Mittwoch, 26. August 2015

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 60 am 3. Juli 2015


Folk Club Nr. 60 am 3. Juli 2015 – Hitze pur

Manchmal haben die Widrigkeiten auch ihr Gutes wie an diesem Abend: Die Hitze war zwar nahezu unerträglich und das Publikum dementsprechend weniger zahlreich, aber es entwickelte sich dadurch eine wunderschöne Intimität im Saal, mit der Musiker und Publikum noch stärker als sonst zueinander rückten. Euer Chronist möchte zudem auch wegen einiger vielleicht nicht so vorteilhafter Bilder um Nachsicht bitten. Der Schweiß floss bei den Musikern in Strömen.
John Harrisons Einstiegslied „St. James’ Infirmary“ – wunderbar gesungen und toll selbst begleitet auf seiner Tri Cone Resonator-Gitarre – hatte somit vielleicht auch programmatischen Charakter, hätte sich doch angesichts der Hitze manch einer gern in ein klimatisiertes Sanatorium verzogen – aber eins, in dem kühles Bier serviert wird – über diesen kleinen Umweg steuerte das Lied auch etwas zum Thema des Abends „Fernweh“ bei. So komfortabel ging es allerdings in dem besungenen Spital einst nicht zu – dann doch lieber die Demse im Folk Club. Da der Saal nicht so vollgepackt war, lief auch der Getränkenachschub erheblich flüssiger als sonst.
„Swift“ ist Johns bezauberndes Gedicht über die geheimnisvollen Mauersegler (der Vogel heißt auf Englisch „swift“), die mit ihrem Schrieeeek, Schrrieeeek den Städten die akustische Charakteristik des Sommers verleihen. Sie kommen Ende April oder wie dieses Jahr erst Anfang Mai in unsere Städte, beginnen sofort mit dem Brutgeschäft und verschwinden – Mama, Papa und so rasch schon flügge Kinder – Ende Juli, Anfang August wieder gen Süden. Wer als Städter noch nicht ganz die emotionale Verbundenheit mit Fauna und Flora verloren hat, der empfindet dieses spezielle Kribbeln, wenn das charakteristische Geschrei am Himmel ertönt und spürt auch sofort, wenn es eines schönen Morgens nicht mehr da ist – dann neigt sich der Sommer dem Ende zu. Geheimnisvoll an den akrobatischen Jägern ist, dass sie quasi ihr gesamtes Leben in der Luft verbringen. Lediglich, wenn sie das Nest herrichten, die Eier bebrüten und danach die Jungen füttern, fliegen sie nicht. Sollte eines der Tiere versehentlich am Boden landen, kommt es nicht mehr in die Lüfte. Ein Wunder der Natur ist auch, wie ein solcher Vogel es vermag, im Flug ein Insekt zu erhaschen – und sie erhaschen viele. Wer einmal versucht hat, eine fliegende Fliege zu schnappen, weiß Bescheid. Mit herrlichen Wortspielen, Alliterationen und gekonnter Versrhythmik würdigte John diese auffälligen Sommerboten. Zudem passte es auch gut zum Thema „Fernweh“, denn wer reist schon so oft und so weit wie diese Zuvögel.
Hernach ging’s wieder zurück zur ach so schönen Melancholie mit Altmeister Robert Johnsons Blues „Love in Vain“.
Bob Marabito unterstützt von Mario Dompke heizte der Gemeinde mit Lou Reeds Klassiker „Take a Walk On The Wild Side“ ein. 1972 war das Lied eine Provokation wegen seiner Anspielungen auf Transsexualität, Drogen, homosexuelle Prostitution und sonstige Sexpraktiken. Heute würden sich die Moralwächter eher an dem politisch unkorrekten kleinen Einwurf vor dem doo, dooo doo-Refrain „And the colored girls go“ reiben. Das Publikum hatte jedenfalls keine moralischen Vorbehalte und sang den Refrain begeistert mit.
