Dienstag, 29. April 2014

Detlefs Bericht vom Folk Club im April 2014


Folk Club Nr. 47 im April – Volles Haus und Konzertstimmung mit Astatine

Ein volles Haus beim Folk Club ist schon fast keine Meldung mehr. Und dennoch reibt sich der Chronist immer wieder ungläubig die Augen, wenn der Saal wie dieses Mal erneut Beulen bekommt wegen des Andrangs. Mit rund 90 Gästen ist die Kapazitätsgrenze des Raums ungefähr erreicht. Wird der Folk Club vielleicht bald von seinem eigenen Erfolg erdrückt?
Das Konzept der Veranstaltung – Jeder darf auftreten, keine Verstärker, Musik und andere Beiträge jeder Art sind willkommen, und alles nur aus Spaß an der Freud’, wie der Kölsche sagt – scheint mehr als aufzugehen. Mittlerweile zerbricht sich die Organisationscrew die Köpfe, wie die zahlreichen Anmeldungen untergebracht werden können, ohne die Abende zu sprengen und ohne die Musiker zu weit in die Zukunft vertrösten zu müssen. Der Wunsch vieler Hobbymusiker, vor einem recht ansehnlichen Publikum spielen zu können, ist offenbar riesig. Hinzu kommen auch veritable Profis, die die formidable Atmosphäre des immer konzentrierten Publikums und die Zuwendung, die die Zuschauer und –hörer dem Musikern geben, schätzen und die teilweise sogar zum wiederholten Male die Bühne betreten.
Es bleibt spannend und vor allem unterhaltsam und immer wieder überraschend – vor allem im positiven Sinne.
Wie die meisten Folk Club Abende startete auch dieser nach John Harrisons markerschütterndem Weck-Schlachtruf (der Chronist wundert sich, dass dabei noch nie vor Schreck ein Tablett oder zumindest ein Glas zu Boden gegangen ist) mit leisen Tönen. John eröffnete den Abend mit einem schönen Gedicht mit dem Titel „Magnolia“, passend zum Thema „Frühling und Blumen“. Die Magnolien haben es in unseren Breiten einfach schwer. Meistens beginnen sie vorwitzigerweise etwas zu früh zu blühen, und bekommen dann durch den einen oder anderen Frost „eins auf die Mütze“. Das an sich prachtvolle Blütenkleid der Bäume sieht dann leicht angeknackst aus. Auch in diesem Jahr wagten sich die Blüten, angestachelt durch den milden Winter zu früh aus der Deckung und konnten sich wegen der noch recht kühlen Nächte nicht richtig entfalten. Nur in wirklich wenigen Jahren kann die Magnolie mal so richtig zeigen, was in ihr steckt. John hat dieses Thema wunderbar mit seinen poetischen Worten umrissen.
Ebenfalls passen zum Frühling und immer wieder gern gehört ist das Lied „Bee’s Wing“ von Richard Thompson, das aber nicht wirklich von Bienen handelt, sondern von einer Frau, die so zart ist wie ein Bienenflügel, aber mit unbändigem Unabhängigkeitswillen ausgestattet. John begleite das Lied mit feinem Fingerpicking. Weiter ging’s mit Unterstützung von Paolo Pacifico, Johns kongenialem Partner, der immer wieder kleine Zauberdinge auf der Mundharmonika vollbringt. Diesmal spielten sie das schottische Liebeslied „Black is the Colour of My True Love’s Hair“ – besonders schön Paolos zarte Mundharmonikabegleitung und die Instrumentalsoli. Zwischendurch präsentierte John noch ein Gedicht mit etwas schwierigem Hintergrund „Blue ist the Colour“ lautet der Titel. Es geht um eine Beerdigung, die er nicht aufsuchen konnte.
Wieder beim Thema waren John und Paolo mit dem Lied von Altmeister Champion Jack Dupree „Bring Me Flowers, When I’m Living“. Das Lied knüpft aber auch eine Verbindung zum zuvor gehörten Gedicht – der Titel sagt alles. John wirft bei diesem schönen Lied seine gesamte Liebe zum Blues in die Waagschale, und Paolo unterstützt ihn dabei mit einfühlsamer Mundharmonikabegleitung im Hintergrund.
In die Welt des Jazz wagte sich John, jetzt begleitet von Paolo auf der Mundharmonika und Steve Crawford auf der Gitarre. „Summertime“, das unsterbliche Lied aus George Gershwins Oper Porgy and Bess, sangen und spielten die drei mit Hingabe und wunderbarer gegenseitiger Ergänzung. Und auch hier sei auf den Motivzusammenhang ausgehend von Johns Beerdigungsgedicht hingewiesen. In „Porgy und Bess“ weist das melancholische „Summertime“ stets auf bevorstehende Todesfälle hin.
Nach diesem länger als üblichen aber umso schöneren Warm-up Beitrag von John und Co. stellte uns unser treuer Gefolgsmann Mario Dompke seine reizende Mitakteurin Franzi vor. Franzi sang mit ihrer schönen und intonationssicheren Stimme das wunderbare Lied von Carole King „You’ve Got a Friend“. Mario erwies sich als ebenso stilsicherer wie einfühlsamer Begleiter, und das galt auch für das zweite Lied der beiden „Something in the Water“ von Brooke Fraser. Großer Applaus für Franzi und Mario und hoffentlich ein Wiedersehen mit Franzi.
Mario beendete seinen Auftritt mit dem witzigen Lied mit dem Titel „Das ungeschriebene Lied“. Ein typisches Mario-Lied voller Ironie und Hintersinn – nochmals Chapeau!
Nach so viel Schönem zum Warmwerden ging’s dann in die Vollen mit unserer Special-Guest-Gruppe. Einigen eisernen Folk Club-Freunden war Astatine bereits von ihrem Spontan-Auftritt im Mai 2013 in guter und nachhaltiger Erinnerung. Sängerin Ana Maria Leistikow (damals noch unter dem Namen Cutac vorgestellt) brachte diesmal vier instrumentale Begleiter mit. Eigentlich ist es eine Frechheit, diese hochkarätige Gruppe als „Begleiter“ in die zweite Reihe zu setzten, denn jeder von ihnen könnte mit seiner  Musik auch allein ein Publikum zum Schwärmen bringen. Zusammen aber sind Ana Maria (Gesang), Simone Hans (Flöte), Frank-Olaf Nagel und Thomas Monnerjahn (beide Gitarre) und Thomas Neuhalfen (Kontrabass) eine Wucht. Freunde von „Vintage Jazz“ kamen voll auf ihre Kosten. Ana Marias sagenhafte Bühnenpräsenz und körperliche Ausdrucksstärke fügten dem musikalischen auch noch einen optischen Glanzpunkt hinzu. Der Auftritt der Fünf war zudem wie geschaffen für das Konzept des Folk Clubs – alles ohne Verstärker. Ana Marias voluminöse und tragende Stimme hatte keine Schwierigkeiten, sich im Raum zu verbreiten und von den Instrumenten abzusetzen.
„A Waste of Love“ und „Don’t Expect Me to Come Back at All” lauteten die Titel der ersten beiden Lieder, die aus der Feder von Thomas Neuhalfen stammten. Mit wunderbaren Soli führten sich hier Simone an der Flöte und die beiden Gitarristen ein. In die Welt der Jazz-Klassiker entführte uns die Gruppe mit Burt Bacharachs „Wives And Lovers“. Wie geschaffen für Astatine ist die Musik von Django Reinardt. zu seinen unsterblichen Melodien hat Ana Maria Liedtexte in ihrer rumänischen Muttersprache geschrieben. So wurde aus dem Instrumental „Bouncing Around“ das wunderbare „Mi-ai promis“ (Du hast mir versprochen), und aus „Nuages“ wurde „Printre Nori“ (Unter den Wolken). Zu Ana Marias ausdrucksstarkem Gesang boten beide Lieder den Gitarristen die Möglichkeit für ein Feuerwerk der Improvisation – einfach berauschend. 

