Mittwoch, 20. September 2023

Marios Bericht vom Folk Club Nr 138 am 1. September 2023

Windoof, Linux, Zoom, SDHC – eine Bruderschaft des Grauens

Was war eigentlich los zum Beginn des Erntemonats September? Krankheit? Noch Urlaubszeit? Egal – auf alle Fälle haben ein paar KünstlerInnen Ihren Auftritt abgesagt, was aber in artistischer Manier durch die Bereitschaft der verbleibenden Acts aufgefangen werden konnte, indem diese mehr und länger spielten. Ja und dann die Tonaufnahmen – wie ihr alle wisst, nehmen wir den Folk Club seit Jahren auf. Zum einen, um die Entwicklung für die Organisatoren zu dokumentieren, zum weiteren, um den auftretenden KünstlerInnen ihren Auftritt im Nachhinein zur Verfügung zu stellen (sich selbst zu hören erfüllt oft mit Stolz, ist manchmal aber auch eine gute Quelle für Ansatzpunkte zur Verbesserung). Einen weiteren Grund finden die Aufnahmen in der Erinnerungsstütze der Kolumnisten für ihren Bericht (also für Detlef oder mich). Daran gewöhnt den Folk Club noch einmal nachhören zu können, mache ich mir keine Notizen während der Veranstaltung – Detlef, und das sei ihm gedankt, schon. Na ja, was hat diese Erläuterung nun mit der Überschrift bzw. mit diesem Bericht zu tun? Ganz einfach – oder auch sehr kompliziert. Das Aufnahmegerät ist ein Zoom R24 mit einem proprietären Betriebssystem (ein Linux-Derivat). Das Aufnahmemedium ist eine 32 GB SDHC Karte und das Abhör- bzw. Schneidegerät (die sogenannte DAW) ist eine Software, die bisher auf meinem Linux Rechner lief. Nun habe ich einen neuen Rechner, der mit Windows ausgestattet ist – dachte ich mir doch glatt, ok, nutzt du halt nach Jahren mal wieder Windows. Aaaaber – kaum, dass die SDHC-Karte in den Rechner geschoben wurde, kam eine mir von früher bekannte Meldung: „Die Karte hat einen Fehler – reparieren oder ohne Eingriff weiter“ (Meldung heißt etwas anders, aber sagt genau das aus). Da ich weiß, dass reparieren identisch mit formatieren ist und danach alles weg ist, habe ich diese Option nicht gewählt. Ich konnte alle Aufnahmen problemlos in die Software laden und habe mir einige Ausschnitte des Konzerts angehört. Danach habe ich den Rechner runtergefahren und wollte am nächsten Tag mit der Arbeit des Schneidens und Berichtschreibens anfangen – jedoch, am nächsten Tag war die Karte nicht mehr lesbar – weder auf dem Windows-Rechner noch auf dem Linux-Rechner, noch im Zoom-Rekorder. Als Mensch mit Vorurteilen und der Notwendigkeit, immer einen Schuldigen außerhalb meiner Person zu finden, heißt die Betriebssoftware Windows ab sofort bei mir wieder Windoof.

So, aber nun hat das ganze Schlamassel doch noch positiv dazu geführt, dass ich eine kurzweilige Einleitung in die Berichterstattung gefunden habe – ab jetzt, wie immer:

„Laaaddiees and Gentlemeeeeeen……“, John Harrison, der Master of Folk Club bittet zum Musikreigen. Diesen eröffnetet er selbst mit einem Lied aus eigener Feder, welches er mit seinem häufigen Mitmusiker Christoph Thiebes an der Mundharmonika in bekannter Manier intonierte. „Flan (Kieran Patrick Flannery)“ ein trauriges Lied, beschreibt es doch den frühen Tod eines Freundes von John. Dem Thema des Abends („Alte Bäume“) angemessen spielten die Beiden als nächstes Lied den „Green Man“ von Martin Donnelly. Der Green Man ist in keltischen Kulturkreisen eigentlich gar kein „Man“, sondern die Verkörperung der Erneuerung von Natur und Energie – und somit natürlich verantwortlich für alte und neue Bäume. Sicherlich könnt ihr euch denken, dass es nicht nur ein Lied über Green Men gibt – und so brachten John und Christoph auch gleich ein weiteres dem geneigten Publikum zu Ohren. „The Green Man“ von Malcolm Guite zeigte ebenfalls wie perfekt eingespielt beide Musiker sind und welche Virtuosität jeder für sich auf die Bühne bringt.

Damit das Motto des Abends auch ordentlich gewürdigt wurde, trug John zwei Gedichte seines Lieblingsdichters John Clare vor "The Shepherd's Tree " und "The Wind And Trees". John Clare lernten wir von John, war der erste Dichter Englands, der nicht von Adel oder sonstiger begüterter Herkunft war, sondern der Sohn eines einfachen Landarbeiters.

