Sonntag, 31. Juli 2016
Mittwoch, 13. Juli 2016
Marios Bericht vom Folk Club Nr. 71 am 1. Juli 2016
Ladies,
Hounds and Gentlemen
Ja,
ihr habt richtig gelesen. Es hat den Anschein, als müsse der musikalische
Schlachtruf unseres Masters of Folkclub erweitert werden – obwohl, noch laufen
die Untersuchungen, ob sich der anwesende Hund erschrocken hat und deshalb
bellte oder ob seine Stimme einen Protest gegen die ständige Unterdrückung der
Rechte des Hundes am musikalischen Werk des Volkes ausdrücken sollte. Nun denn,
sei es wie es sei – der altbekannte Ruf von John Harrison brachte sowohl
Ruhe wie auch Spannung auf den Abend in das Publikum. Dieses war wieder
zahlreich vertreten und so zeigte sich, dass ein Folkie, abweichend vom
gewöhnlichen Homo Sapien, mehr ist als ein Gewohnheitstier. Schon zum zweiten
Termin hat sich die FCB Gemeinde an das neue Domizil gewöhnt und in einer
„orientierenden Abfrage“ sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, den neuen
Veranstaltungsort beizubehalten.
Ein
wenig „blamed“ ob des Brexits kommentierte John die Abstimmung seiner
Landsleute und erläuterte. dass er nicht nicht mit abstimmen durfte, da er
bereits seit über 15 Jahren nicht mehr im Königreich lebt – bei der Knappheit
des Ergebnisses wäre es wahrscheinlich anders ausgefallen, wenn alle, die die
Vorteile einer Einheit Europa kennengelernt haben (so wie John) mit hätten
abstimmen dürfen. Aber, was nutzt es „Wenns“ und „Hättes“ aufzuzählen... Viel
wichtiger ist es doch, dass die Musik bereits viel weiter ist. Hier reden wir
nicht über Europa, sondern schon lange über Weltmusik – hier erfreuen wir uns
auch im Folkclub regelmäßig internationaler Künstler mit zollfreier Musik. Und
so fing es denn auch direkt mit Musik aus Übersee an. Edward Kennedy Ellington
besser bekannt als Duke Ellington komponierte das Stück „Rocks in my Bed“
welches John nicht nur metaphorisch nutzte (die weggenommene Geliebte Europa
oder GB aus Europa legt ihm Steine aufs
Gemüt und lässt in nicht mehr schlafen), sondern ihm auch die Möglichkeit gab,
sein Können am Klavier zu zeigen. Fast schon selbstverständlich, dass Paolo
Pacifico ihn auf seiner Mundharmonika unterstützte. Ob es spontan geschah
(wegen der Showeinlage des anwesenden Hundes bei der Begrüßung) oder ob es
geplant war, wird sich dem Zuhörer wohl nie erschließen, auf alle Fälle
brachten John und Paolo als nächstes Stück den 200 Jahre alten „Hunting
Song“ von John Clare, der davon erzählt wie ein „schlauer“ Fuchs zu lange
in der Nacht gejagt hat und deshalb am nächsten Morgen noch nicht in seinem
Versteck war, sondern direkt in eine Jagdgruppe lief – ob die Hunde in erlegten
oder nicht, bleibt dem Geschmack des Zuhörenden zu happy oder unhappy Ends
überlassen.
Als
nächstes erklomm ein „Back officer“ die Bühne des Folkclubs. Gerd Haug,
seit dem ersten Folkclub der Folkclubidee verschrieben und treu, ist eine
„Gelingensbedingung“ im Hintergrund der monatlichen Veranstaltung. Gerd sorgt
sich um das Klavier, in dem er es regelmäßig stimmt und kleinere
Reparaturen direkt durchführt – aber er
kann nicht nur technisch mit diesen Musikinstrumenten umgehen, sondern
beherrscht auch seine Bedienung, was er eindrucksvoll mit den Liedern „Memories“
und „Misty“ unter Beweis stellte. Gerd ist ein weiteres Beispiel, dass
zusammenwachsen und Zusammengehörigkeit und gegenseitige Verantwortung ein
Erfolgsmodell ist – und nicht Abspaltung (aber ich will das Thema Brexit nicht
schon wieder aufnehmen).
Ein
weiteres Beispiel für Erfolg durch Zusammenwachsen haben uns Thomas
Monnerjahn und Werner Krotz-Vogel vorgeführt. Im Folkclub
kennengelernt und musikalisch ähnliche Stilrichtungen vertretend, haben sie
sich bereits mehrfach zusammengetan und den Zuhörern den besonderen Genus der
nicht nur begleitenden, sondern der aussagenden Gitarren nahe gebracht. Es ist
faszinierend zu erleben, wie Töne ohne Worte Geschichten erzählen können, wenn
sie zusammengehören und durch ihre Harmonie Brücken bauen, aber auch mit
Dissonanzen das alltägliche Leben beschreiben. Eine Hochzeit (bitte erste Silbe
mit langem „o“ aussprechen) dieses Genres außerhalb der Klassik waren die
mittleren 60er bis späten siebziger Jahre mit Namen wie Leo Kottke oder dem Duo
Kolbe und Illenberger. Die Musik des letztgenannten Duos brachten Thomas und
Werner dem FCB Publikum dar. Und wer gedacht hätte, dass Geschichten aus
Gitarrenmusik erst langsam verstanden werden müssen, wurde durch den schon fast
frenetisch zu nennenden Applaus eines besseren belehrt. Thomas und Werner
verstehen es nicht nur alleine eine perfekte Gitarre zu spielen, sondern
harmonieren im Zusammenspiel sehr gut und bringen so die Inhalte der wortlosen
Kunst rüber. Wen verwundert es da noch, dass nach den geplanten Stücken „Opening“,
„Sommerabend“ und „Veitstanz“ noch eine Zugabe her musste. Auch
hier bewiesen die Beiden ihr Gespür für das Publikum und wählten den allseits
bekannten Beatles Song „Norwegian Wood“ aus, der allerdings nicht zum
„Mitgrölen“ anregte, sondern die Tonführung in den Vordergrund stellte. So
wurde die Melodie mitgesummt und das Gitarrenspiel blieb der Mittelpunkt.
