn

Barry Roshto

Alle singen Jock Stewart, den Rausschmeißer


Freitag, 1. November 2019

Marios Bericht über den Folk Club im Oktober 2019


Dynamik der Ruhe

geht das? Oder ist es ein Widerspruch? Der letzte Folkclub oder besser gesagt die Featured Artists Serena Finatti und Andrea Varnier zeigten, dass es möglich ist – aber dazu später.

Wie immer begann der Folkclub mit dem Weckruf des Masters John Harrison „Laaadiees and Gentlemen, Mesdam et Messieurs, meine Damen und Herren“! Zum Thema des Tages „Farben“ stieg John auch sofort in die musikalischen Darbietungen mit den farbigen Liedern „Turn Your Money Green“ - einem Versprechen eines mittellosen Liebenden an seine Frau, das wenige Geld bald grün zu färben (also aus Münzen Dollarscheine zu machen). Weiter ging es dann mit „Colours“ einem schottischen Lied, das über die USA zurück nach Schottland kam und dort von Hamish Imlach bekannt gemacht wurde. Viele werden das Lied auch von Joan Baez kennen und erst durch Johns Erläuterungen erfahren haben, dass es ein schottisches Lied ist. Seinen Floor Spot abschließend gab John noch das Lied „Black Bottom“ zum Besten, das über die Armenviertel in den Überschwemmungsgebieten des Mississippi berichtet. Gebieten, die zwar durch den Überschwemmungsschlamm recht fruchtbar, aber eben nur einen Teil des Jahres bewohnbar sind und deshalb von der weißen Bevölkerung den schwarzen „Brüdern und Schwestern“ überlassen wurden.

Daniel Bongart brachte die Farbe über einen kleinen Umweg in sein Lied ein. Mit der Geschichte „Autumn Feeling“ wurde auch die Farbenpracht des Indian Summers angesprochen. Ein Lied, das nicht nur zum Thema des Abends passte, sondern auch die anstehende Jahreszeit einläutete – aber auch ein Lied, mit dem Daniel seine neue CD „Little Bird“ promotete, die in der Pause von ihm verkauft wurde.

Lothar Prünte wartete dann mit zwei Songs auf, die wieder einmal zeigten, was Lothar seiner Stimme – diesmal sogar trotz Erkältung – zumuten kann. „Back to Black“ verwechselnd ähnlich zum Original von Amy Winehouse brachte Lothars Klasse zur Geltung. Und auch wenn bei dem folgenden „Nights in White Satin“ der Text mal schnell zwischendurch aus dem Internet geholt werden musste, brachte dies keine Einschränkung in den musikalischen Genuss und den Spaß am Mitsingen. Lothar ist übrigens auch häufiger Gastgeber der Featured Artists des Folkclubs an folgenden Abenden in seinen Lokalitäten, was insgesamt den Künstlern den Weg nach Bonn interessanter macht (zwei Auftritte direkt hinter einander).

Uta, Anke & Jörg, Günter sowie Steve setzten sich nun mit einem gemeinsam mit dem Publikum gesungenen Kanon „Nach dieser Erde“ für die Umwelt ein. Sie haben dieses Lied auch auf der bundesweiten Demo für ein zukunftsfähiges Klima gesungen. Bereits die erste Textzeile sagt eigentlich schon alles aus und sollte jeden Menschen mindestens nachdenklich stimmen: „Nach dieser Erde wäre da keine, die eines Menschen Wohnung wär'“

Wenn auf der Welt Aufreger passieren – und das ist wohl fast jeden Tag der Fall – dann tritt sehr häufig Gerd Schinkel auf den Plan und macht ein Lied daraus. Heute sang er Eines, das er bereits vor einiger Zeit geschrieben, bzw. einen deutschen Text darauf gemacht hat und das neue Aktualität durch die Brexit Debatte und die damit verbundene neue Trennung von Nord- und Südirland durch eine Grenze erfahren hat. Ein Lied, das über den irischen Bürgerkrieg geschrieben wurde und einfach und emotional leicht verständlich die Situation der Bevölkerung darstellt. „Der Ort, in dem er gern noch wär“ bringt diese Emotion sehr gut rüber. Mit wohlgesetzten Worten war die Anklage zu spüren, ohne dass diese platt ausgesprochen werden musste. Mir hat dieses Lied sehr gut gefallen.