Immer ein besonderes Ereignis – na, ja euer Chronist darf sich schließlich auch ein paar Vorlieben erlauben – sind die Auftritte von Tatjana Schwarz und Ralf Haupts alias 2Sunny. An diesem Abend machten sie auch ihrem zweideutigen Künstlernamen alle Ehre – ein wenig weniger Sonne und Hitze hätten auch gereicht. Von 2Sunny hingegen kann man gar nicht genug kriegen. Tatjanas geschmeidige Altstimme und Ralfs gekonnte Gitarrenbegleitung zauberten eine elektrisierte Stimmung in den warmen Sommerabend. „Ich brauch Tapetenwechsel“ passte gut zum Thema des Abends und „Summertime“ zur Jahreszeit. Bei diesem Lied kam auch Tatjanas Altsaxophon zum Einsatz – herrliche Wechsel zwischen Gesangs- und Instrumentalteilen, besonders schön kombiniert mit effektvollen Tempiwechseln.  Wunderbar im Hintergrund hielt sich Ralf mit sparsamen und genial verzögerten Gitarreneinsprengseln – wunderbare Mollakkorde und kleine Riffs. Das Lied war einer der Favoriten des Abends für euren Berichterstatter.
Bei Donovans „Catch the Wind“ konnten beide mit Bravour zeigen, dass sie auch wunderschön zweistimmig singen können. Schade nur, dass es nur drei Beiträge von den beiden zu hören gab. Es dürfte aber sicherlich nicht der letzte Auftritt von Tatjana und Ralf im Folk Club gewesen sein.
Eine wunderbare Überraschung boten Daniel und Julia Cota Loreto. Daniel aus Mexiko war im Juni 2014 von John aus der Fußgängerzone Bonns weg in den Folk Club gelockt worden, wo er mit seiner voluminösen Tenorstimme begeisterte. Diesmal kam er mit weiblicher Begleitung seiner Frau Julia. Die beiden brannten gleich vom Start weg ein musikalisches Feuerwerk mit Gänsehauteffekt ab. „Esa Noche“ (Diese Nacht) war einst ein Superhit der Gruppe Café Tacuba in Mexiko. Mit herrlichem zweistimmigem Gesang vermittelten die beiden mexikanisches Lebensgefühl. Ein mexikanisches Volkslied ist „Mexico, lindo y querido“ (Schönes und geliebtes Mexiko), das beide mit viel Inbrunst sangen und spielten. Julia und Daniel durften die Bühne nicht ohne eine Zugabe verlassen. Die gab es in Form eines Liedes in portugiesischer Sprache mit dem Titel „Um  pouco de sunshine“, der brasilianischen Sängerin Flavia Coelho, die aber in Paris lebt. Viel Applaus vom Publikum und herzlichen Dank auch von hier!
Einige Kostproben seiner zahlreichen Lieder bot Mario Dompke. Witzig war das Lied über die kosmopolitische Thüringer Bratwurst, nach deren grillbrauner Haut Mario schmachtete. „Lokalteil Seite drei“ handelte von Menschen, die an ihrem Idealismus zugrunde gehen und dafür noch im Tode getadelt werden. Ebenfalls schwerere Kost war das Lied „Afrika“, das zwar schon vor 15 Jahren entstanden war, aber durch die derzeitigen Flüchtlingsdramen einen ganz aktuellen Bezug bekommen hat. „Die neue Welt“ war danach Marios Aufruf zu mehr Gemeinsamkeit.
Mit einem Reigen wunderbar vorgetragener Gedichte wartete Dieter Faring auf. „Die zwei Ameisen“ von Joachim Ringelnatz wollten zwar nach Australien, gaben aber schon nach kurzer Wegstrecke auf. Ebenfalls von Ringelnatz stammt die hintersinnige Abschiedsreise eines Liebenden mit dem Titel „Ich hab dich so lieb“. Ringelnatz hat auch das Gedicht vom armen Sauerampfer am Bahndamm geschrieben, der nur Züge zu sehen bekommt aber nie einen Dampfer. Vom Altmeister Heinz Erhardt stammt das Gedicht über das Gewitter, das mit einer unerwarteten Wendung der Stilebene endet, als die Jungfrau aus