Dienstag, 28. Februar 2017

Marios Bericht vom Folk Club Nr. 77 im Februar 2017


Flüchtlinge, Refugees – ein Thema des Schreckens, der Angst aber auch der Hoffnung

Jeder Folkclub steht unter einem Motto, an welches die Künstler sich nicht halten müssen, aber es doch gewünscht ist, darauf einzugehen. In unserer heutigen, gelebten Zeit kann das Thema Flüchtlinge gar nicht oft genug in eine emotionale, doch hoffentlich sachlich geführte Diskussion eingebracht werden – viel zu oft wird bei uns und in and'ren Ländern so hanebüchen über das Thema gesprochen, dass es mich zutiefst erschreckt. Würde nun dieses Erschrecken seiner physiologischen Grundlage folgen und nach einem ersten Flucht oder Angriffsimpuls die Situation sachgerecht beurteilen, um dann wieder zu einer ausdauernd, haltbaren Anpassung zurückzukehren, wäre ja alles gut – aber, je weniger wir aus einer Wohlstandssituation heraus bereit sind Veränderungen zu akzeptieren, desto weniger werden wir Schreck als notwendigen Anstoß zu Veränderung akzeptieren.

Nicht so bei jeder Eröffnungszeremonie des Folkclubs. Das  plötzlich geschmetterte „Laaadiieees and Gentlemen...“ des Zeremonienmeisters John Harrison erschreckt (trotz vorhandener Erwartungshaltung) immer wieder, führt aber  folgerichtig zu der gewünschten physiologischen Reaktion  einer Abwehrhaltung (auch gegen Unbekanntes) und gleichzeitig zu einer Konditionierung des Körpers für die anstehende Aufgabe – erhöhte Sauerstoffzufuhr durch tiefes Einatmen, Anspannung der Muskeln für schnelle Reaktionen und Ansteigen des Adrenalinspiegels um Muskeln, Gedanken und nervliche Verbindungen zu aktivieren. Alles zusammen führt zu einer ungeteilten Aufmerksamkeit des Publikums auf das startende Programm.

Dieses begann dem Thema folgend mit der Interpretation von Bob Dylans „I Pity the  Poor Immigrant“ durch John Harrison. Auch wenn John selten Bob Dylan Songs singt (Bob singt ja auch keine von John), so war dieses Lied ein sehr gelungener Einstieg in den Abend. Vervollständigt wurde dieser Einstieg durch John, Steve und Regine, in dem sie den Willkommensgruß der Freiheitsstatue von Amerika verlasen und so den Widerspruch aktueller amerikanischer Politik mit der eigenen Kultur aufzeigten:

Gebt mir Eure Müden, Eure Armen,
Eure geknechteten Massen, die sich danach sehnen, endlich frei atmen zu können,
Den elenden Abfall Eurer gedrängten Küsten.
Schickt mir diese, die Heimatlosen, die von Stürmen Hin-und-Her-Getriebenen,
Hoch halte ich mein Licht am goldenen Tor.“

John ließ noch zwei Eigenkompositionen folgen und verankerte so das gewählte Thema unauflösbar für den Rest des Abends. „1001“ handelt von den Bildern der Kriege in  Indochina und „Trouble And Strife“ über den ersten Krieg nach dem zweiten Weltkrieg auf europäischem Boden. Wohl jeder im Saal stellte sich die Frage, wo wir heute stehen, wo Demokratie und Tyrannei beginnen zwei Seiten der gleichen Medaille zu werden.

Von einem emigrierten Dichter erzählte dann der Poesiebarde Gert Müller. Sein Kumpel und Dialektdichter Gerd Böhm ist nämlich von Friesdorf nach Neunkirchen-Seelscheid gezogen – es blieb im Verborgenen, ob dies aus politischem Antrieb, existenzieller Not oder einfach dem Wunsch nach Veränderung geschah. Auf alle Fälle zeigte die rheinische Nachdichtung der biblischen Geschichte, wie aus Wasser Wein wurde, eine christliche Form von Problemlösungen auf. Heute würde wahrscheinlich von Innovationen als Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen gesprochen.

Hans-Günter Peters ging das Thema wieder anders an. Die Sehnsucht nach Rückkehr ins eigene Zuhause zeigt auch das Countrylied von John Denver „Country Roads“ auf. Unendliche Weite, Sicherheit usw. alles schön und gut – aber das Heimweh kneift trotzdem immer wieder.

