Donnerstag, 21. März 2013

Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 35 im März 2013


Folk Club im März (Nr. 35) im Zeichen der romanischen Sprachen

Dominiert ansonsten das Englische bei den Folk Club-Abenden, so hatten wir im März das seltene Vergnügen, Lieder in allen großen romanischen Sprachen, also Spanisch, Portugiesisch, Französisch, Italienisch und auch Rumänisch, präsentiert zu bekommen. Natürlich gab es auch Lieder in englischer Sprache und – kaum zu glauben – auch etwas aus dem deutschen Liederschatz. 

Wie üblich sorgte Master John Harrison für die Aufwärmübungen. Das Lied über den amerikanischen Kriminellen „Machine Gun Kelly“ von Danny Kortchmar, das durch den Sänger und Gitarristen James Taylor bekannt wurde, besingt die Macht, die Frauen über die Männer haben. Mit dem Thema „Boy meets girl“ oder vielmehr “Girl leaves boy“ befasste sich auch das Lied „Beeswing“ von Richard Thompson. Hier geht es um eine Frau, die um jeden Preis unabhängig sein will, auch wenn sie dabei zugrunde geht.

Benedict Steilmann, der zum ersten Mal im Folk Club auftrat, setzte die intellektuelle Schiene fort und verwöhnte uns mit „Best of All Possible Worlds“ von Kris Kristofferson. Ein weiteres Lied, das von der Sehnsucht nach Unabhängigkeit handelt, ist die Ballade „Old Shoes and Picture Postcards“ von Tom Waits. Zum Schluss seines vielbeklatschten Auftritts gab er uns noch „That Lucky Old Sun“ zu hören, das zwar (auch) von Johnny Cash interpretiert worden war, das aber weit vor Cashs Zeit Beasley Smith und Haven Gillespie geschrieben hatten. Frankie Laine war damals der Sänger, mit dem das Lied seinen größten Erfolg feierte – gleich danach kommt natürlich die Interpretation von Benedict! Wir freuen uns auf weitere Auftritte von dir.

Was wäre ein Folk Club ohne „Walk in“? Marcus Martin aus England, der zufällig in der Gegend war, hatte ebenfalls etwas aus der Johnny Cash-Kiste im Repertoire. Aber auch beim Country-Song „Big Iron on his Hip“ handelt es sich nicht um ein Lied des großen Barden mit der sonoren, tiefen Stimme sondern um eine Komposition des seinerzeit ebenso berühmten Country-Sängers Marty Robbins. Tatsächlich ein Lied von Johnny Cash ist hingegen „Redemption“, eine Allegorie auf die Erlösung durch den Kreuzestod Christi – passend für die Passionszeit.

Das Duo aus unseren alten Bekannten Lothar Heinrich und Peter Philips startete danach mit ihrem Set den Einstieg in die „romanische Phase“. Zunächst gab es aber noch das Lied „Blue Moon“ von Richard Rogers und Lorenz Hart, das in der Version der Marcels weltbekannt wurde. Das italienische Lied „Amara Terra Mia“ (Meine bittere Heimat) des unvergleichlichen Domenico Modugno kennen vielleicht einige noch als Titellied des TV-Vierteilers „Blutige Straße“ über die Mafia in Süditalien aus dem Jahr 1971. Der Chronist saß damals jedenfalls bei jeder Folge gebannt vor dem Fernseher. Peter begleitete das melodische Lied, das Lothar mit seiner tragenden Stimme sehr schön sang, gekonnt mit seiner Mundharmonika. Beim anschließenden Boogie „Feeling Good“ waren die beiden so richtig in ihrem Element und entließen das jetzt richtig aufgewärmte Publikum in die Hände unserer temperamentvollen Brigitt’ Annessy.

Brigitt’, die zusammen mit ihrem Klavierbegleiter Hans Peter Kempkes eigens aus Solingen angereist war (großes Dankeschön!), hatte eine Erkältung zwar noch nicht ganz auskuriert, zog aber das Publikum schon durch ihre pure Bühnenpräsenz sofort in den Bann. Sie griff sodann gleich tief in die Kiste der guten Bekannten der französischen Chansons: „Champs Elysées“ von Joe Dassin war der Eisbrecher und weiter ging’s mit dem gefühlvoll vorgetragenen „Besame Mucho“ der Mexikanerin Consuelo Velázqes aus dem Jahre 1941. Immerhin, ohne dass dies jemand zuvor geplant hatte, waren inzwischen Lieder in bereits drei romanischen Sprachen erklungen. Glanzstück des ersten Teils ihres Vortrages war das grandiose „La Bohème“ des großen Charles Aznavour.

Nach der Pause startete unser „Urgestein“ Günter Peters eine recht ungewöhnliche Aktion: Zur von ihm am Klavier gespielten Melodie von Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ ließ er das Publikum einen eigens gedichteten Text singen, wunderbarer Spaß für alle. 