Ein weiteres Lied das „Colours“ heißt wurde von Doc Wolfman gesungen und gespielt. Ebenso wie im Original von Donovan kam neben Stimme und Gitarre auch die Mundharmonika zu Ton. Natürlich ist das Lied gut bekannt und das Publikum ließ es sich nicht nehmen mitzusingen. Auch beim folgenden „Fiddlers Green“ kann nicht von einem unbekannten Lied gesprochen werden. Die Geschichte der Reise von Fischern nach ihrem Tod in ihr Fischerparadies hat wohl jeder schon mal gehört und so konnte auch bei seiner deutschen Übersetzung mitgesungen werden. Beim Thema bleibend (Fischer) sang Doc Wolfman nun eine deutsche Version eines Pete Seeger Liedes. „Windiges Wetter“ beschreibt eine Fischfangfahrt (tolles Wort), bei dem die Fische am Fischkutter hochspringen, um die Fischer am Fischfang zu hindern.

Shayan, bekannt durch einen Walk in Auftritt beim letzten Folkclubs, hatte diesmal seinen ersten angekündigten Auftritt im FCB. In persischer Sprache, deshalb von den Wenigsten im Raum inhaltlich verstanden, sang er drei Lieder über die Liebe. Die Originaltitel kenne ich nicht, aber Shayan kündigte die Lieder mit „Sultan Herz“ und „Maybe I Love You“ und „Iran, Liebe Heimat“ an. Ich bin sicher wir werden Shayan noch häufiger hören und bei dem Fortschritt im Beherrschen der deutschen Sprache, den ich in einem Monat bei ihm feststellen konnte, wird euer Chronist das nächste Mal sicher viel mehr über die Inhalte der Lieder schreiben können.

Nun, das mit den Inhalten und der Sprachverwirrung war auch bei dem folgenden Auftritt der Featured Artists „Serena Finatti & Andrea Varnier“ ein bisschen vorhanden. Das Deutsche der Beiden beschränkt sich wohl auf die Bestellung von zwei Bier, also erläuterte Andrea die Stücke meist auf Englisch, und Serena sang auf Italienisch und bei einigen Lieder friaulisch (hoffentlich habe ich das jetzt richtig geschrieben) – hier kommt die Überschrift des Artikels ins Spiel. Die meisten Lieder handelten (wie übrigens die meisten existierenden Lieder überhaupt) von der Liebe. Die Lieder der Beiden sind häufig getragene Balladen – aber ich habe es bisher noch nie erlebt, wie auch bei ruhigen Liedern so viel Körperdynamik mit ins Spiel kommt, wie durch Gestik und Bewegung der Inhalt des Liedes dargebracht wird und wie beim Vortrag die Emotion durch stimmliche und Bewegungsdynamik auf die Bühne gebracht wurde. Wenn ich nicht vor lauter Begeisterung frenetisch hätte klatschen müssen, wäre ich wahrscheinlich nach jedem Lied erst mal eine lange Zeit in eine innere, begeisterte Reflexion jedes einzelnen Tones versunken. Ich sag nur: Wenn die Beiden irgendwo in die Nähe eurer Aufenthaltsorte kommen – unbedingt hingehen, das erlebt man nur selten. Aber nun wieder ganz nüchtern (fällt schwer, denn selbst mit einem gehörigen zeitlichen Abstand kommt schon wieder die Begeisterung durch). Diese Emotionalität wurde mit den Liedern „Bes Di Diu“, „Anin A Gris“ und „Fasin Un Cjan“ vor der Pause und „Presunta Realita“, „E Penso A Te“, „Chissa“ und „Abbraciami“ nach der Pause dargeboten. Ich glaube es ist fast unnötig zu sagen, dass natürlich eine Zugabe her musste. Diese war dann nicht auf Italienisch, sondern zum Mitsingen wurde gemeinsam das Lied „True Colour“ gesungen.

