Donnerstag, 4. August 2016

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-mit-der-ukulele-durch-den-sommer---strassenmusik-teil--bad-salzuflen-100.html

Mit der Ukulele durch den Sommer - Straßenmusik Teil 4: Bad Salzuflen


WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 04.08.2016 | 05:40
 Min

Miriam Berger, Journalistin und Scala-Reporterin, zieht einen Monat lang als Straßenmusikerin durchs Land. Ein Selbstversuch mit Einblicken in Städte, Menschen und Musik. Kristina Gründken begleitet sie dabei.

Mittwoch, 3. August 2016

Mit der Ukulele durch den Sommer - Straßenmusik Teil 3: Köln


Today Mariam Berger is busking in Cologne.

http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-mit-der-ukulele-durch-den-sommer---strassenmusik-teil--koeln-100.html

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 03.08.2016 | 06:23 Min.
Miriam Berger, Journalistin und Scala-Reporterin, zieht einen Monat lang als Straßenmusikerin durchs Land. Ein Selbstversuch mit Einblicken in Städte, Menschen und Musik. Kristina Gründken begleitet sie dabei.

Miriam Berger gemeinsam mit Straßenmusiker-Freund Rasmus

Dienstag, 2. August 2016


Mit der Ukulele durch den Sommer - Straßenmusik Teil 2: Bonn

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur | 02.08.2016 | 06:19 Min.
Miriam Berger, Journalistin und Scala-Reporterin, zieht einen Monat lang als Straßenmusikerin durchs Land. Ein Selbstversuch mit Einblicken in Städte, Menschen und Musik. Heute spielt sie in Bonn.





http://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-scala-aktuelle-kultur/audio-mit-der-ukulele-durch-den-sommer---strassenmusik-teil--bonn-100.html

Mittwoch, 13. Juli 2016

Marios Bericht vom Folk Club Nr. 71 am 1. Juli 2016


Ladies, Hounds and Gentlemen


Ja, ihr habt richtig gelesen. Es hat den Anschein, als müsse der musikalische Schlachtruf unseres Masters of Folkclub erweitert werden – obwohl, noch laufen die Untersuchungen, ob sich der anwesende Hund erschrocken hat und deshalb bellte oder ob seine Stimme einen Protest gegen die ständige Unterdrückung der Rechte des Hundes am musikalischen Werk des Volkes ausdrücken sollte. Nun denn, sei es wie es sei – der altbekannte Ruf von John Harrison brachte sowohl Ruhe wie auch Spannung auf den Abend in das Publikum. Dieses war wieder zahlreich vertreten und so zeigte sich, dass ein Folkie, abweichend vom gewöhnlichen Homo Sapien, mehr ist als ein Gewohnheitstier. Schon zum zweiten Termin hat sich die FCB Gemeinde an das neue Domizil gewöhnt und in einer „orientierenden Abfrage“ sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den neuen Veranstaltungsort beizubehalten.

Ein wenig „blamed“ ob des Brexits kommentierte John die Abstimmung seiner Landsleute und erläuterte. dass er nicht nicht mit abstimmen durfte, da er bereits seit über 15 Jahren nicht mehr im Königreich lebt – bei der Knappheit des Ergebnisses wäre es wahrscheinlich anders ausgefallen, wenn alle, die die Vorteile einer Einheit Europa kennengelernt haben (so wie John) mit hätten abstimmen dürfen. Aber, was nutzt es „Wenns“ und „Hättes“ aufzuzählen... Viel wichtiger ist es doch, dass die Musik bereits viel weiter ist. Hier reden wir nicht über Europa, sondern schon lange über Weltmusik – hier erfreuen wir uns auch im Folkclub regelmäßig internationaler Künstler mit zollfreier Musik. Und so fing es denn auch direkt mit Musik aus Übersee an. Edward Kennedy Ellington besser bekannt als Duke Ellington komponierte das Stück „Rocks in my Bed“ welches John nicht nur metaphorisch nutzte (die weggenommene Geliebte Europa oder GB aus Europa legt  ihm Steine aufs Gemüt und lässt in nicht mehr schlafen), sondern ihm auch die Möglichkeit gab, sein Können am Klavier zu zeigen. Fast schon selbstverständlich, dass Paolo Pacifico ihn auf seiner Mundharmonika unterstützte. Ob es spontan geschah (wegen der Showeinlage des anwesenden Hundes bei der Begrüßung) oder ob es geplant war, wird sich dem Zuhörer wohl nie erschließen, auf alle Fälle brachten John und Paolo als nächstes Stück den 200 Jahre alten „Hunting Song“ von John Clare, der davon erzählt wie ein „schlauer“ Fuchs zu lange in der Nacht gejagt hat und deshalb am nächsten Morgen noch nicht in seinem Versteck war, sondern direkt in eine Jagdgruppe lief – ob die Hunde in erlegten oder nicht, bleibt dem Geschmack des Zuhörenden zu happy oder unhappy Ends überlassen.

