Fußball gegen Folk Club im September – 1:1
von Detlef Stachetzki
Der Folk Club hat es schon schwer. Im August musste er gegen gutes Wetter und Bundesligaeröffnung konkurrieren. Bei der aktuellen Septembersession war das Wetter ebenfalls biergartenmäßig, und zu allem Überfluss spielten die Fußball-Nationalmannschaften Deutschlands und Österreichs um die EM-Qualifikation. Das Ergebnis war ein glattes Unentschieden – nicht beim Fußball, sondern beim Duell Fußball gegen Folk Club. Der kann selbst bei Länderspielen seine treuen Gefolgsleute motivieren. Da der Fußball das aber auch konnte, war es nicht ganz so voll wie gewöhnlich, aber nicht minder interessant und hörenswert.
Diesmal eröffnete kein markerschütternder Schrei aus Master Johns gutgeölter Kehle den Abend (er hatte die zweiwöchige Kur mit lauwarmer Cervisia auf der heimatlichen Insel erstaunlich gut überstanden), nein, Co-Master Barry Roshto übernahm das Begrüßungsritual mit erheblich leiseren Tönen. Leider musste der Arme wegen einer Armverletzung den weiteren Abend auf der Bank verbringen und schickte stattdessen seinen Ersatzspieler aufs Feld – dazu später.
John Harrison bewies beim Warm up erneut, dass er einen Bildungsauftrag verspürt, den er mit Charme und Charisma und stimmgewaltig obendrein erfüllt. Diesmal war der schottische Nationalheld Bonnie Prince Charlie Gegenstand der kleinen musikalischen Geschichtsstunde, die John mit dem a Cappella gesungenen Gedicht „Charlie is my Darling“ von Robert Burns eröffnete. Robert Burns ist ebenfalls eine schottische Lichtgestalt, deren Gedichte im Folk Club bereits des öfteren zu hören waren. Den glücklosen schottischen Stuart-Prinz, dessen Armee von den „bösen“ Engländern bei Culloden abgeschlachtet wurde, besang John auch in seinem letzten Lied dieses Auftritts mit dem Titel „Over the Sea to Skye“. Heute hätten Charlie und seine Retterin auf der Flucht, Flora McDonald, nicht mehr über die raue See zu rudern brauchen. Eine ganz unromantische Brücke verbindet das „Festland“ jetzt mit der wilden und schönen Hebrideninsel. Zwischen den beiden Liedern über den Nationalhelden, gab es mit „The Manchester Rambler“ von Ewan McColl noch einen sozialkritischen Aufrüttler aus den dreißiger Jahren: “I may be a wage slave on Monday, but I am a free man on Sunday”. „Keep your Hands off her“ von Altmeister Leadbelly alias Huddie Ledbetter brachte dagegen mit seinem erfrischenden Rhythmus die Zuhörer in sanfte Bewegung.
Gerhard Sonnenberger, der das erste Mal im Folk Club auftrat, sorgte mit „Dat is Liebe“ für ein wenig fröhliches rheinisches Lokalkolorit im Saal. Auch „Seit du da bist“ von Hannes Wader und das Lied „Sing, sing sing“ wurden mit viel Beifall aufgenommen.
Unser alter Bekannter Lothar Heinrich, der eigentlich zusammen mit Peter Phlips angekündigt war, meisterte seinen Part auch allein mit Bravour und legte gleich mit „Sea of Heartbreak“, dem durch Johnny Cash bekannt gewordenen Country-Song, los und brachte richtig Stimmung in die Meute. Seine Liebe zur Country-Music bewies er zudem mit „Welcome Home Native Son“ von Bobby Bare. Bei Brenda Lees Lied „End of the World“ konnten alle sich so richtig ihren Gefühlen an die sechziger Jahre hingeben. Eine weitere Anleihe an die Sechziger war Lothars letztes Lied vom „Man Who Shot Liberty Valance“, einst unvergleichlich von Gene Pitney interpretiert.
Einen ersten Höhepunkt des Abends bescherten uns die Special Guests Stefanie Hölzle und Daniel Marsch aus Hückeswagen, die als Duo „Tangoyim“ das Publikum verzauberten. Mit ihren überwiegend jiddischen gesungenen Klezmer-Liedern entführten sie uns in eine ferne und vergangene Welt der jüdischen osteuropäischen Schtetl. Beide begeisterten mit ihrer Musikalität, ihrem virtuosen und fast schwerelosem Spiel auf mehreren Instrumenten (Stefanie mit Geige, Bratsche und Klarinette; Daniel mit Akkordeon und Geige) und ihrem ausdrucksvollen und intonationssicheren Gesang. „Der Gassensinger“, „Der Filosof“ „Vu bistu geven (wo bist du gewesen)“ waren einige der vorgetragenen Lieder. Dazu gab es mehrere Instrumentalstücke, ein Lied aus Mazedonien und ein Zigeunerlied in französischer Sprache.
Der Chronist empfiehlt allen, sich die Internet-Präsenz von „Tangoyim“ mit vielen Musikbeispielen und stets aktuellen Auftrittsankündigungen anzuschauen (www.tangoyim.de). Ein Besuch bei einem der zahlreichen Konzerte der Gruppe auch in unserer Nähe lohnt sich mit Sicherheit!
In die besondere Atmosphäre des Abends fügte sich der Auftritt von Barry Roshtos Frau Christiane an der Geige (viele Geigen heute!), die zusammen mit ihrem Sohn David am Klavier (Barrys Ersatzspieler, siehe oben) spielte, nahtlos ein. Die beiden spielten eine Reihe von Instrumentalliedern, darunter einige Renaissance Stücke, Musik aus dem Irland des 18. Jahrhunderts, eine Instrumentalversion des Ragtimes „Turkey in the Straw“ und der Irish Reel „Drowsy Maggie“ – eine schöne und von beiden mit viel Gefühl vorgetragene Abwechselung.
