by Steve Perry
I have something to confess. I skipped Folk Club in July. Not because I
was sick or at a business meeting or anything like that. No, I was
just plain unfaithful and went to the "Tanz- und Folkfest"
(TFF) in Rudolstadt. Every first weekend in July this little city
(about the size of Bad Honnef) near Weimar in Thüringen is host to
about 100 top drawer Folk Music groups from all over the world and
about 80,000 visitors. Okay, so they count the visitors all over
again on each of the 3 days, and many people are counted 2 or 3
times, but still, we are talking about roughly 100 Folk Clubs every
day! The entire downtown section plus a park about half the size of
the Rheinaue was cordonned off and 3 full-sized stages were set up:
one in the market square downtown and two in the park plus a smaller
one at the Heidegsburg overlooking the city. In addition, the
municipal theatre and many other public buildings including the
library where Goethe and Schiller may have trod the boards, the
church and the Heidegsburg itself were commandeered, and there
were street musicians are on every corner. It was a real, peaceful
Folkie invasion. The clothes, the age group from kids to Rollator grannys, the
hairstyles from knee-length dreadlocks to bowling-ball-and-beard, and smiles, that if you put
them end to end would have embraced the world. The whole hootenanny
atmosphere reminded me so much of the 70s I thought I had entered a
time machine.
There is just one word to describe this spectacle: overwhelming. I was
contact person for 3 groups (one from the Cape Verde Islands (Hmm,
now just where is Cape Verde?), one from Argentina and adjacent
countries and one from England, so I got to see much of the festival
from backstage. I was impressed not only by the professionalism of
the groups and how down-to-earth and friendly these upper-end
performers were, but also by the superb organisation. The musicians
and their instruments were met at major airports such as Frankfurt
and Berlin and brought to Rudolstadt, where they were ferried by van
back and forth between their venues and their hotels.
And this just scratches the surface: scheduling, brochures,
performer accommodation, decoration, cafeteria for performers and
staff, festival security, medical support...... Everything went like
clockwork.
Each year a country, a dance and an instrument are are featured.
This year the country was Norway and the dance was also Norwegian but
the instrument was not the 7-stringed Norwegian Hardanger fiddle, but
instead, the Waldzither. Just the instrument I have been trying to
learn to play for the past year! Right up my alley. Needless to say,
when I was not tending to my groups;I was getting inspired by
enjoying the wonderful music that professionals can coax from this
and related instruments such as the Portuguese (fado) guitar or the
Irish bouzouki.
I tented near the outdoor pool,
which turned out to be a very good idea with temperatures soaring to
35°C in the shade, only there was no shade. And to make matters
worse for the performers, 2 of the 3 major stages faced the afternoon
sun, meaning that the temperature on stage was at least 10° hotter.
My African performers had to cut their performance a bit short due to
their manager's concern about their health. Don't ask me how the
Norwegians, who were the next ones up, survived.
I was in the swimming pool.
It took me about a week to recover, get re-hydrated and stop dreaming
that my group is supposed to perform somewhere but I don't know
where. The TFF is celebrating its 25th anniversary this year and I
just ask myself where I have been the past 24 years.
Sonntag, 26. Juli 2015
Samstag, 13. Juni 2015
3 Songs Bonn Interview with Linda Sutti
John Hurd interviewed one of our special guests before her performance at the FCB June meet.
http://3songsbonn.com/2015/06/11/linda-sutti-interview/
http://3songsbonn.com/2015/06/11/linda-sutti-interview/
John Hurd's 3 Songs Review of FC 59 in June
No Electrics? No Instruments? No Way! A Capella Night at Bonn Folk Club
Be sure you watch Linda Sutti's video clip at the bottom of the page - Sweet, Sweet Noise!
MORE PICTURES HERE
Marios Bericht of FC 59
Laaaadiiiees and Gentlemen – Steve Perry’s Stimme
dröhnte durch den Saal! Wie jetzt? Hab ich was verpasst? War das
nicht immer John‘s Part? Natürlich, so auch diesmal zum 59ten
Folkclub in Bonn – nur Steve wurde aufgefordert gleich zu Begin des
Clubabends auf die zentralen Video- und Tonaufnahmen hinzuweisen, mit
denen die Künstler ein Dankeschön für ihren unendgeld(t)lichen
Auftritt erhalten und gleichzeitig ein Wildwuchs von Handyaufnahmen
bei youtube verhindert werden soll. Nun, um diese Botschaft
rüberzubringen verschaffte er sich mit einem zweiten Laaaadiiiees…
den Rest könnt ihr euch denken.
Aber dann ging es los. Mit dem kleinen Wörtchen „If“, welches als Einleitung des Konjunktives die Welt verändert, führte John Harrison in gesungener Gedichtsform in das Thema des Tages – A Capella – ein. A Capella bezeichnet nach Wikipedia in der Ära ab dem späten 16. Jahrhundert eine Kompositionsweise für mehrstimmige kirchliche Vokalensembles mit fakultativer Instrumentalbegleitung, ab dem 19. Jahrhundert Chormusik ohne Instrumentalbegleitung, heute ein Genre der Popmusik, bei dem ein Close-Harmony-Vokalensemble ohne oder mit minimaler Instrumentalbegleitung auftritt und einen Teil eines Musikstücks der Popmusik, bei dem die Instrumentalbegleitung aussetzt. Nun wisst ihr’s .