Was
tut man, wenn man für längere Zeit liebe Freunde verlässt? Man verabschiedet
sich – und das taten auch 2Sunny (namentlich als Ralf und Tatjana
bekannt). Natürlich ließen sie als Gruß das zurück, wofür sie geliebt werden –
Musik zum zuhören und mitmachen. Da die Zwei sich in ein europaweites,
musikalisches Sabbatical begeben, um mit vielen, neu kennenzulernenden Menschen
Musik zu machen, haben sie für ihren Abschieds FCB Lieder ausgesucht, die
sowohl ihrer Reise entsprechen, als auch die Gemeinsamkeit (das gemeinsame Musizieren)
betonen. Mit „Heute hier, morgen dort“, „Life“ und „You've got
a friend“ brachten sie Klassiker der Mitsingtradition mit und schafften es
eine ausgewogene Balance zwischen reiner Lebensfreude und musikalischem
Anspruch herzustellen. Glücklicherweise ist der Abschied nur auf Zeit ausgelegt
und ich bin mir sicher, dass wir im nächsten Juli, spätestens September ein
fulminantes Willkommenskonzert von ihnen hören werden – natürlich mit vielen
neu entdeckten Liedern.
Als
featured Artists kamen nun Gerd Schinkel mit Kanuten zum Zug. Sowohl in
der Kanuten Kombination wie auch (zumindest teilweise) als Einzelkünstler
bekannt, stellten sich Gerd Schinkel, Wolfgang Kassel, Frank Tschinkel und
GeWe Spiller wieder einmal musikalisch mit Lieder von Gerd Schinkel vor.
Gerd ist ein Vielschreiber, der es liebt, neben eigenen Melodien auch schöne
Lieder anderer mit eigenen Texten neu zu gestalten und sie so in aktuelle
Situationen zu übersetzen. Eine Tradition, die auch viele andere Liedermacher/
Singer- Songwriter pflegen, die Wert auf textliche Inhalte legen. Nicht nur mit
ihrem ersten Lied, sondern auch als Erste des Abends griffen die Kanuten mit
dem Lied „Der Papa backt“ das Motto des FCB 71 auf – Küchenlieder -.
Wenngleich ich erst eine andere Assoziation mit Küchenlieder verband, so ist es
doch folgerichtig, da das Handwerk des familiären Backens in der Küche
betrieben wird und somit ein Lied darüber ein Küchenlied ist. Von der Küche
paddelten die Kanuten aber ganz schnell wieder zu aktuellen, politischen Themen.
Ich kenne Gerd schon sehr lange und so auch sehr viele seiner Lieder – ich darf
sagen, dass er mit dem Lied „Paris“ das für mich schönste,
ansprechendste und gleichzeitig aufrüttelndste Lied geschrieben hat. Es drückt
einen emotionalen Protest gegen Terrorismus und Gewalt aus und versteht es
diesen in ein mit der Stadt Paris verbundenes Gefühl zu verweben, so dass nicht
nur Zorn gegen etwas erweckt wird, sondern auch viel Traurigkeit um den Verlust
eines emotionalen Wahrzeichens (Paris als Inbegriff der Lebensfreude), aber
auch, denn Liedermacher geben nie auf, die Hoffnung auf einen Sieg über
Fanatismus, Terroismus und andere „-ismusmen“ erhält. Mit den nächsten beiden
Liedern („Das Meer ist heilig“ - hier weiß ich nicht, ob der Titel
richtig ist, aber die Zeile kommt im Text mehrfach vor, und „Dann bleib halt
jung“) bewies Gerd, dass neue Texte bereits existierende Lieder neu beleben
können. Mein Urteil steht fest – mit der erweiterten Instrumentierung (Bass,
Mandoline, Mundharmonika) haben die Lieder sehr gewonnen.
So
schön die neue Heimstatt des Folkclub auch ist, ein Raum gefüllt mit etwa 80
Personen an einem heißen Sommertag wird einfach sehr warm – so war es nicht
verwunderlich, dass alle die anstehende Pause begrüßten und sich mit frischer Luft für die zweite Hälfte
versorgten. Diese (die zweite Hälfte) wurde mit der bekannten und geschätzten
Kunst von Barry Roshto eingeläutet, in dem er durch Klaviertöne erst
alle Zuhörer wieder auf ihre Plätze dirigierte und dann mit Annette Huismann
und einem gemeinsam vorgetragenen Lied den Boden für die weiteren Künstler
bereitete (leider war ich selbst noch an der frischen Luft, so dass ich nicht
mitbekommen habe, welches Lied gesungen wurde).
Jutta
Mensing, die
Organisatorin der Folk im Feuerschlösschen Konzerte in Bad Honnef, hat früher
mit der norddeutschen Gruppe Moin professionell Musik gemacht und tourt auch
heute noch hin und wieder mit den alten Kämpen durch die Lande. Zum FCB 71 kam
sie frisch aus dem Norden und hat uns das Gefühl des Meeres in Form eines
vertonten Gedichtes von dem wohl bekanntesten norddeutschen Dichter Klaus Groth
mitgebracht. Das „Heimatlied“ beschreibt den Himmel über dem Meer
genauso wie die Luft am Meer und das Meer selbst. Jutta blieb mit dem nächsten
Lied im Norden, wobei sie von dem Instrument Stimme (zart begleitet von einer
Gitarre) zu ihrem zweiten Standardinstrument – der Geige – wechselte. „Pfingsten
in der Probstei“ ist ein Tanzlied, welches alleine durch seinen Rhythmus
das Bild eines Volksfestes mit Trachten, drehenden Tänzen und dörflichem Spaß
entstehen ließ. Persönliche Traurigkeit kann einen in den Wahnsinn treiben –
wie gut, wenn es dann Menschen gibt, die es verstehen die Kraft der Musik so zu
lenken, dass neue Hoffnung geschöpft wird – so ist es Jutta geschehen und
hieran wollte sie das Publikum teilhaben lassen, in dem sie das ihr geholfene
Lied zum Besten gab. „Mach das Leben schön“ ist ein Lied, dass Lüül von
den 17 Hippies Jutta mitgegeben hat, um ihren persönlichen Tiefpunkt zu
überwinden.
