Folk Club im Februar 2026 – Party-Time
Der Folk Club tut sich ein wenig schwer mit dem Rheinischen Frohsinn. Karneval und Folk Club scheinen in zwei sehr unterschiedlichen Welten zu leben. Das Motto der Februar-Session „Party-Time“ stand dann auch zeitweise ein wenig einsam im Raum herum. Dennoch war der Abend wieder eine runde Sache – Frohsinn geht auch ohne Schunkeln!
Wie üblich eröffnete John Harrison den Abend, diesmal mit einem Country-Schmankerl: „Pamela Brown“ lautet der Titel eines Liedes über einen vergeblichen Versuch. Das Scheitern der Annäherungsversuche stellt sich im Nachhinein als ein Glück für den Abgewiesenen dar, dessen Leben an der Seite von Pamela sicherlich weniger bunt ausgesehen hätte. Immer wieder gern gehört wird das Lied vom „Derby Ram“, dem sagenumwobenen riesigen Schafbock aus Johns Heimatstadt Derby in Mittelengland. Das Lied hat im Laufe der Jahrzehnte unzählige Strophen bekommen, und der Schafbock wurde dabei immer gigantischer. Vermutlich könnte man mit den Strophen einen ganzen Abend bestreiten. John beließ es bei einer überschaubaren Anzahl. Wenig mit „Party“ hat das Lied vom „Black Bottom“ zu tun. Dabei geht es um die Gegenden in Ufernähe des Mississippi. Wegen der häufigen Überschwemmungen sind sie bei den Anwohnern nicht sonderlich beliebt. Somit wohnen dort häufig weniger betuchte Leute – überwiegend mit dunkler Hautfarbe.
Mario Dompke hatte sich aber das Thema auf die Fahnen geschrieben und bediente es mit dem niedlichen Lied „Gib mir Bier“. Aber auch in diesem an sich lustigen Lied ging es nicht ohne einen ganz kleinen, verschmitzten, erhobenen Zeigefinger ab: „Trinken ist wichtig“. Essen und Trinken und zuletzt das heiß geliebte Bier wurden auch im Lied über die „Thüringer Bratwurst“ besungen. Ja, und das Thema Trinken von alkoholischen Substanzen (u.a. Bier) kam auch im lustigen „Trunkenheitslied“ zum Einsatz. Ok, wir haben verstanden, der Mann braucht etwas Flüssiges, und er bekam es auch in Kombination mit Applaus direkt vom Publikum spendiert.
Kai Hofstetter – unser unterfränkischer Mundart-Barde aus dem Maindelta war beim Januar-Folk-Club nicht zum Einsatz gekommen, und so bekamen wir die für den damaligen Abend vorgesehenen Lieder zum Thema „Versuchung“ jetzt zu hören. Für Interessierte hat Kai es erläutert. Kai definiert das Delta beim Main nicht wie beim Mississippi als den Mündungsbereich sondern als die Gegend bei Würzburg mit ihren großen Fluss-Schleifen. Kai spannte einen Blues-Bogen zwischen Goethes Poesie und Robert Johnsons Cross Road Blues. Goethes „Über allen Gipfeln ist Ruh“ verpackte er in eine Blues-Grundmelodie und ließ sich dabei von John Harrison auf der Mundharmonika begleiten – herrlich! Nahtlos ging es über in das Lied „Mitm Deifl verabredt“, das eine Referenz an das Thema „Du verkaufst Deine Seele an den Teufel, um der Größte zu werden“ macht, auch wunderbar begleitet von John. Kais Kreuzung liegt allerdings in seiner unterfränkischen Heimat (wenn Ihr es genau wissen wollt, zwischen Laudenbach und Duttenbrunn) und nicht wie bei Robert Johnson am Mississippi (angeblich in Clarksdale). Aber am Ende kommt der „Deifl“ nicht, die Seele braucht nicht in die Hölle zu sausen, aber der Blues-Musiker bleibt ganz irdisch unberühmt und steht noch immer „saubleed“ rum. „In Harrbach an der Schleuse“ beschäftigt sich mit dem Abhauen von zuhause. Der Ausreißer versteckt sich auf einem Binnenschiff und wird bald entdeckt. Aber anders als seine Vorgänger darf er bleiben und fährt befreit in die Welt hinaus. Sehr bewegend ist das Lied „Der Steff, der Sascha und ich“, das sich mit den Traumata von Soldaten beschäftigt, die Kameraden bei Kampfeinsätzen verlieren – großartiger Text und viel Applaus für Kai.