Weiter ging es mit einer a-capella Interpretation des allseits bekannten irischen Liedes „Danny Boy“. Lieber John, das war große Spitze. Ähnlich gerührt war ich bei diesem Lied bisher nur vom Vortrag von Sinead O’Connor – natürlich auch a-capella.
Paolo Pacifico setzte den Reigen mit dem Lied "Birds been blue" fort. Eine Annette, die er von seiner Wanderschaft durch Frankreich mitgebracht hat – viel Zeit zum Singen hat man ja beim Wandern.
Den ersten Bruch in der a-capella Reihe brachte John Hurd mit seiner Hommage an B.B. King und dem Lied „One kind favour“ auf die Bühne, nämlich eine Gitarre. Aber erstens ist das ja nach Wikipedia erlaubt (minimale Instrumentalbegleitung) und zweitens wollte John eine Überleitung zum ersten special Guest des Abends bereiten. Nach dem beeindruckenden Vortrag von John Hurd blieb nämlich die Gitarre gleich auf der Bühne. Diese hatte er sich von Linda Sutti geliehen, die nun mit einer unwahrscheinlich schönen und zugleich ausdrucksstarken Stimme ein paar ihrer eigenen Lieder vortrug. Leider ist Linda es nicht gewohnt ohne Anlage zu spielen und so schön ihre Stimme ist, sie ist auch leise. In Kombination mit dem schönen Wetter, vielen Besuchern (und anderen Gästen), die auf der Terrasse saßen, und weit geöffneten Türen kamen so ihre schönen Texte von „Hurry“ und „With a thrill“ nicht über die ersten zwei Reihen des Publikums hinaus. Beim dritten Lied „Sunday“ hatte sie aber das Publikum in der Hand. Jetzt war Aufmerksamkeit pur angesagt und Linda erlebte, was es heißt im Folkclub Bonn zu spielen. Keine Musik aus Lautsprechern, aber ein Publikum was auch in großer anwesenden Anzahl leise, konzentriert und mit viel Spaß zuhören kann. Um es vorweg zu nehmen. Auch in ihrem zweiten Teil hatte Linda die gesamte Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Jeder konnte ihr dann auch ansehen, wie sie sich selbst wunderte und sich über die einzigartige Atmosphäre des FCB freute, die sich in der freudige Entgegennahme von Musik als Geschenk und der spontanen Fähigkeit des Publikums mit zu machen ausdrückt. Drei weitere, eigene komponierte Lieder waren in ihrem zweiten Auftrittsteil zu hören: „Wild Skies“ gleichzeitig auch Titel ihrer CD, „Down on the Road“ mit dem sie bewies, dass sie auch abwechslungsreich Gitarre spielen kann und „Biggest fish in the River“ sind alle auch auf ihrer CD zu hören. Aber damit nicht genug. Eine Zugabe war Pflicht und lautstark forderte das Publikum auf ihre Frage „You want an original or a cover“ natürlich ein original – wenngleich mit dem Zusatz „und danach ein cover“. Also zwei Zugaben. „Bicycles“ als Eigenkomposition (also nicht das von Queen ) und dann der schöne Aretha Franklin Titel „Chain of fools“. Hier erklangen vokale Improvisationen als Unterstützung für Linda aus verschiedenen Bereichen des Publikums. Linda hatte ihren Spaß und einen großen Auftritt.
Aber Sprung zurück in die erste Hälfte des Folkclub Abends. Nach Lindas Gesang erklommen vier Musiker die Bühne – paritätisch ausgewogen oder gegendert, jedenfalls zwei Frauen und zwei Männer, mit dem selbsterklärendem Namen JUST 4. Trotzdem wurde ein wenig erklärt und die Geschichte erzählt, wie sich vier Menschen zusammenfanden, sangen und sich eben diesen Namen gaben, dann aber einer wieder ausschied (der übrigens Santiago hieß) und das Glück es wollte, dass Stefan, mit dem Anfangsbuchstaben „S“ zu Ihnen stieß und so der Name erhalten bleiben konnte – nicht weiter ausgeführt, ist hier der Schluss zulässig, dass jeder Buchstabe des Wortes „Just“ für einen Vornamen steht. Aber nicht genug mit solchen Wortspielereien. Das erste Stück wurde eingeleitet mit der Bemerkung, dass die Begrüßung von John „Laaaadiiieees… (hatten wir das nicht schon mal) uneingeweihte Erstbesucher des Folkclubs nicht nur erschreckt, sondern eingeweihte Besucher auch happy macht – was liegt näher, als das Lied „Happy“ von Pharel Williams zu singen (hach, wenn die Brücken dieser Welt alle so leicht zu begehen wären). Beschwingt und vierstimmig, intonationssicher und mitreißend brachten die vier Juster das Publikum so richtig in Fahrt. Weiter ging es mit Bloom aus der Moon Safari und den Abschluss macht die kalifornische Barbara, der von den Beach Boys spontan auf einer Party ein Lied gewidmet wurde. Die Party des Folkclubs war zwar nicht in Kaliforniern, aber die Temperatur des Abends, die Sonne und die Stimmung ließen „Barbara Ann“ nichts vermissen. Und wenn der Applaus die Bezahlung für die Künstler ist, sind Just 4 reichlich bezahlt worden – wenn die sichtbare Freude über solchen Applaus die Bezahlung des Publikums ist, so ist auch dieses mehr als nur entlohnt worden. Ich habe selten so glückliche Gesichter während des Applaus‘ gesehen.
