Mittwoch, 15. Mai 2013

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 37 im Mai


Folk Club Nr. 37 – Der Mai ist gekommen!

Mailieder möchten wir hören, lautete der Aufruf für die Mai-Session des Folk Clubs und tatsächlich, es gab durchaus etliche schöne Lieder zu beklatschen, die mit dem Mai und dem Frühling zu tun hatten. Hinzu kamen natürlich zahlreiche Darbietungen über die Liebe, und der Mai ist ja bekanntlich der Monat der Liebe. Also auch über diesen Weg wurden die Beiträge dem Aufruf gerecht. Sogar eine Minnedichtung des Hochmittelalters wurde stilecht vorgetragen.

Unser Master John Harrison sorgte wie immer für die Warmlaufphase und brachte uns gleich mit dem a capella Lied „Hail, Hail the First of May“ von Dave Webber in die richtige Spur. Das Publikum hatte den Refrain schnell gelernt und sang mit: 

So, Hail! Hail! The First of May-o!
For it is the first summer’s day-o!
Cast your cares and fears away,
Drink to the old horse on the First of May!

Und das Wetter gab uns allen die Hoffnung, das das mit dem ersten Tag des Sommers auch etwas werden könnte. „Magnolia“ lautete der Titel des von John selbst verfassten Gedichtes, einer Hymne auf die Leichtigkeit und Fröhlichkeit des Frühlings und der aufblühenden Natur. Etwas schwermütiger ging es dann schon mit dem Lied von George und Ira Gershwin zu: „Summertime“ aus „Porgy und Bess“ wurde in einem Arrangement von Mahalia Jackson mit dem Lied „Motherless Child“ verwoben. John brillierte mit seiner Tricone Resonator Gitarre, bei deren Volumen sich ein Verstärker mit Sicherheit erübrigt. Was manchem dabei vielleicht entgangen sein dürfte: John verneigte sich mit dem Lied vor der Woodstock-Legende Richie Havens, der wenige Tage zuvor am 22. April im Alter von 72 Jahren verstorben war. Havens hatte mit einer Kombination von „Freedom“ und „Sometimes I Feel Like a Motherless Child” das famose Woodstock-Konzert im Jahre 1969 eröffnet und wurde mit seinem grandiosen Auftritt mit einem Schlag zum Star.

Symbolcharakter hatte auch das letzte Lied über den einstmaligen Frühlingsgast auf dem Harrisonschen Balkon in Bad Godesberg: die Ente mit Namen Zeppelina, die dorthin vor „Rhein in Flammen“ geflüchtet in Ruhe ihren Nachwuchs ausbrütete. Johns Nachwuchs (etwas weniger zahlreich als der von Zeppelina) Jenny begleitete den Papa gekonnt auf dem Klavier.

Lange nicht mehr gehört war Andreas Gruner, der zwei Stücke beisteuerte. „Leute vom Folk Club“ lautete der Titel seiner Eigenkreation. Als zweites Stück spielte und sang er den Blues „Love in Vain“ von Robert Johnson, den die meisten sicher in der Version der Rolling Stones kennen.

Alvaro Arango Vallejo, zurück aus seiner Heimat Kolumbien und aktuell mit seiner Band Thee Oliva unterwegs, huldigte mit dem Lied „Lucinda“ einem anderen Rock-Heroen: Tom Waits. Alvaros Stimme ist denn aber doch wesentlich geschmeidiger als die seines Helden. Natürlich durfte auch eine Eigenkomposition nicht fehlen: „The House That Caught Fire“ mit stimmlichen Anklängen an Jim Morrison von den Doors – super! Als Letztes gab es mit Bob Dylans „It’s All Over Now Baby Blue“ eine weitere Huldigung an die Helden der goldenen Folk-Blues-Rock-Zeit.

Nach langer Zeit des Zauderns und Zögerns hatte sie sich nun doch ein Herz gefasst, um im Folk Club ohne Verstärkung aufzutreten – und mit welchem Erfolg! Gabi Beckenbach zusammen mit ihrem virtuosen Partner am Klavier Hans Peter Kempkes brannte ein Feuerwerk an Liedern der dreißiger Jahre ab. „Veronika, der Lenz ist da“ von den Comedian Harmonists gab den richtigen thematischen Einstieg. Ganz in ihrem stimmlichen Element mit ihrer sanften und sinnlichen Altstimme landete sie bei „Kann den Liebe Sünde sein“ aus dem Film „Der Blaufuchs“, einem für damalige Verhältnisse unerhörten Lied – Zarah Leander hätte ihre Freude gehabt. Ebenfalls aus der UFA-Zeit, aber noch vor der braunen Okkupation, stammt das nicht minder bekannte Lied „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, mit dem seinerzeit Marlene Dietrich in ihrer unnachahmlichen Pose als Lola in „Der Blaue Engel“ (irgendwas Unanständiges muss an dem Blau dran sein) dem armen Professor Rath den Kopf verdrehte – wir lagen Gabi und natürlich Hans Peter zu Füßen und lechzten nach mehr am Ende des Programms.