Unser Spezialist für Musik, die ans Herz geht und ein wenig bis sehr traurig ist, Thomas Steffens, hatte danach wieder einige Schmankerl für uns bereit. Dank der verteilten Refrainzettel gab es fürs Publikum die lang ersehnte Gelegenheit, bei einigen Liedern mitzusingen. Das Dubliners-Lied „Liverpool Lou“, von der Melodie her auch vielen mit dem Titel „Hamburger Deern“ bekannt, machte den Auftakt, immerhin ging es hierin „nur“ um Liebesleid. Mit Mark Knopflers „Madam Geneva“ stieg er dann tiefer hinein in die Welt menschlichen Elends („keeping the demons at bay“). Bei „Eleanor Rigby“ sang der Saal mit, aber ob allen die deprimierende Botschaft der Sinnlosigkeit bewusst war, die das Lied vermittelt („no one was saved“)? Musikalisch war das Lied, von Thomas auf eine besondere Weise interpretiert, eine glatte Offenbarung. Sir Paul hätte seine helle Freude daran – wir sollten ihn mal einladen – er kriegt auch Freibier allerdings keine lauwarme Cervisia! Die Fortsetzung des Reigens der Schwermut machte er mit „Her Father Didn’t Like me Anyway“ vom seligen Gerry Rafferty.
Eine kleine Überraschung (sogar mit positiver Stimmung) zum Abschluss brachte er mit dem Plattdeutsch gesungenen Lied „Fresenhof“ von Knut Kiesewetter. Manch einer suchte krampfhaft zu ergründen, welche Sprache da gerade zu Gehör kam.
Zum Abschluss des Abends gesellte sich Ecki Schwandke mit seiner Geige zu Stefanie Hölzle und Daniel Marsch und bildete mit ihnen das Trio „World Wide Fiddlers“, wie es John nannte. Die drei machten mit uns eine musikalische Folklore-Reise über Schweden, den Süden der USA, Rumänien, Ungarn und Bayern. Als Mitbringsel aus dem Land mit dem weiß-blauen Himmel brachten sie unserer verdutzten Wirtin ein besonderes Ständchen mit der Ankündigung „Frau Wirtin entschuldg’n Sie, oba mir zoin net“, worauf ein hilfreicher Folk Club Enthusiast den Dreien sofort eine Runde ausgab..
Nach so viel Bombardement mit musikalischen Glanzlichtern fiel es zwar ein bisschen schwer, den Abend zu beschließen, aber mit einem besonderen „Jock Stewart“, dem traditionellen Abschiedslied, ging es dann doch einigermaßen. Das Besondere war diesmal, dass John in unbekannter, weil beliebiger Tonart loslegte, die Profis an Akkordeon und Gitarre aber nach wenigen Takten die Tonart „raus hatten“ und eine besonders gefühlvolle und zarte Begleitung hinlegten – ein Genuss! Wir freuen uns auf eine Wiederholung!
Auf Wiedersehen beim nächsten, dem zwanzigsten, Folk Club am 7. Oktober 2011.
Donnerstag, 8. September 2011
Montag, 5. September 2011
3 Pix & 3 Songs...FC 19
Here are three more fotos of the evening



Everyone is welcome to semd me fotos for the blog.
I will put up as many as I can get to...
Here is the Link to 3SongsBonn.com
http://3songsbonn.com/2011/09/03/strings-n-thingsbonn-folk-club-september/
In this article you will find more of John Hurd's folksy, informative reporting and many brilliant fotos!
Thanks again John!
John's Fotos



Everyone is welcome to semd me fotos for the blog.
I will put up as many as I can get to...
Here is the Link to 3SongsBonn.com
http://3songsbonn.com/2011/09/03/strings-n-thingsbonn-folk-club-september/
In this article you will find more of John Hurd's folksy, informative reporting and many brilliant fotos!
Thanks again John!
John's Fotos
Samstag, 3. September 2011
FC 19 - First Impressions
Here are some of my snapshots from last Fri. Folk Club Nr. 19
More to come!
As John traditionally began the evening,
it looked like we might have a smaller crowd than usual
By the time Gerhard did his Floor Spot,
a good crowd of 50 or so had trickled in...
Lothar
Special Quests : Tangoyim
Christiane & David
Thomas
Special Quests : World Wide Fiddles
The Usual Ending with the Anthem
Until Then...
More to come!
As John traditionally began the evening,
it looked like we might have a smaller crowd than usual
By the time Gerhard did his Floor Spot,
a good crowd of 50 or so had trickled in...
Lothar
Special Quests : Tangoyim
Christiane & David
Thomas
Special Quests : World Wide Fiddles
The Usual Ending with the Anthem
Until Then...
Mittwoch, 17. August 2011
FC 18 - Detlefs Bericht
Macht ein Folk Club auch im August Sinn?
von Detlef Stachetzki
Ferienzeit und Barry Roshto verreist, bestes Biergartenwetter mit Aussicht auf Regen am folgenden Samstag, dazu noch die Eröffnung der Bundesligasaison mit dem Knüllerspiel HSV gegen Dortmund – beste Voraussetzungen also für einen leeren Saal im Schützenhaus. Aber weit gefehlt, die echten Folk-Fans zieht es am ersten Freitag im Monat mit magischer Kraft in die Estermannstraße in Graurheindorf – und sie wurden nicht enttäuscht. Ein hochklassiges Programm und viele Gelegenheiten zum Mitsingen sind einfach unschlagbar.
