Sonntag, 7. Oktober 2018

Marios Bericht über den Folk Club Nr. 94 am 7. September 2018

boireannaich agus uaislean, .............
........erklang nicht, dafür das gewohnte Laaadieees and Gentlemen. trotzdem blieb das Motto des 94. Folkclub celtic music (für alle, die es nicht wissen: boireannaich agus uaislean ist schottisches gälisch und heißt Ladies and gentlemen)
Die ersten keltischen Töne kamen von John Harrison, der sich – typisch keltisch – Unterstützung von Eva Henneken an der Geige holte. Mit den Stücken „Celtic Air“, „Black is The Colour“, „Country Honk“ und dem Instrumental Albert McTavish's Brand New Fridgidaire“ stimmten beide in eine breite und weite Welt keltischer Musik ein. Diese Musik wird trotzt ihrer Vielfalt eigentlich immer schon nach wenige Tönen erkannt und selten gibt es Menschen, die dieser Musik nicht zugetan sind.
Aber der Folkclub gibt zwar immer ein Motto des Abends vor, jedoch ist dies kein Ausschlußkriterium für Künstler, die in andere Richtungen gehen. So erklomm denn auch Gert Müller, unser Spezialist für bönsche Mundart die Bühne. Diesmal jedoch hatte er keine „platten“ Gedichte (also Gedichte im Dialekt), sondern einen besonderen Leckerbissen von Ringelnatz im Gepäck – halt! Der Leckerbissen bestand ja gerade darin, dass Ringelnatz nur einen Teil zu vertreten hatte. Die zweite oder in diesem Fall besser die erste Strophe kam von Gert selber – schließlich sei dieses Gedicht zu kurz, um es mit einer Strophe abzuhandeln. So erhielt der „Seufzer“ eben jene weitere Strophe und war nicht vorbei, eher das Publikum gemerkt hätte, dass es angefangen hat. Und wenn geseufzt wurde, kommt auch häufig kurz danach das Taschentuch zum Einsatz, so auch bei Gert, allerdings nicht zum Schneuzen, sondern als eine weiteres Gedicht, welches er vortrug.
Wenden wir uns aber wieder der Musik zu. Alte Gesichter in neuer Formation sahen wir mit der Gruppe World Music Bonn, in der sich John Hay, Eva Henneken, Thiline Kurukulasuriya und Carolin Schaulandt vereinen. Mit gewohnt tollem Violinenspiel, mit der sowohl im Rhythmus wie auch in dem Meldiespiel sicheren Gitarre, der rhythmischen Unterstützung des Cajons und einem teilweise mehrstimmigen Gesang brachten sie dem Publikum die Lieder Wild Mountain Heather/ Will You Go Lassie, Go, Tri Matalod, Lord Of The Dance und als Zugabe This Is The Life dar.
Danach nun durfte euer Chronist selbst die Bühne besteigen und erläuterte erst mal seine Überlegungen, wie seine deutschen Liedermacherlieder zum Thema des Abends passten. Nun ja, einen inhaltliche Zusammenhang konnte man noch in dem Thema trinken/ saufen sehen, weshalb das Trunkenheitslied nicht nur passte, sondern auch gerne im Refrain mitgesungen wurde. Beim zweiten Lied war der Zusammenhang eigentlich nicht mehr zu sehen, aber, da die Handlung des Liedes „Jeder gehört nur sich allein“ ein wenig melancholisch ist, gibt es immerhin einen emotionalen Zusammenhang. Mit einem echten schottischen Stück wurde dann aber doch der keltische Zusammenhang wieder hergestellt und so sang das Pulikum auch gerne bei dem Lied „Sailing To The Far Side Of The World“ von Tom McConville mit. Bliebe noch zu erwähnen, dass Sebastian Landwehr das Lied auf der Gitarre begleitet, weil Mario Dompke sich der Waldzither zugewandt hatte
Nicht nur Programmdirektor des Folkclubs, sondern auch immer wieder aktiver Musiker ist Steve Perry, der diesmal gemeinsam mit seiner Frau Regine Perry-Mertens, sowie Uta Schäfer und Bernd Wallau eine instrumental untermalte Chordarbietung brachte. Mit der walisischen Nationalhymne „Hen Wlad Fy Nhadau“ und der zweiten Hymne „Cwm Rhondda“ entführten die vier nicht nur in den walisischen Musikraum, sondern auch in eine Welt der Harfen- und Flötenklängen. Wenn Bernd Wallau dabei ist, ist auch schon klar, dass bei vier Personen, mindestens vier Singstimmen mehrstimmig eingesetzt werden. Nach Irland ging es dann mit dem Lied „The History Of Football“ von Paddy Brennan und von Hamish Imlach berühmt gemacht), dass ebenfalls einen Hymnencharakter hat.