Als nächstes bestieg „El Gato con Botas“ oder wie der Rheinländer sagen würde „Der gestiefelte Kater“ die Bühne. Nicht der Name an sich, aber die Sprache des Namens verwies bereits auf die Art der Musik. Südamerikanisch, spanisch, portugiesisch oder französisch – alles, wie sich zeigte, jazzig angemacht, erzählten sie sehr virtuos Geschichten aus aller Welt. Geschichten, die ebenso von der Liebe (sozusagen dem Spirit des Beginns von Leben) wie auch vom Tod erzählten – Alltagsgeschichten eben:-). Mit den MusikerInnen Patrick Büchel – Kontrabass, Mika Wagner – Gesang und Perkussion und Arno Fleckenstein – Gitarre hat sich ein absolutes Erlebnis des Abends manifestiert. Leider haben die gestiefelten Kater nicht so sehr viel zu den Inhalten ihrer Lieder erzählt, aber die Darbietung entschädigte das Publikum umso mehr. Beginnend mit dem kolumbianischen Lied von Marta Gomes „La Ronda“ führten sie in eine gefühlvolle Welt des musikalischen Ausdrucks. Weiter ging es dann mit dem Edith-Piaf-Lied „Dans ma rue“, und somit machte die Reise einen Zwischenstopp in Frankreich. Weiter ging es dann in die Welt des Dschungelbuchs. Damit war es leicht, das Motto des Abends aufzunehmen, denn das Lied spielt auf einem Baum. Auf Deutsch lautet der Titel „Vertraue mir!“, ihr wisst schon, die böse Schlange Kaa will Mogli fangen und verspeisen. Mika sang es aber in der portugiesischen Version. Das Lied ist unabhängig vom Ort des Geschehens schön und in der Bearbeitung von El Gato con Botas die Eröffnung einer neuen Gefühlswelt. Mit etwas Flottem verabschiedete sich die Gruppe aus der ersten Hälfte – „Dos Gardeňas“, welches dem einen oder der anderen von Ibrahim Ferrer (Buena Vista Social Club) bekannt sein mag, macht die Weltreise vorerst in Kuba Halt.

Wolfgang Schriefer, ein bekanntes Gesicht aus den Reihen des Folk Clubs, brachte diesmal keine Gitarre, sondern ein Blatt Papier auf die Bühne. Er sang nicht, sondern ließ das Publikum in eine Märchen- und Sagenwelt selbst geschriebener Geschichten versinken. Mit dem Gedicht „Baum Traum“ eröffnete er seine Kurzreihe. „Heut’ träumte ich in dunklem Raum, Ich sage euch man glaubt es kaum, von einem wunderschönen Baum.“, so fing es an und erzählte das Leben eines Baumes, über sein Wachstum, sein Erlebnisse mit Kindern und Erwachsenen bis hin zu seinem Tod durch einen Blitzschlag. Aber selbst dann noch diente er der Natur für neues Leben als Unterschlupf für Käfer und anderes Kleingetier. Zwar kamen nach diesem Gedicht die zwei Geschichten von Wolfgang erst in der zweiten Abendhälfte, aber ich gestatte mir diese doch bereits hier zu erwähnen. Die Geschichte vom Theaterbaum, der Zeder vor dem Kleinen Theater in Bad Godesberg. Vor jeder Vorstellung lobend ob seines Alters und Schönheit erwähnt, wurde dieser in 300 Jahren eitel. Und als einmal keine Erwähnung stattfand, mochte er die Musik im Theater nicht – bis im einfiel, dass dies vielleicht gar nicht an der Musik, sondern eher an seiner verletzten Eitelkeit lag. Mit einer, in meinen Augen sehr schönen und anrührigen Kurzgeschichte (eine Minute) beendet Wolfgang seine Lyrik und berichtete über die Bäume in einem Friedwald, deren Namensschildchen dem einen Trost und der anderen Anregung zum in sich hineinhören geben.

Aber springen wir zurück in die erste Hälfte des Folk Clubs. Über sich selbst zu schreiben, fällt natürlich immer schwer, aber, da ich zur Gruppe Fomiander gehöre und diese nun an der Reihe war, bleibt mir gar nichts anderes übrig. Ich mache es kurz: Wir waren überragend, was gibt es da noch zu sagen? Scherz beiseite. Natürlich gibt es kaum einen Auftritt von kaum einer Gruppe, bei dem nicht das eine oder andere schief geht – glücklicherweise merkt es das Publikum oft gar nicht, und deshalb sollte auch nicht darüber gesprochen werden. Nun aber zu uns. Fomiander stand seit langer Zeit mal wieder fast vollständig auf der Bühne – und diesmal mit einem neuen Gesicht. Karin Thomas, eine Querflötistin, die eine große Bereicherung für Fomiander darstellt, gab ihr Fomiander-Bühnen-Debüt. Mit einem Lied aus meiner Feder begannen wir und begaben uns in das Genre Mittelalter unseres Namens (Fomiander das ist Folk, Mittelalter und andere schöne Lieder). „Bauernleid“ erzählt   über die Pflicht der Bauern ihrem Lehnsherren im Kriegsfall soldatischen Dienst zu leisten. Nun kann so mancher auf die Idee kommen und mich korrigieren, in dem darauf hingewiesen wird, dass solche Dienste erst im 16/ 17ten Jahrhundert aufkamen. Dem gegenüber kann ich nur ausrufen: was heute als Mittelaltermusik angeboten wird, hat nicht wirklich etwas mit dem Mittelalter zu tun und außerdem sind Grenzen von Weltären sehr fließend. So wird zwar in spanisch-italienischen Gefilden das Ende des Mittelalters auf Mitte des 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts gelegt, aber in Deutschland wird häufig noch das Leben auch des 16. Jahrhunderts geschichtlich als mittelalterlich bezeichnet. Jedenfalls beschreibt dies Lied eben das Leid aus dem Bauerntum herausgerissen zu werden, um dem Fürsten Kriegsdienst zu leisten. Derweil bleibt zu Hause nicht nur die Ernte liegen, sondern oft sterben/ verschwinden auch Frau und Kinder. Interpretiert wurde das Lied auf der irischen Bouzouki mit sowohl rhythmischer Begleitung wie auch eingebautem Melodiespiel. Die Übergänge der von Sonja Daniels meisterlich gesungenen Strophen wurden durch eben die Querflöte von Karin Thomas gestaltet und verziert. Mit einem Experiment ging es weiter – hier fehlte leider die spanische Gitarre des abwesenden Gitarristen. „One More Cup Of Coffee“ von Bob Dylan ist eigentlich ein spanisch angehauchtes Stück. Fomiander machte daraus ein Wechselspiel zwischen lyrischer Ballade und fetzigem Rock ’n‘ Roll. Die Querflöte sorgte im Jethro-Tull-Stil für Melodieeinlagen.