Was
wäre unsere Gesellschaft ohne soziales Engagement? Und wenn dieses Engagement mit besonderen Begabungen verknüpft
wird, entstehen wunderschöne Momente, die sowohl den gebenden wie auch den
empfangenden Personen Lebensfreude bescheren. Günther Peters, selbst
nicht mehr der Jüngste, beschert älteren Menschen solche Momente, indem er mit
ihnen am Klavier neue und alte Lieder singt. Neue insbesondere, in dem er
bekannten Melodien neue Gewänder verpasst (hatten wir das nicht schon bei einem
anderen Künstler?). In diesem Sinne schenkte er der „alten Folkclub Gemeinde“ einen neuen Text zu dem Lied „Auf
der grünen Wiese“. Damit es schnell und gut zusammen gesungen werden
konnte, brachte Günther auch gleich ausgedruckte Texte mit und so wurde aus
Bühne und Publikum ein gemischter Chor. Eine kleine Ragtimeimprovisation
leitete über zu einem Gedicht zur Verkündung einer wahren Lebensweisheit. „Die Alten“ beschreibt den
immerwährenden Kreislauf zwischen Jugend und Erfahrung, zwischen dem Suchen des
eigenen Weges und dem Folgen (oder Verweigern) von Ratschlägen und dem
Erkennen, dass ich nach Jahrzehnten plötzlich genauso geworden bin, wie die
Alten in meiner Jugend waren.
Mit
dem Duo Seltsam erklomm eine bisher im Folkclub noch nicht bekannte
Formation die (virtuellen) Bretter, die die Welt bedeuten. Seltsam ist nicht
nur Name des Duos, sondern auch Programm. Mit einer Mischung aus Rock, Balladen
und Jazz, mit plötzlich auftauchenden Charakteren aus bekannten Musikgrößen wie
beispielsweise Jethro Tull, aber insgesamt mit einem nur dem Duo eigenen Stil,
bestehend aus Gitarre, Saxophon, Querflöte und einer Stimme, die mal kratzend
bis fast kreischend, aber immer
intonationssicher daherkommt, verstanden die Beiden die Lust an mehr zu wecken.
Ihre eigenen Stücke „Me and my Music“, „Rain in Paris“ und „Heart
of the Warrior“ werden hoffentlich nicht die Letzten und Einzigen sein, die
den Folkclub bereicherten.
Ja,
die zweite Hälfte des Folkclubs geht irgendwie immer schneller voran als die
erste, was auch daran liegt, dass die FCB Hälften nicht mathematisch definiert
sind, und so waren schnell wieder die featured Artists, Gerd Schinkel mit
Kanuten, dran. Mit den Liedern „On the road again“, „Zu den Eltern
am Samstag“ und „The way we make a broken heart“ (natürlich mit
neuem deutschen Text) zeigten sie erneut auf, dass Zusammenspiel und das
gegenseitige Unterstützen von Stärken mehr schafft, als die Summe der
Einzelteile – und hiermit rundet der Chronist den Bericht ab, indem die Brücke
zum Ausgangspunkt gebaut wird. Menschen der EU haltet zusammen und macht mehr
draus – der Beweis wird auch zum Schluss eines jeden Folkclub geführt, in dem
der alles zusammenhaltende Patron Jock Stewart nie mehr als gemeinsam
gesungenen Lied fehlen darf.
Ich
freue mich, euch alle nach der Sommerpause am 02. September 2016 im Sträters
wiederzusehen.
Euer
Mario
Donnerstag, 30. Juni 2016
Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016
Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016 – Neuer Auftrittsort und neuer Schwung
Etwas
wehmütig wird vielen Freunden des Folk Club schon zumute gewesen sein. Nach
sechseinhalb Jahren in Graurheindorf und davon fast viereinhalb im Haus
Müllestumpe in Graurheindorf musste der Folk Club umziehen. Er hat vorläufig
ein neues Zuhause in der Sträters Sports Bar, dem Vereinslokal des Bonner
Tennis- und Hockey-Vereins gefunden. Erneut stellen sich die üblichen Fragen,
die wir bereits beim vorigen Umzug formuliert hatten: Wird sich das Publikum
auf den Weg ins fast zehn Kilometer entfernte Dottendorf machen? Wie ist die
Akustik? Wie ist die Versorgung mit Getränken und Essen? Um die Antwort kurz zu
machen: Alles war bestens. Bei der Akustik scheint der Folk Club sogar einen Glücksgriff
getan zu haben. Zum einen fehlen die beim Haus Müllestumpe so irritierenden
Geräusche von der Bar, da der Saal bei Sträters vollkommen abgeschlossen ist.
Zum anderen ist die akustische Beschaffenheit des Saales wie geschaffen für
Musik ohne Verstärker. Die treue Gemeinde hatte sich zudem auf die neue
Örtlichkeit eingelassen, und so waren rund 70 Personen im Saal (aus mindestens 8 verschiedenen Ländern und 5 Kontinenten) schon mal ein
guter Start. Immerhin kommen ja auch viele Besucher aus südlicheren Gefilden.
Für sie liegt Dottendorf nun einmal näher. Zu den Begünstigten gehört auch
unser Master John Harrison, der in Bad Godesberg wohnt – es sei ihm gegönnt!
Nun vom nicht
unwichtigen äußeren Rahmen zum Eigentlichen, der Musik. Wie bei allen der
bisherigen 69 Auflagen des Folk Clubs startete John Harrison auch diesmal den Abend mit seinen Warm up Beiträgen.