„Caravan“ von Duke Ellington und Juan Tizol mit seiner geheimnisvollen, orientalisch anmutenden Melodie wurde von Ana Maria mit ebenso geheimnisvoller Stimme vorgetragen. Den Abschluss ihres ersten Teils bildete Cole Porters „Get Out of Town“, ein wunderbar zartes Lied, dem Ana Maria mit ihrer herrlichen variablen Stimme die perfekte Stimmung gab – Riesenapplaus vor der Pause und gespannte Erwartung auf den zweiten Teil.
Nach den Erfrischungen eröffnete Barry Roshto den Reigen mit einem kleinen Scherzlied „The Cat Came Back the Very Next Day“ über die vergeblichen Versuche eines Mannes, seine nervige Katze loszuwerden. Witzig vorgetragen von Barry und begleitet von John Harrison und Paolo Pacifico.
Als Walk-in traten hernach Sascha und Janis auf, die sich als „Band ohne Damen“ vorstellten. Normalerweise gehört zu ihnen offenbar noch weibliche Verstärkung. „Carmen“ von BAP war ihr vielbeklatschter Beitrag, ein hörenswertes aber weniger bekanntes Lied der Kölner Gruppe.
Helmut Rennoch (Gitarre) zusammen mit Siegfried Königsfeld (Gesang und Gitarre) und Ronan Sevellec (Cajon) starteten mit dem gefühlvollen „Now and Forever“ von Richard Marx. Siegfried gab dem Lied die angemessene Stimmung, Helmut steuerte wunderbare Gitarrensolos bei und Ronan unterstrich die Beiträge mit einfühlsamer Perkussion. Besonders schön klangen die dreistimmig gesungenen Passagen. Dem Publikum bestens bekannt war Ralph McTells melancholisches und anrührendes Lied „Streets of London“. Entsprechend konnten die Zuhörer endlich auch wieder mitsingen. Gleich vorgesorgt hatten Helmut, Siegfried und Ronan mit Mitsingzetteln bei ihrem dritten Lied „Down by the Lagan Side“. Lieder wie diese machen immer viel Freude – Herzlichen Dank und viel Applaus für die drei aus Sankt Augustin.
Steve Crawford aus Aberdeeen, der bereits beim Warm-up John Harrison begleitet hatte, wurde nun selbst begleitet von Sabrina Palm, die mit ihrem Geigenspiel den Liedern die spezielle Note gab. „Oh my Lover“ lautet der Titel des ersten Liedes. Wir nennen es aber „Oh my Liver“, war Steves Kommentar zum Lied, das eine Ode an Mutter Natur darstellt. Stevens schöner kräftiger Gesang und sein technisch und musikalisch hochkarätiges Gitarrenspiel harmonierten vorzüglich mit Sabines  virtuosen Geigenklängen. „Lady Jane“ hieß das instrumentale irische Tanzlied (Kommentar von Steve: „Das Lied hat normalerweise einen längeren Titel“), das ganz harmlos und langsam beginnend sich allmählich zu einem furiosen Wirbelsturm entwickelte. Wunderbar gespielt von den beiden – ein wahrer Edelstein des Abends. „The Call and the Answer“ des Engländers  Phil Colclough, das von irischen Musikern gern eingemeindet wird, verströmte danach auch tatsächlich die leicht sentimentale irische Stimmung – eine wundervolle englisch/schottisch/deutsche Koproduktion mit irischem Anstrich. Herzlicher Applaus für die Beiden, die danach die Bühne freigaben für den zweiten Auftritt von Astatine.