Wer hätte das gedacht – eine Orgie im Folkclub und dann auch noch eine richtig unanständige. Ein „One Night Stand“ auf der Bühne, mit 13 Personen – wenn das nicht Feuer, Temperament und Emotionen verspricht. Und genau das hat er gebracht. Singend kamen die 13 mit dem Lied „Cueca Boliviana“ in den Raum, singend bezogen sie ihr Publikum ein und singend gaben sie mit dem walisischen Lied „Ar hyd y nos“ oder all „through the night“ Sprachunterricht – zwei Strophen walisische, zwei Strophen englisch und eine Strophe in Deutsch. Den Abschluss sollte die Rose von Bette Midler bilden – was für eine Vorführung. Es passte zu dem One night Stand – hier wie dort wurde das Gefühl von Tränen, Träumen und Traurigkeit beschrieben. Natürlich durfte nach so einem Vortrag eine Zugabe nicht fehlen, die auch gleich mit einer wunderschönen Interpretation von „Parting Glass“ gegeben wurde.
Nach zwei Chören kehrte der Abend sich erst mal vom a-capella Gesang ab und eroberte den Blues. Frank en Piet – schon einmal Gast beim Folkclub gewesen – kamen direkt aus Belgien auf die Bühne und bluesten was das Zeug hielt. Leider habe ich den Namen des ersten Titel nicht mitbekommen, aber Gesang, Gitarre und Bass haben mich auch ohne Namen in ihren Bann gezogen. Später kamen dann auch noch Mundharmonika und Tambourin auf einer Hihat Fußmaschine hinzu und so wurden die musikalische Erklärung, was Frank en Piet den ganzen Tag lang tun (Sing my life away), ein weiteres biografisches Detail (I sing the blues) und als Zugabe eine Inhaltsangabe (singing songs of freedom) zu einer Lehrstunde des Blues. Blues ist mehr als 12 Takte in einer Kadenz aufgeteilt. Blues ist Gefühl, Blues ist Seele, egal in welchem Takt. Auch hier ein Sprung direkt in die zweitel Hälfte des Abends, denn Frank en Piet machten nach der Pause dort weiter, wo sie vorher aufgehört hatte. Mitten im Blues. Auch beim Thema knüpften sie mit dem Lied „singing from my way to freedom“ dort an, wo sie aufgehört hatten. „Be for real“ wurde dann noch als Lied genommen, welches aus dem Leben von Frank en Piet erzählte. Beim letzten Song (zumindest vor der Zugabe) nahm aber niemand die beiden mehr ernst, denn wie könnten sie so einfühlsam für ein Publikum singen, welches sie hassen? „I hate my public, I’m only here for money“ so ihre Aussage. Das Publikum rächte sich natürlich sofort, indem es die beiden auch ohne Geld einfach weitersingen ließ. Eine eindeutige Entscheidung für die Zukunft. Franke en Piet dürfen/ sollen immer wieder kommen.
Nach den beiden wieder a-capella. Ralf Gogo freute sich alle wieder zu sehen, was er mit seiner Interpretation des Alan Taylor Songs „It’s good to see you“ zum Ausdruck brachte. Danach sang er gemeinsam mit dem Publikum das große politische Lied von Joan Baez „Here’s to you“ welches als Protestlied gegen die Hinrichtung von Gewerkschaftsfunktionären geschrieben wurde.
Dann war wieder mehrstimmiger Gesang angesagt. Funny Thursdays kam als Chor in großer Anzahl auf die Bühne. Ihr Chorleiter Hansjörg Schall - in Folkclubkreisen auch Mister Paprika genannt, weil, wer so intensiv aktiv ist, muss Paprika im A… haben - er verstand es mit viel Witz und musikalischem Können zu zeigen, wie harte Arbeit Spaß machen kann. Ob mit französischer Ansage die mehrstimmige Interpretation von Champs Elysee angekündigt wurde, ob eine sentimentale Reise (Sentimental Journey) mit kölschen Kommentaren versehen oder ob ein 800 Jahre altes Lied als „noch nicht so alt, die Chinesen können noch älter“ oder „ist 800 Jahre alt, aber groovt wie Teufel“ kommentiert wurde, Funny Thursday machte vor, dass die älteste friedliche Kommunikationsform der gemeinsame Gesang ist. In diesem Sinne wurde das Publikum direkt mit einbezogen und musste einen kleinen Kanon als Begleitung des großen Kanons singen.
Last but not least (auch, weil ja danach der zweite Part von Linda Sutti kam, aber darüber habe ich ja schon berichtet), kam fresh! auf die Bühne. Schon nach dem ersten Lied (No more Sorow) erklärten sie: Wie ihr sicher erkannt habt, das war Barber Shop (Wikipedia: Barbershop-Gesang ist überwiegend homophone A-Cappella-Musik mit einem vierstimmigen Akkord auf jeder Melodienote. Die Melodie wird von der Führungsstimme („lead“) gesungen; diese liegt unter dem Tenor. Der Bass singt die tiefsten Begleittöne, während der Bariton die Akkorde vervollständigt.“). Und weiter ging es in guter Frisör Manier mit Satzgesang der Melodien „You are my sunshine“ und „Midnight Serenade“. Auch fresh! musste eine Zugabe geben und die hatte es in sich. Trude Herr wurde sozusagen auf die Bühne geholt, als die Aussage „Niemals geht man so ganz“ musikalisch erläutert wurde.