Wieder ein Stück aus meiner Feder ist das Lied „Rückenwind“. Ein mit Wind gezeichnetes Gemälde, welches beschreibt, dass es Momente des Zurückdenkens, der Andacht und manchmal des Bedauerns gibt – allerdings sollten diese nie darüber hinwegtäuschen, dass die Wichtigkeit im Leben immer in der Gegenwart und Zukunft liegt. Zurückliegendes lässt sich nicht verändern.

Vor der Pause kam noch einmal das Thema des Abends voll zur Geltung. Ein kleiner, aber sehr informativer Vortrag von Andreas Theves von den Bonner Baumwächtern ließ viele aufhorchen. Schafft es doch ein einziger Baum mit seinen nahezu 600 000 Blättern für frische Luft zu sorgen. Es lässt sich leicht erraten, wer sich zu sorgen hat, wenn solch ein Baum gefällt wird. Zum weiteren Nachdenken nach diesem Vortrag kam dann eine Pause gerade richtig.

 

Frisch auf Musik eingestellt, ließ sich das Publikum bald wieder auf seine Plätze nieder, um der Einleitung durch John Harrison und Christoph Thiebes in die zweiten Hälfte zu lauschen. Mit einer tollen Bearbeitung des Rolling-Stones-Klassikers „Honkey Tonk Women“ rissen die Beiden das Publikum mit. Ein super Mundharmonikasolo von Christoph zeigt allen seine Virtuosität. Der Titel des Stücks lautet anders als das Original „Country Honk“ und ist eine Bearbeitung mit leicht abgewandeltem Text. Weiter ging es nicht weniger virtuos mit „Keep Your Hands Off Her“ von dem Bluessänger Lead Belly. Ich möchte mich nicht wiederholen, aber auch hier war wieder das Zusammenspiel mit den Soloelementen zwischen John und Christoph grandios. Den Abschluss des Teppichflecks (alias Floor Spot) gestalteten die Zwei mit Robert Johnsons „I Got Rambling On My Mind“ – auch hier wieder mit furiosen Soloeinlagen.

Über die Geschichten von Wolfgang Schriefer habe ich bereits weiter oben geschrieben, so dass nun wieder ein Eigenbericht ansteht: Auch Fomiander gaben eine zweite Einlage (um den Ausfall anderer MusikerInnen zu kompensieren). Mit einem zum Nachdenken anregendem Lied „Die Antwort weiß nur der Wind“, wurden die Themen Natur, Politik, Kindererziehung und das allgemeine Zusammenleben aufgegriffen. Das Melodie-Fingerpicking auf der Gitarre wurde diesmal mit gegenläufigen Melodien auf der Querflöte unterstützt. Beim folgenden Lied hatte die Querflöte eine Pause, wobei Karin diese nutzte, um mit kleinem Schlagwerk die Rhythmik des Liedes „Wenn ich dann gestorben bin“ zu unterstützen. Auch, wenn dies ein Lied ist, welches ich selbst zur Gitarrenbegleitung singe, kommt es in seiner Harmonik nicht ohne die zweite Stimme von Sonja aus. Inhaltlich weist das Lied auf die „Unsinnigkeit“ von lähmender Trauer hin. Das Leben ist endlich, jedem ist das bekannt, und Trauer sollte Erinnerung an die guten Zeiten sein und keine Lähmung des Weiterlebens. Aber kluge Worte genug, denn nun ging es weiter mit der Weisheit, dass es sich nicht lohnt schon in jungen Jahren an den Tod zu denken „Zähle doch nicht schon in jungen Jahren“ mit dem Untertitel „Das Versicherungslied“ bezeichnet, ist ein schmissiger Chanson, der über den Versuch des Lebens absolute Sicherheit zu erlangen erzählt – und dann kommt eine Kleinigkeit, die eben nicht abgesichert ist und das ganze Kartenhaus fällt in sich zusammen („wacklig wie die Schnüre des Expanders ist die Sicherheit auf der du tanzt“). Nun wurde es zum Abschluss noch einmal politisch. Als Gemeinschaftswerk von Sonja und mir entstand da Lied „Der Winterwald“, welches von der Verführung von Ideologien erzählt und letztendlich zu dem Schluss kommt: Nur selbst nachdenken und im eigenen Sinne handeln macht Sinn. Niemals anderen Ideologien nachlaufen. Damit endete zwar der Fomiander Auftritt, aber nicht der Abend.

