Montag, 2. Februar 2015

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 54 am 2. Januar 2015


Folk Club Nr. 54 im Januar 2015 – „Wege”

„Wege“ lautete das Motto der 54. Ausgabe des Folk Club Bonn. Wie bezeichnend für die erste Veranstaltung des Folk Club im 5. Jahr seines Bestehens! Wenn man aus der jüngsten Session ein Bild für den weiteren Weg des Folk Club entnehmen sollte, dürfte einem jedenfalls nicht bange werden: Das Haus ist voll, die Künstler sind begeistert und die Organisatoren haben eher die Qual der Wahl als Mangel an Auftrittsangeboten.
Wir hoffen auch in diesem Jahr wieder auf ein äußerst abwechslungsreiches Programm mit vielen Höhepunkten. Mit Cynthia Nickschas und ihren Freunden Mario und Christoph konnte die erste Ausgabe von 2015 bereits ein echtes Glanzlicht aufweisen, aber darüber später mehr.
Wie üblich startete Zeremonienmeister John Harrison den Abend, diesmal mit einem Gedicht passend zum Thema: „The Road Not Taken“ von Robert Frost. Es geht um die Qual der Wahl, die man an einer Gabelung bei der Wahl des Weges hat, bei der Weichenstellung im Leben. Der Erzähler wählt den Weg, der augenscheinlich noch recht wenig genutzt wurde und ist sich darüber bewusst, dass diese Wahl aller Wahrscheinlichkeit endgültig sein würde. Rückblickend seufzt er über seine Wahl: „And that has made all the difference“.
“Manchester Rambler” lautete der Titel des Liedes von Ewan McColl (eines seiner bekanntesten Lieder ist „Dirty Old Town“) über die Zeit, als in England ganze Landstriche in Privatbesitz nicht für jedermann zugänglich waren. Der Manchester Rambler verschaffte sich frech Zutritt. John und Steve Perry sangen das Lied wunderbar a capella im Zwiegespräch. Bei „Machine Gun Kelly“ holte John seine Tri Cone Resonator Gitarre hervor. Bei der Geschichte geht es im weitesten Sinne auch um einen Weg, den Weg ins Verderben nämlich, den der besungene Gangster geht.
Nach dem Lied über den bösen Schurken kam gleich die zum Datum passende heilige Unterbrechung: Die Heiligen Drei Könige gaben sich in Gestalt der Sternsinger die Ehre. Der Chronist ist sich sicher, dass sich der Besuch der drei gelohnt hat. Immerhin ruht nun der Segen C(hristus) M(ansionem) B(enedicat) auch auf dem Folk Club.
Martin Kuenen, der bereits im Oktober mit Liedern über Köln begeistert hatte, kam diesmal mit seinem Chorkollegen Jürgen Esser (Akkordeon). „Mögen die Wege, die du gehst, aus Liebe sein“ ist ein Lied aus Martins eigener Feder. Die einfache, aber einprägsame Melodie animierte das Publikum auch gleich zum Mitsingen. Martin hat mit diesem und anderen seiner Lieder auch viel Erfolg in seinem Chor „Church Rocking“ aus Köln-Rondorf – Dicker Applaus für die beiden, die sicher nicht das letzte Mal im Folk Club waren.
Ebenfalls mit einem einzelnen Lied warteten Sabine Hochstädter, Monica Baron-Kroker und Bernd Wallau auf, die schon mehrmals im Folk Club zu Gast waren. Ihr Lied passte zwar nicht zum Thema des Tages, dafür umso besser zur Jahreszeit. „Winter Light“ lautet der Titel des Liedes von Amy Bernon, die  in den USA eine ungemein populäre Komponistin für Chorstücke ist. Die beiden Sängerinnen konnten ihre herrlichen Stimmen mit dem melodischen Lied wunderbar zur Geltung bringen – Auch für die drei gab es tollen Beifall.
Alte Bekannte im Folk Club sind Claudia Huismann und Werner Krotz-Vogel (alias „meoneo“) und seit kurzem auch Claudias Tochter Annette, die diesmal zu dritt mit dem Lied von Carol King „Where You Lead“ auftraten. Werners gekonntes Gitarrenspiel und die intonationssicheren, tragenden Stimmen der beiden Frauen sorgten für den nötigen Wohlfühl-Effekt.