Passend zur Jahreszeit und zum thematischen Motto des Abends
(„Schlaflieder/Wiegenlieder“) spielte und sang er seine Version von George
Gershwins unsterblichem Lied „Summertime“ aus dem Musical Porgy and Bess. John
garnierte das wunderbar gesungene Lied mit einem tollen Gitarrensolo. John ließ
danach nicht die Gelegenheit aus, als erster auf dem von Gefolgsmann Gerhard Haug frisch gestimmten Klavier
zu spielen und sich beim Blues „St. James Infirmary“ zu begleiten. Auch dieses
Lied ist ein Wiegenlied aber eines der anderen Art. Es richtet sich an die im
Hospital verstorbene Frau. Dabei darf man sich aber nicht ein Krankenhaus wie
die Bonner Uniklinik oder das Johanniter Krankenhaus vor das geistige Auge rufen.
Die Zustände in der angesprochenen Krankenanstalt waren sicher ungleich
bedrückender. „Come On Into My Kitchen“ ist zwar kein Wiegenlied, hat aber als
reinrassiger Blues etwas Wiegendes. John begleitete sich hier zwischen den Gesangspassagen
ausschließlich mit der Mundharmonika – sehr apart! Als kleine Hommage an Bob
Dylan anlässlich seines 75. Geburtstages steuerte John dann Dylans Lied „Mr.
Tambourine Man“ bei, das vor allem in der Interpretation der Gruppe The Byrds
(ja, richtig mit „y“ anstatt mit „i“) bekannt geworden ist. Generationen haben
sich an der Interpretation des Textes abgearbeitet. Vielfach wird behauptet,
der Text sei eine Beschreibung eines LSD-Trips, und die Passage „Take me on a
trip upon your magic swirling ship ....“ deutet auf dergleichen hin. Am besten
man fragt den Meister selbst, was er sich bei dem Lied gedacht hat, noch ist es
möglich. Wesentlich rustikaler geht es zu beim Lied „On Ilkla Moor Baht’ At“,
einem vielfach umgedichteten und umgedeuteten Lied in der Mundart von Yorkshire,
das als Hymne dieser nordenglischen Gegend gilt. Die Version, die John Harrison und Steve Perry vortrugen ist ein witziges Lied, das letztlich das
ultimative Recycling jedes Lebewesens, in diesem Falle sogar des Menschen,
besingt. Die Moral lautet: Am Ende futtern wir mit Genuss die Enten, die sich
an den Würmern gelabt hatten, die den Wanderer in seinem Grabe aufgeknabbert
hatten, welcher durch seine Unvernunft, ohne Hut ins windige Moor zu gehen, zu
Tode gekommen war.
Nach solcher
Art deftigen Erkenntnisgewinns versorgte uns Janero del Rosario mit Liedern von der anderen Seite unseres
Erdballs, aus seiner Heimat, dem fernen Inselreich der Philippinen. Janero
erläuterte, dass dort die Wiegenlieder weniger dazu gedacht seien, die Kinder
in den Schlaf zu singen, als vielmehr sie zu unterhalten – Das ist ein Leben!
Die Kinder liegen dort, so Janero, auch eher in Hängematten und nicht in
Wiegen. „Ugoy ng Duyan“ könnte durchaus als Wiegenlied durchgehen. Das Lied ist
eine zarte Erinnerung an die Kindheit auf dem Arm der Mutter. Die drei weiteren
hübschen Lieder, die Janero a capella
vortrug, waren populäre Lieder, die auch bei Kindern beliebt sind, so z.B. das
Scherzlied „Leron, Leron Sinta“. Darin werden die Abenteuer eines Paares beim
Pflücken von Papayas und Tamarinde geschildert. „Manag Biday“ ist ein
unschuldiges Liebeslied und „Atin Cu Pung Singsing“ handelt von den Kummer
wegen eines verlorenen Rings, der von den Eltern geerbt wurde. Interessant an
den Liedern ist, dass die Melodien ganz und gar europäisch klingen.
Nach dieser
kleinen Einführung in das philippinische Volksliedgut präsentierten Steve Perry und seine frisch angetraute
Frau Regine Mertens zwei echte
Wiegenlieder: „All Through the Night“ gab es sogar neben der Englischen auch in
der walisischen Originalversion und das obendrein wunderbar zweistimmig
gesungen. Auf Walisisch lautet der Titel „Ar Hyd Y Nos“. Das Lied „All Night,
All Day Angels Watching Over Me“ war nach Regines Erinnerung das erste Lied,
das sie in englischer Sprache gehört hatte.
Eine kleine
Hommage an die Beatles, und zwar mit etwas weniger bekannten Liedern,
veranstalteten Karin Schüler und Gerald Löhrer unterstützt von Thomas Neuhalfen. „I, Me, Mine“ ist
eines der von George Harrison komponierten Lieder. „I Will“ ist eine
unglaublich zarte Liebeserklärung, die die drei berückend schön überbrachten.
„Till There Was You“, ist zwar durch die Beatles bekannt geworden, aber
komponiert wurde das hübsche Liebeslied von Robert Meredith Wilson für das
Musical „Music Man“. Die Version der Beatles ist aber alles andere als eine
bloße „Coverversion“.
Anke und Jörg
Bohnsack steuerten zwar kein Wiegenlied bei, aber eines, das mitten ins
Herz geht: „Min Jehann“ natürlich in plattdeutscher Sprache. Der Verfasser der
Zeilen, Klaus Groth, der große niederdeutsche Dichter, hatte sie im 19.