Denn nun kam ein für mich persönlich besonderer Höhepunkt. Anke und Jörg Bohnsack – das Musikerpaar, das bis ins ehrwürdige Alter den Spaß an der Musik mit körperlicher Agilität verbindet. Die beiden, die für mich ein Sinnbild von „es wird gut, wenn ich meine persönliche Freude in die Musik lege“ sind, sind norddeutsch wie eh und je und interpretierten das Lied vom „Lütt Matten de Haas“ der aus reiner Lebensfreude das Tanzen erlernen wollte, sich aber leider den falschen Lehrer suchte, denn Reinke de Voss lehrte ihn nur wenig, dafür beet he em dot. Eine herrliche Geschichte des Heimatdichters Klaus Groth, aber auch ein Gleichnis, nicht zu leichtgläubig zu sein. Ja und dann kam die heimliche Nationalhymne von Hamburg. „Tüddelband“, ein Lied, welches in Zeiten des Nationalsozialismus groß und beliebt war – zum Ärgernis selbiger, denn die Gebrüder Wolff, die dieses Lied entstehen ließen und auch ein Theater leiteten, waren Juden – nur alles, was sie taten, war so urdeutsch, dass ihnen lange nichts angetan wurde – ein Grund mehr dieses Lied in allen Zeiten in Ehren zu halten. Mit ihrem letzten Lied wurden meine zwei Lieblingsmusiker etwas weniger norddeutsch. Mit dem Swingstück „Side By Side“ verabschiedeten sie sich.

Nun noch einmal zum fulminanten Ausklang des Abends El Gato con Botas. Ja auch diese Gruppe hat sich wegen des Ausfalls anderer Musiker spontan bereit erklärt einen weiteren Floorspot zu spielen – und der, um es vorwegzusagen – weitete sich zu einem mehrstückigen Zugabenabend aus. Aber der Reihe nach. Mit „Alfonsina y el mar“ begannen sie ihren zweiten Teil. Einem Stück aus Argentinien, dass auf Portugiesisch vorgetragen wurde. Wie bereits im ersten Teil wechselten sich Gitarre, Stimme und Bass mit Soloeinlagen ab und untermalten in der Restzeit rhythmisch die Bandkollegen. Bliebe noch zu sagen, dass auch wieder die Miniperkussions von Mika zum Einsatz kamen. Ein kleiner Tisch mit bescheidenen Schlagwerken in Holz und Blech. Mit dem nächsten Stück blieben die Drei in Argentinien. „Volver“ ein Lied des berühmten Tangosängers Carlos Gardel mit dem Text von Alfredo Le Pera, das typische Tangostimmung aufnimmt und von Heimweh singt. Wie weit ist es eigentlich von Argentinien in die Türkei? Auf alle Fälle sind beides Länder mit großen Kulturen aber leider auch schlimmen politischen Vergangenheiten und Gegenwarten. So berichtet das Lied „Kardeşin Duymaz“ des türkischen Liedermachers Zülfü Livaneli, dass der Bruder in Notlagen nicht immer hinhört, aber ein Fremder sehr wohl Erkennen zeigen kann. Da wir nun wieder in Europa angekommen sind, ging es noch einmal nach Frankreich. Die Gruppe verabschiedete sich mit dem Song „Je Veux“ von Zaz. Natürlich als gemeinsames Lied mit dem Publikum, welches das Papalapapapala kräftig mitsang. Hatte ich gesagt, die Gruppe verabschiedete sich? Natürlich tat sie das nicht, denn es waren noch die Zugaben „Sympathique (je ne veux pas travailler)“ und „Meu mundo é hoje“ angesagt. Der Applaus hätte ausgereicht, um noch weitere Stücke zu fordern.

Aber jeder Abend geht einmal zu Ende – so auch der Folk Club. Und? War es für Jock Stewart zu spät – natürlich nicht, denn ohne die Huldigung an den Patron geht kein Folk Club zu Ende.

Und denkt daran: Nach dem Folk Club ist vor dem Folk Club. Im Oktober kommt Johnny Campbell aus Yorkshire. In diesem Sinne

Out of the Bedroom

Euer

Mario

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 31. August 2023

Folk Club Bonn #138 Friday 01.09.2023 SINGERS' NIGHT Theme " Elderly Trees / Alte Bäume"

 FCB # 138 19:00 hrs on Friday 01.08.23


Dear Folk Club friends,


It's starting again!  ((No! Not COVID-19 again  this time!  (hopefully!!!))


After the summer break, the 138th edition of the Folk Club will take place this next Friday, 01 September 2023.


This time there will be a Singers' Night with numerous performances by various artists. The theme of the evening is "Old Trees". Let yourself be surprised and enjoy the evening!


Here once again are the most important dates:


Date: 01 September 2023

Start: 19.00 hrs until probably 22.00 hrs. The hall is open from 17.00 hrs and offers the opportunity to dine and drink comfortably before the concert. Those who come early can also sit in the front row.

Venue: Dotty's Sports Bar and Restaurant (Public Club House of the Bonn Tennis and Hockey Association - BTHV), Christian-Miesen-Straße, 53129 Bonn (Dottendorf)

And yet another important thing, as always, free admission.



Preview for October:

The next Folk Club will take place on 06 October 2023 with the theme "Beer, Wine and Other Delicacies". Featured artist of the evening is Johnny Campbell from Yorkshire in the North of England (https://johnnycampbell.co.uk/).