Lothar Prünte aus Köln hat offenbar auch sein Herz an den Folk Club verloren, denn seit seinem ersten Auftritt im vorigen Oktober, bei dem er mit seiner außergewöhnlichen Stimme begeisterte, ist er regelmäßig im Folk Club zu Gast. Gleich bei Oleta Adams’ Lied „Get Here“ zeigte er sein außergewöhnliches Können. Auch das nicht leicht zu singende „The Way It Is” von Bruce Hornsby gelang mit Bravour. Hier konnte er zudem seine tolle Technik an der Gitarre voll ausspielen. Besonders gefiel mir seine Version von „Like The Way I Do“ von Melissa Etheridge. Mit seiner Stimme, die auch in den Höhen keine Probleme und den gewissen Reibeisenfaktor ähnlich wie das musikalische Vorbild hat, war das Stück ein wahrer Genuss – bravo!
Neu im Folk Club waren Karin Schüler und Gerald Löhrer aus Hersel. „The One I Love“ von R.E.M. war ihr toller Einstieg mit schönem zweistimmigem Gesang. Karins Instrumentalsolo auf der Blockflöte gab dem Lied eine ganz eigene Note. „Hiding My Heart“ von Adele meisterte Karin souverän.
Nach der Pause kamen die mit Vorfreude erwarteten Cynthia Nickschas (Gesang und Gitarre) und ihre Freunde Mario Hühn (Percussion) und Christoph Wegener (Bass) zum Einsatz. Zwei der sonst insgesamt vier Freunde konnten leider nicht dabei sein.
Nach ihrem furiosen Auftritt im Juni 2013 – damals sogar zu sechst – hatten wir schon gehofft, dass Cynthia einmal wieder den Folk Club beehren würde. Immerhin hat sie inzwischen vielbeachtete Auftritte hinter sich und ist deutlich aus der Ecke der anonymen Straßenmusikerin herausgewachsen. In Bonn war sie im vergangenen Herbst unter anderem mit einem sehr gut besuchten Konzert in der Harmonie zu Gast und im März steht sogar ein Auftritt bei Konstantin Weckers Konzert in der Kölner Philharmonie auf der Liste ihrer zahlreichen Auftritte.
Das lange Warten hatte sich wahrhaftig gelohnt. Mit ihrer ungeheuren Energie und Spielfreude legten die drei los und begeisterten mit ihren Liedern, die von Wünschen, Hoffen, Enttäuschung, den im Leben wirklich wichtigen Dingen und immer wieder von Zuversicht in die eigene Stärke und darüber, dass Geld nicht alles kann, handeln. Viele der Lieder finden sich auf der im September 2014 erschienenen CD „Kopfregal“. „Dein Weg“ lautete das erste Lied, mit dem die drei sofort ihre ungeheure Bühnenpräsenz unter Beweis stellen konnten. Cynthias wunderbar variable Stimme, je nach Bedarf von zart bis beinahe brutal rau zog das Publikum in ihren Bann. Mario und Christoph erwiesen sich als perfekt eingespielte Begleiter. „Warum?“, „Gold glänzt nicht ohne Licht“, „Tanzen hilft“, „Positiv denken“ und „Gedankensalat“ waren die Titel der weiteren Lieder. Donnernder Applaus gab es als Lohn – und ohne Zugabe konnten die drei die Bühne natürlich nicht verlassen. „Es läuft immer, wie du dich fühlst“ lautete das „Bonuslied“. Das ist ein Lied zum Mut machen, denn „wenn es dir richtig dreckig geht, guck mal nach dem Licht“, ist die deutliche Empfehlung. Ein Lichtblick für die drei war auch der Erfolg der CD beim Publikum. Von den mitgebrachten Exemplaren (wir verraten nicht wie viele) brauchte keines mehr die Heimreise anzutreten. Viel Glück für Cynthia und Friends und viel Erfolg mit ihrer Musik.
Nach diesem furiosen Auftritt ging es etwas gemütlicher zu. Bob Marabito hatte die grandiose Idee, für das alte amerikanische Volkslied „Oh Susanna“ eine Mitsängerin aus dem Publikum gleichen Namens zu gewinnen – und er hatte tatsächlich Erfolg! Bob, Steve Perry und die unverhoffte Susanna sangen das Lied von Stephen Foster aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts mit tatkräftiger Unterstützung des Publikums.
Zurück zum Thema des Abends führte uns Gerd Schinkel, der seine Sicht über eine Pilgerreise auf dem Jakobsweg musikalisch und vor allem textlich verarbeitet hatte. In zahlreichen Versen breitete er seine witzigen und ironischen Betrachtungen aus. „Früher oder später kommt der letzte Kilometer“ lautete der Refrain aus Gerds schier unerschöpflicher Verseschmiede.