Steve Perry setzte mit dem Lied „When I First Came To This Land“ (Oscar Brand) an dem Willkommensgruß für die Einwanderer an und beschrieb das stück- für stückweise Eingliedern in die native Gesellschaft – im Lied ist dies jedoch trotz beschriebener Schwierigkeiten einfacher als in der Wirklichkeit.

Zwei weitere Lieder, vorgetragen von der Eifeler Künstlerin Petra Sigmund griffen das Thema Freiheit auf „Lady Liberty“ ein Zwiegespräch zwischen Mensch und Freiheit und „One Day“ die Beschreibung eins Zukunftstraumes wurden mit der kräftigen und sehr spezifischen Stimme von Petra vorgetragen. Sie begleitet sich hierbei wie immer selbst auf der Gitarre.

Nun wurde es Zeit für die ersten Featured Artists des Abends – Zaiten-Pfeiffer kamen mit einer „Big Band“ wie John es bezeichnete auf die Bühne. Warum ist der Folkclub rein akustisch? Weil ein Soundcheck bei dieser Bandgröße die Zeit eines Folkclubs sprengen würde :-) Aber auch zeigt sich hier die Grenze des akustisch Möglichen. Je mehr Instrumente begleitend tätig werden, desto kräftiger muss eine Singstimme sein und so geschah es, dass die Texte oft nicht wirklich verständlich waren, aber dies wurde durch die große Stimmung des Gesamtvortrages gut ausgeglichen. Mit dem Tribut an Knut Kiesewetters „Fresenhof“ begannen die Zaiten-Pfeiffer. Wenn auch mit einer anderen inhaltlichen Nuance, war doch der Fresenhof auch eine Fluchtstätte, sowohl seines Besitzers Knut Kiesewetter, wie auch vieler Künstler, die von ihm unterstützt, gefördert oder im Fresenhof produziert wurden. Weiter ging es mit einem historischen Flüchtlingslied unter dem Motto Goethe meets Beethoven. „La Marmotte“ ist eine Lied über den Versuch vieler Flüchtlinge, insbesondere Kinder, dem Hungertod zu entkommen, indem sie Murmeltiere tanzen ließen. Reisende, die durch solche Aufführungen kurzweilig unterhalten wurden, gaben kleine Geldbeträge oder auch Essen als Naturalien zur Belohnung. Stimmungen beschreiben Situationen oft besser als lange Geschichten und so interpretierten die Zaiten-Pfeiffer die Gefühle von Freiheitssuchenden mit dem irischen Instrumental „The Foggy Dew“, welches zu den Osteraufständen 1916 entstanden ist. Um es vorweg zu nehmen – als Featured Artists kamen die Zaiten-Pfeiffer in der zweiten Hälfte des Folkclubs noch einmal auf die Bühen und präsentierten mit den Songs „Nicht mit uns“, „The Keel Row“, „Ich bring Dich Durch Die Nacht“, Wann jeht de Himmel widder op“ und „Tanz mit mir“ neue Sichtweisen mit alten Liedern. Dass die Stimmung durch „Big Bands“ angeheizt wird wurde auch dadurch deutlich, das die Zaiten-Pfeiffers nicht ohne Zugabe von der Bühne gelassen wurden. Diese nutzten sie, um so aufzuhören, wie sie angefangen haben – mit Knut Kiesewetter und der Interpretation seines Liedes „Winter, heut hab ich dich tanzen gesehen“.

Chris Biederwolf – auch kein Unbekannter mehr im Folkclub – hat den Weg aus Celle wieder zurückgelegt, um seine Kunst in Bonn zu präsentieren. Mit dem Lied „Welcome Emigrante“ der Liedermacherin Buffy Sainte-Marie eröffnete er seinen Beitrag zum Thema. Weiter ging es dann mit dem Lied „Gruß und Blues“, in dem er die fremdbestimmte Emigration von Gegenständen (hier Gitarren) und Immigration und Neuverwertung beschrieb (hier die Spezialisierung eines Gitarrenbauers auf den Umbau von Western- auf Resonatorgitarren). Er beschloss seinen Floorspot mit dem Lied „So weit weg“, in dem er den Trennungsschmerz beschreibt. Zwar „nur“ den der Trennung im eigenen Land, aber mit ein bisschen Phantasie ist dieses Gefühl auch auf größere und vor allem unumkehrbare Situationen zu übertragen.