Jahrhundert für seinen verstorbenen Bruder geschrieben. Der Text ist voller
Trauer und Wehmut und dabei voller poetischer Schönheit. Dem von Ernst Licht
wunderbar einfach und doch kunstvoll vertonten Gedicht wurde unlängst sogar
eine ganz besondere Ehre zuteil: Es wurde anlässlich der Trauerfeier für
Altbundeskanzler Helmut Schmidt in der St. Michaeliskirche in Hamburg von
Jochen Wiegand in unnachahmlicher Weise gespielt und gesungen. Helmut Schmidt
hatte es sich ausdrücklich für seine Trauerfeier gewünscht. Das müsst ihr euch
auf Youtube anhören. Ganz gegen ihre Gewohnheit spielten Anke und Jörg diesmal
auch Lieder in englischer Sprache: „Norwegian Wood“ von den Beatles ist ein
böses Lied über einen enttäuschten Liebhaber, der die Möbel der Frau anzündet,
die ihm die kalte Schulter gezeigt hat: „So, I lit a fire, isn’t it good,
Norwegian wood?“ lautet die letzte Zeile. Dass Anke ihrem Jörg offenbar nicht
die kalte Schulter gezeigt hat, dokumentierten die beiden mit dem Lied „You Are
Always on My Mind“, einem Lied, das durch die Interpretation von Elvis Presley
berühmt wurde. Die Originalversion wurde von Brenda Lee gesungen. Jörg
behauptet, damit seit 40 Jahren jeden Abend Anke mit diesem Lied in den Schlaf
zu singen, also doch ein Wiegenlied – wunderbar!
Echte
Westernstimmung kam mit Ulf Below
alias Hardin auf, der in sich
komplettem Westernoutfit präsentierte – Willy Nelson wäre neidisch! Aber nicht
nur die Kleidung auch seine Musik war Country pur. „Call of the Wild“ von Chris
LeDoux ist ein Lied über das Leben in der Wildnis, und es kommt sogar ein Bezug
zu unserem Thema in der Zeile vor: „The north wind moans her lonesome lullaby“.
Ulf zeigte seine ganze Kunst auf seiner zwölfsaitigen Gitarre im lyrischen Lied
„The Weary Kind“ aus dem Film Crazy Heart. „Peaceful Waters“ ist ein Lied aus
Kanada und „Buffalo Grass“, ebenfalls von Chris LeDoux, ist nach Ulfs
Erläuterungen ein Lied über das echte harte Cowboyleben. Tolle Lieder und super
gesungen und gespielt von Hardin – eine echte Entdeckung für den Folk Club.
Dafür gab es großen Applaus.
Ein
Glanzlicht und ein heimlicher Favorit eures Hofberichterstatters sind die
Beiträge von Bernd Wallau mit seinen
„Nachtigallen“ Monica Baron-Kroker
und Sabine Hochstädter. Diesmal hatten sie nicht ganz einfache Kost zum Thema
des heutigen Tages mitgebracht. Schuberts bezauberndes Wiegenlied (Deutsch 498)
hatte Bernd für zwei Singstimmen umgewandelt, und Monica und Sabine gaben dem
Lied zu Bernds einfühlsamer Klavierbegleitung eine wunderbare Gestalt. Das Lied
„Abendglocken“ trugen die drei a capella vor. Bernd konnte dabei seine
herrliche Bassstimme zur Geltung bringen. Durchaus auch als Wiegenlied geeignet
ist das gefühlvolle Lied „Over the Rainbow“ aus dem Film „The Wizard of Oz“.
Auch für dieses Lied hatte Bernd eine wunderbare zweistimmige Version
geschrieben. Toller Applaus für Monica, Sabine und Bernd.
Schon lange
nicht mehr im Folk Club gehört wurden Ellen
Jeikner und Ralf Wackers, die
sich der irischen Musik verschrieben haben. Ellen und Ralf treten zusammen mit
zwei weiteren Musikern (Uwe Beyer und Marie-Luise Hartmann) auch in der Band
„Currach“ auf. Sie starteten ihr Set mit einem zweistimmigen irischen Lied, das
Ralf auf seiner Irish Bouzouki begleitete. In Gälischer Sprache ertönte danach
ein Lied über den Osteraufstand der Iren im Jahr 1916, also vor 100 Jahren. Den
Titel des Liedes konnte selbst Ralf nicht aussprechen. Dafür begleitete er
Ellen gekonnt auf seinem Akkordeon. Unterstützt von Ulf Below gab es zum Abschluss das Lied „Life Saver“ der finnischen
Band „Sunrise Avenue“ – super zusammen gespielt!
Der Knüller
des Abends aber waren Serena Finatti
und Andrea Varnier aus Norditalien.
Es ist schwer zu beschreiben: Die beiden kommen auf die Bühne, Serena setzt sich
ans Klavier, spielt ein paar Akkorde, Andrea beginnt seine Gitarrenbegleitung
und dann ertönt eine riesige Stimme einer äußerst kleinen Person, die das
Publikum verstummen lässt und sofort begeistert. Mit selbst geschriebenen
poetischen Liedern in italienischer Sprache mit ihrer musikgleichen
Sprachmelodik ziehen die beiden alle Zuhörer in ihren Bann. Serena singt und
agiert auf der Bühne mit einer ungeheuer fesselnden Gestik und Andrea bezaubert
mit seiner brillanten und transparenten Gitarrenbegleitung – einfach wunderbar!
„La ballerina azzurra“ (Die blaue Tänzerin), „Tutto e luce“ (Alles ist Licht)
lauten die ersten Titel. Auch ein Lied in der Sprache ihrer Heimatprovinz
Friaul, Furlanisch, steuern sie bei. „Fasin un cjant“ lautet der Titel des
Liebesliedes. „Non scendo“ (Ich gebe nicht auf) ist ein zartes Lied, das mit
dem Bild auf der Leine trocknender Wäsche arbeitet. Von einem großen Bazar im
mittelasiatischen Usbekistan handelt ein weiteres Lied. Auch eine kleine
Anleihe bei anderen Künstlern ist in Serenas Repertoire: „True Colors Shining“
von Phil Collins, das durch Cindy Lauper bekannt wurde. Ein weiteres Lied in
furlanischer Sprache handelt von politischer Courage. Übersetzt heißt der Titel
„Heiliges Geld“, man kann sich seinen Teil über den Inhalt denken. Andrea
steigt in das Lied mit einem furiosen Intro mit kunstvollen Flageolett-Figuren
ein – grandios! Natürlich geht es bei diesem Konzert nicht ohne Zugabe zuende.