Ein anderer Weg, nämlich die Allee der elysischen Felder in Frankreichs schöner Hauptstadt Paris, waren das Thema im Beitrag von 2Sunny. Tatjana Schwarz sang mit ihrer wundervollen Altstimme zu Ralf Haupts Gesangs- und Gitarren- und Kazoo-Unterstützung „Champs Elysées“ von Joe Dassin in der Version mit deutschem Text.
Petra Koitka, die bereits mehrmals solo im Folk Club aufgetreten war, kam diesmal in Begleitung von Ralf Neukirch an der Gitarre. Petra ist eine fleißige Stückeschreiberin und präsentierte mit „My Friend (The Lonesome Way)“ ein neues Lied, das sie anlässlich des Todes einer Bekanntschaft aus dem Folk Club geschrieben hatte – der Folk Club als Kristallisationskern für neue Lieder, wie schön! Das Lied soll laut Petra auch für alle anderen lieben Freunde sein, die irgendwann den „Lonesome Way“ gingen oder gehen. Wie gewohnt kam Petras voluminöse Stimmer gut zur Geltung. Bei „A Star to Guide Your Way“ spielte Petra anstelle ihrer Gitarre einen Appalachian Dulcimer. Das Instrument gehört zu den sogenannten Bordunzithern. Mit „I Want You to Know“ sang sie eine peppige Liebeserklärung an einen unbekannten Verehrten. Steve Perry musste zu seiner großen Verwunderung als Stellvertreter für den Unbekannten herhalten – großer Applaus für den schönen Beitrag von Petra und Ralf.
Nach längerer Abwesenheit war auch wieder Lothar Heinrich zu hören, diesmal zunächst allein mit dem schönen Lied von Cole Porter „Don’t Fence Me in“, das die Sehnsucht nach Freiheit besingt. „O Sarracino“ von Renato Carosone handelt von der vermeintlichen oder tatsächlichen Vorliebe der Frauen für besonders exotische Männer. Der dunkelhäutige Seemann (Sarracino – der Sarazene), der in Neapel von Bord eines Schiffes geht, hat jedenfalls die Aufmerksamkeit der Damen auf seiner Seite. Mir Verstärkung von Gaby Tieboka (Gesang) und Peter Philips (Gitarre), die bereits seit den Anfängen des Folk Clubs vor fünf Jahren mit von der Partie sind, hieß es dann „50 Ways to Leave Your Lover“, wobei die Wege eher im übertragenen Sinne gemeint waren. Das Lied von Paul Simon ist immer ein grandioser Spaß. Mit dem gefühlvollen Gospel „Amen“ in der „nicht ganz so frommen“ Textversion von Sam Cooke beendeten die drei den wieder wundervollen, abwechslungsreichen Abend.
Wie üblich war das natürlich nicht das Ende, denn alle noch anwesenden Musiker des Abends versammelten sich für den traditionellen Rausschmeißer „Jock Stewart“. John Harrison nutzte danach noch die einmalige Gelegenheit und lud Cynthia Nickschas ein, mit ihm zusammen das Lied „Mercedes Benz“ der unvergessenen aber leider zerrissenen und zu früh gestorbenen Janis Joplin zu singen. Cynthias Stimme ist für dieses Lied wie geschaffen, hatte sich John wohl gesagt, und damit hat er auch Recht – großartig!
Wir sehen uns wieder am 6. Februar 2015. Wir erwarten Tom Kannmacher, der diesmal mit alten deutschen Volksliedern zur Laute gesungen aufwarten wird. Als zweiter besonderer Gast hat sich David Blair aus Kanada angemeldet, der eigene Kompositionen spielen wird.
Für Interessenten, die sich für einen Auftritt anmelden wollen, hier noch einmal ein kleiner Hinweis: Bitte verwendet für eine eventuelle Anmelde-Mail die Adresse playrequestfolkclubbonn AT gmail DOT com. Bitte drückt für eure Anmeldung nicht einfach auf den „Antworten“-Button, wenn ihr die monatliche Benachrichtigungs-Mail vom Folk Club erhaltet. Die Technik der Googlemail-Accounts sorgt dafür, dass Mails und Antwortmails in einer Kette verbunden werden. Da wir jedes Mal auf unsere Info-Mail viele automatische Rückläufe bekommen (Mailbox voll, Abwesenheitsnachrichten, hin und wieder auch: „Mailadresse existiert nicht mehr“, etc.), hängt eure Anfrage dann womöglich ziemlich versteckt zwischen all den weniger interessanten Automatik-Rückläufen, und ihr wundert euch, dass ihr keine Antwort erhaltet. Also: Bitte beachtet unseren Hinweis, und dann klappt das auch (meistens) mit einer baldigen Antwort.