Chris bleib gleich auf der Bühne, da er auch Mitglied der Kanuten ist, die den Autor und Liedermacher Gerd Schinkel seit einiger Zeit kräftig bei der Präsentation seiner Werke unterstützen. Gerd schafft es, seine Lieder nicht nur in einem Kontext zusammenzustellen, sondern durch seine Erzählungen und Überleitungen zwischen den Liedern zu einem Ganzen zusammenzuführen. Fast schon wie eine Radiosendung, mit einem lehrreichen und kurzweiligen Inhalt, sind seine Auftritte aufgebaut. So hat er Ausschnitte seines 5 CDs umfassenden Werkes zur Flüchtlingssituation neu gerahmt und in Kurzform vorgestellt. Es bedarf einer Konzentration und eines Einlassens auf das Gesamtwerk, um dieses auch als Ganzes zu verstehen. Mir jedenfalls hat es sehr gut gefallen und ich gebe zu, dass meine ursprüngliche Skepsis, ob der Intensität und des doch manchmal deutlich erhobenen Zeigefingers, durch konzentriertes Zuhören verflogen ist. Mit den Liedern „Meerblick“ (die dialektische Beschreibung einer identischen Sicht auf das Meer durch einen Urlauber oder einem Flüchtling), „Vanuatu“ (ein Staat in Südpazifik, welcher dem Ertrinken durch den Klimawandel ausgesetzt und so ein potenzieller Lieferant von Flüchtlingen ist) oder „Geh Flüchtling, geh“ (seiner Übersetzung des Woody Guthrie Liedes Deportees, welches von mexikanischen Erntearbeitern handelt, die nach ihrem Einsatz mit einem Kleinflugzeug abstürzten und in der Berichterstattung nur als namenlosen Deportees bezeichnet wurden) wurde ein Einblick in die Vielfältigkeit einer Zeitsituation gegeben, die allzu oft auf verständliche, aber verzerrende Kästchen reduziert wird. All diese Themen wurden durch einen musikalisch und instrumentalreichen Einsatz der Kanuten sehr schön interpretiert. Um es auch hier vorwegzunehmen. Gerd Schinkel & die Kanuten kamen in der zweiten Hälfte des Folkclubs wieder und machten dort weiter, wo sie aufgehört haben. Mit den Liedern „Mutters Worte“, der musikalischen Umsetzung eines Interviews mit einem Flüchtling der von seiner Mutter auf den Fluchtweg geschickt wurde und auf diesem Weg Hoffnungen gewonnen aber auch Illusionen verloren hat, „Teufel du schreckst mich nicht“, einem ermutigenden Lied, sich seiner eigenen Stärke bewusst zu werden (im Ursprung ein Lied des bekannten Pete Seeger), „Bescheuert“, als Beschreibung einer wohl als Entgleisung zu klassifizierenden Denkart des CSU Generalsekretärs Andreas Scheuer oder „Momente“, welches als Eigenkomposition die Gefühle und Gedanke nach dem Bombenanschlag in Brüssel beschreibt, wurde weiterhin die Vielfältigkeit des Themas dargestellt.

Was bleibt zu sagen? Natürlich dass der Folkclub auch ein Labor zur Beobachtung von Evolution ist. Kam vor genau einem Jahr ein Musiker etwas zögerlich und schüchtern auf die Bühne, so hat unter anderem der große Zuspruch des Folkclub Publikums mit dazu beigetragen, dass nun eine selbstbewusste akustik Pop Gruppe „Bromo“ immer wieder zu Begeisterungsstürmen anregt (welcher Name könnte angebrachter sein – ist doch Bromo einer der aktivsten Vulkane). Nach dem Motto aus eins mach zwei und danach drei wurde die Ledermännergruppe (Dennis und Marvin Ledermann) durch Axel Schrader zu einem Trio. Wie schon gesagt, Begeisterung pur im Publikum – musikalische, aber auch choreografische Interpretationen der Ed Sheeran Songs „Castle On The Hill“ und „I See Fire“, sowie der Eigenkomposition „The Old Me“ sind immer wieder hörenswert. Auch eine Besonderheit ist die Bescheidenheit der drei – wollten sie doch bereits nach zwei Liedern die Bühne verlassen, was das Publikum aber nicht zugelassen hat.

Aber alle Begeisterung soll nicht davon ablenken, sondern eher darauf hinzeigen, dass nach dem Folkclub immer auch vor dem Folkclub ist. Also See You später am 3. März bei Sträter.