„Una conchiglia“ (eine Seemuschel) lautet der Titel des zarten Liedes, das die Muschel
als ein Auge des Meeres (un occhio di mare) beschreibt.
Bombastischer
Applaus verabschiedet die beiden, denen es offenbar im Folk Club auch recht gut
gefallen hat. Auf Serenas Homepage ist über den Folk Club Abend u.a. zu lesen
(holt euer Urlaubsitalienisch aus der Schublade!): „Incredibile atmosfera:
attentissimi, calorosi, partecipi, cantiamo insieme, si lasciano dirigere, ci
sono dei momenti veramente magici dove la mia musica è chiaramente non più
ma... comincio a capire sempre meglio cosa desidero... il percorso è lungo, ci
vuole tempo per crescere e per farlo bene ancora di più.“ Das nenne ich ein
tolles Kompliment an den Folk Club, aber wir haben das Kompliment an die beiden
doppelt zurück zu geben. Die „wahrhaft magischen Momente“ haben ihren Ursprung
bei den fantastischen Künstlern.
Der erste
Abend im neuen Domizil ging natürlich nicht ohne unseren alten Rausschmeißer
„Jock Stewart“ zuende, den alle kräftig anstimmten.
Auf
Wiedersehen am 1. Juli 2016, diesmal mit Gerd Schinkel und seinen Kanuten
als besondere Gäste. Das Thema des Abends lautet: freche Lieder und
Küchenlieder.
Sonntag, 26. Juni 2016
Detlefs Bilder vom Folk Club Nr. 70 am 3. Juni 2016
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| John Harrison |
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| John diesmal am Klavier |
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| John Harrison und Steve Perry mit der Hymne von Yorkshire |
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| Janero del Rosario |
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| Regine Mertens und Steve Perry |
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| Thomas Neuhalfen, Karin Schüler und Gerald Löhrer |
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| Gerald und Karin entspannt nach dem Auftritt |
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| Andrea Varnier und Serena Finatti |
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| Anke und Jörg Bohnsack |
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| Ulf Below alias Hardin |
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| Sabine Hochstädter und Monica Baron-Kroker |
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| Bernd Wallau |
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| Ellen Jeikner |
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| Ralf Wackers |
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| Ellen und Ralf zusammen mit Hardin |
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| Die Musiker singen zum Abschluss Jock Stewart |
Dienstag, 7. Juni 2016
https://3songsbonn.com/2016/06/06/old-piano-new-venue-bonn-folk-club-70/#more-12209
3SongsBonn came along to the 70th meeting of Folk Club Bonn.
Thanks very much John Hurd
OLD PIANO, NEW VENUE – BONN FOLK CLUB #70
3SongsBonn came along to the 70th meeting of Folk Club Bonn.
Thanks very much John Hurd
Donnerstag, 2. Juni 2016
Detlefs Bericht vom Folk Club Nr. 69 am 6. Mai 2016
Folk Club am 6. Mai 2016 – The first summer’s day
Der Mai-Folk Club bietet sich
naturgemäß für Lieder und sonstig Beiträge mit Bezug zum Wonnemonat an, und die
gab es dann auch. Pflanzen und Tiere lautete das Thema des Abends – eine schöne
Verbindung zum Monat des Wachsens, der sich die Künstler mit großem Behagen
widmeten.
John Harrison, unser Spiritus Rector, startet den Abend mit einem
eigenen Gedicht über den Löwenzahn, der zu dieser Jahreszeit die Wiesen gelb
färbt. Dandelion heißt die Pflanze auf Englisch, und das ist ein Kuriosum. Das
Wort ist eine Verballhornung des französischen „dent de lion“, zu Deutsch Zahn
des Löwen. Auf Französisch wird die Pflanze witzigerweise heute aber ganz
anders genannt, nämlich „pissenlit“, und das verweist unzweideutig auf die
harntreibende Wirkung des Gewächses. Dem Namen zufolge droht ein nasses Bett,
wenn man etwas von der auch als Gemüse genießbaren Pflanze zu sich nimmt. Immer
wieder gern genommen wird Johns Lied von der Ente Zeppelina, die einst Anfang
Mai beliebte, ihr Nest in einen Blumentopf auf dem harrisonschen Balkon
einzurichten. Immerhin elf kleine Entlein sind daraus erwachsen. Ebenfalls
bemerkenswert ist Johns Gedicht über die geheimnisvollen Mauersegler, deren
lautes Gekreisch zur sommerlichen Geräuschkulisse in den Städten gehört. Die
Vögel, die in diesen Tagen aus dem Winterquartier auf der Südhalbkugel zu uns
gekommen sind, sind uns einerseits vertraut, aber über ihr Leben wissen wir
andererseits doch recht wenig. Ihr nahezu ausschließlich im Fluge verbrachtes
Leben entzieht sie uns weitgehend tieferer Einsicht. „Newton’s apple in your
throat“, „perpetual hiphop“, „dicing, slicing through the rooftops“, “antipodal
friends of the hurly-burly“ und „breathtaking bird“ sind einige metaphorische
„catchphrases“ aus Johns bewegtem Gedicht. In Johns Warm-up durfte natürlich
auch ein waschechter Blues nicht fehlen. John und Paolo Pacifico auf der Mundharmonika präsentierten den Stranger
Blues von Sonny Terry und Brownie McGhee, zu dem Paolo ein tolles Harmonikasolo
beisteuerte – großer Applaus für die beiden. Zu guter letzt durfte natürlich
die Hymne auf den Mai nicht fehlen, die Englische versteht sich: „Hail, Hail,
the First of May“, lautet der Titel des Liedes, das sich wie ein uraltes
traditionelles Volkslied anhört, aber in Wirklichkeit eine recht junge
Schöpfung ist. Dave Webber hat dieses hübsche Lied komponiert und musste bei
einer Veranstaltung, auf der er mit diesem Lied auftrat, feststellen, dass man
ihm vorwarf, sich mit fremden Lorbeeren zu schmücken. So kann ein wirklich
tolles Kompliment für ein gelungenes Lied auch aussehen.