Als nächstes erklomm ein „Back officer“ die Bühne des Folkclubs. Gerd Haug, seit dem ersten Folkclub der Folkclubidee verschrieben und treu, ist eine „Gelingensbedingung“ im Hintergrund der monatlichen Veranstaltung. Gerd sorgt sich um das Klavier, in dem er es regelmäßig stimmt und kleinere Reparaturen  direkt durchführt – aber er kann nicht nur technisch mit diesen Musikinstrumenten umgehen, sondern beherrscht auch seine Bedienung, was er eindrucksvoll mit den Liedern „Memories“ und „Misty“ unter Beweis stellte. Gerd ist ein weiteres Beispiel, dass zusammenwachsen und Zusammengehörigkeit und gegenseitige Verantwortung ein Erfolgsmodell ist – und nicht Abspaltung (aber ich will das Thema Brexit nicht schon wieder aufnehmen).

Ein weiteres Beispiel für Erfolg durch Zusammenwachsen haben uns Thomas Monnerjahn und Werner Krotz-Vogel vorgeführt. Im Folkclub kennengelernt und musikalisch ähnliche Stilrichtungen vertretend, haben sie sich bereits mehrfach zusammengetan und den Zuhörern den besonderen Genus der nicht nur begleitenden, sondern der aussagenden Gitarren nahe gebracht. Es ist faszinierend zu erleben, wie Töne ohne Worte Geschichten erzählen können, wenn sie zusammengehören und durch ihre Harmonie Brücken bauen, aber auch mit Dissonanzen das alltägliche Leben beschreiben. Eine Hochzeit (bitte erste Silbe mit langem „o“ aussprechen) dieses Genres außerhalb der Klassik waren die mittleren 60er bis späten siebziger Jahre mit Namen wie Leo Kottke oder dem Duo Kolbe und Illenberger. Die Musik des letztgenannten Duos brachten Thomas und Werner dem FCB Publikum dar. Und wer gedacht hätte, dass Geschichten aus Gitarrenmusik erst langsam verstanden werden müssen, wurde durch den schon fast frenetisch zu nennenden Applaus eines besseren belehrt. Thomas und Werner verstehen es nicht nur alleine eine perfekte Gitarre zu spielen, sondern harmonieren im Zusammenspiel sehr gut und bringen so die Inhalte der wortlosen Kunst rüber. Wen verwundert es da noch, dass nach den geplanten Stücken „Opening“, „Sommerabend“ und „Veitstanz“ noch eine Zugabe her musste. Auch hier bewiesen die Beiden ihr Gespür für das Publikum und wählten den allseits bekannten Beatles Song „Norwegian Wood“ aus, der allerdings nicht zum „Mitgrölen“ anregte, sondern die Tonführung in den Vordergrund stellte. So wurde die Melodie mitgesummt und das Gitarrenspiel blieb der Mittelpunkt.