Was bleibt noch zu sagen?
dass John Harrison mit Linda Sutti and all together now das Prestige Auto der Deutschen auf die Bühne holten und Janis Joplin eine Hommage mit „Mercedes Benz“ brachten. Paolo Pacifico stellte hier wieder einmal seine Klasse vor, indem er mal ganz spontan eine Strophe dieses Liedes auf der Mundharmonika interpretierte.
und natürlich, dass auch diesmal wieder der Schirmherr des Club gebührend zum Schluss geehrt wurde – Jock Stewart, ohne ihn geht beim FCB gar nichts.
Aber dann ging es los. Mit dem kleinen Wörtchen „If“, welches als Einleitung des Konjunktives die Welt verändert, führte John Harrison in gesungener Gedichtsform in das Thema des Tages – A Capella – ein. A Capella bezeichnet nach Wikipedia in der Ära ab dem späten 16. Jahrhundert eine Kompositionsweise für mehrstimmige kirchliche Vokalensembles mit fakultativer Instrumentalbegleitung, ab dem 19. Jahrhundert Chormusik ohne Instrumentalbegleitung, heute ein Genre der Popmusik, bei dem ein Close-Harmony-Vokalensemble ohne oder mit minimaler Instrumentalbegleitung auftritt und einen Teil eines Musikstücks der Popmusik, bei dem die Instrumentalbegleitung aussetzt. Nun wisst ihr’s .
Weiter ging es mit einer a-capella Interpretation des allseits bekannten irischen Liedes „Danny Boy“. Lieber John, das war große Spitze. Ähnlich gerührt war ich bei diesem Lied bisher nur vom Vortrag von Sinead O’Connor – natürlich auch a-capella.
Paolo Pacifico setzte den Reigen mit dem Lied "Birds been blue" fort. Eine Annette, die er von seiner Wanderschaft durch Frankreich mitgebracht hat – viel Zeit zum Singen hat man ja beim Wandern.
Den ersten Bruch in der a-capella Reihe brachte John Hurd mit seiner Hommage an B.B. King und dem Lied „One kind favour“ auf die Bühne, nämlich eine Gitarre. Aber erstens ist das ja nach Wikipedia erlaubt (minimale Instrumentalbegleitung) und zweitens wollte John eine Überleitung zum ersten special Guest des Abends bereiten. Nach dem beeindruckenden Vortrag von John Hurd blieb nämlich die Gitarre gleich auf der Bühne. Diese hatte er sich von Linda Sutti geliehen, die nun mit einer unwahrscheinlich schönen und zugleich ausdrucksstarken Stimme ein paar ihrer eigenen Lieder vortrug. Leider ist Linda es nicht gewohnt ohne Anlage zu spielen und so schön ihre Stimme ist, sie ist auch leise. In Kombination mit dem schönen Wetter, vielen Besuchern (und anderen Gästen), die auf der Terrasse saßen, und weit geöffneten Türen kamen so ihre schönen Texte von „Hurry“ und „With a thrill“ nicht über die ersten zwei Reihen des Publikums hinaus. Beim dritten Lied „Sunday“ hatte sie aber das Publikum in der Hand. Jetzt war Aufmerksamkeit pur angesagt und Linda erlebte, was es heißt im Folkclub Bonn zu spielen. Keine Musik aus Lautsprechern, aber ein Publikum was auch in großer anwesenden Anzahl leise, konzentriert und mit viel Spaß zuhören kann. Um es vorweg zu nehmen. Auch in ihrem zweiten Teil hatte Linda die gesamte Aufmerksamkeit auf ihrer Seite. Jeder konnte ihr dann auch ansehen, wie sie sich selbst wunderte und sich über die einzigartige Atmosphäre des FCB freute, die sich in der freudige Entgegennahme von Musik als Geschenk und der spontanen Fähigkeit des Publikums mit zu machen ausdrückt. Drei weitere, eigene komponierte Lieder waren in ihrem zweiten Auftrittsteil zu hören: „Wild Skies“ gleichzeitig auch Titel ihrer CD, „Down on the Road“ mit dem sie bewies, dass sie auch abwechslungsreich Gitarre spielen kann und „Biggest fish in the River“ sind alle auch auf ihrer CD zu hören. Aber damit nicht genug. Eine Zugabe war Pflicht und lautstark forderte das Publikum auf ihre Frage „You want an original or a cover“ natürlich ein original – wenngleich mit dem Zusatz „und danach ein cover“. Also zwei Zugaben. „Bicycles“ als Eigenkomposition (also nicht das von Queen ) und dann der schöne Aretha Franklin Titel „Chain of fools“. Hier erklangen vokale Improvisationen als Unterstützung für Linda aus verschiedenen Bereichen des Publikums. Linda hatte ihren Spaß und einen großen Auftritt.