Master John Harrison startete diesmal mit dem a Capella gesungenen Gedicht „If“ des Nobelpreisträgers Rudyard Kipling, einem Beitrag aus der Kategorie „Weiterbildung in englischer Literatur“. Dem Publikum blieb aber nicht viel Zeit, um über die poetische Umschreibung des Wesens eines wirklichen Mannes nachzudenken, als bereits der irische Gassenhauer über die üppige Fischhändlerin Molly Malone („the tart with the cart“) zum Mitsingen einlud. Zum Andenken an den Club der 27er, der erst kürzlich mit Amy Winehouse prominenten Zuwachs bekommen hat (langsam wird’s eng da oben), sang John wiederum a Capella das bekannte Lied der Alt 27erin Janis Joplin „Mercedes Benz“. Vielleicht gefällt ihm das Lied so gut, weil er selbst einen Mercedes besitzt, für den Ihn die Untertürkheimer Autobauer vermutlich eine Prämie für einen Lebensdauer-Test gewähren. Uns hat es jedenfalls auch gut gefallen (auch ohne eigenen Benz). Nochmals recht nachdenklich ging es dann bei Johns letztem Lied „Siege of Sarajevo“ zu. Die Eigenkomposition aus dem Jahre 1995 beschäftigt sich anhand der erschütternden Vorkommnisse bei der Belagerung Sarajewos im jugoslawischen Bürgerkrieg damit, wie dünn das Eis zwischen Zivilisation und brutaler Barbarei ist.
Nach den zahlreichen Gedankenanstößen heiterte uns Andreas Nick zuerst mit einer kleinen kunstvollen Gitarrenetüde („so vertreibe ich mir oft die Zeit, wenn ich auf dem Sofa sitze“) auf und rockte danach mit dem Stones Lied „Jumping Jack Flash“ los. Auch die folgende kleine selbstkomponierte Ballade handelte nicht von den Widrigkeiten der Welt, lediglich bei Hendrix’ „All Along the Watchtower“ (leicht abgewandelt – „an dem Lied kann man sich die Finger verbrennen, daher lieber eine eigene Version“) war wieder die kleine Anspielung auf den Club 27 präsent.
Mit eher positiven Inhalten ging es dann bei den Liedern von Daniel Mennicken und Andrea Wilmes („ZweiZeit“) zu. Mit Andreas tragender, intonationssicherer und variabler Stimme und Daniels professionellem und versierten Gitarrenspiel war es eine Lust, den drei selbstkomponierten Liedern „Es ist so schön, bei dir zu sein“, „Blue Sting“ und „Already Made“ zuzuhören. Beim letzten Lied bewies Daniel, dass er nicht nur exzellent Gitarre spielen sondern auch vorzüglich singen kann. ZweiZeit im Duett, ein Genuss!
Als ob uns nicht schon genügend schwere Kost an diesem lauen Sommerabend geboten wurde, beglückte uns anschließend unser guter alter Bekannter Thomas Steffens mit dem todtraurigen, aber dennoch wunderschönen Lied „And the Band Played Waltzing Mathilda“ von Eric Bogle, mit dem die Gräuel bei der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg besungen und beklagt werden („never knew there were worse things than dying“). Einen kleinen Sonnenstrahl bekamen wir dann mit „My Irish Molly“ serviert, bevor das traurige Lied „Liverpool Lullaby“ uns wieder beinahe zu Tränen rührte. Kompliment aber an Thomas, der zwar nicht ganz so sexy daherkommt wie weiland Cilla Black, aber dem Lied über die Armut und die Aussichtlosigkeit eines Kindes in einem deprimierenden Säuferhaushalt in Liverpool eine viel eindringlichere Stimmung gab als die junge Cilla im Minirock-Outfit der 60er Jahre. Heitere Erlösung gab’s dann beim Lied über die Irish Pubs, die es überall in der Welt gibt, sogar in Honolulu und Moskau. Dabei konnte das Publikum dank reichlich verteilter Refrainzettel kräftig mitsingen. Die Achterbahn der Gefühle blieb uns erhalten, dank des traurigen Liedes über den Untergang des „Lifeboat Mona“, das Thomas aber wunderschön vortrug und bei dem das Publikum wieder aus voller Kehle mitsang.
War es das mit den traurigen und nachdenklichen Liedern? Mitnichten! John hatte nach der Pause offenbar sein melancholisches Pulver noch nicht verschossen (vermutlich weil er tags darauf in die Ferien nach Britannien fahren musste – drei Wochen lang nur lauwarme Cervisia, brrrrr!). Jedenfalls gehört das a Capella gesungene Gedicht „Danny Deever“ von Rudyard Kipling über die Exekution eines britischen Soldaten wegen heimtückischen Mordes an seinem – vermutlich sadistischen – Vorgesetzten zwar zu den eindrucksvollen aber nicht zu den heiteren Stücken englischer Dichtkunst. Abgerundet wurde die Session der Melancholie mit einer weiteren ergreifenden Hommage an den Club 27: Das Lied „Angel in Disguise“ von Johns Freund Jonathan Ole Wales Rogers, der im Alter von 27 Jahren nach dem Nachhausebringen des Babysitters mit dem Auto tödlich verunglückt war.