And another little hint: Thursday, 31 August 2023 from 20:00 to 22:00, John Harrison and Christoph Thiebes will perform at the inn "Kater 26" (at Römerstraße 26 in Bonn) (free admission, hat collection). The theme of his concert is "A little bit of Folk and a whole lotta Blues!". Highly recommended for all those who can't get enough of folk and blues. The pub also serves a well-kept Pilsener Urquell on draught and Czech wines.



Information for all those who want to perform at the Folk Club and secure a date:

(Due to a late cancellation due to illness, there is in fact a floor spot available for this coming Friday evening on 01.09.23 for the first person to apply!)

Please only use the address playrequestfolkclubbonn AT gmail dot com (correctly spelt with @ and . of course) for your registrations.


If you need further information please contact

Your Folk Club Team

John Harrison (0228 3670150)

Detlef Stachetzki (0228 671621)

Mario Dompke (02633 470327)

Detlef's report from Bonn Folk Club Meet # 137 from July 07.07.23

 Folk Club in July 2023 with a visit from Canada

On the last Folk Club evening before the summer break, the audience could look forward to an extensive contribution by our guest from Canada, guitarist Don Bartlett. As always, the programme was framed by contributions from John Harrison and music from local artists. In addition, the Cologne group Hofjebräu came to the Folk Club stage for the second time this year.

But as always, first things first. The traditional warm-up was performed by John Harrison. As a little allusion to Don Bartlett, whose home is the Canadian province of Alberta (twice the geographical size of Germany with about 4.5 million inhabitants), John started with the song "Alberta, Alberta". However, this has nothing to do with Canada but is directed at a woman with the same name. The origin of the melody is not clear. The first recording from 1926 is attributed to the blues guitarist Blind Lemon Jefferson. At that time the song was still called "Corrinne, Corrina". Others give Bo Carter Chapman of The Mississippi Sheiks as the originator. The lyrics in honour of an Alberta were only later combined with the melody and were written by Lead Belly*. But with the old blues tunes, it is not unusual that different authors are assumed to be the originators and some things were mixed up. The cudgel of copyright had not yet been developed. Clearly, by John himself is the song "Trouble And Strife", which deals with the devastating events of the Yugoslav War in 1991.

. Also from John's own pen is the song "Albert McShah", which sings about a somewhat unusual sheikh in whose harem live 50 women who like to sing blues. But the women sing slightly off-key. Here John skilfully used his resonator guitar with bottleneck slide technique - very funny!

Hans Ihnen always has little gems of folk music from earlier years in store. This time he had chosen songs by the unforgotten John Denver, which fitted well with the theme of the evening "Arrival and Farewell": Some listeners were already singing along with "Leaving On A Jet Plane". "Back Home Again" was obviously not quite as well known by the audience, but no less beautiful. The third song was then a reference both to Canada and to Darrel Delaronde, who together with his wife Saskia thrilled the audience at the Folk Club in May 2018 as the duo "Great Plains". Darrel, however, sadly passed away in October 2020. "My Father's Land" is one of his songs from the album "Holy Ground" - Thank you, Hans, for your songs and especially for remembering Darrel and Saskia.

Quite against his usual habit, Mario Dompke this time resorted to songs by other authors. "Ich bin Soldat" is a song that first became known in connection with the Franco-Prussian War of 1870. The song is attributed to the Saxon socialist Max Kegel, but the Zwickau newspaper editor Karl Hirsch is also believed to be the author of the lyrics. Mario also linked the song to the Napoleonic Wars, which took place some 70 years earlier. Be that as it may, the song became known to a larger public in the interpretation of the group Zupfgeigenhansel in 1976. The song "Leicht Gepäck" (Light Luggage) with the refrain line "Mein ganzer Reichtum ist mein Lied" (My whole wealth is my song) was written by Georg Herwegh. Herwegh was a contemporary and kindred spirit of Kegel's who campaigned for liberation from the authoritarian state and took an active part in the revolution of 1848. Mario then reached into the folk song box with the song,

"Lustig, lustig, ihr lieben Brüder" ("Merry, merry, my dear brothers"), in which the audience sang the refrain,

"While our craft is corrupted
The best-drinking brothers have died
There's none more alive than I and you"

were allowed to sing along. The song is about the experiences of a wandering journeyman craftsman who has travelled all over Europe.

After this somewhat lengthy introduction, Don Bartlett, the featured artist of the evening, gave us a taste of his virtuoso guitar skills in his first set before the interval. To anticipate: If you see his name on a programme somewhere: Go for it! It was simply a musical firework display the likes of which you don't often get to hear. Don, who was already a guest at the Folk Club four years ago, has developed enormously since then and is a real musical highlight.

For tonight he had mainly chosen instrumental interpretations of pieces by other authors. "Spiritual Groove" by Antoine Dufour is a furious piece with percussion elements on the guitar body. "Nothing Else Matters" by Metallica only gets the right effect through Don's instrumental version. His version of the song "Here, There And Everywhere" by the Beatles is beautiful enough to make you cry. Other interpretations were "We Don't Talk Anymore" by Charlie Puth and an arrangement by Canadian Lenny Breau of Bob Dylan's "Don't Think Twice, It's Alright" with artfully interwoven additions of jazz elements.