Aber ich bin schon nach vorne gesprungen, deshalb noch einmal zurück. Nach der Pause wurde die ebenerdige Bühne von Steve und John erklommen, um noch vor den Announcements das Lied des „Grand Old Duke of York“ zu singen. Ein Lied, das als Kinderlied auch für Erwachsene sportliche Betätigung garantiert.

Shawn Spicer und Gregor Salz übernahmen nun die Bühne und brachten ein paar Songs von Shawn zu Gehör. „Will Be Right As Rain“ eine Redewendung, die in etwa ausdrückt, zwischen uns wird alles gut sein, zog den Zusammenhang zum Thema Colours durch die innere Stimmung von Menschen, also einer Stimmungsfärbung. Erschien das Lied mit einem überschaubaren Tonumfang, so fesselte es (wie auch die beiden folgenden Lieder) durch den harmonischen Zusammenklang der Stimme mit den zwei begleitenden Gitarren. Die eingestreuten Soli der einen Gitarre zauberten wunderschöne Übergänge zwischen den Strophen in die Ohren des Publikums. Ebenso ging es bei den Liedern „Where Does The Time Go“ (eine Frage, die sich gerade Menschen in meinem Alter fast täglich stellen) und „The Blink Of An Eye“ weiter.

Die Gruppe Squint Side griff nach den eher ruhigen Klängen in die Stimmungskiste. War es mit „Wagon Wheel“, einem Bluegrass/ Oldtimestück noch der Aufbau von Stimmung, so brauste die gute Laune mit „Leef Marie“ gewaltig durch den Raum. Nach der kölschen Glückseligkeit ging es wieder zurück auf die Baumwollfelder und mit „Cotton Fields“ in ebenfalls bekannte Textgefilde, so dass das Publikum den bei Leef Marie begonnenen Chor auch weiter stellen konnte.

Rabbits on Trees ist ein 23jähriger Songwriter (Lukas Mattke), der nach eigenen Angaben „sein Studium geschmissen hat, um sich mit seinen explosiven Folk-Punk-Songs über Herzschmerz und Tatendrang die Finger wund zu spielen.“ Beim Folkclub ist er schon mal sehr gut angekommen und konnte für seine Songs „Tree Hugging“ und „Stay There Kids“ großen Applaus einsammeln.

Obwohl der Abend mit vielen Künstlern, lang andauerndem Applaus und vielen Erklärungen zu den Liedern recht lang ausgefallen ist, durfte natürlich das abschließende und Völker vereinende, gemeinsame Jock Stewart nicht fehlen. Beschwingt mit dieser Melodie im Ohr, bin dann auch ich nach Hause gefahren und freue mich seit dem auf den nächsten Folk Club, der – wegen des Stillen Feiertages Allerheiligen am 1. November, der gleichzeitig der erste Freitag des Monats ist – diesmal eine Woche später am 8. November stattfindet.

Also: Out of the bedroom – kommt am 8.November 2019 zum Folk Club ins Dotty's.

Dienstag, 8. Oktober 2019

FOLK CLUB BONN #106 WITH SERENA FINATTI AND ANDREA VARNIER FROM ITALY.

What a wonderful evening October's FCB # 106 turned out to be.