Zwar sind Gedichte Dieter Farings Spezialität, diesmal
animierte er aber das dankbare Publikum zunächst zum Frühlings-Kanon „Es tönen
die Lieder“ mit ihm zu singen. Die nachfolgenden Gedichte nahmen ebenfalls den
Frühling oder die Tier- und Pflanzenwelt thematisch aufs Korn: Rilkes „Der
Panther“ machte den Anfang. Er setzte den Reigen fort mit einem Gedicht mit dem
Titel „Rosenlied“. Aus eigener Feder stammen das Gedicht über die Meise und
„Was ist das Schöne am April?“ Sehr vergnüglich und wunderbar vorgetragen von
Dieter.
Unser musikalischer
Chefkoordinator Steven Perry stieg
dann selbst in den Ring und gab seiner Freude über den just am selben Tage
eingegangenen Bund der Ehe Ausdruck: Er sang für seine frisch angetraute Frau
Regine das unsterbliche Lied „Dream“ von den famosen Everly Brothers. Hin und
wieder überwältigte ihn die Freude, und die Stimme kam etwas ins Stocken, aber
das Publikum half tatkräftig aus. So wurde es ein wunderbares Ständchen für die
Angebetete. Von hier aus auch ein herzlicher Glückwunsch an beide.
Dennis Ledermann, die Entdeckung aus dem Februar, präsentierte ein
neues Lied, diesmal ein Rap in deutscher Sprache – hatte Dennis sich meinen
seinerzeitigen Kommentar zu Herzen genommen? „Ein Träumer“ lautet der Titel.
„Weck mich nicht auf“ bittet der Titelheld, aber Dennis schien hellwach zu
sein. Dennis war zwar nur mit dem einen Lied angetreten, aber das Publikum ließ
ihn nicht ohne Zugabe von der Bühne. So gab es erneut das Lied „The Old Me“,
das bereits im Februar zu hören war, mit schönen Wechseln zwischen gezupften
und geschlagenen Gitarrenpassagen.
Im von Gitarren dominierten Folk
Club ist eine instrumentale Abwechslung immer willkommen und die bot die Gruppe
„Petits Experiments“ mit
verschiedenen großen und kleinen Blasinstrumenten. GW Spiller, der immer wieder mal mit Gitarrenbass, mal mit Tuba im
Folk Club auftritt, wählte diesmal das Große, 1835 patentierte Blasinstrument.
Wir durften bei dieser Gelegenheit lernen, dass im selben Jahr zwei andere
technische Meisterleistungen das Licht der Welt erblickten, nämlich die erste
Eisenbahnstrecke in Deutschland und der Trommelrevolver, der Colt. Zurück zur
Musik: Die etwas kleiner Version dieser Basstrompete spielte Achim Friker. Justus Gatz präsentierte die Posaune, und zu diesem versammelten
Blech (natürlich aus schönem, polierten Messing) gesellte sich Mary Krah mit ihrer Querflöte, die ja
bekanntlich zu den Holzblasinstrumenten gehört, obwohl sich heute an ihr kein
Stückchen Holz mehr befindet. „Sonic Boom“ lautete Der Titel des ersten Stücks,
mit dem sich die Truppe warm spielte. „Baby Elephant Walk“ ist ein Stück von
Henry Mancini, dessen anrührendes Lied „Moon River“ aus dem Film „Frühstück bei
Tiffany“ schon mehrmals im Folk Club zu hören war. Der Spaziergang kleiner
Elefanten feierte diesmal allerdings Premiere. Das Stück ist ebenso wie „Moon
River“ Filmmusik, die im Film Hatari mit John Wayne und Hardy Krüger zu hören
ist, diesmal toll interpretiert von den „Kleinen Experimenten“. Zu guter Letzt
ließen die Drei die instrumentale Version von Ben E. Kings Lied „Stand By Me“
hören – wunderbar!
Mit unserem ersten „Featured
Artist“ Richard De Bastion kommt kein
Unbekannter in den Folk Club. Richard stammt aus England, lebt aber mit
Unterbrechungen seit 40 Jahren in Berlin und glänzt mit einem reichen
Repertoire an musikalischen Eigenkreationen. Er war bereits vor Jahren im Folk
Club aufgetreten und bekam diesmal mehr Raum für seine Stücke. Richard mag vielen
nicht selbst bekannt sein. Er ist aber im Hintergrund auf der musikalischen
Weltbühne aktiv und hat bereits mit vielen Pop-Größen zusammengearbeitet,
darunter John Bonham von Led Zeppelin, Jim Capaldi, Sally Oldfield und Peter
Maffay. Eine von Richards Besonderheiten ist, dass er als Linkshänder mit einer
für Rechtshänder bespannten Gitarre spielt. Dadurch wirkt sein Gitarrenspiel
optisch etwas merkwürdig, aber man stellt erst fest, warum das so ist, wenn man
die Saitenfolge auf dem Instrument betrachtet. Diese De Bastionsche Spezialität
hat den Vorteil, dass Richard sich bei einem Malheur mit seinem Instrument
locker eine Ersatzgitarre von den Kollegen ausborgen kann. Die kuriose
Gitarrenkonstruktion tut aber der Qualität von Richards Spiel keinen Abbruch.