Was tut man, wenn man für längere Zeit liebe Freunde verlässt? Man verabschiedet sich – und das taten auch 2Sunny (namentlich als Ralf und Tatjana bekannt). Natürlich ließen sie als Gruß das zurück, wofür sie geliebt werden – Musik zum zuhören und mitmachen. Da die Zwei sich in ein europaweites, musikalisches Sabbatical begeben, um mit vielen, neu kennenzulernenden Menschen Musik zu machen, haben sie für ihren Abschieds FCB Lieder ausgesucht, die sowohl ihrer Reise entsprechen, als auch die Gemeinsamkeit (das gemeinsame Musizieren) betonen. Mit „Heute hier, morgen dort“, „Life“ und „You've got a friend“ brachten sie Klassiker der Mitsingtradition mit und schafften es eine ausgewogene Balance zwischen reiner Lebensfreude und musikalischem Anspruch herzustellen. Glücklicherweise ist der Abschied nur auf Zeit ausgelegt und ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Juli, spätestens September ein fulminantes Willkommenskonzert von ihnen hören werden – natürlich mit vielen neu entdeckten Liedern.

Als featured Artists kamen nun Gerd Schinkel mit Kanuten zum Zug. Sowohl in der Kanuten Kombination wie auch (zumindest teilweise) als Einzelkünstler bekannt, stellten sich Gerd Schinkel, Wolfgang Kassel, Frank Tschinkel und GeWe Spiller wieder einmal musikalisch mit Lieder von Gerd Schinkel vor. Gerd ist ein Vielschreiber, der es liebt, neben eigenen Melodien auch schöne Lieder anderer mit eigenen Texten neu zu gestalten und sie so in aktuelle Situationen zu übersetzen. Eine Tradition, die auch viele andere Liedermacher/ Singer- Songwriter pflegen, die Wert auf textliche Inhalte legen. Nicht nur mit ihrem ersten Lied, sondern auch als Erste des Abends griffen die Kanuten mit dem Lied „Der Papa backt“ das Motto des FCB 71 auf – Küchenlieder -. Wenngleich ich erst eine andere Assoziation mit Küchenlieder verband, so ist es doch folgerichtig, da das Handwerk des familiären Backens in der Küche betrieben wird und somit ein Lied darüber ein Küchenlied ist. Von der Küche paddelten die Kanuten aber ganz schnell wieder zu aktuellen, politischen Themen. Ich kenne Gerd schon sehr lange und so auch sehr viele seiner Lieder – ich darf sagen, dass er mit dem Lied „Paris“ das für mich schönste, ansprechendste und gleichzeitig aufrüttelndste Lied geschrieben hat. Es drückt einen emotionalen Protest gegen Terrorismus und Gewalt aus und versteht es diesen in ein mit der Stadt Paris verbundenes Gefühl zu verweben, so dass nicht nur Zorn gegen etwas erweckt wird, sondern auch viel Traurigkeit um den Verlust eines emotionalen Wahrzeichens (Paris als Inbegriff der Lebensfreude), aber auch, denn Liedermacher geben nie auf, die Hoffnung auf einen Sieg über Fanatismus, Terroismus und andere „-ismusmen“ erhält. Mit den nächsten beiden Liedern („Das Meer ist heilig“ - hier weiß ich nicht, ob der Titel richtig ist, aber die Zeile kommt im Text mehrfach vor, und „Dann bleib halt jung“) bewies Gerd, dass neue Texte bereits existierende Lieder neu beleben können. Mein Urteil steht fest – mit der erweiterten Instrumentierung (Bass, Mandoline, Mundharmonika) haben die Lieder sehr gewonnen.

So schön die neue Heimstatt des Folkclub auch ist, ein Raum gefüllt mit etwa 80 Personen an einem heißen Sommertag wird einfach sehr warm – so war es nicht verwunderlich, dass alle die anstehende Pause begrüßten und  sich mit frischer Luft für die zweite Hälfte versorgten. Diese (die zweite Hälfte) wurde mit der bekannten und geschätzten Kunst von Barry Roshto eingeläutet, in dem er durch Klaviertöne erst alle Zuhörer wieder auf ihre Plätze dirigierte und dann mit Annette Huismann und einem gemeinsam vorgetragenen Lied den Boden für die weiteren Künstler bereitete (leider war ich selbst noch an der frischen Luft, so dass ich nicht mitbekommen habe, welches Lied gesungen wurde).