There wasn't even one violin to be seen or heard this time, after five violins being present in September, but the hall at Dotty's Sports Bar in the BTHV (Bonn's Tennis and Hockey sports club) was certainly awash with colour. "Colour" was the theme of the evening, and as usual, the many performers all did their best to fit their songs in with the evening's theme. This is, of course, not an obligation, but nearly everyone joins in, even if some of the associations with the monthly theme are very fine examples of the vivid and surreal and fertile imaginations of our performers, rather than strict adherence to the theme.



Serena & Andrea capturing the fact that music is jolly good fun!

If you were not there, you were very unfortunate and missed another wonderful musical evening.

Fortunately, for those of you who weren't there, John Hurd of 3SongsBonn WAS there and his report and photos easily provide the very next best thing to not having been there personally yourself.

For those fortunate few who actually WERE there, here is a most wonderful memento of the evening with John Hurd's inimitable style of good prose and cracking photos.

Click here to go and see:

3songsbonn

There are also some additional photos here:

More photos here.

Enjoy!

Thanks again, John Hurd!


Donnerstag, 3. Oktober 2019

Detlefs Bericht zum Folk Club im September


Folk Club Nr. 105 am 6. September – Stürmisches Wetter

Stürmisch waren einige Lieder, aber das Wetter meinte es durchaus gut an diesem Folkclub-Freitag.

John Harrison und Eva Henneken eröffneten den Abend gemeinsam mit Liedern zum Thema. Bei „Stormy Weather“ und „Stormy Monday“ nahmen sie es ganz wörtlich. Den Titel „The World Turned Upside Down“ muss man entsprechend interpretieren, und dann passt es wunderbar. John interpretierte das Lied als kleine Warnung um auf Boris Johnsons Attacke auf die Rechte des britischen Parlaments. „Boris pass auf, Jakob der Erste wurde für den Anschlag aufs Parlament geköpft“, war Johns Kommentar. Eva und John zeigten sich beide spielfreudig wie immer. Eva glänzte mit wunderbaren Soli – die Geige bewies durchaus auch Qualitäten für den Blues, und Johns Gesangsinterpretationen sind einfach umwerfend – großer Applaus für die beiden.

Timmy, Evas kleiner Sohn, durfte danach zeigen, dass er auch schon etwas auf der Geige kann (klar, bei der Mama) – „Hejo, spann den Wagen an“ konnte das Publikum, begleitet von Timmy und der Mama im Kanon singen, und das sogar dreistimmig.

Gert Müller, unser Mann für alle Gedichte, kann nicht nur Bonner Platt. Gert glänzte diesmal – begleitet von Steve Perry auf der Gitarre – mit einer kleinen Kostprobe aus der Bühnenshow „Rock ‘n Rollator Show“: Der „Altersheim Rap“ (Take a Walk On the Wild Side) ist ein wunderbarer Spaß und eine fantastische Werbung für die Rollator Show.

ElPi alias Lothar Prünte ist gleichfalls ein Mann für alle Gelegenheiten, zumindest für die musikalischen. Sein Repertoire scheint unerschöpflich. „Ride like the Wind“ von Christopher Cross passte perfekt zum Thema und was viel wichtiger ist, das nicht ganz einfache Lied wurde von Lothar mit einer Leichtigkeit gesungen und gespielt, das es eine Freude war. Das Gleiche galt auch für „Take the Weather With You“ von Christopher Cross. Lothars Beiträge sind immer ein Genuss.