Dienstag, 27. Januar 2015

Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 54 im Januar 2015

John Harrison bei der Begrüßung

Steve Perry und John Harrison - Manchester Rambler

Die Sternsinger sind da

Martin Kuenen (rechts) und Jürgen Esser

Sabine Hochstädter und Monica Baron-Kroker


Bernd Wallau

Claudia Huismann, Annette und Werner Krotz-Vogel

Lothar Prünte alias ELPI



Gerald Löhrer und Karin Schüler

Cynthia und Friends - Die neue CD "Kopfregal"

Cynthia Nickschas

Mario Hühn

Christoph Wegener

John Hurd bei der Arbeit für 3SongsBonn

Susanna, Bob Marabito und Steve Perry - Oh Suzanna

Gerd Schinkel auf dem Jakobsweg

Tatjana Schwarz und Ralf Haupts alias 2Sunny


Petra Koitka un Ralf Neukirch

Lothar Heinrich

Peter Philips

Gaby Tieboka


Jock Stewart


John und Cynthia - Mercedes Benz

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 53 am 5. Dezember 2014


Folk Club Nr. 53 – Simon Kempstons dritter Streich

Ab dem dritten Mal betrachtet der Rheinländer ein Ereignis als Tradition, wenn nicht sogar als Brauchtum (Achtung: Anwartschaft auf Weltkulturerbe). Simon Kempstons dritter Auftritt im Folk Club (und das jedes Mal im Dezember!) darf somit als traditionell gewertet werden. Die Gefolgsleute seiner Musik hatten sich denn auch zahlreich eingefunden. Diesmal war Simon mit seinem langjährigen Weggefährten Adam Nash erschienen, der zu Simons Gitarrenmusik die einfühlsame Begleitung lieferte.
Aber wie immer: Lasst uns von vorn beginnen!
Den Anfang machte wie gewohnt Master John Harrison, der nach adäquater Begrüßung zusammen mit Paolo Pacifico das Thema des Abends mit dem Lied „Whisky and Women“ einleitete, nach eigenem Bekunden wunderbar politisch unkorrekt („Give me strong whisky and weak women, everything will be just fine. Give me weak whisky and a strong woman You'll break this heart of mine”). John spielte auf seiner Tri Cone Resonator Gitarre und Paolo auf seiner geliebten Mundharmonika. Die beiden sind ein wirkliches Team. Damit war der Einstieg in das Thema des Abends – „Wine, Women and Whisk(e)y“ gleich geschafft.
Weniger witzig als das Einstiegslied war danach Johns Eigenkomposition „Trouble and Strife“. Der Text beschreibt die unglaublich traurige Situation im Sarajewo des Jahres 1991, als Scharfschützen von den Häusern aus wahllos Passanten abknallten. Paolo konnte hier seine wunderbare stimmliche Begabung bei der Gesangsbegleitung zeigen.
In der Folge hätte Arthur Schnitzler seine Freude gehabt, nur dass der anschließende kleine Reigen weniger erotischer als musikalischer Natur war und sich anders als bei Schnitzler der Kreis am Ende nicht schloss: Paolo (diesmal Gitarre und Gesang) setzte die Reihe zusammen mit Svenja Jesumann (Geige und Gesang) mit Bob Dylans Lied „One More Cup of Coffee for the Road“ fort. Svenja und Paolo harmonierten in den Duopassagen wunderbar.
Anschließend musste Paolo weichen und Svenja stimmte zusammen mit Bastian den einst von Lee Hazlewood und Nancy Sinatra gesungenen Klassiker „Summer Wine“ an – perfekt!