Aber Sprung zurück in die erste Hälfte des Folkclub Abends. Nach Lindas Gesang erklommen vier Musiker die Bühne – paritätisch ausgewogen oder gegendert, jedenfalls zwei Frauen und zwei Männer, mit dem selbsterklärendem Namen JUST 4. Trotzdem wurde ein wenig erklärt und die Geschichte erzählt, wie sich vier Menschen zusammenfanden, sangen und sich eben diesen Namen gaben, dann aber einer wieder ausschied (der übrigens Santiago hieß) und das Glück es wollte, dass Stefan, mit dem Anfangsbuchstaben „S“ zu Ihnen stieß und so der Name erhalten bleiben konnte – nicht weiter ausgeführt, ist hier der Schluss zulässig, dass jeder Buchstabe des Wortes „Just“ für einen Vornamen steht. Aber nicht genug mit solchen Wortspielereien. Das erste Stück wurde eingeleitet mit der Bemerkung, dass die Begrüßung von John „Laaaadiiieees… (hatten wir das nicht schon mal) uneingeweihte Erstbesucher des Folkclubs nicht nur erschreckt, sondern eingeweihte Besucher auch happy macht – was liegt näher, als das Lied „Happy“ von Pharel Williams zu singen (hach, wenn die Brücken dieser Welt alle so leicht zu begehen wären). Beschwingt und vierstimmig, intonationssicher und mitreißend brachten die vier Juster das Publikum so richtig in Fahrt. Weiter ging es mit Bloom aus der Moon Safari und den Abschluss macht die kalifornische Barbara, der von den Beach Boys spontan auf einer Party ein Lied gewidmet wurde. Die Party des Folkclubs war zwar nicht in Kaliforniern, aber die Temperatur des Abends, die Sonne und die Stimmung ließen „Barbara Ann“ nichts vermissen. Und wenn der Applaus die Bezahlung für die Künstler ist, sind Just 4 reichlich bezahlt worden – wenn die sichtbare Freude über solchen Applaus die Bezahlung des Publikums ist, so ist auch dieses mehr als nur entlohnt worden. Ich habe selten so glückliche Gesichter während des Applaus‘ gesehen.
Wer hätte das gedacht – eine Orgie im Folkclub und dann auch noch eine richtig unanständige. Ein „One Night Stand“ auf der Bühne, mit 13 Personen – wenn das nicht Feuer, Temperament und Emotionen verspricht. Und genau das hat er gebracht. Singend kamen die 13 mit dem Lied „Cueca Boliviana“ in den Raum, singend bezogen sie ihr Publikum ein und singend gaben sie mit dem walisischen Lied „Ar hyd y nos“ oder all „through the night“ Sprachunterricht – zwei Strophen walisische, zwei Strophen englisch und eine Strophe in Deutsch. Den Abschluss sollte die Rose von Bette Midler bilden – was für eine Vorführung. Es passte zu dem One night Stand – hier wie dort wurde das Gefühl von Tränen, Träumen und Traurigkeit beschrieben. Natürlich durfte nach so einem Vortrag eine Zugabe nicht fehlen, die auch gleich mit einer wunderschönen Interpretation von „Parting Glass“ gegeben wurde.
Nach zwei Chören kehrte der Abend sich erst mal vom a-capella Gesang ab und eroberte den Blues. Frank en Piet – schon einmal Gast beim Folkclub gewesen – kamen direkt aus Belgien auf die Bühne und bluesten was das Zeug hielt. Leider habe ich den Namen des ersten Titel nicht mitbekommen, aber Gesang, Gitarre und Bass haben mich auch ohne Namen in ihren Bann gezogen. Später kamen dann auch noch Mundharmonika und Tambourin auf einer Hihat Fußmaschine hinzu und so wurden die musikalische Erklärung, was Frank en Piet den ganzen Tag lang tun (Sing my life away), ein weiteres biografisches Detail (I sing the blues) und als Zugabe eine Inhaltsangabe (singing songs of freedom) zu einer Lehrstunde des Blues. Blues ist mehr als 12 Takte in einer Kadenz aufgeteilt. Blues ist Gefühl, Blues ist Seele, egal in welchem Takt. Auch hier ein Sprung direkt in die zweitel Hälfte des Abends, denn Frank en Piet machten nach der Pause dort weiter, wo sie vorher aufgehört hatte. Mitten im Blues. Auch beim Thema knüpften sie mit dem Lied „singing from my way to freedom“ dort an, wo sie aufgehört hatten. „Be for real“ wurde dann noch als Lied genommen, welches aus dem Leben von Frank en Piet erzählte. Beim letzten Song (zumindest vor der Zugabe) nahm aber niemand die beiden mehr ernst, denn wie könnten sie so einfühlsam für ein Publikum singen, welches sie hassen? „I hate my public, I’m only here for money“ so ihre Aussage. Das Publikum rächte sich natürlich sofort, indem es die beiden auch ohne Geld einfach weitersingen ließ. Eine eindeutige Entscheidung für die Zukunft. Franke en Piet dürfen/ sollen immer wieder kommen.
Nach den beiden wieder a-capella. Ralf Gogo freute sich alle wieder zu sehen, was er mit seiner Interpretation des Alan Taylor Songs „It’s good to see you“ zum Ausdruck brachte. Danach sang er gemeinsam mit dem Publikum das große politische Lied von Joan Baez „Here’s to you“ welches als Protestlied gegen die Hinrichtung von Gewerkschaftsfunktionären geschrieben wurde.