Steve Perry, der Mann mit der brasilianischen 10saitigen Gitarre „Viola Caipira“ brachte ein wenig Erleichterung. Diesmal hatte er seinen brasilianischn Hut gegen eine der amerikanische Mütze vertauscht und war ab sofort total in seinem Element. Das Hillbilly-Lied von den „Martins und den Coys, the wreckless mountain boys“ trug er witzig und gekonnt vor. Steve verstand es dabei ausgezeichnet, die Bottleneck-Technik auf das südamerikanische Instrument anzuwenden. Bei aller Komik des Liedes, auch hier ging’s um was Grausiges, nämlich wie sich zwei verfeindete Familien gegenseitig bis zum zugegebenermaßen witzigen Ende massakrieren. Wen es interessiert: Es gibt dazu ein lustiges und klasse gesungenes Zeichentrickvideo (http://www.youtube.com/watch?v=XtyUycHvYls) aus der frühen Disney-Ära auf Youtube.
Mit „Sixteen Tons“ war aber auch er wieder in der Kategorie Melancholie angelangt. Das Publikum war gefesselt, denn es wurde bei dem sehr leise gesungenen Lied mucksmäuschenstill.
Als hätten sich alle Musiker abgesprochen, schlugen auch Lothar Heinrich und Peter Philips mit ihren Liedern in die Kerbe der Traurigkeit: Der Blues „Who’s been talking“ gehört wie die meisten Blueslieder natürlich auch eher in die traurigere Kategorie. Es ist aber richtig etwas für’s Gemüt, auch dank der schönen Interpretation von Lothar und Peter. Weiter ging’s hinein in den Herzschmerz mit dem bekannten Country-Lied „Lucille“ von Kenny Rogers über einen von seiner Frau verlassenen Bauern. Mit „Please Help Me I’m falling“ von Hank Locklin und „I’moving on“ von Hank Snow gab es danach zwei weitere vorzüglich gesungene und gespielte Klassiker des Country-Repertoires – Herzschmerz hin oder her, das Publikum war begeistert und sorgte gleich für den Begleitchorus.
Zum Abschluss des Abends sorgten Ellen Jeikner und Ralf Wackers für echtes Kelten-Feeling mit Musik aus und über Irland und Schottland. Ellen berückte mit ihrer schönen Stimme, der gefühlvoll gespielten Tin Whistle und Ralf steuerte die gekonnte Begleitung mit Gesang und der achtsaitigen Mandola bei. Sehr schön kam das selbstkomponierte Instrumental-Lied „Bilbos Song“ rüber, bei dem Ellen die Tin Whistle singen ließ. Grausig – wie könnte es anders sein – ging’s dann beim Lied über das unglückliche Schicksal zweier durch Zwangsrekrutierung des Bräutigams getrennter Liebender beim Lied „William Taylor“ zu.
Nach einer Zugabe in irischer Sprache trommelte John die noch verbliebenen Akteure zum traditionellen Schusslied über „Jock Stuart“ zusammen. Die Gemeinde ist inzwischen schon fast textfest und entsprechend vielstimmig ging der Abend zuende.
Auf Wiedersehen am 2. September!
von Detlef Stachetzki
Ferienzeit und Barry Roshto verreist, bestes Biergartenwetter mit Aussicht auf Regen am folgenden Samstag, dazu noch die Eröffnung der Bundesligasaison mit dem Knüllerspiel HSV gegen Dortmund – beste Voraussetzungen also für einen leeren Saal im Schützenhaus. Aber weit gefehlt, die echten Folk-Fans zieht es am ersten Freitag im Monat mit magischer Kraft in die Estermannstraße in Graurheindorf – und sie wurden nicht enttäuscht. Ein hochklassiges Programm und viele Gelegenheiten zum Mitsingen sind einfach unschlagbar.
Master John Harrison startete diesmal mit dem a Capella gesungenen Gedicht „If“ des Nobelpreisträgers Rudyard Kipling, einem Beitrag aus der Kategorie „Weiterbildung in englischer Literatur“. Dem Publikum blieb aber nicht viel Zeit, um über die poetische Umschreibung des Wesens eines wirklichen Mannes nachzudenken, als bereits der irische Gassenhauer über die üppige Fischhändlerin Molly Malone („the tart with the cart“) zum Mitsingen einlud. Zum Andenken an den Club der 27er, der erst kürzlich mit Amy Winehouse prominenten Zuwachs bekommen hat (langsam wird’s eng da oben), sang John wiederum a Capella das bekannte Lied der Alt 27erin Janis Joplin „Mercedes Benz“. Vielleicht gefällt ihm das Lied so gut, weil er selbst einen Mercedes besitzt, für den Ihn die Untertürkheimer Autobauer vermutlich eine Prämie für einen Lebensdauer-Test gewähren. Uns hat es jedenfalls auch gut gefallen (auch ohne eigenen Benz). Nochmals recht nachdenklich ging es dann bei Johns letztem Lied „Siege of Sarajevo“ zu. Die Eigenkomposition aus dem Jahre 1995 beschäftigt sich anhand der erschütternden Vorkommnisse bei der Belagerung Sarajewos im jugoslawischen Bürgerkrieg damit, wie dünn das Eis zwischen Zivilisation und brutaler Barbarei ist.
Nach den zahlreichen Gedankenanstößen heiterte uns Andreas Nick zuerst mit einer kleinen kunstvollen Gitarrenetüde („so vertreibe ich mir oft die Zeit, wenn ich auf dem Sofa sitze“) auf und rockte danach mit dem Stones Lied „Jumping Jack Flash“ los. Auch die folgende kleine selbstkomponierte Ballade handelte nicht von den Widrigkeiten der Welt, lediglich bei Hendrix’ „All Along the Watchtower“ (leicht abgewandelt – „an dem Lied kann man sich die Finger verbrennen, daher lieber eine eigene Version“) war wieder die kleine Anspielung auf den Club 27 präsent.