Neu im Folk Club waren Isabel und Karolin, beide mit Gitarre ausgestattet. Karolin steuerte die Gesangsstimme bei. Mit „Til It Shines“ von Bob Seger starteten sie ihr Set. Auch das muss man einmal lobend hervorheben: Karolin stellte die Stücke mit klarer und deutlicher Stimme vor, so dass jeder verstehen konnte, was als nächstes zu hören war. Ziemlich häufig gibt es leider bei dieser Gelegenheit nur verhuschtes Gemurmel. So klar und deutlich wie die Vorstellung der Stücke war auch Karolins Gesang und zudem ausdrucksstark und intonationssicher. Zusammen mit den beiden gekonnt gespielten Gitarren boten Isabel und Karolin eine super Vorstellung für das Publikum. Das alte irische Lied „The Star of the County Down“ ist ein Klassiker, den man immer wieder gern hört. Meiner Erinnerung zufolge gab es das Lied „Lonely People“ von America aber bislang im Folk Club noch nicht zu hören. Wenn diese Erinnerung getrogen hat, dann dürft ihr im Blog gern einen Kommentar hinterlassen. Ihr dürft aber ohnehin gern einen Kommentar abgeben, wenn es nicht gerade Schmähkritik ist. Applaus für die Beiden verbunden mit dem Wunsch nach einem weiteren Auftritt.

Die Geige hatte heute einen besonderen Tag, als ob sich die Musiker abgesprochen hätten: Johannes Epremian, der ansonsten mit der Gruppe „Le Clou“ auftritt, stellte als Solokünstler Cajun-Stücke vor. Cajun ist oder war die Musik der französischsprachigen Bewohner von Louisiana im äußersten Süden der USA. „Les Barbes de La Prison“ heißt der Walzer (der aber kein Walzer ist). Johannes spielt Geige (und wie!) und singt dazu, eine ungewöhnliche Kombination. Besonders ungewöhnlich aber ist Johannes‘ Stimme: Wie ein Vulkan kommt sie daher und ist dabei doch einfühlsam, wunderbar tragend mit leichtem Vibrato und zudem prägnant in der Artikulation – grandios. Für Leute wie ihn ist eine Bühne ohne elektrische Verstärkung wie geschaffen. Nur instrumental ist ein Stück, dessen Ursprung nicht ganz klar ist. Es heißt „Michael Turner’s Waltz“. Diesmal ist es tatsächlich ein Walzer, also ein Stück im Dreiertakt. Der Komponist, der schottische Arzt Michael Turner, hat die Melodie vermutlich bei Mozart geklaut.

Eine witzige Geschichte steht hinter dem Lied „Blues de Soulard“ (Saufkoppblues), das über ein Paar berichtet, die 77 Jahre lang verheiratet waren. Gefragt nach dem Geheimnis ihres langen Lebens und ihrer langen Ehe hätten sie unisono geantwortet: „Wir beide haben dasselbe Hobby, wir saufen beide gerne!“ Tja, das sollten wir mal den Moralaposteln unter die Nase reiben. Ein bemerkenswerter Beitrag von Johannes, der frenetischen Applaus erntete.

Die Featured Artists des Abends haben sich den witzigen Namen AGA+ gegeben. AGA+ steht für Astrid Kröger-Schönbach (Akkordeon und Gesang), Gabriella Acsai, (Flöte und Gesang), Anja Städtler (Violine und Gesang) sowie Frederic Schönbach als das Plus am Kontrabass. Die drei Frauen und ihr männlicher Kollege widmen sich der Kombination Klezmer-Tango-Jazz-Folk mit wahrer Leidenschaft. „Mit‘n Fidele“ ist ein schwungvolles Klezmer-Instrumentalstück.

Miteinander kombiniert sind die Lieder „Ne aludj el“, ein Liebeslied aus Gabriellas ungarischer Heimat und das serbische „Ajde Jano“, ein altes Volkslied, das gern bei Partys gesungen und gespielt wird. Das Lied im für den Balkan typischen 7/8 Takt ist mitreißend, dabei muss man einfach tanzen! Wunderbar die Stimmen der drei Frauen.
Ebenfalls eine Kombination verschiedener Stücke nennt sich „Stolen Moments“ und besteht aus den Tänzen Hora (langsam im ¾ Takt), Freilach (etwas schneller im 4/4 Takt) und Bulgar (wild).
Land


„Land of Choice“, ebenfalls ein instrumentales Mischstück, besteht aus Melodien der Stile Gipsy, Klezmer und Czardas. Umgearbeitet zu einen Klezmerstück haben die Vier das Lied von Jason Derulo „Talk Dirty“ – beachtlich. Als offizielle Hymne der Zigeuner gilt das Lied „Djelem Djelem“, das Gabrielle in ihrer ungarischen Muttersprache singt – bezaubernd sowohl Gabrielles Solopart mit ihrer wunderbaren Stimme als auch der vierstimmige Refrain.