Herz, was willst du mehr, so könnte man den Auftritt der Fünf der Gruppe Astatine zusammenfassen. Mit „Making Whoopee“, „My Heart Belongs to Daddy“, “The Man I Love”, „How insensitive“, „All of Me“  präsentierten sie Klassiker, an denen sich schon andere Größen des Jazz wie Ray Charles, Ella Fitzgerald und Billie Holiday erfolgreich versucht hatten. Die Vorstellung von Astatine braucht sich nicht dahinter zu verstecken. Das laszive „Whatever Lola Wants, Lola Gets“ präsentierte Ana Maria mit einer gehörigen Portion Erotik in Stimme und Ausdruck. Bei „Imagine My Frustration“ der Jazz-Heiligen Duke Ellington und Ella Fitzgerald konnte Thomas Neuhalfen mit einem brillanten Kontrabasssolo glänzen. Den vielumjubelten Abschluss ihres Auftritts lieferten die Fünf mit „Bei mir bist du schejn“, das Ana Maria in der Originalversion in jiddischer Sprache mit einem kleinen Exkurs in die später entstandene englische Textfassung sang. Der Dank des Publikums war  ohrenbetäubender Applaus.
Alle durften mit dem Hochgefühl nach Hause gehen, einen grandiosen Abend mit großen und kleinen Edelsteinen erlebt zu haben.
Auf Wiedersehen am 2. Mai mit „Los Pájaros del Alba“ (Die Vögel der Morgendämmerung) aus Mexiko und Isaac Tabor aus Irland.