The second part of the evening started again with John Harrison, this time accompanied by Christoph Thiebes and Michael Ralph Pfeil with their harmonicas. "Walking Blues" is a piece from the 1930s. It was written by Son House, but it got its popularity in the interpretation of Robert Johnson. "Mr. Solitaire" was penned by John himself, while the blues "Little Red Rooster" was written by Willie Dixon. It became famous in 1961 in the recording with Howling Wolf (and later was an early hit for the Rolling Stones).

John Hay had also chosen songs to match the evening's theme, which were also good to sing along to. Apparently, John Denver is a real treasure trove on the subject of "arrival and farewell", as he had already helped himself to Hans Ihnen in the box in the first part of the evening. The lyrics of "Country Road" fulfilled the motto criterion perfectly. Today Here, Tomorrow There" by Hannes Wader also fit well and was also a German-language contribution, with which the audience sang along vigorously. The song "Oceans" by Hillsong United, a music collective belonging to the Australian "Hillsong community", a denomination belonging to the Christian Pentecostal church movement, has a strong religious reference.

Bringing us back down to earth was "Hofjebräu", who had already performed at the beginning of the year. The group consists of Michael Ralph Pfeil and Axel Meyer. The two devote themselves to German-language rock music with great fervour. As a successful combination of the Ruhr region (Michael) and the Rhineland (Axel), they also have songs in the Rhenish dialect in their repertoire. They started right away with "Helfen kann dir keiner" by BAP and stirred up the audience. They were accompanied by John Harrison and Christoph Thiebes on the harmonica. The Ruhr area section then got their contribution with the song "Willie und Gerd" by Stoppok, where the two of them really rocked out. Then it was back to the Rhenish and contemplative with "Wellenreiter" by BAP, in which Axel was able to show that he is well versed in Rhenish dialect. Marius Müller-Westernhagen's song "Hier in der Kneipe" (Here in the pub), which the two had slightly adapted in terms of lyrics, proved to be well suited for a homage to our pub "Dotty's". Big applause for "Hofjebräu"!

Afterwards, Don Bartlett had the rest of the evening at his disposal. In honour of his friend Steve Perry, who died last year, Don had taken a tune composed by Steve and rearranged it. "Today Is Forever" is the title of the piece, into which Don wove elements of Eric Clapton's "Tears In Heaven" - We are sure Steve will like it!

Apparently also known in Canada is Nena's song "Ninety-Nine Balloons", for which Don has arranged a wonderful instrumental version. Again a combination of elements from different melodies and Don arranged a wonderful instrumental version. Again a combination of elements from different tunes was the following piece. He wove "Freight Train" by Elisabeth Cotten into the "Cannonball Rag" by Merle Travis (guitar virtuoso Tommy Emanuel calls the piece "the anthem of fingerpicking guitarists") and combined this with a ride through several keys - very virtuoso and apart. For a change, Don presented the secret anthem of Scotland, "Caledonia" by Dougie MacLean - a reference to Don's Scottish ancestors. The song has been heard several times at the Folk Club - it is simply heartrending. Then it went on with instrumentals: "Can't Get You Out Of My Head" by Kylie Minogue, "Mad World" by Tears for Fears, and last but not least the edited and slightly alienated Beatles song "Nowhere Man". No, Don's performance was not quite over after that. The enthusiastic audience would not let him go without an encore. He chose the piece "Midna's Lament". Funnily enough, it is a theme song of a video game Don had played as a teenager: "The Legend Of Zelda". 

As usual, our patron saint, Jock Stewart, brought the colourful evening to a close, this time accompanied by our grand stalwart Hans-Günter Peters, the folk club's own nonagenarian on the piano, and another man, from the club's very first hours in the Schutzenhaus in Graurheindorf, that you don't meet every day, proving that regularly playing music very often furthers one's longevity, and long may it be so!

Good on you Günter!


Well, we don't have legends to tell, but we do have "true stories". One of these true stories is that the Folk Club has become a crowd puller again after the interruptions and restrictions caused by the Corona wave.

Another "true story" is that the next edition of the Folk Club is already just around the corner, on Friday 1st September. This time there will be a Singers' Night. Let us surprise you!

One more thing: If you can't get enough of folk and blues music, you should drop by the Kater 26 pub at Römerstraße 26 on 31 August 2023 from 8 pm. John Harrison and Christoph Thiebes will be giving a concert there with the theme "A little bit of Folk and a whole lotta Blues!"



Mittwoch, 30. August 2023

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 137 im Juli 2023

Folk Club im Juli 2023 mit Besuch aus Kanada

Am letzten Folk-Club-Abend vor der Sommerpause durfte sich das Publikum auf einen ausführlichen Beitrag unseres Gastes aus Kanada, des Gitarristen Don Bartlett, freuen. Umrahmt wurde das Programm wie immer mit Beitragen von John Harrison und Musik lokaler Künstler. Zudem kam zum zweiten Mal in diesem Jahr die Kölner Gruppe Hofjebräu auf die Folk-Club-Bühne.