Mit eher positiven Inhalten ging es dann bei den Liedern von Daniel Mennicken und Andrea Wilmes („ZweiZeit“) zu. Mit Andreas tragender, intonationssicherer und variabler Stimme und Daniels professionellem und versierten Gitarrenspiel war es eine Lust, den drei selbstkomponierten Liedern „Es ist so schön, bei dir zu sein“, „Blue Sting“ und „Already Made“ zuzuhören. Beim letzten Lied bewies Daniel, dass er nicht nur exzellent Gitarre spielen sondern auch vorzüglich singen kann. ZweiZeit im Duett, ein Genuss!
Als ob uns nicht schon genügend schwere Kost an diesem lauen Sommerabend geboten wurde, beglückte uns anschließend unser guter alter Bekannter Thomas Steffens mit dem todtraurigen, aber dennoch wunderschönen Lied „And the Band Played Waltzing Mathilda“ von Eric Bogle, mit dem die Gräuel bei der Schlacht von Gallipoli im Ersten Weltkrieg besungen und beklagt werden („never knew there were worse things than dying“). Einen kleinen Sonnenstrahl bekamen wir dann mit „My Irish Molly“ serviert, bevor das traurige Lied „Liverpool Lullaby“ uns wieder beinahe zu Tränen rührte. Kompliment aber an Thomas, der zwar nicht ganz so sexy daherkommt wie weiland Cilla Black, aber dem Lied über die Armut und die Aussichtlosigkeit eines Kindes in einem deprimierenden Säuferhaushalt in Liverpool eine viel eindringlichere Stimmung gab als die junge Cilla im Minirock-Outfit der 60er Jahre. Heitere Erlösung gab’s dann beim Lied über die Irish Pubs, die es überall in der Welt gibt, sogar in Honolulu und Moskau. Dabei konnte das Publikum dank reichlich verteilter Refrainzettel kräftig mitsingen. Die Achterbahn der Gefühle blieb uns erhalten, dank des traurigen Liedes über den Untergang des „Lifeboat Mona“, das Thomas aber wunderschön vortrug und bei dem das Publikum wieder aus voller Kehle mitsang.
War es das mit den traurigen und nachdenklichen Liedern? Mitnichten! John hatte nach der Pause offenbar sein melancholisches Pulver noch nicht verschossen (vermutlich weil er tags darauf in die Ferien nach Britannien fahren musste – drei Wochen lang nur lauwarme Cervisia, brrrrr!). Jedenfalls gehört das a Capella gesungene Gedicht „Danny Deever“ von Rudyard Kipling über die Exekution eines britischen Soldaten wegen heimtückischen Mordes an seinem – vermutlich sadistischen – Vorgesetzten zwar zu den eindrucksvollen aber nicht zu den heiteren Stücken englischer Dichtkunst. Abgerundet wurde die Session der Melancholie mit einer weiteren ergreifenden Hommage an den Club 27: Das Lied „Angel in Disguise“ von Johns Freund Jonathan Ole Wales Rogers, der im Alter von 27 Jahren nach dem Nachhausebringen des Babysitters mit dem Auto tödlich verunglückt war.
Steve Perry, der Mann mit der brasilianischen 10saitigen Gitarre „Viola Caipira“ brachte ein wenig Erleichterung. Diesmal hatte er seinen brasilianischn Hut gegen eine der amerikanische Mütze vertauscht und war ab sofort total in seinem Element. Das Hillbilly-Lied von den „Martins und den Coys, the wreckless mountain boys“ trug er witzig und gekonnt vor. Steve verstand es dabei ausgezeichnet, die Bottleneck-Technik auf das südamerikanische Instrument anzuwenden. Bei aller Komik des Liedes, auch hier ging’s um was Grausiges, nämlich wie sich zwei verfeindete Familien gegenseitig bis zum zugegebenermaßen witzigen Ende massakrieren. Wen es interessiert: Es gibt dazu ein lustiges und klasse gesungenes Zeichentrickvideo (http://www.youtube.com/watch?v=XtyUycHvYls) aus der frühen Disney-Ära auf Youtube.
Mit „Sixteen Tons“ war aber auch er wieder in der Kategorie Melancholie angelangt. Das Publikum war gefesselt, denn es wurde bei dem sehr leise gesungenen Lied mucksmäuschenstill.
Als hätten sich alle Musiker abgesprochen, schlugen auch Lothar Heinrich und Peter Philips mit ihren Liedern in die Kerbe der Traurigkeit: Der Blues „Who’s been talking“ gehört wie die meisten Blueslieder natürlich auch eher in die traurigere Kategorie. Es ist aber richtig etwas für’s Gemüt, auch dank der schönen Interpretation von Lothar und Peter. Weiter ging’s hinein in den Herzschmerz mit dem bekannten Country-Lied „Lucille“ von Kenny Rogers über einen von seiner Frau verlassenen Bauern. Mit „Please Help Me I’m falling“ von Hank Locklin und „I’moving on“ von Hank Snow gab es danach zwei weitere vorzüglich gesungene und gespielte Klassiker des Country-Repertoires – Herzschmerz hin oder her, das Publikum war begeistert und sorgte gleich für den Begleitchorus.
Zum Abschluss des Abends sorgten Ellen Jeikner und Ralf Wackers für echtes Kelten-Feeling mit Musik aus und über Irland und Schottland. Ellen berückte mit ihrer schönen Stimme, der gefühlvoll gespielten Tin Whistle und Ralf steuerte die gekonnte Begleitung mit Gesang und der achtsaitigen Mandola bei. Sehr schön kam das selbstkomponierte Instrumental-Lied „Bilbos Song“ rüber, bei dem Ellen die Tin Whistle singen ließ. Grausig – wie könnte es anders sein – ging’s dann beim Lied über das unglückliche Schicksal zweier durch Zwangsrekrutierung des Bräutigams getrennter Liebender beim Lied „William Taylor“ zu.