Montag, 21. April 2014

Detlefs Bilder vom Folk Club 47 im April 2014

John Harrison beim Warm up - Bee's Wing

Paolo Pacifico, der Mundharmonikazauberer
John Harrison und Steve Crawford - Summertime


Mario Dompke und Franzi - Just Call Out my Name
Mario Dompke - Das ungeschriebene Lied

Steve Crawford und Sabrina Palm - Oh my Lover

Astatine
Frank-Olaf Nagel und Thomas Monnerjahn
Thomas Neuhalfen
Simone Hans
Ana Maria Leistikow

  


Sascha und Janis

 
Experten bei der Manöverkritik


Donnerstag, 27. März 2014

Special Guest Astatine in April

For the coming FC meet on the 4th of April 2014,
we are privileged to have the Jazz Band Astatine with us as Special Guest...

Have a look at their Website and get ready to enjoy!

www.astatine.de


Vintage Jazz, Lounge, Swing, Bossa

Ana-Maria Leistikow - Gesang
Frank-Olaf Nagel - Gitarre, Bass
Simone Hans - Querflöte
Thomas Neuhalfen - Kontrabass

Montag, 24. März 2014

Detlefs Bericht vom Folk Club 46 im März 2014


Folk Club Nr. 46 im März platzt aus allen Nähten

Den Eindruck muss man haben und zwar gleichermaßen mit Blick auf Publikum und Akteure. Der Saal war erneut proppenvoll und unser Programmdirektor Steven Perry hat stets mehr Mühe, die zahlreichen Auftrittswünsche mit Anstand im Programm unterzubringen, ohne dass der Abend denn doch zu lang wird. Der Folk Club hat offenbar seine Gemeinde gefunden, die sich jeden Monat darauf freut, musikalisch überrascht zu werden und in einer familiären Atmosphäre einen genussvollen Abend  teilweise mit Gänsehauteffekt und vielen interessanten Künstlern zu erleben.

Die Erwartungen wurden auch diesmal nicht enttäuscht. Es gab Besinnliches, Schwungvolles, schöne Stimmen und herrliches Zusammenspiel gepaart mit Humor, Virtuosität, Phantasie und schier unendlicher Kreativität.

John Harrison, der anders als die übrigen Akteure des Organisationsteams – der Hofberichterstatter eingeschlossen – noch keinen einzigen Folk Abend seit dem Start im Februar 2010 ausgelassen hat, übernahm auch diesmal wieder den Warm up mit d e m Klassiker aller Lieder, die sich mit dem „Thema River Songs/Lieder über Flüsse“ beschäftigen. „Ol’ Man River“ aus dem Musical Showboat von Jerome Kern und Oscar Hammerstein bildete den perfekten Einstieg in das Thema des Abends. John begann das Lied a capella anfangs allein und dann mit zunehmend intensiverer Gesangsunterstützung von Steve Perry. Die beiden harmonierten sehr schön und bekamen gleich einen tollen Applaus. Weiter ging’s mit einem anderen Duopartner Johns, dem ebenfalls im Folk Club nicht unbekannten Werner Krotz-Vogel, diesmal aber nicht mit der Gitarre sondern einem veritablen Kontrabass ausgestattet. Man merkte beiden an, dass die Lieder von John Martyn „May You Never“, „Fairy Tale Lullaby“ und „Solid Air“ ihnen besonders am Herzen lagen. Beide warfen ihre ganze Virtuosität und Spielfreude ins Rennen. Kleine Gitarrenkunde von John am Rande: „Solid Air“ baut auf dem eher ungewöhnlichen Akkord mit der Bezeichnung Cm11 (für Freunde der Harmonielehre in anderen Worten: c moll-Septakkord mit None und Undezime) auf. John nutzte ferner die Gelegenheit, darauf hinzuweisen, dass der Schöpfer der Lieder am 29. Januar vor fünf Jahren im Alter von 60 Jahren gestorben war.