Jutta Mensing, die Organisatorin der Folk im Feuerschlösschen Konzerte in Bad Honnef, hat früher mit der norddeutschen Gruppe Moin professionell Musik gemacht und tourt auch heute noch hin und wieder mit den alten Kämpen durch die Lande. Zum FCB 71 kam sie frisch aus dem Norden und hat uns das Gefühl des Meeres in Form eines vertonten Gedichtes von dem wohl bekanntesten norddeutschen Dichter Klaus Groth mitgebracht. Das „Heimatlied“ beschreibt den Himmel über dem Meer genauso wie die Luft am Meer und das Meer selbst. Jutta blieb mit dem nächsten Lied im Norden, wobei sie von dem Instrument Stimme (zart begleitet von einer Gitarre) zu ihrem zweiten Standardinstrument – der Geige – wechselte. „Pfingsten in der Probstei“ ist ein Tanzlied, welches alleine durch seinen Rhythmus das Bild eines Volksfestes mit Trachten, drehenden Tänzen und dörflichem Spaß entstehen ließ. Persönliche Traurigkeit kann einen in den Wahnsinn treiben – wie gut, wenn es dann Menschen gibt, die es verstehen die Kraft der Musik so zu lenken, dass neue Hoffnung geschöpft wird – so ist es Jutta geschehen und hieran wollte sie das Publikum teilhaben lassen, in dem sie das ihr geholfene Lied zum Besten gab. „Mach das Leben schön“ ist ein Lied, dass Lüül von den 17 Hippies Jutta mitgegeben hat, um ihren persönlichen Tiefpunkt zu überwinden.

Was wäre unsere Gesellschaft ohne soziales Engagement?  Und wenn dieses Engagement mit besonderen Begabungen verknüpft wird, entstehen wunderschöne Momente, die sowohl den gebenden wie auch den empfangenden Personen Lebensfreude bescheren. Günther Peters, selbst nicht mehr der Jüngste, beschert älteren Menschen solche Momente, indem er mit ihnen am Klavier neue und alte Lieder singt. Neue insbesondere, in dem er bekannten Melodien neue Gewänder verpasst (hatten wir das nicht schon bei einem anderen Künstler?). In diesem Sinne schenkte er der  „alten Folkclub Gemeinde“ einen neuen Text zu dem Lied „Auf der grünen Wiese“. Damit es schnell und gut zusammen gesungen werden konnte, brachte Günther auch gleich ausgedruckte Texte mit und so wurde aus Bühne und Publikum ein gemischter Chor. Eine kleine Ragtimeimprovisation leitete über zu einem Gedicht zur Verkündung einer wahren Lebensweisheit.  „Die Alten“ beschreibt den immerwährenden Kreislauf zwischen Jugend und Erfahrung, zwischen dem Suchen des eigenen Weges und dem Folgen (oder Verweigern) von Ratschlägen und dem Erkennen, dass ich nach Jahrzehnten plötzlich genauso geworden bin, wie die Alten in meiner Jugend waren.

Mit dem Duo Seltsam erklomm eine bisher im Folkclub noch nicht bekannte Formation die (virtuellen) Bretter, die die Welt bedeuten. Seltsam ist nicht nur Name des Duos, sondern auch Programm. Mit einer Mischung aus Rock, Balladen und Jazz, mit plötzlich auftauchenden Charakteren aus bekannten Musikgrößen wie beispielsweise Jethro Tull, aber insgesamt mit einem nur dem Duo eigenen Stil, bestehend aus Gitarre, Saxophon, Querflöte und einer Stimme, die mal kratzend bis  fast kreischend, aber immer intonationssicher daherkommt, verstanden die Beiden die Lust an mehr zu wecken. Ihre eigenen Stücke „Me and my Music“, „Rain in Paris“ und „Heart of the Warrior“ werden hoffentlich nicht die Letzten und Einzigen sein, die den Folkclub bereicherten.