Damit war der kleine Reigen beendet und weiter ging’s mit unserem neuen Fan Lothar Prünte, der mit seiner unglaublichen Stimme „Whisky in the Jar“ anstimmte. er wählte dabei die fetzige Version von Thin Lizzy und brachte seine Stimme, die klang, als sei tatsächlich Whisky drin, perfekt zur Geltung. Das Publikum kam so langsam in Wallung und verlangte eine Zugabe, die es auch erhielt mit dem Lied „Black to Black“ der unvergessenen und unglücklichen Amy Winehouse. Eigentlich sollte es schwer fallen, ein Lied von Amy adäquat zu interpretieren, aber Lothar ist hierfür der Richtige. Mit seiner ungeheuer variablen Stimme, die auch in der Höhe klar und leicht tönt, gab er dem fantastischen Lied eine ganz eigene Prägung. Amy wird sicher am Himmelspöötzche geklatscht haben so wie das Publikum.
Zuwachs im wahrsten Sinne des Wortes gab es mit Annette, die zusammen mit Routinier Werner Krotz-Vogel im Folk Club ihr Debüt gab. Mama Claudia Huismann wird sicherlich mehr gebibbert haben als Tochter Annette, aber so sind Eltern nun mal. Mit noch etwas verhaltener aber schön geführter Stimme sang sie das vieldeutige Lied Lilac Wine von James Shelton, das von Liebeskummer handelt, der möglicherweise mit Wein erheblich erträglicher gestaltet werden kann. Mit Annettes schöner Stimme und Werners professioneller Begleitung wurde das kunstvolle Lied ein Erlebnis. Was haben wir doch für ein tolles Thema des Abends. Kaum ein Auftritt, der sich am Thema vorbeimogelt, wer will dies auch schon! Leider hatten die beiden nur das eine Stück im Gepäck. Hoffentlich gibt es eine Neuauflage.
Jörg  Bohnsack und Steve Perry steuerten danach ihre Interpretation des Themas mit dem Lied von Ian Tyson „Navajo Rug“ bei. Hier geht es etwas deftiger zu als im zarten, zuvor vorgetragenen Lied. Passend zum Country-Stil des Stückes spielte Steve seine Viola Caipira als Slide Instrument. Besonders schön klang der zweistimmige Refrain des Liedes.
Wir bleiben bei der Country-Musik, aber die Truppe um Jörg und Steve wird deutlich aufgebohrt: Thomas Bandholtz, Barbara Kloep, GW Spiller und Paolo Pacifico sorgen für den richtigen Sound beim Lied „Cigareets, Whuskey and Wild, Wild Women“ von Tim Spencer – eindeutiger geht’s nicht mehr. Dem Dreivierteltakt sei Dank – sofort kam Schunkelatmosphäre auf – der Karneval naht! Beim Einspielen schien GW Spillers Tuba besonders den bis dahin ganz ruhig zuhörenden Airedale Terrier mächtig zu beeindrucken – Das gute Tier wollte auf einmal auch mitsingen!
Kleiner Stilwechsel: Bei „Femme Fatale“ und „Pale Blue Eyes“ von Velvet Underground lebte die Zeit der 60er Jahre wieder auf! Zum Abschluss gab’s noch ein Stück der 17 Hippies: „Marlène“. Hierbei kam Barbaras Geige besonders schön zur Geltung.
Endlich durften die lang erwarteten Gäste aus Schottland ran: Simon Kempston begrüßte die Zuhörer auf Deutsch! Die viele Zeit, die er bei seinen Tourneen in deutschsprachigen Ländern zugebracht hat, ist offenbar nicht spurlos an ihm vorüber gegangen. Simon hatte erstmals seinen langjährigen Begleiter Adam Nash mitgebracht, der mit seiner Geige Simons Liedern einen zarten und eindringlichen Rahmen gab. „To The Wilderness“, „The Underdog Soldier“, „The Bleeding Mile“, „Roland“ und “A Young Soldier in Fort George” waren die Lieder des ersten Sets. Den zweiten Teil startete Simon mit einem wunderbar transparenten Instrumental-Intro („The Flotterstone“), das ansatzlos in das Lied „The Consequences of a Kiss“ überging – eine schöne Kombination. Die Titel der weiteren Stücke lauteten „Estranged“, „Ladies’ Lookout“, „Careless Interventionist“, „The Dust and the Paint“ und „Bus to Nairn“. Großer Applaus für die beiden begnadeten Künstler, die sich schon für den Dezember 2015 angemeldet haben.