Etwas lyrischer aber ohne Anspielungen an Flüsse ging’s dann bei Christian Schuster und Tom Wilke zu. Mit virtuoser Gitarrenbegleitung, herrlichen Riffs und schönem zweistimmigem Gesang gab es von Passenger den Ohrwurm „Let Her Go“ zu hören. Nicht minder eingängig ist „One“ von U2 und „Heart of Golden Glory“ der schottischen Gruppe Runrig. Das Lied ist in Schottland ein echter Heimatgefühl-Hit mit ähnlichem Gänsehaut-Faktor wie – der Vergleich sei mir verziehen – für manchen Kölner und Bonner z.B. das Bläck Fööss Lied „Unser Stammbaum“. Ein Ausschnitt aus dem Lied mag es verdeutlichen:
“I caught a fleeting glimpse, Of life, And though the water's, Black as night, The colours of Scotland, Leave you young inside”, das hat schon fast Hymnen-Charakter;
und weiter geht es mit:
“There's a vision, Coming soon, Through the faith, That cleans your wound, Hearts of golden glory, Will be renewed”
– Referendum über die schottische Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich (eigentlich eher von England) ick hör dir trapsen. Immerhin, Kurköln strebt nicht die Unabhängigkeit von Deutschland an. Großer Applaus für die beiden!

Mit ein wenig Schmalz (den lieben wir ja) ging es weiter bei Renate Dohm und Winfrid Bode. Herrlich gespielt und gesungen durften wir erneut „El Paso“ hören, eines der Cowboylieder, die Steven Perrys Beitrag zum Thema des Abends beim Folk Club im Februar war. Wunderbar kitschig der Text über einen verliebten Cowboy, der sein Leben im Kampf um eine Amour Fou verliert. Die entschuldigenden Worte von Winfried über den nicht mehr zeitgemäßen Text waren eigentlich nicht nötig, denn dann müssten im Folk Club und auch bei anderen Musikveranstaltungen recht häufig solche „disclaimer“ vorweg gestellt werden.
Nicht minder sentimental ging es bei „Greenfields“ von den Brothers Four zu, einem Lied aus den 50er Jahren. Renate und Winfried konnten bei diesem Ohrwurm ihre tollen Stimmen so richtig glänzen lassen. Im Text kommt zudem ein Fluss vor. Bei „Rivers of Babylon“, dem alten Klassiker von Boney M, der Frank Farian-Disco-Kunsttruppe stehen die Flüsse sogar im Titel. Renate und Winfried zogen dabei aber nicht mit einem Disco-Fox vom Leder sondern präsentierten das Lied, das ursprünglich von der jamaikanischen Rocksteady-Gruppe Melodians stammt, in einer sehr schönen, ungewöhnlichen, etwas verfremdeten Version, natürlich gekonnt gesungen und gespielt von den beiden. Großer Applaus für Renate und Winfried.

Die als Special Guest des Abends angekündigte Gruppe musste zwar lange auf ihren Auftritt warten, wurde aber mit viel Beifall begrüßt. Gerd Schinkel mit Kanuten stellten sich erst einmal richtig vor: Gerd ist ja inzwischen schon fast ein alter Bekannter im Folk Club. Seine Begleiter sind tatsächlich Kanufreunde: Wolfgang Kassel (Gitarre), Frank Tschinkel (Mandoline) und Gerd-Wolfgang Spiller (Bassgitarre). Die Truppe startete mit dem Lied „Ausstand“ über die Erfahrungen die entstehen, wenn ein Arbeitsleben zuende geht und man seinen langjährigen Arbeitsplatz räumt. Als nächste gab es ein vom Alt-Barden Graeme Allwright adaptiertes Lied das Gerd mit einem deutschen Text versehen hat mit einer Beziehung zu  dem Flüchtlingsstrom, der aktuell  von Afrika und dem Nahen Osten in Richtung Europa zieht. Vielen noch gut bekannt ist das Lied aus der Atom-Protestbewegung der Siebziger Jahre „Katastropheneinsatzplan“. „Es besteht kein Grund zur Aufregung“ lautet die Eingangszeile des Refrains. Mit dem Lied „Es ist, wie es ist“ beschlossen Gerd und die Kanuten unter großem Applaus den ersten Teil ihres Auftritts.