Nach einer Zugabe in irischer Sprache trommelte John die noch verbliebenen Akteure zum traditionellen Schusslied über „Jock Stuart“ zusammen. Die Gemeinde ist inzwischen schon fast textfest und entsprechend vielstimmig ging der Abend zuende.
Auf Wiedersehen am 2. September!
Donnerstag, 11. August 2011
FC 18 - 3SongsBonn Review
John Hurd of 3SongsBonn was in attendance and produced another report well worthy of his illustrious quill, with stunning photos to match :
http://3songsbonn.com/2011/08/06/serious-folk-in-bonn/#more-1074
Thank you for your previous and continued support.
http://3songsbonn.com/2011/08/06/serious-folk-in-bonn/#more-1074
Thank you for your previous and continued support.
Montag, 25. Juli 2011
Detlefs Bericht von
FC 17 - 1. Juli 2011
Folk Club Nr. 17 am 1. Juli – mal wieder zu spät gekommen
von Detlef Stachetzki
Eigentlich war es unverzeihlich, zum Folk Club zu spät zu kommen, zumal die Chronistenpflicht rief. Nun, es gibt unseren exzellenten Fachberichterstatter John Hurd, der bereits unter seiner neuen Website 3songsbonn.com (http://3songsbonn.com/2011/07/03/bonn-folk-club-where-the-time-goes) seine Kritik abgeliefert hat (wie immer ein schönes Stück englischer Formulierkunst) und dessen Bericht meine mangelnden Kenntnisse über den Anfang ergänzten. Scott Joplins Stücke „Der Entertainer“ und „Maple Leaf Rag“ als Aufwärmer hätte ich mir auch gern angehört. Die Ragtimes wurden nach einer kleinen Ermunterung durch Master John Harrison spontan von Franz Baak auf dem Klavier gespielt.
Das Programm war wieder eine grandiose Mischung aus Liedermachermusik (Mario Dompke), kleinen Ensembles mit großen Stimmen (Die Gruppe Joker mit Arno Fleckenstein, Renate Dohm und Detlef Martin), großen Ensembles mit ebenso großen Stimmen (DerElligh mit Stefan, Christine, Saskia, Dirk, Karl-Wilhelm und Sebastian), einer Einführung in die Geheimnisse brasilianischer Caipira-Musik (Steve Perry) und altbewährten Botschaftern des Blues und der britisch-irischen Folk-Music (John Harrison und Thomas Steffens).
Den Warm up setzte John Harrison mit den Ragtime Blues-Stücken „From Four Until Late” von Robert Johnson und “Police Dog Blues” von Blind Blake fort, den übereinstimmenden Berichten zufolge wie immer meisterlich gespielt und gesungen. Auch diese Stücke waren mir leider entgangen.
Immer etwas Besonderes sind Eigenkompositionen, und darum gebührt dem Liedermacher Mario Dompke besonderer Dank für seine einfühlsamen Lieder, die er mit schöner Gitarrenbegleitung und mit sicherer intonationssicherer Stimme vortrug: „Hey min Deern“, „Wenn ich gestorben bin“ und „Du bist so schön anzusehen“ sorgten für die ersten Gänsehautgefühle beim Publikum. Wir freuen uns schon auf neue Auftritte. Ein Blick in seine Website (sollte mal aktualisiert werden) zeigt, dass es für Dompkesche Lieder, die im Folk Club noch nicht gespielt wurden, noch viel Potenzial gibt.
Die Gruppe DerElligh gab danach ihr zweites Gastspiel im Folk Club nach ihrem Auftritt in Graurheindorf vor ziemlich genau einem Jahr. Technisch und musikalisch gereift präsentierten die Bandmitglieder eine mitreißende und unterhaltsame Mischung aus instrumentalen Stücken und gesungenen Liedern in bester irisch-keltischer Tradition. Die zahlreichen Instrumente (Tin Whistle, Blockflöte, Gitarre, Geige, Akkordeon, Bodhran und natürlich Gesang) sorgen für wunderschöne Stimmung. Bandmitglied Karl-Wilhelm gab dazu noch eine kleine Einleitung in den Gebrauch der als „Heilmusik“ vorgestellten Stücke (Hände und Füße im Takt bewegen).
Im Auftritt vor der Pause spielte die Gruppe das Stück „I Courted a Sailor“, danach ein Set aus drei traditionellen Melodien („John McHugh’s“ – „Crooked Road“ – „The Doonagore“). „Country Life“, bei dem das Publikum fleißig mitsingen durfte und sollte, beschrieb das Heumachen in früheren Zeiten, als es dafür noch keine Maschinen gab. Zwei Instrumentalstücke („Two for Joy“ und „Castlerock Road“ bildeten den Abschluss des ersten Teils.
Nach der Pause gab es eine Premiere: Die Gruppe Joker mit Renate Dohm, Arno Fleckenstein und Detlef Martin, hatten ein Schlagzeug mitgebracht, das Detlef sehr einfühlsam zu Renates raumfüllender, tragender Stimme und den hervorragend gespielten Gitarren von Arno und Renate einsetzte. Einen wahren Genuss bereiteten die selbstkomponierten Lieder „Night Animal“ (Ankündigung von Renate: „Es gibt Nächte, in denen man nicht schlafen kann, und es gibt Nächte, in denen man nicht schlafen will“), „Winter Leaves the Land“, ferner ein Lied vom Großvater, der bis ins hohe Alter ein Kind geblieben ist und „I Want to Be a Star“. Beim letzten Lied ging es tatsächlich um die Sterne am Himmel und nicht um die „Stars“, die gewöhnlich in den Klatschseiten der Zeitung enden.