Dann war wieder mehrstimmiger Gesang angesagt. Funny Thursdays kam als Chor in großer Anzahl auf die Bühne. Ihr Chorleiter Hansjörg Schall - in Folkclubkreisen auch Mister Paprika genannt, weil, wer so intensiv aktiv ist, muss Paprika im A… haben - er verstand es mit viel Witz und musikalischem Können zu zeigen, wie harte Arbeit Spaß machen kann. Ob mit französischer Ansage die mehrstimmige Interpretation von Champs Elysee angekündigt wurde, ob eine sentimentale Reise (Sentimental Journey) mit kölschen Kommentaren versehen oder ob ein 800 Jahre altes Lied als „noch nicht so alt, die Chinesen können noch älter“ oder „ist 800 Jahre alt, aber groovt wie Teufel“ kommentiert wurde, Funny Thursday machte vor, dass die älteste friedliche Kommunikationsform der gemeinsame Gesang ist. In diesem Sinne wurde das Publikum direkt mit einbezogen und musste einen kleinen Kanon als Begleitung des großen Kanons singen.
Last but not least (auch, weil ja danach der zweite Part von Linda Sutti kam, aber darüber habe ich ja schon berichtet), kam fresh! auf die Bühne. Schon nach dem ersten Lied (No more Sorow) erklärten sie: Wie ihr sicher erkannt habt, das war Barber Shop (Wikipedia: Barbershop-Gesang ist überwiegend homophone A-Cappella-Musik mit einem vierstimmigen Akkord auf jeder Melodienote. Die Melodie wird von der Führungsstimme („lead“) gesungen; diese liegt unter dem Tenor. Der Bass singt die tiefsten Begleittöne, während der Bariton die Akkorde vervollständigt.“). Und weiter ging es in guter Frisör Manier mit Satzgesang der Melodien „You are my sunshine“ und „Midnight Serenade“. Auch fresh! musste eine Zugabe geben und die hatte es in sich. Trude Herr wurde sozusagen auf die Bühne geholt, als die Aussage „Niemals geht man so ganz“ musikalisch erläutert wurde.
Was bleibt noch zu sagen?
dass John Harrison mit Linda Sutti and all together now das Prestige Auto der Deutschen auf die Bühne holten und Janis Joplin eine Hommage mit „Mercedes Benz“ brachten. Paolo Pacifico stellte hier wieder einmal seine Klasse vor, indem er mal ganz spontan eine Strophe dieses Liedes auf der Mundharmonika interpretierte.
und natürlich, dass auch diesmal wieder der Schirmherr des Club gebührend zum Schluss geehrt wurde – Jock Stewart, ohne ihn geht beim FCB gar nichts.
Donnerstag, 28. Mai 2015
Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 58 am 1. Mai 2015
Folk Club Nr. 58 am 1. Mai 2015 – Jahreszeiten
Der Folk Club
im Mai ist natürlich für das Thema „Jahreszeiten“ prädestiniert, denn in
welchem Monat wird mehr als im Mai über die Natur und insbesondere über das
erwachende Leben in Feld und Flur geschwärmt? Leider trübte auch diesmal ein
schreckliches Ereignis die Freude: Einige Tage zuvor gab es einen Zwischenfall
im Bereich Betreutes Wohnen des Vereins Haus Müllestumpe, bei dem ein
behinderter Bewohner durch Gewalteinwirkung eines Externen ums Leben kam. John
Harrison bat die Besucher um eine Schweigeminute.
Johns Lied
„St Louis Blues“ zum Einstieg in den Abend war dann auch recht passend zu dem
traurigen Ereignis. Natürlich durfte zum Auftakt auch ein Gedicht nicht fehlen.
„Dandelion“ ist der englische Ausdruck für den Löwenzahn (Verballhornung aus
dem Französischen – dent de lion), der um diese Jahreszeit die Wiesen mit einer
gelben Blütenpracht erfüllt, aber von vielen als Unkraut betrachtet wird. „The difference between a weed and a
flower is an opinion“ war Johns Kommentar dazu – Recht hat er. Aber der
arme Gärtner, der sein Gemüse nur mit Mühe gegen die zähen Korbblüher
verteidigen kann, hat irgendwie auch Recht. Auch ein Beitrag zum Thema des
Abends war Johns humorvolles Lied über die Ente „Zeppelina“, die es sich vor
Jahren zum Brüten im Harrisonschen Blumenkasten in Bad Godesberg gemütlich
gemacht hatte. John wurde dabei gekonnt und stilsicher von Paolo Pacifico
auf der Mundharmonika begleitet.
Mit einem
Lied aus Steve Crawfords schottischer Heimat ging es ins nächste Set.
Steve und Sabrina Palm sangen und spielten das Lied „Mill o’Tifty’s
Annie“ aus dem 17. Jahrhundert, das davon handelt, dass sich die Tochter des
Schmieds in den örtlichen Trompeter verliebt. Die Sache geht allerdings eher
traurig aus und endet in einem Ehrenmord der eigenen Familie an der Tochter.
Steves schöne Stimme und Sabrinas gekonnte, aber sparsame Geigenbegleitung
geben dem Lied die melancholische Stimmung. Lustiger ging es bei den
instrumentalen Tanzstücken der beiden zu, die mit großer Spielfreude und
wunderbarer Virtuosität vorgetragen wurden. Ein herzlicher Applaus für Steve
und Sabrina!