Im Gegenteil, mit tollen Riffs und glasklarem und brillantem Fingerpicking und
variantenreichem Spiel begleitet er seine eigenen Lieder. „The Cuckoo Song“
handelt metaphorisch von den Kindern, die ihr Elternhaus nicht verlassen
wollen. „A Basket of Flowers“ ist ein Lied in bester Countrymanier im
Dreivierteltakt. Bei „Pussycat Paws“ gibt es Gesang, der lautmalerisch
Katzen-Miaue imitiert. Es geht um das Überleben in einer feindlichen Welt. Im
zweiten Teil seines Beitrags zeigte Richard, dass er auch das Klavier
beherrscht. „Falling Into Place“ wurde durch den Gang durch die Kathedrale von
Coventry inspiriert. In der Kathedrale werden die Fenster, die sieben Stationen
des Lebens symbolisieren, erst nach und nach beim Durchqueren des Gebäudes
sichtbar. „Did you succeed or did you blunder?“ fragt der Text. „Book of
Memories“ ist ein Lied über das Erwachsenwerden. Mit „Thank You“ spricht er
alle an „If this is a dream, you made it come true“ lautet eine Zeile, mit der
Richard sich bei seinem Gegenüber (ist es das Folk Club Publikum?) bedankt. Wir
haben zu danken, und das Publikum tut es mit einem langen Applaus für die
wunderbaren Lieder.
Immer wieder großen Beifall
bekommt Lothar Prünte aus Köln,
alias ELPI, für seine musikalischen
Beiträge. Mit der Auswahl seiner Stücke hatte Lothar sich ganz auf die Thematik
des Abends eingestellt. „As Wise As a Serpent“ von Gerry Rafferty, „Kiss From a Rose“ von Seal und „Crocodile Rock“
von Elton John waren seine Antworten auf die Forderung nach Pflanzen und
Tieren. Lothars spektakuläre Stimme und sein sicheres Gitarrenspiel sind
Garanten für tolle Unterhaltung, und die gab es auch diesmal. Dafür bekam
Lothar viel Applaus.
Laurence O’Toole, ein Engländer mit irischen Wurzeln, ist ebenfalls
nicht das erste Mal im Folk Club. Wir durften ihn bereits im Oktober 2014
begrüßen. Seine Lieder mit geheimnisvollen Texten über Zauberwesen und Geister
passten extrem gut zum Thema des Tages: „Song of the Tree Spirits“ beschwört
die Kraft die den Bäumen innewohnt. „Swan Song“ beschreibt die Schönheit der
Schwäne und in „Wonderland“ geht es um Feen. Laurence stattet seine
spirituellen Lieder mit hintergründigen
Melodien aus, die die Texte wirkungsvoll unterstreichen.
Ebenfalls aus England kam unser
zweiter Featured Artist Tom Cobson,
der eigene Lieder mit sehr persönlichen Texten präsentierte. „Lessons“
beschreibt die Reise mit „jemandem“. Toms unglaublich variable Stimme und sein
facettenreiche Gitarrenspiel machten seine Lieder zu einem Erlebnis. Das er
zuviel getrunken hatte, verarbeitete er im Lied „Empty Can“. Seine Freundin
verließ ihn deswegen. „I can be a liar, I can be a crier or simply a fool“
lautete eine Zeile. Beim Lied „Never Alone“ bearbeitete Tom seine Gitarre wie
ein Percussionsinstrument mit einem Trommelschlegel. Zusätzlich zu seinen
eigenen Schöpfungen präsentierte er „Word Up“ von Cameo, vielen im Raum
vielleicht weniger bekannt. Zurück zu den eigenen Kreationen waren Ein weitere
Lied titelte „Hurricane Head“,über das
Fehlermachen und sich daran erfreuen. „Screams Over Civilised Streets“
beschrieb eine Beziehung, die nur online funktionierte. Sobald er seine
Angebetete im fernen Sydney besuchte, wollte sie ihn nicht sehen – ist das
nicht erschütternd? Im Lied „Homeless“ sang Tom über heimatlose Männer. Tom
bekannte, dass er ein Faible für heimatlose Männer habe, weil sie gesellig
seien. Bei diesem Lied durfte auch das Publikum einmal ran, das bei diesem Folk
Club bislang etwas stiefmütterlich behandelt worden war. „Rainbow Coming“
lautete der Refrain, der dankbar vom Publikum aufgegriffen wurde. Im Lied
„Brave Man“ ließ Tom zu guter Letzt noch einmal sein stimmliches Können bei
geschmeidigen Registerwechseln unter
Beweis. Euer Chronist muss aber gestehen, dass ihn die Melodie sehr stark an
„Breakfast at Tiffany’s“ von Deep Blue Something erinnerte“. Honi Soi Qui Mal Y
Pense. Die kleine Anleihe tat aber dem Vergnügen keinerlei Abbruch. Tom bekam
frenetischen Applaus, und das zu Recht für ein tolles Repertoire eigener Lieder
mit sehr ehrlichem, persönlichem Bezug, die er mit variantenreichen Melodien
ausgestattet hatte und natürlich für seinen hörenswerten Vortrag mit
glasklarer, voluminöser und intonationssicherer Stimme, die dank seines
gekonnten Registerwechsels einen enormen Tonumfang präsentierte. Wir wünschen
Tom für seine musikalische Karriere viel Erfolg. Die zahlreichen Engagements
lassen hoffen.
Der Abend ging natürlich nicht
zuende, ohne dass unser alter Rausschmeißer „Jock Stewart“ uns einen Besuch
abstattete. Alle sangen natürlich
wieder begeistert mit und hoffen auf einen fantastischen Folk Club Nr.
70 (Leute, lasst es euch auf der Zunge zergehen: Siebzig!) am 3. Juni 2016,
diesmal in der neuen Umgebung von Sträters Sports Bar in den Räumen des Bonner
Hockey- und Tennis-Vereins (BHTV) in Bonn Dottendorf. Wir erwarten als Featured
Artists Andrea Varnier (Gitarre) und
Serena Finatti (Gesang) aus Italien.
Wir hoffen, dass auch viele der
alten Gefolgsleute aus Graurheindorf den Weg dorthin finden. Immerhin ist das
neue und vielleicht dauerhaft künftige Lokal gut über die Stadtbahnlinien 16,
63 und 66 (Haltestelle Ollenhauerstr.) zu erreichen. Parkplätze für die
motorisierte Gefolgschaft sind vorhanden, und per Fahrrad geht es immer an der
Eisenbahn entlang bis zur Ollenhauerstraße.
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