Sabine Büttners Bilder vom Folk Club 77 im Februar 2017











 

































Donnerstag, 9. Februar 2017

The February meet of Folk Club Bonn was fortunately graced by the presence of John Hurd from 3SongsBonn whose succinct prose and photographic skills are deservedly well renown on this portal.

Barry once poignantly observed that every Folk Club Bonn could be considered a "Gesamtkunstwerk" and February was certainly no exception. As the evening came to a close our Folk Club Bonn anthem, "Jock Stewart" was even enhanced by a tuba solo..

https://3songsbonn.com/2017/02/06/migrating-to-folk-club/


Every single person in the room was a descendant of someone who, once upon a time, had been born in Africa and must have had a certain "get-up-and-go" in order to have got up, and headed north.

Whoever "they" and "we" all are, or once were,  I'll wager nobody, including me, was expecting a tuba solo during Jock Stewart so far south and east of Scotland in a small town in Germany.

We sing "Jock Stewart" usually at the close of each Folk Club Bonn but it is the very first time that we have performed it with a tuba solo, so special thanks to  GeWe Spiller for blowing those low notes.

If you wish to join in at the end of a first Friday of the month evening then Folk Clubbers can find  "Jock Stewart",  both the lyrics and the notes lower down on the right hand side of this page under :