Als kleines Zwischenspiel präsentierte uns John Harrison – diesmal am Klavier und mit eigener Mundharmonikabegleitung (super gespielt, John!) – Duke Ellingtons „Rocks in My Bed“ und den irischen Klassiker „Wild Mountain Thyme“ („Will Ye Go, Lassie Go), bei dem wieder alle kräftig mitsingen durften. Bei dem Lied muss aber ein Schotte seine Hand im Spiel gehabt haben, denn „Lassie“ (Mädchen), ist eher zwischen Dumfries und John o’ Groats zuhause.
Eine kleine Einführung in die Geheimnisse der brasilianischen Gitarrenvariante, der Viola Caipira, gab uns Steve Perry. Das zehnsaitige Instrument mit der eigentümlichen Stimmung scheint dem Spieler auch beim Stimmen einiges abzufordern. Steve kommentierte es mit den Worten: „Die halbe Zeit verbringt man damit, das Instrument zu stimmen und die restliche Zeit spielt man verstimmt“. Das Publikum war aber keineswegs verstimmt und lauschte den drei Stücken, von denen eines auf Portugiesisch, der brasilianischen Landessprache, vorgetragen wurde. Darin ging es um eine skurrile Geschichte, über einen Mann, der seine Frau erschossen hat und danach für seine Tat um Verständnis bittet. Die Melodie hatte etwas moritatenhaftes und erinnerte stark an „Mariechen saß weinend im Garten“ – das hat auch was.
Nach längerer Abstinenz durften wir mal wieder Thomas Steffens aus Düsseldorf lauschen. Leider konnte er wegen des schon ziemlich vollen Programms nur drei Lieder spielen, aber eine Session mit größerem Anteil von Thomas wurde in Aussicht gestellt. „Dirty Old Town“ (herrlich zum Mitsingen) und “Champion at Keeping them Rolling“ von Ewan McCall und das traurige Weltkrieg I-Lied “Green Fields of France” von Eric Bogle waren seine tollen Beiträge. Seine schöne sonore und raumfüllende Stimme schlägt uns immer wieder in ihren Bann. Witzig, dass die irische Kultgruppe „The Pogues“ um den Frontman Shane MacGowan („Der Mann mit vielen Worten und wenigen Zähnen“) eine Woche später u.a. mit „Dirty Old Town“ dem Bonner Museumsplatz einheizte.
Zum Abschluss gab’s noch mal kräftig was auf die Ohren von DerElligh, jetzt auch komplett mit Dirk Eisenack am Akkordeon, der beim ersten Teil gefehlt hatte. Die vier wunderschönen Lieder „Sir Eglamore“ (Ein Lied über einen Drachentöter), „Winter is Over“, „Who Knows Where the Time Goes“ von Sandy Denny und „Madam I’m a Darling“ (Lied über eine ungewöhnliche Beziehung zwischen einem irischen Landstreicher und einer reichen Dame) pumpten uns wieder mit den bekannten Glückshormonen voll, die wie immer einen Monat lang vorhalten müssen, bis wir uns am 5. August eine neue Ration abholen dürfen.
Zum Schluss wieder ein dickes Lob an unsere Wirtin Angelika Bürfent und an das Barteam Elke und Jupp für die tolle Bewirtung. Die kulinarischen Folk Club Specials waren wieder aller Ehren wert.
von Detlef Stachetzki
Eigentlich war es unverzeihlich, zum Folk Club zu spät zu kommen, zumal die Chronistenpflicht rief. Nun, es gibt unseren exzellenten Fachberichterstatter John Hurd, der bereits unter seiner neuen Website 3songsbonn.com (http://3songsbonn.com/2011/07/03/bonn-folk-club-where-the-time-goes) seine Kritik abgeliefert hat (wie immer ein schönes Stück englischer Formulierkunst) und dessen Bericht meine mangelnden Kenntnisse über den Anfang ergänzten. Scott Joplins Stücke „Der Entertainer“ und „Maple Leaf Rag“ als Aufwärmer hätte ich mir auch gern angehört. Die Ragtimes wurden nach einer kleinen Ermunterung durch Master John Harrison spontan von Franz Baak auf dem Klavier gespielt.
Das Programm war wieder eine grandiose Mischung aus Liedermachermusik (Mario Dompke), kleinen Ensembles mit großen Stimmen (Die Gruppe Joker mit Arno Fleckenstein, Renate Dohm und Detlef Martin), großen Ensembles mit ebenso großen Stimmen (DerElligh mit Stefan, Christine, Saskia, Dirk, Karl-Wilhelm und Sebastian), einer Einführung in die Geheimnisse brasilianischer Caipira-Musik (Steve Perry) und altbewährten Botschaftern des Blues und der britisch-irischen Folk-Music (John Harrison und Thomas Steffens).
Den Warm up setzte John Harrison mit den Ragtime Blues-Stücken „From Four Until Late” von Robert Johnson und “Police Dog Blues” von Blind Blake fort, den übereinstimmenden Berichten zufolge wie immer meisterlich gespielt und gesungen. Auch diese Stücke waren mir leider entgangen.
Immer etwas Besonderes sind Eigenkompositionen, und darum gebührt dem Liedermacher Mario Dompke besonderer Dank für seine einfühlsamen Lieder, die er mit schöner Gitarrenbegleitung und mit sicherer intonationssicherer Stimme vortrug: „Hey min Deern“, „Wenn ich gestorben bin“ und „Du bist so schön anzusehen“ sorgten für die ersten Gänsehautgefühle beim Publikum. Wir freuen uns schon auf neue Auftritte. Ein Blick in seine Website (sollte mal aktualisiert werden) zeigt, dass es für Dompkesche Lieder, die im Folk Club noch nicht gespielt wurden, noch viel Potenzial gibt.