Hans Ihnen wurde diesmal von Antje an der Geige unterstützt. Die beiden starteten mit dem wunderbarem Country-Gassenhauer „Tennessee Waltz“. Da geht es tatsächlich um eine Party, aber noch auf der Tanzfläche verliebt sich der Schatz in eine Andere – fatal, aber typisch für Country-Lieder, bei denen es oft um unerfüllte und noch häufiger um betrogene Liebe geht. „Straight To Hell“ von Darius Rucker ist auch ein Lied aus der Country-Ecke. Der „Held“ wird von der Mutter des Mädchens aus dem Haus gejagt und in die Hölle gewünscht. Aus Irland stammt das Stapellied „Rattling Bog“. In jeder Strophe kommt ein Element zum Text hinzu, ähnlich wie bei „Old McDonald Had A Farm“. Hier geht es um einen Baum im Moor, auf dem es einen Ast gibt, der einen Zweig hat, auf dem es ein Nest gibt mit einem Vogel, der ein Ei legt, usw. – Das Publikum durfte den Refrain mitsingen und hatte seinen Spaß.
Nach langer Zeit trat Jutta Mensing einmal wieder auf und erinnerte uns mit einem kleinen Lied an ihre Folk-Gruppe „Moin“ mit der sie in den 1970er Jahren Erfolg hatte. „Wenn die Bettelleute tanzen“ kennen Viele und konnten den Refrain auch gleich mitsingen. Danke Dir, Jutta, dafür, uns alte, deutsche Volkslieder vorzutragen.
Nach der verdienten Pause präsentierte uns Wolfgang Schriefer seine Erlebnisse auf seinen zahlreichen Bahnreisen mit dem Gedicht „Vorfreude“. Auch das war eigentlich für den Abend im Januar gedacht, machte aber auch diesmal Spaß. Der Spaß besteht auch darin, dass man auf poetische Weise erfährt, Leidensgenossen zu haben.
Viel Freude machte uns der Irish Folk Choir, der mit dreizehn Sängerinnen und Sängern (einschließlich Dirigent) dem Saal ordentlich einheizte. Die irischen Lieder „Star Of The County Down“, „Eileen Og“ und „Farewell To Carlingford” kamen mehrstimmig gesungen besonders eindrucksvoll rüber, und das Publikum forderte eine Zugabe. Die Ballade „Wild Mountain Thyme“ (stammt aller Wahrscheinlichkeit aus Schottland) sorgte für noch mehr Gänsehaut und animierte das Publikum zum eifrigen Mitsingen. Vielen Dank an Chorleiter Dietmar Imhäuser, Chorsprecherin Gabriele Steinhauer und die Sängerinnen und Sänger für den Auftritt.
John Hay beglückte uns danach erneut mit einem Lied von Darius Rucker (es war sicher keine Absprache mit Hans Ihnen): „Wagon Wheel“ machte gute Laune und animierte sofort zum Mitsingen. Ebenfalls ein Mitsing-Lied war „Champs Elysées“ des unvergessenen Joe Dassin. John blieb gleich in der französischen Sprache (mal eine kleine Abwechslung zum dominierenden Englisch) und präsentierte Das Lied „Je veux“ der phänomenalen Zaz (Isabelle Geffroy). Weil Shay McVeigh, der als Nächster an der Reihe war, nicht auftauchte, schob John schnell noch ein Lied nach: Mit „This Is The Life“ von Amy McDonald hatte er das Publikum auf seiner Seite und bekam tosenden Applaus.
