Donnerstag, 6. Februar 2020

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr, 109 am 3. Januar 2020


Folk Club Nr. 109 im Januar 2020 – Winter!

Ja, Winter – schön wär’s! Dieses Jahr ist der Winter ein grauer Frühling, Schnee und Eis gibt es nicht oder kaum, und die Mücken tanzen auf der Terrasse. Tolle Aussichten für die warme Jahreszeit. Das einzig Gute: Die Heizungsrechnung bleibt einigermaßen niedrig. Aber das Motto des Abends war gewählt, und somit gab es natürlich auch das eine oder andere Lied zu hören, das sich mit dieser Jahreszeit befasste.

Den Anfang machte wie immer unser Impresario John Harrison mit den Aufwärmliedern, diesmal zusammen mit Co-Nachtwächter Christoph Thiebes, der den Mundharmonikapart beisteuerte. „The Snow They Melt The Soonest“ ist ein melancholisches Liebeslied aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und stammt aus Northumberland, einer Grafschaft im Nordosten Englands an der schottischen Grenze – wunderbar passend zum Thema des Abends.

„Nobody Knows You, When You‘re Down And Out” ist rund einhundert Jahre jünger und hat eigentlich nichts mit dem Winter zu tun, aber bei dem Text des klassischen Blues kann man schon frösteln. Johns Kommentar war: „Man sagt, dass jeder, statistisch gesehen, über sechs Ecken mit dem Präsidenten (vielleicht auch dem amerikanischen) verbunden ist (Ich kenne einen, der einen kennt, der einen …), aber ebenso ist man möglicherweise auch über sechs Ecken mit dem armen Penner im U-Bahn-Schacht verbunden. Auch im Lied „Silver City” von Mance Lipscomb geht es um das Leben der Leute am hinteren Ende der Wohlstandshierarchie. John mit seiner Resonator-Gitarre und Christoph an der Mundharmonika gaben dem Lied den richtigen Sound und ernteten viel Applaus.

Martha aus New York beglückte uns auf der Geige mit einer schönen, leicht traurigen Melodie, die ihrer Aussage zufolge auch als Filmmusik gedient habe. Sie konnte uns aber leider weder den Titel des Films noch der Melodie nennen – schade. Die Melodie gefiel aber allen, und wir hoffen, Martha bald wieder zu Gast zu haben.

Diesmal mit einem Gedicht wartete Wolfgang Schriefer auf. „Die Geburt“ von Robert Gernhardt sorgte mit dem unerwarteten und bizarren Ende (Die Geburt des Teufels) für Lachen, aber bei Einigen auch für Betretenheit.

Nicht nur für musikalisches sondern auch für optisches Spektakel stehen „Lavender Blue“: Mit drei imposanten Harfen, Hackbrett, Kontrabass und Cajon sorgten fünf Damen und ein Herr vom Start weg für Furore: Gaby Engel, Elena Landeck, Iris Maxstadt, Katrin Hahn, Sandra Wierscher und Tom Meyer starteten mit dem Instrumental „Julia Delaney“. Bei „Cruel Sisters“ gab es stimmliche Unterstützung von Gabys Tochter und Gabys Mann, Eva und Günter. Eva Engel sang das verwunschene Lied über die beiden Schwestern, deren eine die andere eines Mannes wegen umbrachte, mit ihrer fantastischen Altstimme so eindringlich, dass der buchstäbliche Schauer den Rücken hinunterlief. „Winterträumerei“ war wieder ein Instrumental, bei dem die wundervolle Klangfülle der Harfen für Gänsehaut sorgte. Beim „Glasgow Reel“ durfte Katrin auf dem Hackbrett mit einem Solo glänzen. Das Publikum entließ die Truppe nicht ohne eine Zugabe: Bei „Deck The Halls“ nahm das Publikum die Einladung zum Mitsingen gern an. Die erste Strophe sang Steve Perry in walisischer Sprache. Nun, nach alten Brauch geht die Weihnachtszeit ja erst an Mariä Lichtmess, also am 2. Februar, zu Ende. Daher passte das Lied wunderbar in die Jahreszeit und zum Thema. Das Publikum war begeistert. Bravo, Lavender Blue, bravo Eva, Günter und Steve! Bitte beglückt uns wieder im nächsten Jahr.

John Hay, der getreue Gefolgsmann des Folk Clubs, hatte ein eigenes, bezauberndes Lied mit dem Titel „A Winter Song“ mitgebracht, das eine kleine Hommage an den Folk Club enthielt. Die Fusion der Kulturen beschwor er mit dem „Buddhist Flamenco Song“, einem herrlichen Spaß. Vielen Dank John, für deine schönen Lieder, deinen wunderbaren Gesang und dein gekonntes Gitarrenspiel.

Das erste Mal im Folk Club präsentierte sich Nikola Novakovic, und das mit drei eigenen Liedern: „Not Minding That It Hurts“, „Rocky Roads To Love“ und „Canadian Skies“ lauteten die Titel. Nikolas beeindruckende, voluminöse und sehr variable Stimme und sein variantenreiches und virtuoses Gitarrenspiel verzückten das Publikum. Hoffentlich ist Nikolas Auftritt nicht sein letzter im Folk Club.