Warum müssten die Folkclubbesucher eigentlich Steve und Regine den nächsten Urlaub finanzieren? Nun, weil eben die beiden aus dem letzten Urlaub die special guests des heutigen Abends mitgebracht haben. Die Dancing Voices, Kiltans oder MacAukema & Friends (je nachdem in welcher Besetzung und zu welchem Anlass die Gruppe auftritt, gibt es auch einen entsprechenden Namen) sind drei NiederländerInnen, die sich nicht nur musikalisch, sondern auch kleidungsmäßig der schottischen Musik verschrieben haben – natürlich zünftig im Kilt. Mit den wunderschönen Lieder „Rolling Hill O' the Border“, „Bonnie Ship The Diamond“, „Bricklayer Song“ und „Caledonia“ brachten die drei viel Spaß und keltische Emotionen mit sehr hoher Professionalität in den Folkclub. Natürlich war damit noch nicht Schluss, sondern erst eine Pause eingeleitet. Sie kamen in der zweiten Hälfte wieder, um weiterhin für viel Stimmung zu sorgen. Hierzu bedienten sie sich der Lieder „Farewell To Carlingford“, „Kilkelly“, „Mary Mack“, „The Wild Rover“, „Star Of County Down“, und „Donald, Where's Your Troosers“. Auch, wenn diese Lieder hier im Bericht aneinander gereit stehen, war die Darbietung alles andere als eine Aneinanderreihung. Jedes Lied wurde in seinem Charakter perfekt dargestellt. Wo Melancholie angesagt war, wurde mit Stimme und Stimmung gespielt, wo flotte Rhythmen anheizen sollten wurde zur Wunderwaffe Mitsingen gegriffen und wo instrumentale Töne die Gesamtdarbietung unterstreichen sollten, wurden verschiedene passende Intrumente ausgepackt. Natürlich blieb es so nicht aus, dass Zugaben verlangt und glücklicherweise auch gegeben wurden. Mit „Never alone“ und dem wohl allen bekannten Klassiker „Dirty Old Town“ wurde nicht nur der Wunsch des Publikums erfüllt, sondern noch einmal die Vielfalt des Könnens bewiesen.
Aber nach der Pause kamen vorher ja noch weitere Künstler. Mit wunderschöner Stimme versteht es Jutta Mensing immer wieder ihre Informationen zu den Veranstaltungen im Bad Honnefer Feuerschlösschen einzuleiten. Diesmal nahm sie dazu das Donovan Lied „Voyage of the Moon“ zu Hilfe, welches die keltische Seele in sich trägt.
Stets getrieben von der inneren Unruhe die Missstände in unserer Gesellschaft in Lieder zu fassen, um sie sehr schnell den unterschiedlichen Protesten zur Verfügung zu stellen, hat Gerd Schinkel auch auf den Irrsinn der Abholzung des Hambacher Forstes reagiert und mit dem Lied „Polnische Dörfer“ dem Protest seine Stimme gegeben.
Sebastian Landwehr kam an diesem Abend nun zum zweiten Mal auf die Bühne – diesmal als Solokünstler. Mit einem sehr neuen Lied „Ende der Zeit“ und einem schon etwas länger existierendem Song „Keine Zeit“ zeigte er sein Können sowohl in dem Umgang mit Worten und lyrischen Verknüpfungen wie auch im Umgang mit Tönen und deren Darstellung auf der Gitarre. Natürlich fehlte bei Sebastian auch nicht der Anknüpfungspunkt zum Thema des Abends. Mit dem „Song For Ireland“ brachte er seinen Tribut für diese Musik.
Muss es noch erwähnt werden, dass, egal wie lang und schön der Abend auch immer war, unser Patron „Jock Stewart“ sein Abschiedswort in Form des gemeinsam gesungenen Liedes geben musste – nein, muss es nicht, wird es aber, wie eben auch das Lied immer gesungen wird. Ein Folkclub ohne Jock Stewart wäre kein Bonner Folkclub, denn genauso wie die Besonderheit, dass der Bonner Folkclub ohne elektronische Verstärkung auskommt, gehört die Abschiedshymne einfach dazu.
In diesem Sinne – see you at Dotty's on Octobre 5th.
Out of the bedroom!

Mario

N.B. Für Steve von Mario : @Steve: "Out of the bedroom " war ein Motto des openmic (verkriecht euch nicht im Schlafzimmer, sondern macht mit anderen zusammen Musik)

Gute Gedanken Mario!

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