Jetzt hatte es auch Shay McVeigh auf die Bühne geschafft und vier Lieder mitgebracht: „I Want To See The Bright Lights Tonight“ von Richard Thompson bediente perfekt das Thema des Abends: Am Freitag geht nach einer langen Arbeitswoche die Post ab. Aus eigener Feder stammt die witzige kleine Geschichte einer Drohne, die beim Versuch, Drogen in ein Gefängnis zu schmuggeln, im Baum hängen bleibt. Die herbeigeeilten Polizisten versuchen, die Drohne mit einem Fußball herunterzukicken. Das Vorhaben misslingt, die Drohne wird mehrfach verfehlt. Das Eichhörnchen, das im Baum wohnt, wird dabei aber mehrfach von seinem Ast geschossen. Das Eichhörnchen entscheidet sich schließlich, sich auf die Drohne zu setzen. Dort ist die Gefahr, getroffen zu werden, am geringsten. Wieder musikalisch ging es danach zu mit dem wunderbar schmalzigen Country-Lied „I Dream Of Highways“ von Hoyt Axton. Sehnsucht nach der Ferne verbunden mit dem Verlust der Liebe sind absolut unkaputtbare Motive für Schmalzlieder. „Dust“ von den Dead Tongues geht in eine ähnliche Richtung. Es ist ein Liebeslied und ziemlich melancholisch, weil die Liebe unerfüllt bleibt. Aber gerade die melancholischen Lieder haben es uns besonders angetan, nicht wahr? Viel Applaus für Shay.
Für den gelungenen Abschluss des Abends sorgte die nicht mehr so neue „Neuentdeckung“ des Folk Clubs: Rick Fines beglückte uns mit seiner unnachahmlichen Gitarrentechnik und vier Liedern, zwei davon aus eigener Feder. Von Lightning Hopkins stammt der Blues „You Got A Leak In This Old Building”. Rick erklärte, dass es einige Lieder mit dem Titelinhalt „Leak In This OId Building“ gebe aber nur eines mit dem zuvor genannten Titel. „Riley Wants His Life Back“ ist ein Lied von Rick und macht Anleihen an sein eigenes Leben. Mit „You Got To Walk This Lonesome Valley“ von Mississippi John Hurt griff Rick wieder in die schier unerschöpfliche Blues-Kiste der Altmeister und erfreute uns mit einer grandiosen Interpretation des Liedes. Das Publikum durfte den Refrain mitsingen, und nach anfänglicher Scheu gelang es ganz ordentlich. Vielleicht lag die Scheu am Text, der sich mit dem letzten Gang jedes Menschen beschäftigt. Die Siegfried-Legende animierte Rick zu einem Instrumental. Er gab auch zu, dass in vielen seiner Melodien geklaute Elemente stecken. Also Ihr lieben Musiker aufgepasst! Spielt keine Melodie, die Euch gerade eingefallen ist, in Ricks Anwesenheit. Wenn sie gut ist, klaut er sie sofort. Den Abschluss seines Auftritts bildete das unsterbliche Lied „You are My Sunshine“ von Paul Rice aus dem Jahr 1937. Das Publikum durfte das Lied anstimmen und Rick fügte die weniger bekannten Strophen an und machte deutlich, dass es sich wahrhaftig um ein supertrauriges Lied handelt. OK, wieder eine verlassene Liebe, die Ihren Kummer in wunderbare Melodien kleidet – und zudem mit fantastischer Gitarrenbegleitung von Rick und tosendem Applaus zum Abschluss des Abends.
Abschluss? Natürlich nicht, denn kein Abend des Folk Clubs geht zu Ende ohne die musikalische Huldigung des gesamten Saals an Jock Stewart, „A Man You Don’t Meet Every Day“.
Auf Wiedersehen im Folk Club am 6. März mit dem fantastischen Gitarrenduo Ismael de Barcelona und Thomas Monnerjahn als Featured Artists.
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