Ja, die zweite Hälfte des Folkclubs geht irgendwie immer schneller voran als die erste, was auch daran liegt, dass die FCB Hälften nicht mathematisch definiert sind, und so waren schnell wieder die featured Artists, Gerd Schinkel mit Kanuten, dran. Mit den Liedern „On the road again“, „Zu den Eltern am Samstag“ und „The way we make a broken heart“ (natürlich mit neuem deutschen Text) zeigten sie erneut auf, dass Zusammenspiel und das gegenseitige Unterstützen von Stärken mehr schafft, als die Summe der Einzelteile – und hiermit rundet der Chronist den Bericht ab, indem die Brücke zum Ausgangspunkt gebaut wird. Menschen der EU haltet zusammen und macht mehr draus – der Beweis wird auch zum Schluss eines jeden Folkclub geführt, in dem der alles zusammenhaltende Patron Jock Stewart nie mehr als gemeinsam gesungenen Lied fehlen darf.

Ich freue mich, euch alle nach der Sommerpause am 02. September 2016 im Sträters wiederzusehen.

Euer Mario

Donnerstag, 30. Juni 2016

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016


Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016 – Neuer Auftrittsort und neuer Schwung

Etwas wehmütig wird vielen Freunden des Folk Club schon zumute gewesen sein. Nach sechseinhalb Jahren in Graurheindorf und davon fast viereinhalb im Haus Müllestumpe in Graurheindorf musste der Folk Club umziehen. Er hat vorläufig ein neues Zuhause in der Sträters Sports Bar, dem Vereinslokal des Bonner Tennis- und Hockey-Vereins gefunden. Erneut stellen sich die üblichen Fragen, die wir bereits beim vorigen Umzug formuliert hatten: Wird sich das Publikum auf den Weg ins fast zehn Kilometer entfernte Dottendorf machen? Wie ist die Akustik? Wie ist die Versorgung mit Getränken und Essen? Um die Antwort kurz zu machen: Alles war bestens. Bei der Akustik scheint der Folk Club sogar einen Glücksgriff getan zu haben. Zum einen fehlen die beim Haus Müllestumpe so irritierenden Geräusche von der Bar, da der Saal bei Sträters vollkommen abgeschlossen ist. Zum anderen ist die akustische Beschaffenheit des Saales wie geschaffen für Musik ohne Verstärker. Die treue Gemeinde hatte sich zudem auf die neue Örtlichkeit eingelassen, und so waren rund 70 Personen im Saal (aus mindestens 8 verschiedenen Ländern und 5 Kontinenten) schon mal ein guter Start. Immerhin kommen ja auch viele Besucher aus südlicheren Gefilden. Für sie liegt Dottendorf nun einmal näher. Zu den Begünstigten gehört auch unser Master John Harrison, der in Bad Godesberg wohnt – es sei ihm gegönnt!
Nun vom nicht unwichtigen äußeren Rahmen zum Eigentlichen, der Musik. Wie bei allen der bisherigen 69 Auflagen des Folk Clubs startete John Harrison auch diesmal den Abend mit seinen Warm up Beiträgen. Passend zur Jahreszeit und zum thematischen Motto des Abends („Schlaflieder/Wiegenlieder“) spielte und sang er seine Version von George Gershwins unsterblichem Lied „Summertime“ aus dem Musical Porgy and Bess. John garnierte das wunderbar gesungene Lied mit einem tollen Gitarrensolo. John ließ danach nicht die Gelegenheit aus, als erster auf dem von Gefolgsmann Gerhard Haug frisch gestimmten Klavier zu spielen und sich beim Blues „St. James Infirmary“ zu begleiten. Auch dieses Lied ist ein Wiegenlied aber eines der anderen Art. Es richtet sich an die im Hospital verstorbene Frau. Dabei darf man sich aber nicht ein Krankenhaus wie die Bonner Uniklinik oder das Johanniter Krankenhaus vor das geistige Auge rufen. Die Zustände in der angesprochenen Krankenanstalt waren sicher ungleich bedrückender. „Come On Into My Kitchen“ ist zwar kein Wiegenlied, hat aber als