der Tür tritt und dann ganz unjungfräulich über das Sauwetter schimpft. Nach den Werken der großen Verseschmiede präsentierte Dieter Einiges selbst Gedichtete: Im Katzengedicht geht es um einen liebestollen Kater und seinen ebenfalls katerigen aber etwas kleineren Freund, der die Sache zwischen Kater und Katze noch nicht so ganz versteht. Die armen Düsseldorfer bekommen ihr Fett weg, als der liebe Gott lieber die Kirchensteuer zurückgibt als einen Düsseldorfer in den Himmel lässt. Zu guter letzt sang Dieter das Klagelied über den PC („Oh, mein PC!“) auf die Melodie von „Oh, mein Papa“, der uns viel Geduld mit seinen Macken abverlangt.
Dieter, du hast  ein besonderes komödiantisches Talent und tolle Gedichtideen obendrein – ein Superspaß!
Zum Abschluss des Abends warteten Stephan Weidt und Ulrike Hund mit ihren nachdenklichen und geheimnisvollen Liedern auf. „Licht lag auf dem See“ stammt aus Stephans Feder und beschreibt zwei Menschen, die sich beim Schwimmen von den anderen entfernen. „Wir schreiben keinen Abschiedsbrief, wir sind nicht zu fassen“ lautet eine Zeile. Wohin die Reise gehen soll, erzählt uns das Gedicht aber nicht. Es scheint aber kein zuversichtlicher und optimistischer Weg zu sein. Wunderbar bei dem Lied waren Ulrikes Querflötensolos zur besonderen Melodie des Stückes. „Ma Liberte“ von Georges Moustaki beschreibt den Weg zurück aus der Freiheit in die Abhängigkeit einer Liebesbeziehung.  Bei „Ein schöner Tag“ einem Lied wieder aus dem eigenem Fundus, wechselte Stephan seine Gitarre gegen das Klavier ein. Das Lied wurde an einem Vorfrühlingstag geschrieben und schildert die wunderbare Atmosphäre der ersten belebenden, warmen Sonnenstrahlen und ihre Wirkung auch im übertragenen Sinne auf die Beziehung zweier Menschen. Zum Schluss gab es mit „As Tears Go By“ einen leicht sentimentalen Stones-Klassiker, bei dem Ulrike nochmals mit ihrer Flöte glänzen konnte – großer Applaus für Ulrike und Stephan für diesen schönen Beitrag.
Natürlich ging auch dieser Abend nicht ohne den Rausschmeißer „Jock Stewart“ zuende, ein Abend wieder mit vielen kleinen künstlerischen Edelsteinen.
Auf Wiedersehen am 4. September mit den „features Artists“ Dan Walsh aus Großbritannien und Slack Bird alias Dave Kras aus Finnland, die uns mit ihren Künsten am Banjo einheizen werden.

Sonntag, 23. August 2015

Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 60 Im Juli 2015







Master John Harrison eröffnet den Abend

St. James' Infirmary



John Marabito

zusammen mit Mario Dompke

Tatjana Schwarz und Ralf Haupts alias 2Sunny




Danie Cota Loreto zusammen mit seiner Frau

Julia



Mario Dompke


Gedichtrezitationen von Dieter Faring



Stephan Weidt zusammen mit

Ulrike Hund



Jock Stewart zum Abschluss


John führt umwelttechnisch vorbildliche Transportorganisation vor



Freitag, 7. August 2015

Condolences

John & Monika, our gracious hostess at the Gastätte zum Schützenhaus in July 2010.

Our thoughts are with Monika Höck-Cetinkaya, whose husband Cavit Cetinkaya recently passed away. Monika was our landlady at the Gaststätte zum Schützenhaus during the very first year of Folk Club Bonn in 2010. She gave us great encouragement and always made us feel very welcome as we were finding our collective musical feet and Cavit was a wonderful warm hearted person whose absence will be missed by many.

The Folk Club Team