Aber wie immer der Reihe nach. Die traditionellen Aufwärmübungen wurden von John Harrison absolviert. Als kleine Anspielung auf Don Bartlett, dessen Heimat die kanadische Provinz Alberta ist (doppelt so groß wie Deutschland mit rund 4,5 Mio. Einwohnern), startete John mit dem Lied „Alberta, Alberta“. Das hat allerdings nichts mit Kanada zu tun, sondern ist auf eine Frau gleichen Namens gemünzt. Der Ursprung der Melodie ist nicht geklärt. Die erste Aufnahme von 1926 wird dem Blues-Gitarristen Blind Lemon Jefferson zugeschrieben. Damals hieß das Lied noch „Corrinne, Corrina“. Andere wiederum geben Bo Carter Chapman als Urheber an. Den Text zu Ehren einer Alberta wurde erst später mit der Melodie verbunden und stammt von Lead Belly. Aber bei den alten Blues-Melodien ist es nicht unüblich, dass verschiedene Autoren als Urheber vermutet werden und einiges miteinander vermischt wurde. Die Keule des Urheberrechts war noch nicht entwickelt. Eindeutig von John selbst stammt das Lied „Trouble And Strife“, das sich mit den verheerenden Ereignissen im Jugoslawienkrieg 1991 beschäftigt. Ebenfalls aus Johns eigener Feder stammt das Lied „AlbertMc Shah“, das einen etwas ungewöhnlichen Scheich besingt, in dessen Harem 50 Frauen leben, die gerne Blues singen. Die Frauen singen aber leicht schräg. Hier setzte John gekonnt seine Resonator-Gitarre mit Bottleneck-Slide-Technik ein – sehr witzig!

Hans Ihnen hat immer wieder kleine Edelsteine der Folk Musik früherer Jahre auf Lager. Diesmal hatte er sich Lieder des unvergessenen John Denver vorgenommen, die gut zum Thema des Abends „Ankunft und Abschied“ passten: Bei „Leaving On A Jet Plane“ sangen bereits manche Zuhörer mit. „Back Home Again“ war offenbar nicht ganz so bekannt bei den Zuhörern, aber nicht weniger schön. Das dritte Lied war dann eine Referenz sowohl an Kanada als auch an Darrel Delaronde, der zusammen mit seiner Frau Saskia im Mai 2018 im Folk Club als Duo „Great Plains“ begeisterte. Darrel ist aber traurigerweise im Oktober 2020 verstorben. „My Father’s Land“ ist eines seiner Lieder aus dem Album „Holy Ground“ – Vielen Dank, Hans, für deine Lieder und besonders für die Erinnerung an Darrel und Saskia.

Ganz gegen seine sonstige Gewohnheit griff Mario Dompke diesmal auf Lieder anderer Autoren zurück. „Ich bin Soldat“ ist ein Lied, das erstmals im Zusammenhang mit dem Deutsch-Französischen Krieg 1870 bekannt wurde. Das Lied wird dem sächsischen Sozialisten Max Kegel zugeschrieben, aber auch der Zwickauer Zeitungsredakteur Karl Hirsch wird als Urheber des Textes vermutet. Mario brachte das Lied zudem in Verbindung mit den Napoleonischen Kriegen, die rund 70 Jahre früher stattfanden. Wie dem auch sei, einer größeren Öffentlichkeit bekannt wurde das Lied in der Interpretation der Gruppe Zupfgeigenhansel im Jahr 1976. Das Lied „Leicht Gepäck“ mit der Refrainzeile „Mein ganzer Reichtum ist mein Lied“ stammt von Georg Herwegh. Herwegh war ein Zeit- und Gesinnungsgenosse Kegels, der sich für die Befreiung vom Obrigkeitsstaat einsetzte und sich aktiv an der Revolution von 1848 beteiligte. Einen Griff in die Volksliederkiste tat Mario dann mit dem Lied „Lustig, lustig, ihr lieben Brüder“, bei dem das Publikum den Refrain

Zwar unser Handwerk ist verdorben

Die besten Saufbrüder sind gestorben

Es lebet keiner mehr als ich und du

mitsingen durfte. Das Lied handelt von den Erlebnissen eines wandernden Handwerksgesellen, der durch ganz Europa herumgekommen ist.

Nach dieser etwas längeren Einstimmung gab Don Bartlett, der Featured Artist des Abends, uns in seinem ersten Set vor der Pause eine Kostprobe seines virtuosen gitarristischen Könnens. Um es vorwegzunehmen: Wenn Ihr seinen Namen irgendwo auf einem Programmzettel lest: Nix wie hin! Es war schlicht ein musikalisches Feuerwerk, wie man es nicht oft zu hören bekommt. Don, der bereits vor vier Jahren im Folk Club zu Gast war, hat sich seither enorm weiterentwickelt und ist ein echter musikalischer Glanzpunkt.

Für den heutigen Abend hatte er hauptsächlich die instrumentale Interpretation von Stücken anderer Autoren ausgesucht. „Spritual Groove“ von Antoine Dufour ist ein furioses Stück mit Perkussionselementen auf dem Gitarrenkorpus. „Nothing Else Matters“ von Metallica bekommt durch Dons Instrumentalversion erst die richtige Wirkung. Zum Weinen schön ist seine Fassung des Liedes „Here, There And Everywhere“ von den Beatles. Weitere Interpretation waren „We Don’t Talk Anymore“ von Charlie Puth und ein Arrangement des Kanadiers Lenny Breau über Bob Dylans „Don’t Think Twice, It’s Allright“ mit kunstvoll eingeflochtenen Ergänzungen von Jazz-Elementen.