reinrassiger Blues etwas Wiegendes. John begleitete sich hier zwischen den Gesangspassagen ausschließlich mit der Mundharmonika – sehr apart! Als kleine Hommage an Bob Dylan anlässlich seines 75. Geburtstages steuerte John dann Dylans Lied „Mr. Tambourine Man“ bei, das vor allem in der Interpretation der Gruppe The Byrds (ja, richtig mit „y“ anstatt mit „i“) bekannt geworden ist. Generationen haben sich an der Interpretation des Textes abgearbeitet. Vielfach wird behauptet, der Text sei eine Beschreibung eines LSD-Trips, und die Passage „Take me on a trip upon your magic swirling ship ....“ deutet auf dergleichen hin. Am besten man fragt den Meister selbst, was er sich bei dem Lied gedacht hat, noch ist es möglich. Wesentlich rustikaler geht es zu beim Lied „On Ilkla Moor Baht’ At“, einem vielfach umgedichteten und umgedeuteten Lied in der Mundart von Yorkshire, das als Hymne dieser nordenglischen Gegend gilt. Die Version, die John Harrison und Steve Perry vortrugen ist ein witziges Lied, das letztlich das ultimative Recycling jedes Lebewesens, in diesem Falle sogar des Menschen, besingt. Die Moral lautet: Am Ende futtern wir mit Genuss die Enten, die sich an den Würmern gelabt hatten, die den Wanderer in seinem Grabe aufgeknabbert hatten, welcher durch seine Unvernunft, ohne Hut ins windige Moor zu gehen, zu Tode gekommen war.
Nach solcher Art deftigen Erkenntnisgewinns versorgte uns Janero del Rosario mit Liedern von der anderen Seite unseres Erdballs, aus seiner Heimat, dem fernen Inselreich der Philippinen. Janero erläuterte, dass dort die Wiegenlieder weniger dazu gedacht seien, die Kinder in den Schlaf zu singen, als vielmehr sie zu unterhalten – Das ist ein Leben! Die Kinder liegen dort, so Janero, auch eher in Hängematten und nicht in Wiegen. „Ugoy ng Duyan“ könnte durchaus als Wiegenlied durchgehen. Das Lied ist eine zarte Erinnerung an die Kindheit auf dem Arm der Mutter. Die drei weiteren hübschen Lieder, die  Janero a capella vortrug, waren populäre Lieder, die auch bei Kindern beliebt sind, so z.B. das Scherzlied „Leron, Leron Sinta“. Darin werden die Abenteuer eines Paares beim Pflücken von Papayas und Tamarinde geschildert. „Manag Biday“ ist ein unschuldiges Liebeslied und „Atin Cu Pung Singsing“ handelt von den Kummer wegen eines verlorenen Rings, der von den Eltern geerbt wurde. Interessant an den Liedern ist, dass die Melodien ganz und gar europäisch klingen.
Nach dieser kleinen Einführung in das philippinische Volksliedgut präsentierten Steve Perry und seine frisch angetraute Frau Regine Mertens zwei echte Wiegenlieder: „All Through the Night“ gab es sogar neben der Englischen auch in der walisischen Originalversion und das obendrein wunderbar zweistimmig gesungen. Auf Walisisch lautet der Titel „Ar Hyd Y Nos“. Das Lied „All Night, All Day Angels Watching Over Me“ war nach Regines Erinnerung das erste Lied, das sie in englischer Sprache gehört hatte. 
Eine kleine Hommage an die Beatles, und zwar mit etwas weniger bekannten Liedern, veranstalteten Karin Schüler und Gerald Löhrer unterstützt von Thomas Neuhalfen. „I, Me, Mine“ ist eines der von George Harrison komponierten Lieder. „I Will“ ist eine unglaublich zarte Liebeserklärung, die die drei berückend schön überbrachten. „Till There Was You“, ist zwar durch die Beatles bekannt geworden, aber komponiert wurde das hübsche Liebeslied von Robert Meredith Wilson für das Musical „Music Man“. Die Version der Beatles ist aber alles andere als eine bloße „Coverversion“.