Other Resources


See you all on March 3rd

Gruß,


John




Dienstag, 31. Januar 2017

Detlefs Bericht vom Folk Club 76 im Januar 2017




Folk Club Bonn am 6. Januar 2017 – Jahreszeiten

Fast schon traditionell startet der Folk Club ins Neue Jahr ohne besonders angekündigte „Featured Artists“ oder „Special Guests“, also quasi mit Bordmitteln und natürlich einem Motto. Diesmal lautete es „Jahreszeiten“. Dass der Folk Club jederzeit auch mit Bordmitteln einen Abend zum Verlieben bescheren kann, ist das wirklich wunderbare an dieser Institution, die nun in ihr achtes Jahr gestartet ist.
Wie üblich übernahm John Harrison das Warm up, nicht ohne zuvor mit seinem markerschütternden Begrüßungsruf die Aufmerksamkeit aller Quasselstrippen gnadenlos in Richtung Bühne auszurichten. An dieser Stelle sei bemerkt, dass John in den sieben Jahren des Folk Club keine einzige der inzwischen 76 Sessions versäumt hat. Euer Chronist ist sich gewiss, dass er der Einzige  ist, der das von sich behaupten kann – Chapeau!
Nun genug der Orden und Ehrenzeichen und stattdessen hinein ins Vergnügen! Obwohl noch kein Schnee gefallen war, interpretierte John das Motto des Abends gleich mit der Schneeschmelze: „The Snows, They Melt the Soonest“. Das traurige Lied über die Vergänglichkeit sang John zu eigener wunderbar sparsamer Gitarrenbegleitung.
Herzlichen Dank an John Hurd, 3SongsBonn, für das Foto
Mit „Night Watchman Blues“ von Altmeister Big Bill Broonzy machte John auch auf seine eigene Tätigkeit als Englisch sprechender Bonner Nachtwächter (Stadtführungen am Abend im Gewand eines Nachwächters aus dem 17. Jahrhundert ausgestattet mit Laterne und Hellebarde) aufmerksam. Er wurde dabei diesmal nicht von Paolo Pacifico sondern von seinem (deutschsprachigen) Nachtwächterkollegen Christoph Thiebes auf der Mundharmonika begleitet. Alle Achtung, es gibt noch mehr tolle Harmonikaspieler in Bonn, als wir bislang gedacht hatten. Speziell für euren Chronisten stimmte John dann das schöne Lied „Summertime“ von George Gershwin an, das zwar nicht recht zur aktuellen Jahreszeit passte, aber voll und ganz zum Thema des Abends.
Simon beglückte uns danach mit einem selbst geschriebenen Lied, in dem er einen gerafften Rückblick auf das vergangene Jahr präsentierte. „Wir verlosen für das neue Jahr eine Freifahrt für das Leben“ lautete am Schluss der Ausblick auf 2017. Eine schöne Idee und wunderbar präsentiert.
Im Andenken an den kurz zuvor verstorbenen Knut Kiesewetter sang Jutta Mensing sein gefühlvolles plattdeutsches Lied „Fresenhof“. Damit hatte sie gleich auch einen Beitrag zum Thema des Abends geliefert, denn im „Fresenhof“ geht es auch ums Wetter und zwar vor allem um Herbst- und Winterwetter. „Komm aus den Federn, Liebste“, auch von Kiesewetter, ist ein Scherzlied über eine Braut, die zu lang schläft und zu spät zur Hochzeit kommt. Anders als es sonst ihre Gewohnheit ist, sang Jutta diesmal nicht a capella sondern begleitete sich beim ersten Lied sehr schön auf der Gitarre und beim zweiten auf einem kleinen Akkordeon. Jutta kannte den Liedermacher persönlich. In den Siebziger Jahren hatte sie Kiesewetter kennen gelernt, als sie mit der Folk Band „Moin“ auftrat. Kiesewetter verhalf ihnen zu Auftritten und Plattenaufnahmen.
Eine andere Seite von Kiesewetter beleuchtete Gerd Schinkel, der in dessen Fresenhof seine beiden LPs aufgenommen hatte. Noch im vorigen Sommer habe er den Liedermacher nach langer Zeit wieder besucht und leider einen verbitterten alten Mann vorgefunden so ganz anders, als er ihn von früher gekannt habe, berichtete Gerd betrübt. Traurig ist auch, dass Kiesewetters Tod kurz vor Jahresende 2016 den Zeitungen nur eine Randnotiz wert war. Der Mann hatte immerhin vor vierzig Jahren in Deutschlands Musikszene einen großen Namen. Wir freuen uns, dass Gerd Schinkel nicht in Trübsal versunken ist und es versteht, seine Lieder stets aufs Neue mit hintersinnigem Humor zu würzen. Sein schwungvolles Lied mit dem Ausblick auf das Wahljahr 2017 jedenfalls ließ uns schmunzeln, obwohl uns der Ausblick auf Manches das Lachen eher im Halse stecken bleiben lassen kann.
Mal etwas anderes bescherte uns Steve Perry, der uns mit Melodien auf seiner Viola Caipira musikalisch um die Welt schickte und das Publikum raten ließ, welche Länder er auf seiner Reise angesteuert hatte. Es war nicht ganz einfach, das Ergebnis zu erraten, aber ein paar Länder wurden dann doch richtig genannt. Der glückliche Sieger erhielt eine Schachtel Konfekt.
Ein musikalisches Glanzlicht setzte der Auftritt von Heike Winkhoff, begleitet von Frank auf der Gitarre. Mit ihrer glasklaren, variablen und schlichtweg berückenden Altstimme interpretierte sie ein Stück, das eigentlich aus zwei Liedern besteht: „Colder Month“ von Alpha Rev und „Peaceful Habor“ von Flying Colors. Frank lieferte die wundervolle Fingerpicking-Begleitung auf der Gitarre – das Publikum war hin und weg. Es folgte Franks Eigenkomposition „Seventies“ über eine Nacht und einen Tag in den Siebzigern. Von Emanuil Vidinski, einem bulgarischen Musiker und Schriftsteller, der auch einige Zeit bei der Deutschen Welle gearbeitet hat, stammt das Lied „Not for a While“. Wunderbar zart und gefühlvoll wurde es von Heike und Frank interpretiert – zum Weinen schön. Als Zugabe erhielt das Publikum dann das Lied von Stephan Sulke „Mein Lieber Onkel May“ – irgendwie indirekt auch ein Beitrag zum Thema Jahreszeiten.