Den zweiten Teil des Abends startete erneut John Harrison, diesmal begleitet von Christoph Thiebes und Michael Ralph Pfeil mit ihren Mundharmonikas. „Walking Blues“ ist ein Stück aus den 1930er Jahren. Geschrieben wurde es von Son House, aber seine Popularität bekam es in der Interpretation von Robert Johnson. „Mr. Solitaire“ stammt aus Johns eigener Feder, während der Blues „Little Red Rooster“ von Willie Dixon geschrieben wurde. Bekannt wurde es 1961 in der Aufnahme mit Howling Wolf).

Auch John Hay hatte zum Motto des Abends passende Lieder ausgesucht, die zudem gut zum Mitsingen geeignet waren. Offenbar ist John Denver zum Thema Ankunft und Abschied“ eine echte Fundgrube, hatte sich im ersten Teil des Abends ja schon Hans Ihnen in der Kiste bedient. Der Text von „Country Road“ erfüllt das Motto-Kriterium vollkommen. Auch „Heute hier, morgen dort“ von Hannes Wader passte gut und war zudem ein deutschsprachiger Beitrag, bei dem das Publikum kräftig mitsang. Einen stark religiösen Bezug hat das Lied „Oceans“ von Hillsong United, einem Musikkollektiv, das zur australischen „Hillsong-Gemeinde“ gehört, einer zur christlichen Pfingstkirchen-Bewegung gehörenden Glaubensrichtung.

Zurück auf den Boden der Tatsachen brachten uns „Hofjebräu“, die bereits Anfang des Jahres einen Auftritt hatten. Die Gruppe besteht aus Michael Ralph Pfeil und Axel Meyer. Die beiden widmen sich mit großer Inbrunst deutschsprachiger Rockmusik. Als eine gelungene Kombination aus Ruhrgebiet (Michael) und Rheinland (Axel) haben sie dann auch Lieder in rheinischer Mundart im Repertoire. Mit „Helfen kann dir keiner“ von BAP legten sie gleich los und mischten das Publikum ordentlich auf. Begleitet wurden sie dabei von John Harrison und Christoph Thiebes auf der Mundharmonika. Die Abteilung Ruhrgebiet bekam danach ihren Beitrag mit dem Lied „Willie und Gerd“ von Stoppok, bei dem die Beiden richtig abrockten. Zurück ins Rheinische und Besinnliche ging es danach mit „Wellenreiter“ von BAP, bei dem Axel zeigen konnte, dass er in der rheinischen Mundart sattelfest ist. Gut geeignet für eine Hommage an unser Lokal „Dotty’s“ erwies sich Marius Müller-Westernhagens Lied „Hier in der Kneipe“, das die beiden textlich etwas angepasst hatten. Großer Applaus für „Hofjebräu“!

Anschließend hatte Don Bartlett den Rest des Abends zur freien Verfügung. Zu Ehren seines Freundes Steve Perry, der voriges Jahr verstorben war, hatte sich Don eine von Steve komponierte Melodie vorgenommen und sie neu arrangiert. „Today Is Forever“ lautet der Titel des Stückes, in das Don Elemente von Eric Claptons „Tears In Heaven“ eingeflochten hat – Wir sind sicher, dass es Steve gefällt!

Offenbar auch in Kanada bekannt ist Nenas Lied „Neunundneunzig Luftballons“, für das Don eine wunderbare Instrumentalversion arrangiert hat. Erneut eine Kombination aus Elementen verschiedener Melodien war das folgende Stück. In den „Cannonball Rag“ von Merle Travis (der Gitarrenvirtuose Tommy Emanuel nennt das Stück „die Hymne der Fingerpicking-Gitarristen“) wob er „Freight Train“ von Elisabeth Cotten ein und kombinierte dies mit einem Ritt durch mehrere Tonarten – sehr virtuos und apart. Zur Abwechselung mal mit Gesang präsentierte Don die heimliche Hymne Schottlands, „Caledonia“ von Dougie MacLean – eine Referenz an Dons schottischen Vorfahren. Das Lied gab es schon mehrmals im Folk Club zu hören – es ist schlicht herzergreifend. Danach ging es mit Instrumentalstücken weiter: „Can’t Get You Out Of My Head“ von Kylie Minogue, „Mad World“ von Tears for Fears und zu guter Letzt das bearbeitete und leicht verfremdete Beatles-Lied „Nowhere Man“. Nein, ganz zu Ende war Dons Auftritt danach nicht. Ohne Zugabe ließ ihn das begeisterte Publikum nicht gehen. Seine Wahl fiel auf das Stück „Midna’s Lament“. Witzigerweise ist es ein Titellied eines Videospiels, das Don als Jugendlicher gespielt hatte: „The Legend Of Zelda“.

Nun, Legenden haben wir nicht zu erzählen, dafür aber „true stories“. Eine dieser wahren Geschichten ist, dass der Folk Club nach den Unterbrechungen und Einschränkungen durch die Corona-Welle wieder zu einem Publikumsmagnet entwickelt hat. Eine weitere „true story“ ist, dass die nächste Ausgabe des Folk Clubs bereits vor der Tür steht, und zwar am 1. September. Diesmal gibt es eine Singers‘ Night. Lasst euch überraschen!

Noch etwas: Wer nicht genug bekommen kann von Folk- und Blues-Musik, sollte am 31. August 2023 ab 20 Uhr einmal im Lokal Kater 26 an der Römerstraße 26 vorbeischauen. John Harrison gibt dort ein Konzert unter dem Thema "A little bit of Folk and a whole lotta Blues!"