Anke und Jörg Bohnsack steuerten zwar kein Wiegenlied bei, aber eines, das mitten ins Herz geht: „Min Jehann“ natürlich in plattdeutscher Sprache. Der Verfasser der Zeilen, Klaus Groth, der große niederdeutsche Dichter, hatte sie im 19. Jahrhundert für seinen verstorbenen Bruder geschrieben. Der Text ist voller Trauer und Wehmut und dabei voller poetischer Schönheit. Dem von Ernst Licht wunderbar einfach und doch kunstvoll vertonten Gedicht wurde unlängst sogar eine ganz besondere Ehre zuteil: Es wurde anlässlich der Trauerfeier für Altbundeskanzler Helmut Schmidt in der St. Michaeliskirche in Hamburg von Jochen Wiegand in unnachahmlicher Weise gespielt und gesungen. Helmut Schmidt hatte es sich ausdrücklich für seine Trauerfeier gewünscht. Das müsst ihr euch auf Youtube anhören. Ganz gegen ihre Gewohnheit spielten Anke und Jörg diesmal auch Lieder in englischer Sprache: „Norwegian Wood“ von den Beatles ist ein böses Lied über einen enttäuschten Liebhaber, der die Möbel der Frau anzündet, die ihm die kalte Schulter gezeigt hat: „So, I lit a fire, isn’t it good, Norwegian wood?“ lautet die letzte Zeile. Dass Anke ihrem Jörg offenbar nicht die kalte Schulter gezeigt hat, dokumentierten die beiden mit dem Lied „You Are Always on My Mind“, einem Lied, das durch die Interpretation von Elvis Presley berühmt wurde. Die Originalversion wurde von Brenda Lee gesungen. Jörg behauptet, damit seit 40 Jahren jeden Abend Anke mit diesem Lied in den Schlaf zu singen, also doch ein Wiegenlied – wunderbar!
Echte Westernstimmung kam mit Ulf Below alias Hardin auf, der in sich komplettem Westernoutfit präsentierte – Willy Nelson wäre neidisch! Aber nicht nur die Kleidung auch seine Musik war Country pur. „Call of the Wild“ von Chris LeDoux ist ein Lied über das Leben in der Wildnis, und es kommt sogar ein Bezug zu unserem Thema in der Zeile vor: „The north wind moans her lonesome lullaby“. Ulf zeigte seine ganze Kunst auf seiner zwölfsaitigen Gitarre im lyrischen Lied „The Weary Kind“ aus dem Film Crazy Heart. „Peaceful Waters“ ist ein Lied aus Kanada und „Buffalo Grass“, ebenfalls von Chris LeDoux, ist nach Ulfs Erläuterungen ein Lied über das echte harte Cowboyleben. Tolle Lieder und super gesungen und gespielt von Hardin – eine echte Entdeckung für den Folk Club. Dafür gab es großen Applaus.
Ein Glanzlicht und ein heimlicher Favorit eures Hofberichterstatters sind die Beiträge von Bernd Wallau mit seinen „Nachtigallen“ Monica Baron-Kroker und Sabine Hochstädter. Diesmal hatten sie nicht ganz einfache Kost zum Thema des heutigen Tages mitgebracht. Schuberts bezauberndes Wiegenlied (Deutsch 498) hatte Bernd für zwei Singstimmen umgewandelt, und Monica und Sabine gaben dem Lied zu Bernds einfühlsamer Klavierbegleitung eine wunderbare Gestalt. Das Lied „Abendglocken“ trugen die drei a capella vor. Bernd konnte dabei seine herrliche Bassstimme zur Geltung bringen. Durchaus auch als Wiegenlied geeignet ist das gefühlvolle Lied „Over the Rainbow“ aus dem Film „The Wizard of Oz“. Auch für dieses Lied hatte Bernd eine wunderbare zweistimmige Version geschrieben. Toller Applaus für Monica, Sabine und Bernd.
Schon lange nicht mehr im Folk Club gehört wurden Ellen Jeikner und Ralf Wackers, die sich der irischen Musik verschrieben haben. Ellen und Ralf treten zusammen mit zwei weiteren Musikern (Uwe Beyer und Marie-Luise Hartmann) auch in der Band „Currach“ auf. Sie starteten ihr Set mit einem zweistimmigen irischen Lied, das Ralf auf seiner Irish Bouzouki begleitete. In Gälischer Sprache ertönte danach ein Lied über den Osteraufstand der Iren im Jahr 1916, also vor 100 Jahren. Den Titel des Liedes konnte selbst Ralf nicht aussprechen. Dafür begleitete er Ellen gekonnt auf seinem Akkordeon. Unterstützt von Ulf Below gab es zum Abschluss das Lied „Life Saver“ der finnischen Band „Sunrise Avenue“ – super zusammen gespielt!