Nach der Pause erschien  eine bunte Truppe auf der Bühne, die sich als „Dodge City Blues Band“ vorstellte. Die Musiker waren Matthew Robb (Gesang und Gitarre), „Fliege“ Hermann Josef Wolf (Gitarre, Mundharmonika), Astrid Robb (Cajón), Bijan Mahdjub (Saxophon) und Dietrich (Teekistenbass). Mit Schwung und Elan legten sie los mit dem Blues „You Drink too Much“. Schon nach den ersten Takten entpuppte sich die Gruppe als ein weiteres Glanzlicht des Abends und zog das Publikum augenblicklich in ihren Bann. Der Titel des ersten Liedes und eine kleine Bemerkung aus der Band über die trockene Luft im Raum zauberten denn auch unmittelbar spendiertes Flüssiges für die Bandmitglieder auf die Bühne. „Please Come Back Home“ war ein eigenes Lies von Matthew über die Liebe, die kommt und geht. Ebenfalls selbst komponiert hatte Matthew den Beitrag zum Thema des Abends „The River“. „There is a River That Runs Through You ... That Runs Through Me” lautet der Refrain. Das Publikum war begeistert. Natürlich musste noch eine Zugabe her: „Dead Men Have no Dreams“ lautete der Titel – Riesenapplaus für die fünf!

Nach diesem Feuerwerk hatte es Janero del Rosario etwas schwer, mit seinen etwas ruhigeren Liedern das Publikum für sich zu gewinnen. Aber nach ein paar Takten des Liedes „Find the River“ von R.E.M. aus dem Album „Automatic for the People, war der Bann gebrochen. Mit schöner sicherer Stimme und feiner Gitarrenbegleitung trug er die Ballade vor, deren Text gut zum Thema des Abends passte. Etwas aus Janeros philippinischer Heimat war ein Lied in seiner Muttersprache, das sich ebenfalls mit dem Thema „Fluss“ beschäftigt: Der Fluss wird als Metapher für das dahinströmende Leben gesehen. Janero sang das Lied a capella mit einer zuvor schnell einstudierten Rhythmus-Unterstützung durch das Publikum. Großer Beifall für Janero aber auch ein Kompliment an das musikalische Publikum.

Als Walk-in trug Benedict Steilmann zum Motto des Abends bei mit dem Lied „Mississippi“ von Bob Dylan. Allerdings bezieht sich Mississippi hier nicht auf den Fluss sondern auf den gleichnamigen Bundesstaat der USA – ein Hinweis auf den Fluss kommt aber auch im Text vor. Benedict meisterte das schwierig zu begleitende Stück mit schönem Fingerpicking und sang mit seiner kräftigen, intonationssicheren Stimme – ein vielbeklatscher Beitrag.

Bob Marabitos Spezialität sind a capella gesungene Lieder ohne Schnickschnack und Firlefanz. Sein heutiger Beitrag war das bekannte Lied „Sitting on the Dock of the Bay“ des unvergessenen und leider sehr jung bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Otis Redding. Bob machte seine Sache bei dem nicht ganz einfachen Lied mit seinen chromatischen Passagen wunderbar und bekam den verdienten Applaus.

Stephan Weidts Beiträge zum Folk Club sind immer kleine Edelsteine und dies gilt auch für diesmal. „Moon River“, Henri Mancinis ebenso einprägsame wie gefühlvolle Komposition aus dem berühmten Film „Frühstück bei Tiffany“, sang er mit seiner wunderbar klaren, variablen und intonationssicheren Stimme zur gekonnten Gitarrenbegleitung mit schönem Fingerpicking. Großer Applaus für Stephan.