Es ist beeindruckend zu erleben, wie sich Simons Musik weiterentwickelt und von Jahr zu Jahr immer neue Facetten hinzu kommen. Auch bereits bekannte Lieder klingen immer wieder anders. Simon erfindet stets leicht abgewandelte, kunstvolle Gitarrenbegleitungen. Überdies ist Adams Geigenspiel mehr als nur eine Umrahmung der Lieder, sondern formt ein filigranes Tongewebe, das Simons ausdruckvolle Lieder perfekt ergänzt.
Nach der Pause wurde es weihnachtlich: Unterstützt von Barry, Detlef und Paolo wurde „Stille Nacht, Heilige Nacht“ in drei Sprachen vorgetragen und das Publikum nahm die Aufforderung zum Mitmachen dankbar an.
Jutta Mensing, Mario Dompke und Janero del Rosario setzten das Weihnachtsthema fort und erinnerten mit einer Adaption von Mike Hardings Lied an Weihnachten 1914, als es zu dem vielzitierten weihnachtlichen, friedlichen Treffen der feindlichen Truppen zwischen den Schützengräben kam – herzergreifend.
Neulinge im Folk Club aber alles andere als Neulinge in der Musik sind Jan Hoffmann (Gesang und Gitarre) und Volker Lindner (Geige), die sich als Duo „Folkscheuche“ vorstellten. Es wurde aber niemand verscheucht und schon gar nicht der Folk. Im Gegenteil, mit ihrer fetzigen Musik machten sie Lust auf Mehr. Den Start bildete ein Instrumental, das sinnigerweise „Vogelscheuche“ hieß. „Urlaubsangst“ war der Titel des folgenden Liedes. Mit dem Lied „Wie beim allerersten Mal“ machten die beiden musikalische Anleihen bei englischer Volkstanzmusik (Jig) und leiteten am Ende über in ein Thema der Rockband East of Eden – sehr apart.
Ute (Flöte) und Genia (Gitarre) zeigten, dass auch rein instrumentale Stücke sehr einnehmend sein können. Sie spielten wunderbar melodisch alte und neue Tänze unter anderem mit französischen Wurzeln, wie den An Dro, den bretonischen Drehtanz. Eine Mazurka hingegen war eine französische Neukomposition. Den Abschluss bildete ein schottisches Stück von Andy Cutting und seiner Band Blowzabella.
Wieder ging ein Abend mit zahlreichen Überraschungen und musikalischen Glanzlichtern zuende, allerdings nicht ohne dass Musiker und Publikum den alten Rausschmeißer „Jock Stewart“ gebührend besungen hätten.
Wir freuen uns auf das sechste Jahr Folk Club Bonn.
Auf Wiedersehen im Januar 2015.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 53 im Dezember 2014

Master John eröffnet den Abend

Ein Küsschen vonn Claudia Huismann

Paolo Pacifico und John Harrison

Paolo Pacifico und Svenja Jesumann

Svenja Jesumann und Bastian


Lothar Prünte

Der findet die Musik tierisch gut

Annette Huismann

Annette Huismann und Werner Krotz-Vogel

Jörg Bohnsack und Steve Perry

Jörg, Thomas, Barbara, Steve und GeWe

Barbara Kloep

Thomas Bandholtz

GW Spiller


Simon Kempston

Adam Nash

Simon und Adam




 

Jutta Mensing, Mario Dompke und Janero del Rosario


"Folkscheuche" alias Volker Lindner und Jan Hoffmann




Krabbe & Co. alias Ute und Genia



John Hurd vom Musik-Infoportal 3SongsBonn

Barry Roshto

Interessierte Besucher

Die Hausherrin Erika Prokogschug