Zum Schluss, na ja noch nicht ganz, gab es noch ein Instrumentalstück kombiniert aus den Tänzen Freilach und Kolomeike. Nun, wie schon angekündigt, war das natürlich nicht ganz der Schluss. Als Zugabe durfte das Publikum sich über das bekannte Lied „Bei mir bist du schön“ freuen und auch ein wenig mitsingen.

Mit begeisterndem Applaus wurden die Vier entlassen.
Nun, wir haben die Reihenfolge nicht eingehalten und die Sets von AGA+ vor der Pause und am Ende des Abends zusammengefasst. Es gab noch mehr zu hören an diesem vielseitigen Abend:

Steve Perry eröffnete den zweiten Teil mit einem Lied mit tiefschwarzem Humor von Sheldon Harnick (Wikipedia, das alles weiß, sagt, dass das Stück entgegen weitverbreiteter Auffassung nicht von Tom Lehrer stamme): „The Merry Minuet“ wurde bekannt in der Interpretation des Kingston Trios. „They‘re rioting in Africa, they’re starving in Spain“ startet der Text zu einer lustigen Melodie im Dreivierteltakt. Zur Lösung der Widrigkeiten des Weltgeschehens haben die Menschen auch schon das richtige Mittel entwickelt: Ein kleiner Druck auf den roten Knopf, und alles ist erledigt. Bei dem Lied weiß man nicht, ob man lachen oder weinen soll.

Schahan aus Persien stellte uns danach ein Lied in seiner Muttersprache vor. Leider gab es dazu keine vertieften Informationen, aber ich kann versichern, dass es sehr schön gesungen wurde zu einer fein gezupften Gitarrenbegleitung mit einer eher spanisch anmutenden Melodie. Dass er sich der spanischen Musik verbunden fühlt, bewies Schahan auch mit seinem zweiten Lied, das er auf Spanisch sang. So etwas erfreut das Publikum, und entsprechend großzügig fiel der Applaus aus.

Mario Dompke und Sonja wollten eigentlich schon im vorigen Folk Club mit einer weiteren Dame als Trio antreten, aber damals musste Mario wegen der erkrankten Kolleginnen als „Bube ohne Damen“ spielen. Diesmal waren sie zumindest zu zweit. Statt des geplanten Namens „Damen mit Bube“ musste nun ein anderer Name für die Gruppierung her: Die Wahl fiel auf „Fomianderl“, eine Abkürzung für „Folk, Mittelalter-Musik und andere schöne Lieder“ – die Abkürzung ist, wie man sieht, selbsterklärend. Das präsentierte Lied passte so ungefähr zum Thema. Es stammt von Joan Baez und behandelt die Stürme in ihrem Herzen nach der Trennung von einem gewissen Robert Zimmerman alias Bob Dylan. „Diamonds And Rust“ lautet der Titel des emotionalen Liedes, das Sonja mit ihrer feinen Stimme vortrug. Bravo Sonja und Mario.

Etwas verlegen aber dann doch überzeugend stellten sich dann die beiden Freundinnen Ulrike und Anouk mit jeweils einem Lied vor.

Ulrike präsentierte ihre adaptierte Version des Liedes der Arctic Monkeys „Do I Wanna Know“. Schön gesungen und gespielt, aber die Artikulation des Textes ist noch etwas verbesserungsbedürftig. Euer Chronist, der alles andere als sattelfest bei den aktuellen Popsongs ist, und die Hilfe des Internets beim Herausfinden der Titel benötigt, hatte ganz schön Mühe, aus den wenigen verständlichen Textfragmenten das Lied zu identifizieren. Aber ich habe es geschafft.