Als ob der Abend nicht schon genug Höhepunkte gehabt hätte, ging es weiter mit einem erneuten Glanzlicht von Tom Hanusch und Birger Klein alias „Strandcafé“. „I Had a Dream“ lautete der erste Titel aus der Reihe ihrer Eigenkomposition. Die beiden glänzten mit wunderbarem zweistimmigen Gesang und schöner Instrumentalbegleitung, Tom auf der Gitarre und Birger mit meisterhafter Beherrschung seiner kleinen Handtrommeln. Verstärkt durch die schöne strahlende Stimme von Renate Dohm bekam das Lied „Sailing“ einen besonderen Glanz. „Enough is Enough“ lautete der Titel eines „Wutliedes“, bei dem sich die Stimmen der drei besonders gut bei den schwierig zu singenden Harmonien (Close Harmonies, wie im Barbershop) ergänzten. Birger setzte einen Schlusspunkt mit einem formidablen Perkussionssolo – wunderbar!

Zum Schluss des langen Abends brachten Gerd Schinkel und seine Kanuten noch mal Leben in die Bude. „Die Geschichte von Benjamin Button“ war die witzige Erzählung eines Lebens, das anders als normal von hinten nach vorn verläuft – ein großer Spaß – Die Sache „endet“ bei der Zeugung. Die Geschichte stammt von F. Scott Fitzgerald als Kurzgeschichte aus den 1920er Jahren. Ein Lied auf der Melodie von „Across the Borderline“ von John Hiatt und Ray Cooder erzählt vom Trugbild des Glücks, das man immer jenseits der Grenze vermutet. Die vier harmonierten wunderbar bei dieser getragenen, gefühlvollen Ballade. „Teil mit mir“ handelt von der Kunst des Zusammenlebens. „Steht das im Weg, bleibt das da steh’n?“ ist ein ironisches Lied auf fragwürdige Kunstgegenstände, die dem naiven Betrachter ihre „Kunsteigenschaft“ nicht ohne Weiteres offenbaren – Joseph Beuys’ Fettecke und der pragmatische, reinlichkeitsbewusste Düsseldorfer Hausmeister lassen grüßen. In Kölscher Sprache sangen die vier dann das Lied „De Brill“ über das Elend eines zerstreuten, vielleicht schon etwas älteren Brillenträgers, der seine Brille vergeblich sucht, die seelenruhig hochgeschoben auf seinem Kopf thront. Den Abend beschlossen die vier mit dem zur Gelegenheit passenden Lied „Wenn man vom letzten Lied die letzte Strophe singt“. Großer Applaus der Gemeinde für einen unterhaltsamen Beitrag mit schöner Musik von Gerd und seinen Mannen.

Trotz der fortgeschrittenen Zeit fand sich noch eine Gruppe Aufrechter, die das traditionelle Rausschmeißer-Lied „Jock Stuart“ anstimmte und tatsächlich auch Unterstützung erhielt. Der Abend war wieder einmal voller musikalischer Glanzlichter und garniert mit vielen Glücksgefühlen.

Wir freuen uns auf die Session am 4. April mit der Jazz-Formation „Astatine“ als Special Guest. Wer sich schon einmal einstimmen möchte, der schaue einmal in unseren Bericht vom Mai 2013. Astatine hat damals schon einmal den Folk Club entzückt. Wer John Hurds englische Berichte (mit seinen tollen Fotos) bevorzugt, dem sei der entsprechende Artikel bei 3Songs Bonn anempfohlen. Es gibt auch diverse Youtube-Clips der Gruppe um die Sängerin Ana Maria Cutac – viel Vergnügen!

Sonntag, 23. März 2014

Rock n Rollator Show


Steve and other members of  his Generation Chor (who are regular performers at the FCB)
will be reviving their box office hit, Rock and Rollator Show  in March.
Don't miss it!
Better get your tickets in advance...


The Groove Grufties - The Rock n Rollator Show
http://www.groove-grufties.de/

Performance Dates:
Sun 13.04.14, 8 pm
Thurs 15.05.14, 8 pm
Sun 1.06.14, 8 pm

Haus der Springmaus
Frongasse 8, 53121 Bonn Endenich
Get TICKETS here