Ja, und damit ein Maiprogramm auch richtig gewürdigt werde, hatte Hans Peter Kempkes für alle Liedzettel mit „Der Mai ist gekommen“ mitgebracht – nicht jeder kennt alle Strophen auswendig. Das war der richtige Einstieg in den zweiten Teil des Abends.

Eigentlich auch nicht maimäßig aber dafür umso begeisternder kam danach die Gruppe „Astatine“ über uns hereingebrochen. Ein wahres musikalisches Füllhorn gossen Ana-Maria Cutac (Gesang), Simone Hans (Querflöte), Frank Olaf Nagel (Gitarre) und Thomas Neuhalfen (Kontrabass) für uns aus. Ana-Maria sang das geheimnisvolle Lied „Desert Caravan“ mit ihrer kraftvollen und einnehmenden Stimme so, als sei sie gerade aus tausend und einer Nacht entsprungen, und das jazzige Arrangement des Stückes harmonierte vorzüglich mit der orientalisierten Melodie. Die exzellenten Begleitung durch Simone, Frank Olaf und Thomas tat ihr Übriges. Ebenfall wunderbar jazzig mit herrlichen chromatischen Tonläufen präsentierte die Gruppe eine Adaption von Django Reinhardts berühmtem Instrumental „Nuages" zu dem Ana mit ihrer ausdrucksstarken Stimme einen rumänischen Text mit dem Titel „Printre nori“, zu Deutsch „Über den Wolken“, sang. Zu guter Letzt glänzten die Vier mit „Big Spender“, brillant gesungen und gespielt – Hoffentlich dürfen wir euch einmal als Special Guest feiern!

Ebenfalls das Zeug zu Größerem haben die „Rochefour“ bestehend aus Familie Roshto (in alter Zeit hieß die Familie ja mal errlisch französisch Rocheteau, Louisiana-Adel somit) – Tochter Emily mit Gesang und Gitarre, Mutter Christiane an der Geige, Sohn David am Cello und Vater Barry selbst mit Klavier, Gesang und diesmal auch der niegelnagelneuen Melodica – Hohners Wunderinstrument der sechziger Jahre. Die Stücke hatte überwiegend Emily ausgesucht, immerhin war auch ein Lied mit Bezug zum Mai dabei: „End of May“ von Michael Bublé. Das Quartett konnte hier aus dem Vollen schöpfen und die Streicher so richtig unter die Haut gehen lassen. Das gelang ihnen auch mit „Let Her Go“ von Passenger. Barry und Emily als Duett glänzten bei „Little Numbers” von Boy. Emilys einfühlsame Stimme sorgte dabei für Gänsehaut und auch bei Barrys Auswahl „Landslide“ von Fleetwood Mac bildeten die beiden eine so großartige stimmliche Geschlossenheit, dass wir inständig hoffen, bald mehr zu hören.

Als ob das nicht bereits grandios genug gewesen wäre, trumpfte nun noch Jutta Mensing mit ihren Gefolgsleuten aus der regelmäßigen Veranstaltung für „Verstaubte Instrumente“ in Bad Honnef mit zwei schönen Liedern zum Thema Mai auf. Thomas Bandholz und Gerd-Wolfgang Spillers an den Gitarren, Mary Krah (Querflöte), Jutta (Gesang) und Steve Perry (Mandoline) spielten und sangen das schöne Lied „Wie schön blüht uns der Maien“ und das ganz nach Juttas Art ohne Kitsch und Mätzchen, dafür aber mit schöner Präsenz auch der kräftigen Männerstimmen.

Zur Trommel wurde eine Gitarre umfunktioniert bei Walter von der Vogelweides Minnelied „Under der Linden“. Das Lied in mittelhochdeutscher Sprache aus dem frühen 13. Jahrhundert besingt die heimliche Liebe zwischen zwei Menschen von ungleichem Stand. „Schône sanc diu nahtegal“ ist darin die Referenz an den Maimonat. „Tandaradei“ lautet der Refrain, den das Publikum mit Inbrunst mitsang.
Zum Abschluss wurde das Publikum nochmals von Gabi Beckenbach und Hans Peter Kempkes mit Chansons verwöhnt, die einst von den Ikonen Hildegard Knef und Zarah Leander gesungen und unsterblich gemacht wurden: „Er war nie ein Kavalier“, „Kann denn Liebe Sünde sein?“, „Aber schön war es doch“ und „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ bekamen stürmischen Beifall. Damit durften die beiden den Saal aber noch nicht verlassen und so gab es eine Zugabe. Das Lied „Yes Sir“, mit dem Zarah Leander 1937 im Film „Zu neuen Ufern“ die Männer betörte, sang Gabi mit ihrer schönen Altstimme und begeisterte vollends – Vielen Dank für diesen unterhaltsamen Besuch aus Solingen!

Ein Folk Club Abend wäre nicht komplett ohne den Rausschmeißer „Jock Stuart“ und so wurde auch dieser Schotte zum Abschluss noch vielstimmig besungen.

Auf Wiedersehen am 7. Juni mit unseren „Special Guests“ der Gruppe „Currach“, die uns in die Welt der irischen und schottischen Folkmusik entführen wird.

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