Bei Anouks Lied – „Que Vendra“ von ZAZ – gab es weniger Identifizierungsaufwand. Anouk stellte das Lied schlicht und einfach am Anfang vor. Zu dem lyrischen Lied mit einem Text halb auf Französisch, halb auf Spanisch passte Anouks klare Stimme und das differenzierte Gitarren-Fingerpicking wunderbar. Großer Applaus für Beide.

Fritz Kasper aus Köln, der bereits im Folk Club im vorigen aufgetreten war kam diesmal mit zwei weiteren jungen Herren (Peter Parnow, Bass, Gitarre und Gesang; Chris Frank, Schlagzeug) als Gruppe „The Shift“. Die drei legten sofort mit ihrem eigenen Lied „The Fear“ los und präsentierten Musik mit einem tollen Sound und ausgereiftem Arrangement – alle Achtung! “Stormy Weather“, ganz passend zum Thema, ist eine Coverversion eines Liedes der britischen Band The Kooks. Mir gefällt die Version der drei Kölner Jungs viel besser als das Original. Es ist vielleicht meinem Alter geschuldet, aber die delikatere und stärker auf die Singstimme und weniger auf dröhnende Bässe und Heavy-Metal-Gitarren fokussierte Präsentation spricht mich einfach mehr an. Das Lied hat zwar den gleichen Titel wie das erste Lied des Abends, das John und Eva vortrugen. Deren Lied "Stormy Weather" ist aber ein Klassiker von Harald Arlen und Ted Hoehler und aus dem Jahr 1933. „Just a Song“ war dann wieder eine feine Eigenproduktion. Großer Applaus für die Drei, von denen wir sicherlich noch viel hören werden.

Schon fast Stammgäste im Folk Club sind Volker Lindner und Jan Hoffmann alias „Die Folkscheuchen“ aus Roisdorf, die uns immer wieder mit ihren originellen Liedern überraschen und erfreuen. Volker ordnet ihre Musik in die Kategorie „Akustikmetal“ ein. Die Texte der Lieder – erfreulicherweise in deutscher Sprache – sind teils schräg und teils nachdenklich und meist beides, auf jeden Fall unterhaltsam. „Die Geschichte des Gehenkten“ ist ein gutes Beispiel dafür: Die Schlinge zieht sich nicht zu, und der Delinquent überlebt – puhh, das ging gerade noch einmal gut. Wer von uns hat – nicht ganz so dramatisch aber im übertragenen Sinne – solch eine Situation nicht schon einmal erlebt?! Beim „Bildersturm“, der durch ein wildes Geigensolo von Volker unterstrichen wird, geht es um einen Spaziergang im Winter. Der Sturm der Bilder findet in diesem Lied eher in den Köpfen der Menschen statt. Beim „Aufbruch“ geht es um den rastlosen Weg des Menschen, der unaufhaltsam dem Ende zustrebt. Auch hier geht es oft stürmisch zu – leider wahr, aber auch erschreckend. Dies war nicht das Endes des Abends, denn der zweite Teil von AGA+ kam ja noch hinterher (siehe weiter vorn in diesem Text), aber hiermit endet unser Bericht über den wieder unterhaltsamen, vielseitigen und mit hervorragenden Auftritten gespickten Abend.

Aber halt, der Rausschmeißer „Jock Stewart“, quasi das traditionelle Schlussgebet, mit dem die Gemeinde die Messe beendet, darf nicht unerwähnt bleiben.

Auf Wiedersehen beim Folk Club Nr. 106 am 4. Oktober. Wir dürfen uns auf Serena Finatti (die kleine Frau mit der großen Stimme) und ihren Begleiter Andrea Varnier (kunstvolle Gitarrenunterstützung) aus Italien freuen.