Mal etwas
Neues brachte Doris Meyer in den Folk Club, die eine Kurzgeschichte von
Reiner Kunze rezitierte und dabei musikalisch von Steven Perry auf der
Viola Caipira begleitet wurde. Doris Meyer, die Lehrerin im Ruhestand, die in
Bonn durch ihr Engagement für zahlreiche Projekte vor allem für Kinder bekannt
ist, gab der Geschichte „Der Dichter und die Löwenzahnwiese“ durch ihre
unvergleichliche Rezitationsstimme eine wunderbare Gestalt. Das scheinbar
Heitere der tiefsinnigen Geschichte um die Pflanze mit dem unbändigen
Lebenswillen (siehe oben – verflixtes Unkraut!) vermochte sie ebenso leicht zu
vermitteln wie die Aussage hinter dem Vordergründigen – wahrhaft meisterlich!
Heiter und
beschwingt kam Amor daher, der mit seiner Ukulele ein unterhaltsames
Potpourri verschiedenster Melodien darbrachte. Spektakulär war dabei, dass der
Musiker es tatsächlich fertig brachte, sein Instrument während des Spielens
nachzustimmen. Chapeau für Amor!
Nicht nur mit
gekonnten und höchst professionellen Berichten und Bildern vom Folk Club und
anderen Musikereignissen sondern gelegentlich auch mit eigenen Musikbeiträgen
wartet John Hurd auf – ein Tausendsassa! Diesmal hatte er sich das Lied
„And the Band Played Waltzing Matilda“ von Eric Bogle vorgenommen. Das Lied
handelt von der schrecklichen Schlacht vor Konstantinopel im ersten Weltkrieg,
bei der auf Seiten der Türken und der Entente insgesamt rund 100.000 Soldaten
zu Tode kamen und 250.000 verwundet wurden. Das Ereignis jährte sich aktuell
zum 100. Mal. Vor allem junge, unerfahrene Soldaten aus Australien und
Neuseeland wurden dabei auf britischer Seite „verheizt“. Mit dem australischen
Volkslied „Waltzing Matilda“ wurden damals die Soldaten beim Aufbruch nach
Europa verabschiedet. Bemerkenswert ist Eric Bogles Anklage der Arroganz und
Verantwortungslosigkeit der seinerzeitigen britischen Militärführung, die so
viele junge Männer in einem miserabel geplanten Feldzug in den sicheren Tod
führte und die Invaliden hernach einem elenden Schicksal überließ. Dies hebt
sich wohltuend von vielem Heldengeprahle ab.
Hermann
Josef Wolf alias „Fliege“ ging den 1. Mai als Tag der Arbeit und vor allem
des Arbeiterprotests an. „Komm Bruder trink dran, der Krug ist voll“ war sein
Beitrag zum Tage.
Gleich zu
sechst rückte die Truppe Zaiten-Pfeifer aus Windeck an. Die Gruppe
besteht aus Richard Wegmann (Klarinetten, Flöten und Gesang), Christoph
Nigg (Drehleier, Ukulele und Gitarre), Frank Christgen (Gitarren und
Gesang), Norbert Schuster
(Kontrabass), Gabi Manns (Schlagzeug)
und Marion Nigg (Gesang), die den
erkrankten Willi Fichtel (Gesang,
Flöten und Mandoline) vertrat. Ihre Musik sprühte vor guter Laune und heizte
dem Publikum gleich richtig ein. „Mädel lass zum Tanz dich führen“, das alte
Volkslied war mit der vielstimmigen Besetzung wunderbar vorgetragen. Noch gut
in Erinnerung ist das Lied der niederländischen Gruppe Bots „Sieben Tage lang“,
bei dem es vor allem ums Trinken geht. Das gilt auch für das Lied „Es gibt nur
Wasser“ von Santiano. Vielleicht waren die Liedtitel ein Ansporn an die
Müllestumpe-Besatzung, die Gäste nicht zu lang auf Getränke warten zu lassen.
Jedenfalls zeigte der stürmische Applaus, dass Zaiten-Pfeifer mit ihrer
schwungvollen Musik die richtigen (Z)Saiten beim Publikum zum Schwingen
gebracht hatten.