Ein kleines Feuerwerk zündete danach Melchi Vepouyoum aus Kamerun. Allein begleitet von einem Rhythmusinstrument bestehend aus zwei Kugeln, die an Schnüren durch die Hände geschleudert werden (Niass) sang Melchi mit einer Stimme wie ein Vulkan ein Lied aus seiner Heimat in mehreren Sprachen. „I Need Someone, to Show Me the Way“ lautete eine Zeile auf Englisch. Das schwungvolle Lied wurde hin und wieder begleitet von Entzückensschreien seines kleinen Sohnes, der offenbar einer von Papas größten Fans ist. Am heutigen Abend hat Melchis Fangemeinde aber mächtig Zuwachs erhalten. Ein weiteres Lied in seiner Muttersprache Bamum befasste sich mit dem Heiraten (Lám). Die Eltern mischen sich zu sehr in die Heiratspläne der Kinder ein. Melchi lieferte eine kleine Zusammenfassung des witzigen Liedes, bei dem er sich auf der Gitarre begleitete. Tolle Gitarrenbegleitung und noch tollere Stimme lieferten das richtige Gänsehautgefühl bei „Hotel California“ von den Eagles – fantastisch! Ohne Zugabe durfte Melchi natürlich nicht von der Bühne. Etwas zum Nachdenken behandelt das Lied in Melchis Muttersprache Bamum: „Fomge“ (morgen) lautet der Titel. Es geht darum, dass man über die Freude des schönen Augenblicks nicht das Morgen aus dem Auge verlieren darf. Bravo, Melchi, wann kommst wieder in den Folk Club?
Nach so viel herrlicher Musik präsentierte uns Gert Müller in Gedichtform die Siegfried-Sage auf Bönnsch Plaat. Das Gedicht von Ferdinand Böhm aus Friesdorf offenbarte, dass die Dichter des Nibelungenliedes die Sache mit dem Lindenblatt völlig falsch verstanden hatten. Das berühmte Blatt, das die Schwachstelle in Siegfrieds Drachenblut-Panzerung verursachte, lag offenbar an einer ganz anderen, wesentlich delikateren Stelle „Datt Blättche hätt janz woanders jesesse“. Großer Applaus für Gert und den köstlichen Spaß.
Kurzentschlossen hatten sich am Abend Günter Peters, der uns auch in der Pause mit Melodien am Klavier unterhalten hatte, und Bob Marabito zusammengefunden. „I Can’t Give You Anything But Love“ ist ein Jazzstandard aus den Zwanziger Jahren, den beide mit Bravour meisterten. Bravo Jungs, für euren spontanen Auftritt.
Zum Abschluss des Abends durften drei junge Herren, Michael Daehnert, Ramin Kazeni und Tilman Wehry, ans Werk. Nach einer kleinen Anfangsnervosität erklang das schöne Lied „Follow the Heron“ der Schottin Karine Polwart, mit dem der Frühling thematisiert wurde. Der Herbst bekam seine Aufwartung mit „Autumn Leaves“, einem berühmten Lied mit bewegter Vergangenheit. Komponiert von Joseph Kosma nach einem Gedicht von Jacqes Prévert als „Les feuilles mortes“, wurde es von Johnny Mercer ins Englische  übertragen und erheblich verändert. Zahllose Sänger und Instrumentalisten haben das Lied seither interpretiert. Unsere jungen Künstler brauchen sich dabei keineswegs zu verstecken. Michael lieferte dazu noch ein tolles Gitarrensolo. Auch der Sommer kam dran mit „Summer of 69“ von Bryan Adams. Jetzt war die Truppe richtig warmgelaufen, und auch das Publikum kam in Schwung. Im Publikum saßen offensichtlich reichlich Damen und Herren, die sich noch lebhaft an den Sommer des Jahres 1969 erinnern und die Textzeile „Those were the best days of my life“ nachempfinden konnten. Der Applaus war dementsprechend, und das Trio musste noch eine Zugabe nachlegen. „Jumpin’ Jack Flash“ von den Stones war dann – rein zufällig – ein Lied aus ebendieser Zeit mit dem gewünschten Erfolg beim Publikum. Großeltern und Enkel vereint in musikalischer Verzückung, das ist Folk Club Bonn. Auch diese drei Musiker sind hoffentlich nicht das letzte Mal auf dieser Bühne gewesen.
Ja, mit soviel Wohlbehagen vollgepumpt ging es dann nach Hause, nicht ohne zuvor noch den ollen Jock Stewart besungen zu haben.
Im Februar begrüßt der Folk Club dann seine treuen Gefolgsleute und natürlich auch alle neuen Gäste mit den Auftritten von Gerd Schinkel mit Kanuten und Zaiten-Pfeiffer. Natürlich gibt es neben den beiden Featured Artists auch wieder Floor Spots. Und wie immer werden wir sicherlich kleine Edelsteine entdecken dürfen.

Dienstag, 24. Januar 2017

Sabines und Detlefs Bilder vom Folk Club 76 im Januar 2017

John Harrison beim Warm-up





Jutta Mensing




Gerd Spiller


Steve Perry



Heike Winkhoff und Frank





Tonmeister Mario Dompke

Melchi Vepouyoum mit Niass



Melchis treuester Fan

Gert Müller, der noch unverfälschtes Bönnsch Plaat spricht


Günter Peters und Bob Marabito




Michael Daehnert, Ramin Kazeni und Tilman Wery





Barry Rohsto begleitet beim Rausschmeißer Jock Stewart