Der Knüller des Abends aber waren Serena Finatti und Andrea Varnier aus Norditalien. Es ist schwer zu beschreiben: Die beiden kommen auf die Bühne, Serena setzt sich ans Klavier, spielt ein paar Akkorde, Andrea beginnt seine Gitarrenbegleitung und dann ertönt eine riesige Stimme einer äußerst kleinen Person, die das Publikum verstummen lässt und sofort begeistert. Mit selbst geschriebenen poetischen Liedern in italienischer Sprache mit ihrer musikgleichen Sprachmelodik ziehen die beiden alle Zuhörer in ihren Bann. Serena singt und agiert auf der Bühne mit einer ungeheuer fesselnden Gestik und Andrea bezaubert mit seiner brillanten und transparenten Gitarrenbegleitung – einfach wunderbar! „La ballerina azzurra“ (Die blaue Tänzerin), „Tutto e luce“ (Alles ist Licht) lauten die ersten Titel. Auch ein Lied in der Sprache ihrer Heimatprovinz Friaul, Furlanisch, steuern sie bei. „Fasin un cjant“ lautet der Titel des Liebesliedes. „Non scendo“ (Ich gebe nicht auf) ist ein zartes Lied, das mit dem Bild auf der Leine trocknender Wäsche arbeitet. Von einem großen Bazar im mittelasiatischen Usbekistan handelt ein weiteres Lied. Auch eine kleine Anleihe bei anderen Künstlern ist in Serenas Repertoire: „True Colors Shining“ von Phil Collins, das durch Cindy Lauper bekannt wurde. Ein weiteres Lied in furlanischer Sprache handelt von politischer Courage. Übersetzt heißt der Titel „Heiliges Geld“, man kann sich seinen Teil über den Inhalt denken. Andrea steigt in das Lied mit einem furiosen Intro mit kunstvollen Flageolett-Figuren ein – grandios! Natürlich geht es bei diesem Konzert nicht ohne Zugabe zuende. „Una conchiglia“ (eine Seemuschel) lautet der Titel des zarten Liedes, das die Muschel als ein Auge des Meeres (un occhio di mare) beschreibt.
Bombastischer Applaus verabschiedet die beiden, denen es offenbar im Folk Club auch recht gut gefallen hat. Auf Serenas Homepage ist über den Folk Club Abend u.a. zu lesen (holt euer Urlaubsitalienisch aus der Schublade!): „Incredibile atmosfera: attentissimi, calorosi, partecipi, cantiamo insieme, si lasciano dirigere, ci sono dei momenti veramente magici dove la mia musica è chiaramente non più ma... comincio a capire sempre meglio cosa desidero... il percorso è lungo, ci vuole tempo per crescere e per farlo bene ancora di più.“ Das nenne ich ein tolles Kompliment an den Folk Club, aber wir haben das Kompliment an die beiden doppelt zurück zu geben. Die „wahrhaft magischen Momente“ haben ihren Ursprung bei den fantastischen Künstlern.
Der erste Abend im neuen Domizil ging natürlich nicht ohne unseren alten Rausschmeißer „Jock Stewart“ zuende, den alle kräftig anstimmten.
Auf Wiedersehen am 1. Juli 2016, diesmal mit Gerd Schinkel und seinen Kanuten als besondere Gäste. Das Thema des Abends lautet: freche Lieder und Küchenlieder.

Sonntag, 26. Juni 2016

Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016

John Harrison

John diesmal am Klavier


John Harrison und Steve Perry mit der Hymne von Yorkshire



Janero del Rosario


Regine Mertens und Steve Perry


Thomas Neuhalfen, Karin Schüler und Gerald Löhrer




Gerald und Karin entspannt nach dem Auftritt

Andrea Varnier und Serena Finatti








Anke und Jörg Bohnsack



Ulf Below alias Hardin



Sabine Hochstädter und Monica Baron-Kroker

Bernd Wallau


Ellen Jeikner

Ralf Wackers


Ellen und Ralf zusammen mit Hardin

Die Musiker singen zum Abschluss Jock Stewart