Kanadische
Musiker haben im Moment im Folk Club Konjunktur. Steve Perry hat offenbar seine
Beziehungen in das nordamerikanische Land heftig wirken lassen – dickes Lob an
Steve. Mit Don Alder durften wir erneut einen echten Profi begrüßen, der
auf seinen Gitarren wirklich alles kann. Ähnlich wie Ende März Simon Wahl setzt
Don seine Gitarren nicht nur für die Melodien ein, sondern nutzt das gesamte
Instrument einschließlich Korpus, um zusätzlich auch Perkussionseffekte zu
erzeugen. Das Ergebnis ist einfach grandios. Beschreibungen sind dafür
schlichtweg zu banal. Wer nicht dabei war, muss sich Don einmal bei einem
seiner anderen Konzerte anhören oder YouTube einen Besuch abstatten. Vielleicht
kommt Don ja nächstes Jahr wieder nach Deutschland. Seinen Auftritt startete er
mit einem Instrumental als Danklied an alle Mütter. Angeblich wollte er ja
ursprünglich lieber Schlagzeuger werden, aber seine Mutter zog es vor, ihm eine
Gitarre zu kaufen. So verband er seinen Wunsch mit den ihm gegebenen
Möglichkeiten und nutzt nun die Gitarre zugleich auch für die Perkussion. Bei
„The Loving Life“ war auch Dons schöne Stimme zu hören. Das Lied handelt von
der Einsicht, dass, gleich welche Wahl man trifft, man mit dem Ergebnis leben
muss. Noch einmal absolute Fingerakrobatik war bei „Going Rogue“ zu hören. Im
zweiten Set nach der Pause präsentierte Don auch seine weiteren Instrumente
u.a. eine Baritongitarre, mit der ein Lied über seine Großmutter spielte, die
vor kurzem ihren 100. Geburtstag gefeiert hatte. Der Star seiner
Gitarrensammlung war aber die große Harfengitarre, der er trotz ihrer Größe
zarte und fast sphärische Töne entlockte – riesiger Applaus für einen großartigen
Auftritt
Seine Liebe
zu den Bergen und sein Leben, das von häufigen Ortswechseln geprägt war,
verarbeitet Bill Perry in zahlreichen seiner Lieder. Steve hatte
seinen „großen“ Bruder Bill als besonderen Gast eingeladen, seine Lieder mit
ihm zusammen im Folk Club vorzustellen. „Farewell Vancouver Island“ erzählt von
einem solchen Abschied von der stürmischen und rauen kanadischen Westküste. Bei
seinem Aufenthalt als Soldat in Deutschland hatte Bill auch deutsche Berglieder
kennen gelernt. Es mutet schon etwas seltsam an, einen Kanadier „Ich bin ein
Bergvagabund“ singen zu hören. Beim gekonnten Jodeleinsatz war dann die
kognitive Dissonanz de Publikums komplett – großartig! Auch beim lustigen Lied
im Dreivierteltakt „Too Long in the Valley“ gab es zur großen Freude des
Publikums eine Jodeleinlage. Vielen ist hierzulande gar nicht bekannt, dass
bestimmte Formen des Jodelns, d. h., des abrupten Wechsels zwischen Brust- und
Kopfregister durchaus auch in der Musik der Cowboys in Nordamerika gepflegt
wurde. Sehr witzig war die Präsentation eines alten Webejingles einer
amerikanischen Wurstfabrik, bei der der Slogan „Handschuhmacher“ ziemlich stark
an den heutigen Werbejingle einer schwäbischen Müslifirma erinnert.
Beeindruckend war auch das Lied über einen schweren Zugunfall in den Bergen,
über den Steve nachher erklärte, dass die Geschichte legendenhaft übertrieben
worden sei. Dabei habe es sich lediglich um einen entgleisten Milchsammelzug
gehandelt, und niemand sei zu Schaden gekommen. Mit „Bear Tracks“ besangen die
beiden den großen Bär in den Appalachen und mit einem Lied über den Walfang,
den es in den Jugendjahren der beiden vor der Küste von Connecticut und
Massachusetts noch gab, beendeten sie Ihren Auftritt – Bravo Bill und Steve.
Die
Gitarristen Sascha Cohrs und Janis Hecht, unterstützt von Thomas am Cajon treten unter dem
witzigen Namen Pony und Kleid auf
und präsentierten zwei eigene Lieder: „Die Idee ist gut, doch die Welt ist noch
nicht bereit“ beschreibt die Situation, wenn man mit seinen gut gemeinten Ideen
bei den Mitmenschen auf Unverständnis und „gar keine Zeit“ trifft. Zur Melodie
von Lou Reeds „Walk on the Wild Side“ gibt es das Lied „Junge, du könntest so
heiß sein“. Anders als nach der Ankündigung von Sascha zu vermuten, ist es aber
nicht ein flottes Sommerlied sondern besingt das eher traurige, gescheiterte
Leben von Heinz-Jürgen, der nicht von der Mutter loskommt.
Ja und das
war noch nicht alles! Pisco Sour
nennt sich eine Truppe überwiegend südamerikanischer Musiker um John Hay. Darin spielt Juan Maria Isaza-Kazolis die Panflöte
und singt, John spielt Gitarre und
singt, Maria und Adriana singen, José bedient das Schlagzeug, und Thomas Monnerjahn verstärkt die Truppe mit seiner Gitarre. Pisco
Sour ist das Nationalgetränk der Peruaner und los geht’s mit einem Lied, das
als Nationallied der Peruaner gilt: „Ojos Azules – Blaue Augen“. Weiter bewegt
sich die Gruppe nach Kolumbien mit dem Lied „La Tierra del Olvido – Das Land
des Vergessens“ – Lebensfreude pur. Weiter Richtung Süden zieht Pisco Sour nach
Brasilien und spielt den Partyhit „Ai Se Eu Te Pego“ von Michel Telo, der
ansatzlos in Bob Marleys „No Woman No Cry“ übergeht – großer Spaß und viel
Applaus für Pisco Sour!
Nach diesem
proppenvollen Programm zeigte die Uhr gut 23 Uhr, aber Zeit für den
abschließenden Rausschmeißer „Jock Stewart“ musste natürlich sein.
Auf
Wiedersehen beim nächsten Folk Club am 5. Juni. Wir erwarten dann als besondere
Gäste Frank Engelen und Piet Vanhoutte aus Belgien, die bereits
im Oktober 2013 im Folk Club auftraten. Ferner hat sich Linda Sutti aus
Italien angekündigt. Wir dürfen wieder auf einen spannenden und unterhaltsamen
Abend hoffen.
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