Die Gruppe DerElligh gab danach ihr zweites Gastspiel im Folk Club nach ihrem Auftritt in Graurheindorf vor ziemlich genau einem Jahr. Technisch und musikalisch gereift präsentierten die Bandmitglieder eine mitreißende und unterhaltsame Mischung aus instrumentalen Stücken und gesungenen Liedern in bester irisch-keltischer Tradition. Die zahlreichen Instrumente (Tin Whistle, Blockflöte, Gitarre, Geige, Akkordeon, Bodhran und natürlich Gesang) sorgen für wunderschöne Stimmung. Bandmitglied Karl-Wilhelm gab dazu noch eine kleine Einleitung in den Gebrauch der als „Heilmusik“ vorgestellten Stücke (Hände und Füße im Takt bewegen).
Im Auftritt vor der Pause spielte die Gruppe das Stück „I Courted a Sailor“, danach ein Set aus drei traditionellen Melodien („John McHugh’s“ – „Crooked Road“ – „The Doonagore“). „Country Life“, bei dem das Publikum fleißig mitsingen durfte und sollte, beschrieb das Heumachen in früheren Zeiten, als es dafür noch keine Maschinen gab. Zwei Instrumentalstücke („Two for Joy“ und „Castlerock Road“ bildeten den Abschluss des ersten Teils.
Nach der Pause gab es eine Premiere: Die Gruppe Joker mit Renate Dohm, Arno Fleckenstein und Detlef Martin, hatten ein Schlagzeug mitgebracht, das Detlef sehr einfühlsam zu Renates raumfüllender, tragender Stimme und den hervorragend gespielten Gitarren von Arno und Renate einsetzte. Einen wahren Genuss bereiteten die selbstkomponierten Lieder „Night Animal“ (Ankündigung von Renate: „Es gibt Nächte, in denen man nicht schlafen kann, und es gibt Nächte, in denen man nicht schlafen will“), „Winter Leaves the Land“, ferner ein Lied vom Großvater, der bis ins hohe Alter ein Kind geblieben ist und „I Want to Be a Star“. Beim letzten Lied ging es tatsächlich um die Sterne am Himmel und nicht um die „Stars“, die gewöhnlich in den Klatschseiten der Zeitung enden.
Als kleines Zwischenspiel präsentierte uns John Harrison – diesmal am Klavier und mit eigener Mundharmonikabegleitung (super gespielt, John!) – Duke Ellingtons „Rocks in My Bed“ und den irischen Klassiker „Wild Mountain Thyme“ („Will Ye Go, Lassie Go), bei dem wieder alle kräftig mitsingen durften. Bei dem Lied muss aber ein Schotte seine Hand im Spiel gehabt haben, denn „Lassie“ (Mädchen), ist eher zwischen Dumfries und John o’ Groats zuhause.
Eine kleine Einführung in die Geheimnisse der brasilianischen Gitarrenvariante, der Viola Caipira, gab uns Steve Perry. Das zehnsaitige Instrument mit der eigentümlichen Stimmung scheint dem Spieler auch beim Stimmen einiges abzufordern. Steve kommentierte es mit den Worten: „Die halbe Zeit verbringt man damit, das Instrument zu stimmen und die restliche Zeit spielt man verstimmt“. Das Publikum war aber keineswegs verstimmt und lauschte den drei Stücken, von denen eines auf Portugiesisch, der brasilianischen Landessprache, vorgetragen wurde. Darin ging es um eine skurrile Geschichte, über einen Mann, der seine Frau erschossen hat und danach für seine Tat um Verständnis bittet. Die Melodie hatte etwas moritatenhaftes und erinnerte stark an „Mariechen saß weinend im Garten“ – das hat auch was.
Nach längerer Abstinenz durften wir mal wieder Thomas Steffens aus Düsseldorf lauschen. Leider konnte er wegen des schon ziemlich vollen Programms nur drei Lieder spielen, aber eine Session mit größerem Anteil von Thomas wurde in Aussicht gestellt. „Dirty Old Town“ (herrlich zum Mitsingen) und “Champion at Keeping them Rolling“ von Ewan McCall und das traurige Weltkrieg I-Lied “Green Fields of France” von Eric Bogle waren seine tollen Beiträge. Seine schöne sonore und raumfüllende Stimme schlägt uns immer wieder in ihren Bann. Witzig, dass die irische Kultgruppe „The Pogues“ um den Frontman Shane MacGowan („Der Mann mit vielen Worten und wenigen Zähnen“) eine Woche später u.a. mit „Dirty Old Town“ dem Bonner Museumsplatz einheizte.
Zum Abschluss gab’s noch mal kräftig was auf die Ohren von DerElligh, jetzt auch komplett mit Dirk Eisenack am Akkordeon, der beim ersten Teil gefehlt hatte. Die vier wunderschönen Lieder „Sir Eglamore“ (Ein Lied über einen Drachentöter), „Winter is Over“, „Who Knows Where the Time Goes“ von Sandy Denny und „Madam I’m a Darling“ (Lied über eine ungewöhnliche Beziehung zwischen einem irischen Landstreicher und einer reichen Dame) pumpten uns wieder mit den bekannten Glückshormonen voll, die wie immer einen Monat lang vorhalten müssen, bis wir uns am 5. August eine neue Ration abholen dürfen.
Zum Schluss wieder ein dickes Lob an unsere Wirtin Angelika Bürfent und an das Barteam Elke und Jupp für die tolle Bewirtung. Die kulinarischen Folk Club Specials waren wieder aller Ehren wert.
Abonnieren
Posts (Atom)