Als kleines Intermezzo präsentierte Jutta Mensing eine Dreingabe zu ihren Ankündigungen der kommenden Veranstaltungen im Bad Honnefer Feuerschlösschen. Das bezaubernde Lied „Wie schön blüht uns der Maien“ sang sie schnörkellos, ohne Instrumentalbegleitung nur mit ihrer klaren und intonationssicheren Stimme. So vorgetragen klingt dieses schlichte Lied von enttäuschter Liebeshoffnung vollkommen authentisch, ganz im Gegensatz zu leider oft verkitschten Versionen.

Portugiesisch, die vierte romanische Sprache nahm danach mit unserem Wahlbrasilianer Steve Perry ihren Einzug: „Felicidade foi se Embora“ heißt die heimliche Hymne des südlichsten brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul, die er zur Begleitung auf seiner Viola Caipira, der zehnsaitigen brasilianischen Gitarre mit der eigentümlichen Stimmung sang. Jutta steuerte hier gekonnt gesangliche Unterstützung bei. Das zweite Lied „Prenda Minha“ (Mein Geschenk) stammt auch aus Rio Grande do Sul und handelt von einem Mann, der sein Glück auf einem Rodeo sucht und mit einem Mädchen im Bett landet, die aber beim Morgengrauen abhaut. Aus dem Bundesstaat Mato Grosso, weiter nördlich angrenzend an den Bundesstaat Amazonas gelegen, stammt das bekannte Lied „O Cuitelinho“ (Der Kolibri). Bei O Cuitelinho geht es um einen Mann, der sich von Familie und Freunde verabschiedet und nach Paraguay geht, wo es einen Bürgerkrieg gibt. Dort fühlt er sich elend, und er hat furchtbare Sehnsucht nach seiner Liebsten. „A Chalana“, bei dem Steve erneut von Jutta begleitet wurde, handelt von einem Mann, der seine Liebste gekränkt hatte. Sie verschwindet mit einem Binnenschiff (Chalana) auf dem Rio Paraguay, ohne sich zu verabschieden.

Treue Folk Club-Gefolgsleute können sich noch an Christian Schusters Auftritt vor fast genau drei Jahren erinnern, als viele rätselten, in welcher merkwürdigen Sprache er seinerzeit sang. Es war Rumänisch, die fünfte der romanischen Sprachen, die wir heute präsentiert bekamen. Aber erst sang er mit seiner schönen und tragenden Stimme und gekonnt selbst begleitet auf der Gitarre ein spanisches Lied. Danach folgte der Ohrwurm „Time in a Bottle“ von Jim Croce aus dem Jahr 1973. Das erste der beiden folgenden rumänischen Lieder handelte von einem Sänger, der um Unterkunft und Essen bittet (sollte dies etwa ein Wink mit dem Zaunpfahl für den Folk Club sein?). Das zweite Lied erzählte ebenfalls von der Musik, aber aus der Sicht der Zuhörer, die in einer Kneipe sitzen und den Musikanten bitten, ein Lied von der Liebe zu spielen. 

Im letzten Teil des Abends traten dann Brigitt’ Annessy und Hans Peter Kempkes erneut auf und verzauberten das Publikum. Brigitts Stimme hatte trotz Erkältung ihren Dienst nicht versagt und so war sie gut gerüstet für Hildegard Knefs „Für mich soll’s rote Rosen regnen“. Nach „L’Important c’est la Rose“ von Gilbert Bécaud folgte das mit großer Leidenschaft gesungene „Non, Je Ne Regrette Rien“ der unsterblichen Edith Piaf. Ebenfalls von Edith Piaf ist das Lied „La Vie en Rose“. An Ihrer Interpretation von „Ne me quitte pas“ hätte der große belgische Poet und Sänger Jacqes Brel seine helle Freude gehabt. Einen kleinen Ausflug ins „Franglais“ gönnte sie sich mit „Chanson d’Amour“ in der Version von Manhattan Transfer. „Rata, data da“ durfte das Publikum als Refrain beisteuern. Das Lied war 15 Jahre vor der Veredelung durch Manhattan Transfer ein Hit der belgischen Sängerin Angèle Durand, die in den 1950er Jahren große Erfolge auch mit Liedern in deutscher Sprache feierte. Auch „C’est si bon“ war zuerst ihr Hit und zwar zunächst auf Französisch in Belgien und später in deutscher Version in Deutschland. Brigitt’ sang das Lied denn auch halb französisch und halb deutsch – ein schöner Spaß zum Abschluss eines vergnüglichen und äußerst vielseitigen Abends.

Auf Wiedersehen am 5. April zur 36. Auflage des Folk Club, der unter dem Motto steht „Work Songs – Lieder, die bei der Arbeit gesungen werden/wurden“.

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