Nach der Pause aktivierte Steve Perry das Publikum mit einem a capella gesungenen Dreikönigslied aus Spanien „La viene la vieja“. Das Lied handelt von der spanischen Sitte, Weihnachtsgeschenke (aguinaldo) am Dreikönigstag zu verteilen.

Günter Peters, ebenfalls ein Folk Club Aktivist der ersten Stunde versammelte die „Oldietruppe aus Kessenich“ um sich, um ein paar bekannte Winterlieder zu seiner Begleitung am Klavier zu singen. Das Publikum war herzlich eingeladen, „Schneeflöckchen, weiß Röckchen“ „Winter Wonderland“ und den „Schneewalzer“ mitzusingen.

Karin Schüler, die für die Instrumentalbegleitung diesmal Thomas Neuhalfen mitgebracht hatte, nahm uns auf eine musikalische „Winterreise“ durch verschiedene Länder und Kontinente mit. Mit Frankreich und einem Lied, das ursprünglich von Edith Piaf bekannt gemacht wurde, startete die Reise. Auf „Dans ma rue“ folgte ein brasilianischer Bossa Nova mit dem Titel „No More Blues“ von Antonio Jobim („Chega de saudade“ lautet der Originaltitel auf Portugiesisch). Weiter ging’s zurück nach Deutschland mit Reinhard Meys bezauberndem Lied „Ich glaub‘ es war ein gutes Jahr“. Neben Karins einfühlsamer stimmlicher Interpretation der bekannten Lieder beeindruckte auch Thomas‘ Virtuosität auf der Gitarre. Thomas ist im Folk Club eigentlich eher als Bassist (Kontrabass) bekannt. Den Abschluss ihres Sets machten die beiden mit einem von Thomas selbst geschriebenen Lied mit dem Titel „Winter Song“, der gut zur aktuellen Situation passte: zu warm, die Vögel singen und statt Schneeflocken prasselt der Regen hernieder, eigentlich eher ein lausiger Frühling – Bravo Karin und Thomas für eure Beiträge.

Hans Ihnen, der mittlerweile zum festen Inventar des Folk Clubs zu gehören scheint, ist der Mann für d a s Graben nach Schätzen, die irgendwo in d e m Graben gelandet sind. Dazu gehört das Lied „Making Other Plans“ von der Mick Fleetwood Band. Die Band wurde 2008 von Mick Fleetwood, dem ehemaligen Schlagzeuger der legendären Band Fleetwood Mac ins Leben gerufen. Hans begleitete sich bei dem Lied selbst am Klavier. Mit Gitarrenbegleitung ging’s dann weiter mit einem Lied von „The Head And The Heart“ mit dem Titel „Winter Song“. Den Titel hatten wir zwar vorhin schon einmal, aber mit einem anderen Lied dahinter. Das von Hans gewählte zarte Lied drückt Bedauern über den Abschied vom Sommer aus. Ein weiteres Mal lautete der Titel „Winter Song“. Diesmal handelte es sich aber um ein Werk von John Denver, ein schwungvoller Country Song, der den wahren, kalten Winter mit viel Schnee, Kaminfeuer und dem Warten auf die wiederkehrende Sommersonne besingt – Viel Applaus für Hans.

Zum Abschluss des Abends beglückten uns 2Sunny alias Tatjana Schwarz und Ralf Haupts mir drei unsterblichen Chansons von Hildegard Knef. Tatjanas Stimme scheint wie dafür geschaffen zu sein, die Lieder der großen Altistinnen der Unterhaltungsmusik zu singen. „Ich bin zu müde, um Schlafen zu gehen“, „Du bist mein Salz in der Suppe“ und „In dieser Stadt“ lauteten die Titel der Lieder, und das Publikum wurde ganz still, um ja keine Nuance von Tatjanas und Ralfs Interpretationen zu verpassen. Großartige Musik zum Abschluss des Abends und großer Dank an die Beiden für ihren Beitrag.

Abschluss des Abends? Natürlich nur fast, denn den Abschluss bildete, wie fast immer, das gemeinsam gesungene Lied vom ollen Schotten Jock Stewart („I’m A Man You Don’t Meet Every Day“). Damit ging wieder ein Abend mit einer gehörigen Produktion an Glückshormonen zu Ende. Euer Hofberichterstatter ist schon ein wenig besorgt, dass hier womöglich noch das Betäubungsmittelgesetz zur Anwendung kommt.

Auf Wiedersehen beim nächsten Folk Club am 7. Februar 2020. Dies ist ein Jubiläums-Folk-Club, denn vor zehn Jahren, am 5. Februar 2010 startete der Folk Club mit seinem ersten Abend in eine damals noch ungewisse Zukunft. Wie sich die Veranstaltung entwickelt hat, kann man nur mit dem Wort „phänomenal“ umschreiben. Als besondere Gäste des Abends erwarten wir die Four Fiddlers aus Hückeswagen. Zudem hat sich eine Vertreterin des Kulturamtes der Stadt Bonn angesagt, um den Folk Club zu würdigen.

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